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Radikale Jugendliche

  • Hansgeorg Kind

Zusammenfassung

Was soll sich der Leser unter „radikalen Jugendlichen“ vorstellen? Sieht man einmal von den Schwierigkeiten ab, die sich hinter der geläufigen umgangssprachlichen Verwendung des Ausdrucks „Jugend“ als „Altersstufe zwischen Kindheit und Erwachsensein“1 verbergen und definiert den Ausdruck „Jugendliche“ pragmatisch als „Personen im Alter zwischen 15 bis 35 Jahren“2 bleibt die keineswegs leichtere Aufgabe, die Bedeutung des Ausdrucks „radikal“ zu klären.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vergleiche hierzu Herrmann, Was heißt „Jugend“, in „Der Bürger im Staat”, 1982, S. 219ff.; im allgemeinen: Gillis, Geschichte der Jugend, 1980, mit einer Fülle sozialökonomischer und demographischer Daten zur Entwicklung der „Jugend“ in Westeuropa während der letzten 200 Jahre und zur Ideologie verschiedener „Jugend”-KonstrukteGoogle Scholar
  2. 3.
    Siehe Stichworte „Extremistisch“ und „Radikal” im „Großen Duden“ (1976, 1980)Google Scholar
  3. 4.
    Vergleiche Vorwort zu dem vom Bundesministeirum des Innern herausgegebenen Verfassungsschutzbericht 1974; zur Definition der „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ wird Bezug genommen auf die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in Band 2, 12f. und Band 5, 140 der amtlichen EntscheidungssammlungGoogle Scholar
  4. 6.
    So Kaase, Einleitung zu Infratest, Politischer Protest in der Bundesrepublik Deutschland, 1980, S. 26ff.; ausführlicher: Infratest, Politischer Protest in der sozialwissenschaftlichen Literatur, 1978Google Scholar
  5. 7.
    Etwa unter dem Aspekt der „social desirability“, vergleiche Kriz, Methodenkritik empirischer Sozialforschung, 1981,S. 69 und divergierender normativer VorstellungenGoogle Scholar
  6. 8.
    Je nach angewandten Kriterien differieren quantitative Angaben erheblich: Infratest (Befragung: 1976, Alter: 16 bis 50) gibt das „linke Protestpotential“ (operationalisiert durch eine Guttman-Skala „unkonventionellen politischen Verhaltens” und Selbsteinschätzung auf einem Rechts-Links-Kontinuum) mit 4,4% der Stichprobe an, wobei der Prozentanteil bei Jugendlichen höher liegen müßte; Schmidtchen (s. Anmerkung 11; Umfrage: 1980, Alter: 16 bis 35) ermittelt durch Fragen nach der Einstellung zu illegalen politischen Verhaltensweisen (einschließlich Gewaltanwendung) im „Normal-“ und „Eskalationsfalle” (mit Hilfe einer Mokken-Skala) 18% bzw. 37% Befürworter (Gewalt: 5% bzw. 13%), wobei diese Bereitschaft auf der linken Seite des Kontinuums deutlich stärker ausgeprägt ist; der Sinus-Bericht (s. Anmerkung 27; Umfrage: 1982, Alter: 15 bis 30) mit Fragen zur Ansicht über „wirkungsvolle“ Möglichkeiten politischer Einflußnahme gibt an z. B. für Teilnahme an gewaltsamen Aktionen 3% (Anhänger der Alternativbewegung 5%), für „Häuser, Fabriken besetzen” 15% („Alternative“: 26%).Google Scholar
  7. 9.
    Bundestagsdrucksache 9/2390 (Zwischenbericht: Drucksache 9/1607); der Vorgabe des Veranstalters, sich zu „linksradikalen Jugendlichen“ zu äußern, glaubt Verfasser implizite dadurch gerecht zu werden, daß der Jugendprotest tendenziell mit „linken” Einstellungen einhergeht.Google Scholar
  8. 10.
    Vergleiche hierzu neben der Darstellung in Drucksache 9/2390, S. 8f., beispielsweise Brand, Büsser, Rucht, Aufbruch in eine andere Gesellschaft, 1983, insbesondere S. 85ff. u. 154ff.; Haller (Hrsg.), Aussteigen oder Rebellieren, 1981; Bundesministerium für Jugend, Familie, Gesundheit, Jugend in der Bundesrepublik heute — Aufbruch oder Verweigerung, 1981; Müller-Mönch u. a., Besetzung, 1981Google Scholar
  9. 11.
    Schmidtchen, Jugend und Staat, in Band 4/1 der Analysen zum Terrorismus „Gewalt und Legitimität“, 1983, sowie Anhörung durch die Enquete-Kommission „Jugendprotest”, in Jugendprotest im demokratischen Staat, Bd. 196 der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, S. 283ff. (im Text durch (A) als Quelle gekennzeichnet)Google Scholar
  10. 14.
    Terminologisch und (situationsbedingt?) inhaltlich teilweise abweichend bei AnhörungGoogle Scholar
  11. 16.
    Schmidtchen übt allerdings Kritik an der von Kaase verwandten Skala (s. Anmerkung 8), a.a.O., S. 203f. und 321ff.Google Scholar
  12. 17.
    Kritisch zur Anwendbarkeit von Kausalanalysen in der Sozialwissenschaft: Mans, Soziologische Kausalanalyse, in Analyse u. Kritik, 1983, S. 254ff.; ihre Unmöglichkeit aus logischen Gründen behauptet Hoppe, Kritik der kausalwissenschaftlichen Sozialforschung, 1983Google Scholar
  13. 20.
    Auch Kaase hält es für verfehlt, angesichts der verschiedenen Formen manifesten zeitgenössischen Protestverhaltens von einem jugendspezifischen Problem auszugehen, obwohl „empirisch auch heute noch das Schwergewicht der Bereitschaft, sich bei nichtinstitutionalisierten direkten Formen der politischen Beteiligung zu engagieren, bei dem jungen und überdurchschnittlich gebildeten Teil der Bevölkerung“ liegt (Enquete-Kommission, a.a.O., S. 276)Google Scholar
  14. 21.
    Ausprägung solcher dauerhaften Wertorientierungen während der Kindheit und Jugend, hinsichtlich der damals Mangellagen bestanden haben (hier speziell Defizite („postmaterieller Werte“) wie soziale Anerkennung, Selbstverwirklichung, politische Partizipation bei der Nachkriegsgeneration, (vergleiche u.a. Inglehart, The Silent Revolution, 1977; Wertwandel in der westlichen Gesellschaft, in Klages/Kmieciak, Wertwandel und gesellschaftlicher Wandel, 1979, S. 279ff.)Google Scholar
  15. 25.
    Kaase spricht etwa davon, „daß ein individuelles Gefühl der Deprivation nur durch einen komplizierten Prozeß der Definition solcher Deprivationen durch Gruppenzugehörigkeiten im Sinne einer kollektiven Deprivation zustande kommen kann“, S. 34f.Google Scholar
  16. 27.
    In Baethge u. a., Jugend und Krise — Krise aktueller Jugendforschung, 1983, S. 55ff.; dort findet sich auch eine kritische Auseinandersetzung mit der These vom Zerfall des traditionellen Wertesystems (d. „bürgerlicher Werte“) und deren Ersetzung durch eine „privatistisch-hedonistische Haltung”; differenzierend und wohl auch distanzierend ferner Hondrich in Hondrich, Vollmer (Hrsg.), Bedürfnisse im Wandel, 1983, S. 84ff., sowie die Autoren des Sinus-Berichts, Die verunsicherte Generation, 1983, S. 26ff.Google Scholar
  17. 29.
    Vergleiche hierzu z. B. Sinus-Bericht, S. 73ff., Baethge u. a. sowie Braun, Von den Angepaßten zu den Aussteigern, in „Der Bürger im Staat“, 1982, S. 225ff.Google Scholar
  18. 30.
    In diesem Zusammenhang wären als Stichworte u. a. „Post-Adoleszenz“ (vergleiche hierzu Zinnecker in „Jugend — 81” (Schell), S. 100ff;. kritisch dazu Baethge, a.a O., S. 186ff. und Sinus-Bericht, S. 96f.) und „Alterssegegration“ (vergleiche hierzu Allerbek, Ein Generationenkonflikt?, in „Der Bürger im Staat”, 1982, S. 239ff.; Eckert, Jugendprotest in der Parteiendemokratie, in „Der Bürger im Staat“, 1982, S. 250f.; Arzberger, Stabilität und Wandel im Verhältnis zwischen den Generationen, in Hondrich (s. Anm. 27), S. 101ff.Google Scholar
  19. 31.
    Z. B. Ziehe, Pubertät und Narzißmus, 1975, Ziehe/Stubenrauch, Plädoyer für ungewöhnliches Lernen, 1982Google Scholar
  20. 32.
    Ziehe, Gegen eine soziologische Verkürzung der Diskussion um den neuen Sozialisa- tionstyp, in Häsing u. a. (Hrsg.), Ein neuer Sozialisationstypus?, 3. A. 1980, S. 124Google Scholar
  21. 34.
    Vergleiche etwa Opp, Methodologie der Sozialwissenschaften, 2. A., 1976, S. 124ff.; Friedrichs, Methoden empirischer Sozialforschung, 1976, S. 60ff.; s. a. Stegmüller, Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie, z. A. 1983, Bd. 1, S. 414ff. (zur Methode des Verstehens); kritisch zum Ansatz von Ziehe: Griese, a.a.O, S. 186ff. und Baethge, a.a.O., S. 150ff.; bei seiner Anhörung durch die Enquete-Kommission (a.a.O., S. 296ff.) hat Ziehe ohne Bezugnahme auf den „Neuen Sozialisationstyp“ vor allem „kulturkritisch” argumentiertGoogle Scholar
  22. 38.
    Dies gilt zumal für die „Erklärungsskizze“ von Brand, Büsser, Rucct (a.a.O., 1. Kap.) unter dem Titel „Krise der modernen Zivilisation.”Google Scholar
  23. 39.
    Die übersichtsförmig vorgestellten, in ihrer Erklärungskraft durchaus unterschiedlichen Ansätze sollten dies exemplarisch aufzeigen. Zu den Anforderungen an eine durch politisch-publizistische Konjunktionen nicht negativ beeinflußte Jugend-Soziologie vergleiche Griese, a.a.O., S. 207ff.Google Scholar
  24. 42.
    Nicht selten geht der (untaugliche) Versuch, Interessenpositionen (scheinbar) wissenschaftlich zu untermauern, bei entgegengesetzten Standpunkten mit dem wechselseitig erhobenen Vorwurf einher, die jeweils andere Theorie sei unwissenschaftlich und ihre ideologisch bedingte Verzeichnung der jeweiligen gesellschaftlichen Wirklichkeit bzw. ihre Utopien seien ursächlich für falsches subjektives Bewußtsein — sei es der politisch aktiven, sei es der politisch nicht aktiven Gesellschaftsmitglieder. Zum Problem der Anwendung sozialwissenschaftlicher Methoden und einer (rationalen) interessegeleiteten Theorienwahl in den Sozialwissenschaften vergleiche Baurmann, Leist, Mans, Zum Programm einer kritischen Sozialwissenschaft — Empirie und Theorie, in Analyse u. Kritik 1979, S. 1ff.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Hansgeorg Kind

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