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Hinführung der Jugend zu politischer Verantwortung und politischem Engagement — ein Vermittlungsproblem im demokratischen Staat

  • Bernhard Claußen
Chapter

Zusammenfassung

Die Ausübung politischer Verantwortung und politischen Engagements gehört zu den Bestandteilen der Handlungsfähigkeit von Persönlichkeiten, die als soziale Wesen aktiv an der Ausgestaltung der Ordnung menschlicher Lebenswelten sich beteiligen. Demokratie ist ohne sie nicht existent. Obwohl vom individuellen Ausstattungsgefüge dafür begabt, kommt niemand mit dieser Fähigkeit auf die Welt. Sie will in eigentümlichen Lernprozessen erworben sein, und weil diese sich nicht automatisch-naturwüchsig einstellen, bedürfen insbesondere Heranwachsende einer Hilfestellung. Eine Hinführung der Jugend zu politischer Verantwortung und politischem Engagement ist übergangsweise notwendig und wird erst mit der Einlösung ihrer Absicht überflüssig, vor der sie stets zu rechtfertigen ist. Sie ist Element im Sozialisationsprozeß und muß unter Ausschöpfung fördernder Bedingungen gegen mancherlei Widerstände durchgesetzt werden, die der sozialen Umgebung angehören. Mit dem Eintreten für eine solche Hinführung wird eine Wertprämisse bekundet — freilich nicht im idealistischen Sinne einer abstrakten Sollensvorstellung, sondern im Bewußtsein ihrer Eingebundenheit in einen Zusammenhang sozialer Begebenheiten, innerhalb derer Entscheidungen auf interessengebundenen Wertungen beruhen. Das gilt erst recht für die inhaltliche Konkretisierung dessen, was mit politischer Verantwortung und politischem Engagement gemeint sein soll. Begründete Parteinahme im Rahmen einer materialistischen Problembetrachtung ist darum angezeigt.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Theodor W. Adorno, Erziehung zur Mündigkeit, 7. Aufl. Frankfurt/M. 1981, S. 107.Google Scholar
  2. 2.
    Dazu: Michael Kleff, Auswahlbibliographie, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Jugendprotest im demokratischen Staat. Bericht und Arbeitsmaterialien der Enquetekommission des Deutschen Bundestages, Bonn 1983, S. 465–476.Google Scholar
  3. 3.
    Illustrativ: Helmut Dieckmann/Benno Hafeneger, Die,Wende` in der Jugendpolitik. Zum gellschaftlichen Umgang mit Jugendlichen am Beispiel Jugendarbeit, in: Neue Praxis 13 (1983), S. 375–390, und Wolfgang Behr, Jugend in der Bundesrepublik — Herausforderung für Demokratie und Staat, in: Politische Bildung 16 (1983), 2, S. 20–35.Google Scholar
  4. 4.
    Zu den Konturen des Streites und den Positionen der Widersacher vgl. Wolfgang Hilligen, Kontrovers dokumentiert: Jugendprotest, in: Gegenwartskunde 31 (1982), S. 363–375.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Helmut Fogt, Politische Generationen. Empirische Bedeutung und theoretisches Modell, Opladen 1982, S. 109ff.Google Scholar
  6. 6.
    Siehe Wolfgang Behr, Jugendkrise und Jugendprotest, Stuttgart 1982. Außerdem: Martin Baethge u. a., Jugend und Krise — Krise aktueller Jugendforschung, Frankfurt/M. u. New York 1983.Google Scholar
  7. 7.
    Im einzelnen vgl. Ulf Preuß-Lausitz u. a., Kriegskinder — Konsumkinder — Krisenkinder. Zur Sozialisationsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, Weinheim und Basel 1983.Google Scholar
  8. 8.
    Ausführlicher: Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, 15. Aufl. Darmstadt u. Neuwied 1980.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Andreas Buro, Zwischen sozial-liberalem Zerfall und konservativer Herrschaft. Zur Situation der Friedens-und Protestbewegung in dieser Zeit, Offenbach 1982.Google Scholar
  10. 10.
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  11. 11.
    Siehe auch Claus Offe, Strukturprobleme des kapitalistischen Staates. Aufsätze zur Politischen Soziologie, 5. Aufl. Frankfurt/M. 1980.Google Scholar
  12. 12.
    Weiterführend: Hartmut Castner/Thilo Castner, Jugendliche zwischen Überfluß und Mangel, in: aus politik und zeitgeschichte 29 (1980), 21, S. 3–21.Google Scholar
  13. 13.
    Einschlägige Befunde und Erklärungen bei Bernhard Claußen/Klaus Wasmund (Hrsg.), Handbuch der politischen Sozialisation, Braunschweig 1982.Google Scholar
  14. 14.
    In diesem Sinne stimmen die Befunde von Gerda Lederer, Jugend und Autorität. Über den Einstellungswandel zum Autoritarismus in der Bundesrepublik Deutschland und den USA, Opladen 1983.Google Scholar
  15. 15.
    Detailfreudiger berichtet Peter Büchner, Vom Befehlen und Gehorchen zum Verhandeln. Entwicklungstendenzen von Verhaltensstandards und Umgangsnormen seit 1945, in: Preuß-Lausitz u. a., a.a.O., S. 196–212.Google Scholar
  16. 16.
    Genauere Kennzeichnungen und Begründungen bietet Hans Georg Trescher, Anpassung an den autoritären Charakter? In: Helga Häsing u. a. (Hrsg.), Narziß. Ein neuer Sozialisationstypus? 4. Aufl. Bensheim 1981, S. 87–99.Google Scholar
  17. 17.
    Zur Breite des Spektrums und zu den ungefähren Verteilungen vgl. die entsprechenden Beiträge in Klaus Wasmund (Hrsg.), Jugendliche — Neue Bewußtseinsformen und politische Verhaltensweisen, Stuttgart 1982.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Claus Richter (Hrsg.), Die überflüssige Generation. Jugend zwischen Apathie und Aggression, Königstein 1979, und Hermann Glaser, Jugend zwischen Aggression und Apathie. Diagnose der Terrorismus-Diskussion, Heidelberg u. Karlsruhe 1980.Google Scholar
  19. 19.
    As demonstrieren exemplarisch Gerd Koch u. a. (Hrsg.), Erfahrungen — Sozialisten bearbeiten ihre politische Sozialisation, Offenbach 1980. Bezüglich der einzelnen Phänotypen und ihres Hintergrunds vgl. überdies: Bernhard Claußen, Psycho-politische Aspekte des Jugendalters: Adoleszenzkrise und Identitätssuche, in: Wasmund, a.a.O., S. 28–51; Bundesministerium des Innern (Hrsg.), Analysen zum Terrorismus, Bd. 1 ff., Opladen 1981 ff.; Hans-Hartmut Kappner, Adornos Reflexionen über den Zerfall des bürgerlichen Individuums, in: Heinz-Ludwig Arnold (Hrsg.), Theodor W. Adorno, 2. Aufl. München 1983, S. 44–63; Bundeszentrale, a.a.O., S. 13ff.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. Michael Th. Greven, Vom Wohlfahrtsstaat zum autoritären Staat der reinen Politik? In: PVS-Literatur 23 (1982), S. 143–152.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. Ronald Inglehart, Traditionelle politische Trennungslinien und die Entwicklung der neuen Politik in westlichen Gesellschaften, in: Politische Vierteljahresschrift 24 (1983), S. 139–165.Google Scholar
  22. 22.
    Das zeigt auch Gerhard Schulze, Jugend und politischer Wandel. Zur gesellschaftlichen Bedeutung politischen Lernens, München 1976.Google Scholar
  23. 23.
    Aufmerksam gemacht auf die Dilemmata des Versäumnisses historischer Spezifizierung von politischen Kategorien hat exemplarisch Axel Schulte, Demokratisierung. Interpretation des Begriffs in der politischen Bildung und geschichtliche Spezifizierung, Frankfurt/M. und New York 1979.Google Scholar
  24. 24.
    Ergänzend siehe Bernhard Claußen, Toleranz — Verantwortung — Zivilcourage: Aufgaben politischer Bildung. Zu einigen fachdidaktischen Versäumnissen und Perspektiven zur Aufarbeitung, in: ibw-Journal 18 (1980), S. 84–89.Google Scholar
  25. 25.
    Was bei Rolf Schörken (Hrsg.), Politische Integration der Jugend, Stuttgart 1983, durch einen irreführenden Titel unbeabsichtigt suggeriert wird, gerät bei Joachim Bories, Plädoyer für Systemstabilisierendes, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Politische Bildung mit Jugendlichen. Beiträge einer Fachtagung, Bonn 1983, S. 117–124, bereits zur Programmatik.Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. dazu Volker Briese u.a. (Hrsg.), Entpolitiserung der Politikdidaktik? Politische Bildung zwischen Reform und Gegenreform, Weinheim und Basel 1981.Google Scholar
  27. 27.
    Bemerkungen dazu macht Angela Hildebrandt, Emanzipatorische Bildung, in: Bundeszentrale, Politische Bildung, a.a.O., S. 125–133.Google Scholar
  28. 28.
    Alfons Söllner, Angst und Politik. Zur Aktualität Adornos im Spannungsfeld von Politikwissenschaft und Sozialpsychologie, in: Ludwig von Friedeburg/Jürgen Habermas (Hrsg.), Adorno-Konferenz 1983, Frankfurt/M. 1983, S. 338–349, hier S. 348.Google Scholar

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© Leske Verlag + Budrich GmbH, Leverkusen 1985

Authors and Affiliations

  • Bernhard Claußen

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