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Sprachregionale Segmentierung und Integration: politische Berichterstattung am Schweizer Radio

  • Ruth Hungerbühler
Part of the Mediensymposium Luzern book series (MESY, volume 7)

Zusammenfassung

Es gehört zum öffentlichen politischen Diskurs in der Schweiz, dass der Frage des Zusammenhalts der verschiedenensprachigen Landesteiles1 ein großes Gewicht beigemessen wird. Kaum eine das ganze Land betreffende Frage wird ohne den Blick auf die verschiedenen Sprachregionen diskutiert. 2 Die „nationale Kohäsion“, wie sie meist genannt wird resp. der Zusammenhalt der deutsch-, französisch-, italienisch- und romanischsprachigen Landesteile scheint nach dieser Vorstellung konstitutiv für das Bestehen der vielsprachigen Schweiz zu sein. Man spricht von „gesamtschweizerischer Sicht“ oder „gesamtschweizerischen Belangen“, womit darauf verwiesen wird, dass die verschiedensprachigen Landesteile verschiedene Sichtweisen, Interessen, Handlungsorientierungen hätten. Es gibt auch das Bonmot, das aus dem Mund eines französischsprachigen ehemaligen Bundesrat stammen soll und besagt, dass die Schweizer sich deshalb so gut vertragen, weil sie sich nicht verstehen. In der Tat sind die Sprachkenntnisse der Bewohner der viersprachigen Schweiz beschränkt. Kriesi et. al. (1996) gehen davon aus, dass der Dialog zwischen den Angehörigen der verschiedenen Sprachregionen nicht stattfindet, da eine Mehrheit von Dreivierteln aller Einwohner nur einer Sprache mächtig ist. Ca. ein Drittel aller Deutschschweizer sei des Französischen mächtig, ca. ein Viertel der Französischsprechen- den des Deutschen.3 Die größte Fremdsprachenkompetenz und die höchste Anpassungsbereitschaft haben die Rätoromanen und die Einwohner der italienischen Schweiz (Kreis, 1993: 105). Die große Mehrheit der Bevölkerung informiert sich über die Massenmedien ihrer Muttersprache: diejenigen der eigenen Sprachregion resp. ihrer sprachlichen Nachbarländer. Medien der anderen Sprachregionen werden nur sehr spärlich benützt.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Ruth Hungerbühler

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