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Alltag und Medien durchdringen sich. Eine Einleitung

  • Ben Bachmair

Zusammenfassung

Am Samstag abend läuft „Rain Man“ in RTL2, ein ehrenwerter Versuch, Qualität ins Serien- und Boulevard-Einerlei zu bringen. Damit die Zuschauer das Prunkstück und Zugpferd eines teuren Programmpaktes auch einschalten, hat der Sender Zeitungsinserate und sogar einen Mini-Werbespot auf dem „Infoscreen“, einer großen Projektionsfläche, im U-Bahnhof gebucht.1 Dustin Hofmann spielt den autistisch Gestörten, der emotional den Alltag nicht bewältigt, weil ihn Alternativen und Gefühle überrollen, Entscheidungen ihn bis zur Panik ängstigen. Der bislang unbekannte Bruder, Tom Cruise, holt ihn aus dem Sanatorium und zwingt ihn in seine geschwätzige Welt der Händler und Banker, in der ständig geredet und agiert wird. Der altmodische und der superaktive, aktuelle Typ von Autismus stehen einander gegenüber.

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Literatur

  1. 1.
    Rain Man“ war Teil eines von RTL2 gekauften Programmpaketes im Wert von 150 Millionen DM. Sendung am 25. März 1995 mit 3,4 Millionen Zuschauern, was 11,7% Marktanteilen bei den Zuschauern entsprach. Im Durchschnitt erreichte RTL2 im März 1995 jedoch nur 5% Zuschauer-Marktanteile. Quelle: Interview mit dem RTL2-Geschäftführer, Süddeutsche Zeitung, 4.4.1995, S. 12.Google Scholar
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    Der sog. “Nutzen-Ansatz” wurde formuliert von Jay G. Blumler, Elihu Katz (1974), Jay G. Blumler (1980), Karsten Renckstorf (1973).Google Scholar
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    Vgl. Kunczik (1988), der die Theorien zur “Erklärung der Wechselbeziehung zwischen Kultur und Medien” zusammenfaßt (S. 6ff.): (a) “Reflexionsthese”: “in einer bestimmten Gesellschaft [schlagen sich] die dominanten Wertvorstellungen oder Leitmotive in den Medieninhalten bzw. den kulturellen Produkten” nieder (S. 6). (b) Die Gegenthese, die Kontrollthese (S. 7): “massenmediale Inhalte [prägen] kulturelle Trends”. Demnach würde durch “violente Medieninhalte” eine “gewalttätige Gesellschaft geformt”. (c) “Die These der sozialen Kontrolle besagt, daß die massenmedialen Produkte einen Beitrag zur Systemstabilisierung liefern”, so z.B. die Kritische Theorie (S. 7).Google Scholar
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    Carey ( 1988, S. 19f.) meint, die amerikanische Kommunikationswissenschaft habe keinen Blick für Kommunikationsrituale, was Folge der distanzlosen Fixierung auf individuelles Leben als die eigentliche Wirklichkeit (“paramount reality”), auf puritanische Praxis-und Handlungsorientierung und das Fehlen eines Kulturkonzepts ist, das auch Elemente allgemeiner Gültigkeit einschließt.Google Scholar
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    Die verschiedenen Facetten von Alltag lassen sich als Gegensätze folgendermaßen ordnen (Hahn 1991, S. 342): (+) Alltag/Festtag, Feiertag; (+) Routine/außergewöhnliche, nicht-routinisierte Gesellschaftsbereiche; (+) Arbeitstag, besonders der Arbeiter/bürgerliche Lebensbereiche, der Menschen, die im Luxus, also eigentlich ohne zu arbeiten, leben; (+) Leben der Masse der Völker/Leben der Hochgestellten und Mächtigen; (+) Ergebnisbereich des täglichen Lebens/’große’ Ereignisse, Haupt-und Staatsaktionen; (+) Privatleben (Familie, Liebe, Kinder)/öffentliches oder berufliches Leben; (+) Sphäre des natürlichen, spontanen, unreflektierten, wahren Erlebens und Denkens/Sphäre des reflektierten, künstlichen, unspontanen, besonders auch des wissenschaftlichen Erlebens und Denkens; (+) Alltag im Sinne von Alltagsbewußtsein: Inbegriff des ideologischen, naiven, undurchdachten und falschen Erlebens und Denkens/richtiges, echtes, wahres Bewußtsein.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Ben Bachmair

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