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Organisation und gesellschaftliche Differenzierung

  • Klaus Türk
Chapter
Part of the Organisation und Gesellschaft book series (OUG)

Zusammenfassung

Unter zeitgenössischen Soziologen gibt es offenbar einige Gemeinsamkeiten bezüglich der Beschreibung der modernen Gesellschaft — man muß nur allgemein genug bleiben. Dazu gehören z.B. Feststellungen wie: »Die moderne Gesellschaft ist eine differenzierte Gesellschaft« oder: »In der modernen Gesellschaft haben die Organisationen eine überragende Bedeutung«. Zum Lehrbuchwissen gehören sogar spezifischere Beschreibungen wie etwa: »Die moderne Gesellschaft ist eine funktional differenzierte Gesellschaft« und: »Die moderne Gesellschaft ist eine Organisationsgesellschaft«. Auch dürfte die Feststellung kaum auf Widersprüche stoßen, daß die moderne Gesellschaft ausgeprägte Formen sozialer Ungleichheit aufweist. Solche Gemeinsamkeiten mögen nur sehr oberflächlicher Art sein, die sich bei näherem Hinsehen als Fiktionen erweisen könnten und insbesondere hinsichtlich der Erklärung solcher Sachverhalte gehen die Auffassungen auseinander. Aber wenn überhaupt solche Übereinstimmungen existieren, so folgt doch daraus, daß diese verschiedenen Sachverhaltsbehauptungen in irgendeiner Weise zusammenhängen müssen. Wenn die moderne Gesellschaft zugleich differenziert und eine »Organisationsgesellschaft« sein soll, so müssen beide Charakteristika miteinander in Beziehung stehen, weil es schließlich um ein und dieselbe soziale Einheit geht. Im folgenden soll dieser bislang relativ wenig beachteten Frage mit einigen Überlegungen nachgegangen werden.

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Literatur

  1. 1.
    Baader, F. v.: Fermenta Cognitionis, 1824, 6. Heft. In: Ders.: Sämtliche Werke. hrsgg. von F. Hoffmann, Aalen 1963, S. 432.Google Scholar
  2. 2.
    Luhmann, N.: Zum Begriff der sozialen Klasse. In: Ders. (Hrsg.): Soziale Differenzierung. Zur Geschichte einer Idee. Opladen 1985, S. 152.Google Scholar
  3. 6.
    Vgl. den zweiteiligen Eröffnungsaufsatz der Administrative Science Quarterly: Parsons, T.: Suggestions for a sociological approach to the theory of organizations. Part I and II. In: Administrative Science Quarterly, Vol. 1, 1956/57, S. 65–86 und S. 225–239.Google Scholar
  4. 7.
    Stinchcombe, A.: Social Structure and Organizations. In: March, J.G. (Hrsg.): Handbook of Organizations. Chicago 1965, S. 142–193.Google Scholar
  5. 8.
    Zwei der wenigen Ausnahmen sind Stichcombe, A., a.a.O. sowie in neuerer Zeit Zucker, L.G.: Organizations as institutions. In: Bacharach, S.B. (Hrsg.): Research in the Sociology of Organizations. Vol. 2, Greenwich 1983, S. 1–47.Google Scholar
  6. 9.
    Vgl. vor allem Meyer, J.W./W.R. Scan’ (Hrsg.): Organizational Environments. Beverly Hills usw. 1983 und Powell, W./P.J. Dimaggio (Hrsg.): The New Institutionalism in Organizational Analysis. Chicago 1991.Google Scholar
  7. 10.
    Vgl. vor allem Alexander, J.C./P. Colomy: Toward Neo-Functionalism. In: Sociological Theory, 1985, H. 3, S. 11–23 sowie Alexander, J.C./P. Colomy (Hrsg.): Differentiation Theory and Social Change. Oxford/New York 1990.Google Scholar
  8. 11.
    So ist es geradezu sensationell, wie NEIL J. SMELSER nahezu jegliche funktionalistische zugunsten politikorientierter Argumentation aufgibt; s. Smelser, N.J.: Evaluating the model of structural differentiation in relation to educational change in the nineteenth century. In: Alexander, J.C. (Hrsg.): Neofunctionalism. Beverley Hills usw. 1985, S. 113–129.Google Scholar
  9. 12.
    Vgl. zu den »Komplexifizierungen« in neueren institutionalistischen Ansätzen auch den Überblicksartikel von Cammack, P.: The new institutionalism: Predatory rule, institutional persistence, and macro-social change. In: Economy and Society, Vol. 21, 1992, H. 4, S. 397–429.Google Scholar
  10. 13.
    Colomy, P.: Revisions and progress in differentiation theory. In: Alexander, J.C./P. Colomy (Hrsg.), a.a.O., S. 465–495.Google Scholar
  11. 14.
    Vgl. auch March, J.G./J.P. OLSEN: The new institutionalism: Organizational factors in political life. In: The American Political Science Review, Vol. 78, 1984, S. 734–749.Google Scholar
  12. 15.
    Vgl. Luhmann, N. (Hrsg.): Soziale Differenzierung, a.a.O.Google Scholar
  13. 16.
    Vgl. Alexander, J.C./P. Colomy, a.a.O.Google Scholar
  14. 17.
    Vgl. dazu Luhmann: Die Differenzierung von Politik und Wirtschaft und ihre gesellschaftlichen Grundlagen. In: Ders.: Soziologische Aufklärung 4. Opladen 1987, S. 32–63, hier S. 40 ff. Vgl. zu einigen Überlegungen zum Verhältnis von Organisation und funktionaler Differenzierung auch WEHRSIG, CHR./V. TACKE: Funktionen und Folgen informatisierter Organisationen. In: MALSCH, TH./U. MILL (Hrsg.): Modernisierung der Industriesoziologie? Berlin 1992, S. 219–239. is Vgl. dazu z. B. den Sammelband BERGER, P.A./ST. HRADIL (Hrsg.): Lebenslagen, Lebensläufe, Lebensstile. Soziale Welt, Sonderband 7, Göttingen 1990.Google Scholar
  15. 19.
    Vgl. z.B. nur Alemann, U. V. (Hrsg.): Neokorporatismus. Frankfurt 1981; vgl. Hirsch, J./ R. Roth: Das neue Gesicht des Kapitalismus. Hamburg 1986; vgl. anstelle des umfangreichen OEuvres einführend auch die kleine Schrift von Wallerstein, I.: Der historische Kapitalismus. Hamburg 1984.Google Scholar
  16. 26.
    Vgl. dazu Türk, K.: Neuere Entwicklungen in der Organisationsforschung. Ein Trend Report. Stuttgart 1989.Google Scholar
  17. 28.
    Dazu werden hier auch die untergegangenen »realsozialistischen« Gesellschaften gerechnet, was aber noch einiger theoretischer Klärung bedürfte.Google Scholar
  18. 29.
    Ko-Operation« wird hier stets mit Bindestrich geschrieben, um darauf hinzuweisen, daß dieser Term hier ohne jede Konnotation im Sinne von »harmonischer Assoziation« verwendet wird.Google Scholar
  19. 38.
    Um auf einen Terminus und die damit verbundene Theorie von Knorr-Cetina zu verweisen, vgl. Knorr-Cetina, K.: Zur Doppelproduktion sozialer Realität: Der konstruktivistische Ansatz und seine Konsequenzen. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 1990, H. 3, S. 6–20. Ihr Theorem der »lokalen Erzeugtheit« ist mit der hier verfolgten Konzeptualisierung gut vereinbar; die Autorin bezieht sich in ihren Beispielen im übrigen vor allem zu recht auf Organisationen.Google Scholar
  20. 31.
    Eine Durchsicht der soziologischen Standardwerke wird die hier getroffene Vierteilung leicht bestätigen; die Unterscheidung nach Zentrum und Peripherie ist vermutlich als eine Spezifikation von Stratifikation aufzufassen, wiewohl sie sich einer anderen Metapher bedient. An dieser Stelle geht es aber nicht um eine allgemeine Theorie gesellschaftlicher Differenzierungen, sondern nur um die Skizzierung der Frage, wie verschiedene Formen der Differenzierung u.U. in eine Beziehung gesetzt werden könnten, also nicht Alternativen darstellen. Die simple Grafik ist natürlich noch keine wirkliche Antwort auf diese Frage.Google Scholar
  21. 32.
    Vgl. zum letzten Punkt vor allem die relativ neuen Überblicksartikel in Hradil, ST. (Hrsg.): Zwischen Bewußtsein und Sein. Opladen 1992.Google Scholar
  22. 38.
    Diese Aussage impliziert die These, daß die Benennung von bestimmten strukturellen Elementen im Alltag nur der »Kontextmarkierung« (BATEsor) dient, letztlich aber im Wege der diskursiven Exploration mit Alltagsakteuren es doch die Leitdifferenzen sind, nach denen Teilsysteme unterschieden werden. Wenn z.B. von Unternehmungen die Rede ist, wird der systernische Kontext »Wirtschaft« aufgerufen, bei weiterer Nachfrage wird der Unterschied etwa zur Politik aber nicht an der Unterscheidung von Unternehmungen und Parteien festgemacht, sondern an unterstellten Leitperspektiven, z.B. »Gewinnmachen« einerseits und »allgemein bindende Entscheidungen treffen» andererseits; diese These bedarf aber noch des empirischen Nachweises.Google Scholar
  23. 39.
    Vgl. dazu die Diskussion bei Künzler, J.: Grundlagenprobleme der Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien bei Niklas Luhmann. In: Zeitschrift für Soziologie, 16. Jg., 1987, H. 5, S. 317–333, hier insbes. S. 324. Solche Präferenzen verweisen auf interessierte Akteure.Google Scholar
  24. 40.
    Der Art: »Dies ist jetzt Wissenschaft und nicht Ökonomie oder Politik oder Erziehung«.Google Scholar
  25. 41.
    Vgl. zu »Inklusion« vor allem Stichweh, R.: Inklusion in Funktionssysteme der modernen Gesellschaft. In: Mayntz, R., a.a.O., dort auch weitere Literaturhinweise.Google Scholar
  26. 42.
    Dies wird immer wieder mißverstanden; vgl. z.B. die Erläuterung funktionaler Differenzierung mit Hilfe der Kategorie der Arbeitsteilung bei Willke, H.: Systemtheorie. Stuttgart/New York, 2. Aufl. 1987, etwa S. 12 ff. und S. 129.Google Scholar
  27. 43.
    Man beachte zu dieser Formulierung die in Fußnote 33 gemachte Relativierung.Google Scholar
  28. 44.
    Obwohl dies im Sinne einer »déformation professionelle« bei einzelnen Individuen durchaus der Fall sein kann.Google Scholar
  29. 46.
    In analoger Weise würde sich das Publikum sehr wundem, wenn in einem Geschäftsbericht eines Industrieuntemehmens stünde, die neue Verkaufsstrategie sei einem Manager in der Badewanne plötzlich eingefallen und nicht, daß sie Ergebnis gründlichen Kalkulierens sei.Google Scholar
  30. 47.
    Dies läßt die Frage nach der ideologischen Konkurrenz bei gleichzeitig praktischer Komplementarität der Teilsysteme entstehen.Google Scholar
  31. 48.
    In diesem Zusammenhang ist die auf den ersten Blick hübsche - etwas sehr »alteuropäische« - Definition des »Herren» von Luhmann revisionsbedürftig. Es heißt bei ihm: »Wir definieren den „Herren“ als jemanden, der keine Rücksicht darauf nehmen muß, daß er beobachtet wird; also im Unterschied zum Knecht als jemanden, der die Perspektive der Beobachtung zweiter Ordnung vermeiden kann.« Luhmann, N.: Soziologie des Risikos. Berlin/New York 1991, S. 113, Fußnote 3. Demgegenüber scheint es, daß heute sehr wohl die Herren darauf Rücksicht nehmen müssen, daß sie beobachtet werden; deshalb sehen sie zu, daß sie die Beobachtungskategorien möglichst bestimmen, um so Beobachtungen nicht fürchten zu müssen, weil sie auf diese Weise faktisch unbeobachtbar sind.Google Scholar
  32. 49.
    Schon die Möglichkeit, den Begriff »funktionale Differenzierung« zu bilden und zu kommunizieren verweist ja bereits auf ein solches Prinzip, das allgemeiner sein muß als die Ebene der Teilsysteme; sonst könnte man funktionale Differenzierung auch gar nicht mit anderen Differenzierungsformen, wie z.B. die stratifikatorische vergleichen.Google Scholar
  33. 50.
    Vgl. den »frühen« Luhmann sowie heute Bourdieu, P.: Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, R. (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten. Soziale Welt, Sonderband 2, Göttingen 1983, S. 183–198.Google Scholar
  34. 54.
    Knorr-Cetina, K.: Zur Unterkomplexität der Differenzierungstheorie. In: Zeitschrift für Soziologie, 21. Jg., 1992, H. 6, S. 406–419.Google Scholar
  35. 55.
    Der Ausdruck »Normalform« ist hier in Differenz zu einem Begriff von »Normalitätsform« zu verstehen, der das in Organisationen übliche lebensweltliche, mikropolitische und auch opportunistisch-situative Operieren bezeichnen mag. Mit »Normalform« ist hier gerade die Umcodierung solcher Normalität in institutionalisierte und deshalb erwartete Semantiken oder auch Praktiken gemeint. Der Terminus rekurriert deshalb auf symbolische Kontexte im Sinne von Meyer/Rowan; vgl. dazu ausführlicher mit Literaturnachweisen TURK, K.: Neuere Entwicklungen in der Organisationsforschung, a.a.O.Google Scholar
  36. 56.
    Sogar unsere Zeitungen unterteilen die Welt in Rubriken, die diesen funktionalen Teilsy- stemen anscheinend nachgebildet sind; dazu wird derzeit eine Untersuchung begonnen.Google Scholar
  37. 57.
    Um eine explizite Auseinandersetzung mit Luhmann geht es ja an dieser Stelle nicht, weil der Objektbereich hier nicht Soziologie, sondern Soziales ist.Google Scholar
  38. 59.
    Marx, K.: Das Kapital. Bd. I, Mew 23, Berlin 1968, S. 118. Der Ausdruck »Realabstraktion« taucht allerdings nicht bei Marx auf, sondern stammt von Sohn-Rethel.Google Scholar
  39. o Gewiß sind auch Unternehmungen vielfachen Erwartungen und legitimatorischen Anforderungen ausgesetzt; im Zweifelsfalle aber gilt dann doch - gesellschaftlich weitgehend anerkannt - daß Unternehmungen Gewinn machen müssen. Es ist nicht bekannt, daß Gesundheitsdienstorganisationen sich in diesem Sinne letztlich an »Gesundheit« orientieren. Es gibt z.B. kein gesundheitsorientiertes, wohl aber ein gewinnorientiertes Rechnungswesen.Google Scholar
  40. 61.
    Und davon abgeleitet volkswirtschaftliche Erfolgsgrößen wie z.B. die Steigerungsrate des Bruttoinlandsproduktes. Es ist schon erstaunlich, daß offenbar die medienvermittelte Meldung über eine prozentuale Steigerung des Bruttoinlandsproduktes von etwa 2% zur Stärkung der Regierungsparteien beizutragen vermag, obwohl real wohl so gut wie kein Bürger eine ökonomische Verbesserung verspürt und die meisten wohl noch nicht einmal wissen dürften, was diese Zahl denn eigentlich genau bedeuten kann.Google Scholar
  41. 62.
    Wie im übrigen jede Theorie gesellschaftlicher Differenzierung, also auch die Theorie sozialer Ungleichheit und die Theorie der Differenzierung von Lebensweisen bzw. -stilen.Google Scholar
  42. 63.
    Vgl. z.B. Luhmann, N.: Differentiation of society. In: Canadian Journal of Sociology, 1977, H. 2, S. 29–53, hier S. 43.Google Scholar
  43. 66.
    Vgl. dazu auch die Erörterung von Luhmann, N.: Warum AGIL? In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 40. Jg., 1988, H. 1, S. 127–139.Google Scholar
  44. 67.
    Vgl. dazu auch den kritischen Überblick bei Wehling, P.: Die Moderne als Sozialmythos. Zur Kritik sozialwissenschaftlicher Modernisierungstheorien. Frankfurt/New York 1992.Google Scholar
  45. 69.
    Allein der Staat bewegt Geld in Höhe der Hälfte des Bruttosozialproduktes. Diesen Einwand werden Systemtheoretiker vielleicht dadurch zu entkräften suchen, daß sie argumentieren, es komme auf den Sinn an, der mit den Zahlungen verknüpft sei; so etwa Luhmann, N.: Kapitalismus und Utopie. In: Merkur, 48. Jg., 1994, H. 3, S. 195. Wenn der Staat Zahlungen/ Geld eintreibe bzw. ausgebe, so sei dies »politische Kommunikation«, Zahlung/Geld nur das Substrat. Eine solche Entgegnung entspräche aber gerade dem hier verfolgten Ansatz. Es kommt eben auf den Sinn an: Macht, Mehrwert u.a.m. Genau deshalb kann Zahlung »an sich« nicht Element eines »Wirtschaftssystems« sein.Google Scholar
  46. 73.
    Der Differenz »matristisch/patriachal« schließt sich neuerdings auch Maturana an; vgl. Maturana, H.R.: Matristische und patriachale Konversationen. In: Maturana, H.R./G. Verden-Zöller: Liebe und Spiel. Die vergessenen Grundlagen des Menschen. Heidelberg 1993, S. 20–86. Die Relevanz dieser Differenz wird aber auf einen sehr viel weiter zurückreichenden Zeitraum bezogen als die anderen Differenzbegriffe; damit stellt sich die Frage nach der »modernen«, »kapitalistischen« Spezifizierung des »Patriachalismus«, so daß die Qualifizierung der Gesellschaft als »patriachal« nicht in Konkurrenz zu den anderen stehen, sondern nur als eine These bezüglich der kulturellen Tiefenstruktur gelten kann, die sich in einer großen Breite unterscheidbarer Gesellschaftsformationen verkörpert, u.a. in der kapitalistischen.Google Scholar
  47. 74.
    Diese Ebene wird von Luhmann zwar stets als bedeutend an-, aber bezüglich der Teilsysteme nicht ausgeführt. Zudem wäre der Programmbegriff zu erweitern, indem er nicht nur »unterhalb« der Ebene der Systemdifferenzierung angesiedelt wird, sondern überdies auf gesamtgesellschaftlicher Ebene, um nach übergreifenden Programmstrukturen i. S. des oben angesprochenen »Metaprinzips« suchen zu können.Google Scholar
  48. 75.
    Vgl. z.B. Muchembled, R.: Kultur des Volkes - Kultur der Eliten. Die Geschichte einer erfolgreichen Verdrängung. Stuttgart 1982.Google Scholar
  49. 76.
    Eine gewisse Stützung kann diese These vermutlich auch durch die neuere institutionalistische Theorie erfahren, insbesondere in der Form, wie sie neuerdings von North vorgetragen wird. Danach ließe sich analysieren, in welcher Weise die der kapitalistischen Warenproduktion angelagerten Teilsysteme zur Minimierung (nationaler) Transaktionskosten für die kapitalistischen Unternehmen beitragen. Vgl. North, D.C.: Institutionen, institutioneller Wandel und Wirtschaftsleistung. Tübingen 1992 (Cambridge 1990 ).Google Scholar
  50. 83.
    So symbolisiert z.B. der Lohn für Arbeit einen solchen Schein von Reziprozität; dies aber nicht nur, insofern er Äquivalenz zu suggerieren trachtet, sondern vor allem, weil mit ihm so getan wird, als ob der Lohn vom Arbeitgeber gezahlt würde, wo er doch nur aus dem Lohn anderer stammt und deshalb - wie dies Adam SMITH schon richtig erkannte - eine Option auf die (bezahlte) Arbeit anderer darstellt; Lohn verkörpert somit keine Leistung des »Arbeitgebers«, sondern ist nur Ausdruck seiner organisierend-distributiven Macht.Google Scholar
  51. 84.
    auch« deshalb, weil Organisationen sich ebenfalls mittelbar auf lebendige Arbeit nutzend beziehen, z.B. auf nicht bezahlte Reproduktionsarbeit oder auf in von ihnen eingekaufter Ware steckende Arbeit.Google Scholar
  52. 99.
    In einer Meldung auf der S. 1 der Frankfurter Rundschau vom 12. April 1994 heißt es unter der Überschrift »Rexrodt rüttelt an Export-Kontrollen«: »Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) will die Ausfuhrkontrolle bei sowohl zivil als auch militärisch nutzbaren Gütern (dual use) „erheblich“ lockern […] Rexrodts Wunsch, die Ausfuhrkontrollen zu beschneiden, trägt Wünschen der Wirtschaft Rechnung.« - Wer wollte diesem gemeinsamen Wunschzettel die Erfüllung versagen?Google Scholar
  53. 100.
    Vgl. dazu z.B. die Berechnungen in Turk, K.: Einführung in die Soziologie der Wirtschaft. Stuttgart 1987, S. 142 ff.Google Scholar
  54. 103.
    Um eine Figur von Burawoy zu verallgemeinern, der davon spricht, daß »Spiele in Organisationen» die Funktion haben, Muster der Mehrwertproduktion zugleich zu sichern und zu verstecken (»to secure and to obscure«), vgl. Burawoy, M.: The Politics of Production. London/New York 1985.Google Scholar
  55. 104.
    Der Status von Nur-Hausfrauen z.B. läßt sich anhand dieses Ausschlusses aus der »politischen Ökonomie« bestimmen; gleiches gilt für Dauerarbeitslose oder alte Menschen.Google Scholar
  56. 105.
    Vgl. dazu vor allem die Arbeiten von Ortmann; z.B.: Ortmann, G.: Macht, Spiel, Konsens. In: KOPPER, W./G. Ortmann (Hrsg.): Mikropolitik. Opladen 1988, S. 13–26; Ortmann, G. et al.: Computer und Macht. Mikropolitische Analysen. Opladen 1990 sowie den Sammelband Ortmann, G.: Formen der Produktion, a.a.O.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Klaus Türk
    • 1
  1. 1.WuppertalDeutschland

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