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Zur Kritik der politischen Ökonomie der Organisation

  • Klaus Türk
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Zusammenfassung

Von »Organisationsgesellschaft« oder von einer »Gesellschaft der Organisationen«1 ist schnell geredet, aber bis zu einer theoretisch gehaltvollen Einlösung solcher Formeln ist ein weiter Weg, der merkwürdigerweise, trotz der Vielfalt an Literaturproduktion zum Thema »Organisation«, kaum einmal zu beschreiten begonnen wurde. Eine der Ausnahmen ist Charles Perrow. Er verfolgt seiner eigenen Auffassung nach ein »imperialistisches Konzept«2, weil er Organisationen für das absolute »Schlüsselphänomen« der amerikanischen Gesellschaft hält. Er beschreibt die Organisierung der Gesellschaft als einen Prozeß der zunehmenden Lohnabhängigkeit, der zunehmenden Externalisierung von Folgen und Kosten organisierten Handelns sowie der wachsenden Bürokratisierung auch der Unternehmungen. Unter diesen drei Teilthemen zeichnet er die historische Entwicklung in den USA nach. So wichtig für die Organisationsforschung eine solche radikalisierende These ist, in der Durchführung bleibt sie doch noch sehr fragmentarisch, da sie sich keinerlei sozialwissenschaftlicher Theorie bedient und auch keinen Kern einer eigenen Theoriebildung erkennen läßt. Nur dieser Defizite wegen ist es wohl erklärbar, daß Perrow sich zu der soziologisch unsinnigen Aussage hinreißen läßt, Organisationen hätten die Gesellschaft »absorbiert«, seien ein »Surrogat für Gesellschaft« geworden.3

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Literatur

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    Für die eher rechtsgeschichtliche bzw. rechtstheoretische Forschung muß auf weitere Literatur verwiesen werden, die hier nicht behandelt werden kann, die aber organisationstheoretisch von Relevanz ist und der dringenden Aufarbeitung unter den hier formulierten Aspekten bedürfte; zu nennen sind folgende Texte, von denen aus man weitere Literatur erschließen kann: Gierke, O. v.: Das deutsche Genossenschaftsrecht. 4 Bde., Berlin 1868–1913; Wolff, H. J.: Organschaft und juristische Person. 2 Bde., Berlin 1933/34; Müller, F.: Korporation und Assoziation. Berlin 1%5; OTT, C.: Recht und Realität der Unternehmenskorporation. Tübingen 1977.Google Scholar
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    In diesem Zusammenhang wäre aber noch auf die Diskussion um den sog. »Postfordismus« aufmerksam zu machen, wir müssen es hier mit einem Literaturhinweis bewenden lassen: Hirsch, J./R. Roth: Das neue Gesicht des Kapitalismus. Vom Fordismus zum Post-Fordismus. Hamburg 1986.Google Scholar
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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Klaus Türk
    • 1
  1. 1.WuppertalDeutschland

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