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Zusammenfassung

  • Regina Mahlmann
Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 98)

Zusammenfassung

Die Bemühungen, Richtlinien aufzustellen, die angeben, wie eine Ehe harmonisch zu führen sei, gab es in der einen oder anderen Form vermutlich schon immer. Akut wurde diese Frage, als der Einzelne sich nicht mehr als Teil einer Gesamtheit und sein Schicksal nicht mehr mit dem der Ganzheit verwoben begriff. In besonderem Maß erlebte der Einzelne im 18. Jahrhundert, wie die gesponnenen Fäden der ständischen Lebensordnung immer dünner wurden, bis ihn die zentrifugalen Kräfte der sich funktional differenzierenden Gesellschaft zwangen, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Der Kokon kollektiver Geborgenheit löste sich im Zuge der Industrialisierung vollends auf. Da die Konstituierung des bürgerlichen Subjekts zu einem Zeitpunkt stattfand, zu dem die ständische Gesellschaft noch bestand und in der es daher keinen vorgegebenen sozialen Ort finden konnte, war der frühbürgerliche Mensch mit der Notwendigkeit konfrontiert, diesen eigenständig zu etablieren. Er tat dies, indem er sich gegen den Adel einerseits und gegen die Unterschichten andererseits abgrenzte. Die Selbstverortung und Selbstvergewisserung, die aktive Suche nach Werten und Normen machte auch vor Ehe und Liebe nicht halt. Die spezifische Bedingung der Trennung von Wohn- und Arbeitsbereich evozierte oder erleichterte es, neue Richtlinien zu finden, anhand derer sich Eheleute orientieren konnten. Solche Leitlinien zu suchen, war nötig geworden, weil die Gattin aus ihrem ehemaligen Wirkungsbereich neben dem Mann herausgetreten und in die häusliche Sphäre hineingetreten war. Inmitten der Verhaltensunsicherheiten erschall somit der Ruf nach einem umfassenden normativen Codex, der auch dem veränderten Status von Frau und Mann sowie den modellierten Pflichten und Rechten in der Ehe Rechnung trug. In dieser Situation startete bereits im auslaufenden 18. Jahrhundert ein literarischer Feldzug, der einen Katalog neuer Wertausrichtungem, Benimmregeln und Verhaltensmaximen in der Ehe postulierte. Die Handlungsanweisungen, deren Erfüllung eine „gute Ehe“ gewährleisten sollte, hielten sich strikt an die Vorschriften, die die Ideologie (im Sinne von Anschauung) der polaren Geschlechtscharaktere implizierte. Die semantische Einbettung in eindeutig definierte Naturhaftigkeit von Mann und Frau erzeugte im Verbund mit der Ausrichtung an der Institution Ehe eine Liste konkret formulierter Regeln und Ratschläge, die in Eheratgeberbüchern kodifiziert wurden.Ging es den traditionellen Ratgebern darum, die Erhaltung einer Ehe zu sichern, schwenkt die Zielrichtung mit dem Einzug psychologischer Denkens um.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1991

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  • Regina Mahlmann

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