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Warum sind sozialistische Länder am intersystemaren Technologie-Handel interessiert?

  • Herbert Wulf
Part of the Leviathan Sonderheft book series (LSOND)

Zusammenfassung

Wie kann der Aufschwung der ökonomischen Beziehungen zwischen kapitalistischen und sozialistischen Staaten erklärt werden, und welche Gründe haben die Regierungen in sozialistischen Ländern für das immer wieder betonte Interesse an intensiven Handelsbeziehungen mit dem Systemgegner? Die spektakuläre Ausweitung der Handelsbeziehungen zwischen den beiden Systemen bis Mitte der siebziger Jahre (und teils auch in späteren Jahren) hat, angesichts des vorher vergleichsweise geringen Umfangs, Anlaß zu vielfältigen Erklärungen gegeben. Was waren die Ursachen und Antriebskräfte? War der Handel, vor allem der Import von Technologie, für sozialistische Länder systemnotwendig, wie gelegentlich im Westen behauptet wird? Erfordert „das realsozialistische Herrschaftssystem ... aus systemstrukturellen Gründen immer von neuem ... kapitalistisches Know-how“?1 Ist Abhängigkeit die strukturelle Ursache für die Bereitschaft zur Kooperation? Haben sozialistische Länder keine Alternative zum Handel mit dem Westen?

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Literatur

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    In diesem Sinne wird beispielsweise Erich Honecker zitiert von P. Freiberg/J. Nitz/G. Scharschmidt, Zum Charakter der dreiseitigen Wirtschaftskooperation, in: IPW-Berichte 2/1979, S. 19.Google Scholar
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    Dieser Aspekt wird auch in dem 1987 zwischen SPD und SED gemeinsam erarbeiteten Papier deutlich, siehe SPD/SED, „Der Friede kann nicht errüstet, sondern nur vereinbart werden“, abgedruckt in: Frankfurter Rundschau, 28. August 1987, S. 14.Google Scholar
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    Dieser Begriff wurde von Monika Wandrow, Formen der industriellen Kooperation zwischen sozialistischen Staaten und kapitalistischen Industrieländern, in: IPW-Berichte 4/1979, S. 28, zur Begründung für industrielle Ost-West-Kooperation verwendet.Google Scholar
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    Günter Hinkel, a. a. O., S. 856, schreibt apodiktisch: „Die Tendenz zur Internationalisierung des Wirtschaftslebens ist gesetzmäßig.“ Siehe auch Monika Wandrow, Technologieblockade gegen beiderseits vorteilhafte Wirtschaftsbeziehungen, in: IPW-Berichte 1/1985, S. 22.Google Scholar
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    W. I. Lenin, Werke, a. a. O., S. 138. Diese Passage wird in den heutigen Arbeiten zum Ost-West-Handel immer wieder als Begründung angeführt. So z. B. bei J. Nitz, Zum Charakter ökonomischer Beziehungen zwischen sozialistischen und kapitalistischen Ländern, in: IPW-Berichte 10/1975, S. 17, G. Hinkel, a. a. O., S. 857, Autorenkollektiv DDR-UdSSR, a. a. O., S. 318 f. und Paul Freiberg, a. a. O., S. 2.Google Scholar
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    Jürgen Nitz, a. a. 0., S. 25. Paul Freiberg, a. a. 0., S. 5, schreibt, „die Dank des beharrlichen Kampfes… um gleichberechtigte, gegenseitig vorteilhafte Wirtschaftsbeziehungen entwickelten Formen der Wirtschaftszusammenarbeit begannen sich von ihrem Inhalt und ihren Prinzipien her wegweisend für die Schaffung einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung durchzusetzen…“. Dazu auch Jürgen Nitz, Europäische Sicherheit und ökonomische Zusammenarbeit, in: IPW-Berichte 1/1987, S. 4.Google Scholar
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    Auch zur Unterstützung der innergesellschaftlichen Reformen Gorbatschows, speziell der Notwendigkeit ökonomischer Leistungsreize, wird Lenin als Kronzeuge bemüht. Die von Lenin 1921 durchgesetzte „Neue Wirtschaftspolitik“ wird, statt wie bisher als taktischer Rückzug, nunmehr als langfristig vorausschauende Strategie interpretiert. Dazu Henrik Bischof, Reformmaßnahmen in der Sowjetunion, in: Studien der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, April 1987, S. 29.Google Scholar
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    Zwischen 1924 und 1928 fand in der UdSSR eine Auseinandersetzung um Konzepte eines gleichgewichtigen Wachstums in Industrie und Landwirtschaft (einer der Verfechter war Bucharin) und einer binnen-und akkumulationsorientierten Entwicklung der Schwerindustrie statt (wichtigster Vertreter war Preobraenskij). Mit der Annahme des Fünf-Jahres-Planes 1928 war der Streit zugunsten der „Superindustrialisierung“ entschieden, mit der Stalin die Macht der Bauern brechen wollte. Siehe hierzu Hans-Erich Gramatzki, Industrialisierung, in: D. Nohlen (Hrsg.), Pipers Wörterbuch zur Politik, München 1986, Bd. 4, S. 180f.Google Scholar
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    Innerhalb der RGW findet vermutlich (nicht öffentlich) eine Diskussion statt. L. Csaba, a. a. O., beleuchtet das importinduzierte Wachstumsmodell kritisch. Aussagen wie die des Sekretärs des tschechoslowakischen Zentralkomitees, Vasil Bilak „Wer Westkredite nimmt, verschreibt sich dem Teufel“, zit. in Frankfurter Rundschau vom 26. Juni 1985, die er auf dem Höhepunkt der Polenkrise tätigte, sollten sicherlich nicht als ernstgemeinte politische Analyse verstanden werden. Siehe auch OECD, East-West Technology Transfer, Paris 1984, S. 38 ff.Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Herbert Wulf

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