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Die grotesken Apokalypsen ohne Hoffnung. Die Literatur der Nachkriegszeit

  • Arno Schmidt
  • Tankred Dorst
  • Stefan Heym
  • Carl Amery
  • Günter Grass
  • Friedrich Dürrenmatt
  • Harald Mueller
  • Udo Rabsch
  • G. Hauptmann
  • M. Haushofer
  • F. Dürrenmatt
  • A. Schmidt

Zusammenfassung

In der Nachkriegszeit scheint sich der Trend zur radikalen Utopieskepsis zunehmend durchgesetzt zu haben. Auch Bilder des Untergangs sind in der Literatur immer häufiger. Friedrich Dürrenmatt mit seinen Physikern, Max Frisch mit der Chinesischen Mauer, den Tagebucheintragungen, auch mit dem Biedermann-Stück, Wolfdietrich Schnurre und sein Los unserer Stadt, Herbert Rosendorfers Der Ruinenbaumeister, Hans Magnus Enzensbergers Der Untergang der Titanic und manches Gedicht von ihm (etwa Die Blindenschrift) 2, Alexander Kluges Lernprozesse mit tödlichem Ausgang etc. könnten hier exemplarisch interpretiert werden.

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Literatur

  1. 1.
    Max Frisch: Die Chinesische Mauer, in: Ders.: Stücke I, Frankfurt/Main 21974 (= st 70), 5.133209, hier S.143.Google Scholar
  2. 2.
    Zur Wandlung der utopischen Bildlichkeit bei Enzensberger siehe übrigens Reinhold Grimm: Das Messer im Rücken. Utopisch-dystopische Bildlichkeit bei Hans Magnus Enzensberger, in: Gnüg/Entwürfe, S.291–310.Google Scholar
  3. 3.
    Thomas Bernhard: Das Kalkwerk, Frankfurt/Main 1973, (= st 128 ), S. 21.Google Scholar
  4. 4.
    Thomas Bernhard: Midland in Stilfs, Frankfurt/Main 21973, (= BS 272 ), S. 35f.Google Scholar
  5. 5.
    Thomas Fraund: Bewegung — Korrektur — Utopie. Studien zum Verhältnis von Melancholie und Ästhetik im Erzählwerk Thomas Bernhards, Frankfurt/Main — Bern — New York 1986 (= Studien zur Deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Bd. 2 ), S. 184.Google Scholar
  6. 6.
    Eine Ausnahme ist hier der Roman von Fritz Rudolf Fries: Verlegung eines mittleren Reiches, Frankfurt/Main 1984. Hier wird das Bild eines Naturparadieses als ästhetisches Mittel benutzt, den Untergang zu thematisieren. Die Besetzung eines kleinen Ortes von den Truppen des Reiches der Mitte bringt einen Klimawechsel mit, der offensichtlich von einer Strahlung, die auch tödlich ist, verursacht wurde. In der Hitze wuchert die Pflanzenwelt, die Menschen leben aber an der Grenze des Hungertodes. Die Ernährung von Pflanzen ist insofern nicht selbstverständlich als man viel Zeit braucht, um neue Obst-oder Gemüsesorten anzubauen. Dafür ermöglicht der Kontakt mit den Vertretern des mittleren Reiches die Besinnung auf den eigenen Geist und natürliche Lebensweise. “…Das paradiesische Reich nach der ersten Weltuntergangskatastrophe hat bei Fries die Struktur des ästhetischen Zustands”, schreibt B. Greiner, “…dies neue Dasein [hat] seinen Keim der Auflösung in sich selbst [...] und nicht, wie es apokalyptische Literatur erwarten ließe, in einer zweiten äußeren Weltkatastrophe. Solch eine zweite Katastrophe steht zwar auch hier am Ende, aber sie besiegelt nur die schon angelegte innere Auflösung.” Bernhard Greiner: ‘Paradies am Ende der Welt’. Geschichten zu Fritz Rudolf Fries’ Roman Verlegung eines mittleren Reiches,in: Grimm/Faulstich/Kuon, S.369–383, hier S.378.Google Scholar
  7. 7.
    Arno Schmidt: Die Gelehrtenrepublik. Kurzroman aus den Roßbreiten, Frankfurt/Main 61978 (= Fischer Taschenbuch 685), Seitenzahlen im Text.Google Scholar
  8. 8.
    Götz Müller, S.288.Google Scholar
  9. 9.
    Ach doch nicht etwa der Louis Sebastien Mercier!?“ (61).Google Scholar
  10. 10.
    Götz Müller, S.30.Google Scholar
  11. 11.
    Auf die literarischen Vorlagen der grotesken Tier-Menschen in der Gelehrtenrepublik weist Götz Müller hin: S.385f.Google Scholar
  12. 12.
    Ebd., S.286.Google Scholar
  13. 13.
    Siehe dazu den Kommentar von Götz Müller: “Als Vorbild legt Arno Schmidt die Spur Klopstock […]. Allein, der strikte Nationalismus von Klopstocks Deutscher Gelehrtenrepublik verbietet allzu große Nähe zu IRAS.[…] Schmidts Gelehrtenrepublik bezieht sich auf die barocke Idee einer internationalen Vereinigung von Gelehrten, die gegen nationale Politik und kriegerische Verwicklungen gefeit ist. ”(S.287f.).Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. ebd.: “Arno Schmidt, der an der Wiederentdeckung des Romans wesentlich beteiligt war, hat behauptet, es könne sich nur um die ähnlich geformte Insel Tristan da Cunha handeln. Die hohen Felsen, die die Insel umgeben, erscheinen unübersteigbar; Klippen machen eine Landung des Schiffes am Ufer unmöglich. ”(S.73).Google Scholar
  15. 15.
    Ebd., S.285.Google Scholar
  16. 17.
    Tankred Dorst: Merlin oder Das wüste Land, Mitarbeit Ursula Ehler, Frankfurt/Main 1985 (= st 1076). Seitenzahlen im Text.Google Scholar
  17. 18.
    Tankred Dorst, hg. von Günther Erken, Frankfurt/Main 1989 (=st 2073), 5.175 (zitiert nach: FAZ, 17. 10. 1981 ).Google Scholar
  18. 19.
    Zum Motiv des Grals als Utopie siehe: Joachim Bumke: Die Utopie des Grals. Eine Gesellschaft ohne Liebe?, in: Gnüg/Entwürfe, S.70–79.Google Scholar
  19. 20.
    Erken: Tankred Dorst, S.183.Google Scholar
  20. 21.
    Ebd., S.179f (zitiert nach: Der Spiegel 44, 26.10.1981.)Google Scholar
  21. 22.
    Rüdiger Krohn: Die Geschichte widerlegt die Utopie? Zur Aktualität von Tankred Dorsts Bühnenspektakel Merlin oder Das waste Land?,in: Euphorion, Bd.78, 1984, S.160–179, hier S.178.Google Scholar
  22. 23.
    Ebd., S.171.Google Scholar
  23. 24.
    Stadelmaier, S.359.Google Scholar
  24. 25.
    Erken: Tankred Dorst, 5.178 (zitiert nach: Literatur in Bayern, 5, September 1986, S. 40 ).Google Scholar
  25. 26.
    Stefan Heym: Ahasver, Berlin 1988. Seitenzahlen im Text.Google Scholar
  26. 27.
    Carl Amery: Die Wallfahrer, München 1986. Seitenzahlen im Text.Google Scholar
  27. 28.
    Mit Recht weist auch Peter J. Brenner auf “eine deutliche Affinität zur Theologie” auch bei Bloch hin, dem es, “wie dem Christentum, um ein Transzendieren der Wirklichkeit zu tun” ist, “aber um ein Transzendieren ohne Transzendenz”. Peter J. Brenner: Aspekte und Probleme der neueren Utopiediskussion in der Philosophie, in: Voßkamp/Utopieforschung, Bd.1, S.11–63, hier S.18fGoogle Scholar
  28. 29.
    Ebd., S.19.Google Scholar
  29. 30.
    Diesen Einfall hatte Amery bereits: in Der Untergang der Stadt Passau läßt er die Geschichte nach einer großen Pest, die die meisten Menschen hingerafft hatte, noch einmal ins Rollen kommen. Er ist in seinem zwar witzig-brillanten, aber doch SF-Roman geneigt, noch einmal die menschliche Geschichte, mit all ihren Fehlern und Verbrechern wiederholen zu lassen. “Und da, mitten in seinem friedlichen Sterben, erschrak Lois zutiefst. Er, Alois Retzer, Apothekersohn aus Zwiesel, hatte das angerichtet. Er hatte eine neue mitteleuropäische Politik eingeleitet - und doch eine schändliche alte: die alte Politik der Wölfe und Schafe, der Tiger und Antilopen.”(113f.) Eine utopische Dimension, ein richtiges Prinzip Hoffnung, das für das ganze Universum gültig ist, wird erst in den Wallfahrern ausgesprochen. Carl Amery: Der Untergang der Stadt Passau, München 131990.Google Scholar
  30. 31.
    Paul Konrad Kurz, S.168.Google Scholar
  31. 32.
    Günter Grass: Die Rättin, Darmstadt und Neuwied 1986. Seitenzahlen im Text.Google Scholar
  32. 33.
    Grass bezieht sich in der Rättin übrigens auf mehr Kulturtraditionen als nur auf das Christentum und die Aufklärung. Vgl. dazu: Paul Konrad Kurz, 5.148.Google Scholar
  33. 35.
    Gotthold Ephraim Lessing: Ernst und Falk. Gespräche für Freimaurer, in: Ders.: Lessings Werke, Bd.6, S.223–254, hier S.236. Den Hinweis auf die Opus-supererogatum-Stelle in Ernst und Falk verdanke ich Dieter Arendt.Google Scholar
  34. 36.
    Ebd., S.235.Google Scholar
  35. 37.
    Marianne Henn: Lessings Ernst und Falk. Gespräche für Freimaurer: Gesellschaftsutopie und Verantwortung, in: Verantwortung und Utopie. Zur Literatur der Goethezeit, hg. von Wolfgang Wittkowski, Tübingen 1988, 5.137–148, hier S.145.Google Scholar
  36. 38.
    Ebd., S.144.Google Scholar
  37. 39.
    Jürgen Schreiber: Der Herr der Ratte, in: Natur, München, 4/April, 1986.Google Scholar
  38. 40.
    Richard Faber: Kritik der Romantik. Zur Differenzierung eines Begriffs, in: DU 39, 1987, 5.2642, hier S.37. (Zit. nach: Süddeutsche Zeitung, 14. 11. 1983 ).Google Scholar
  39. 41.
    Elias Canetti: Masse und Macht, München (= Reihe Hanser 124 ), S. 190.Google Scholar
  40. 42.
    Rudi Kost: Ein zorniger Mann an der Schwelle zum Alter in: Esslinger Zeitung, 26.2. 1986.Google Scholar
  41. 43.
    Urs Bugmann: ‘Ultemosch’ und das Überleben der Ratten, in: Luzerner Neueste Nachrichten, 1.3. 1986.Google Scholar
  42. 44.
    Eva L.Wahser: Von Ratten und vom Retten, in: Titel, München, H. 2, 1986.Google Scholar
  43. 4.
    Die grotesken Apokalypsen ohne Hoffnung. Die Literatur der Nachkriegszeit 183Google Scholar
  44. 45.
    Paul Dreykorn: Die Verquallung und das Endspiel. Welches Wesen überlebt die atomare Apokalypse? Die Rättin des Günter Grass, in: Nürnberger Zeitung, 1. 3. 1986.Google Scholar
  45. 46.
    Hedwig Rohde: ‘Mir träumte, ich müßte Abschied nehmen…Jetzt als Buch erschienen: Günter Grass’ Die Rättin, in: Der Tagesspiegel, Berlin, 16.3. 1986.Google Scholar
  46. 47.
    An dieser Stelle muß mit Paul Konrad Kurz polemisiert werden, der behauptet, “apokalyptische Betroffenheit” wolle sich bei der Lektüre der Rättin nicht einstellen. “Große Einfälle, gewitzte Partien, ironisch und satirisch vorgebracht, ein höchst moralischer Appell. Aber der spaßige Märchenerzähler, der mythische Beschwörer einer verlorenen Heimat und der apokalyptische Prediger: Sie fallen trotz virtuoser Amalgamierungskunst auseinander.” (Paul Konrad Kurz, S.149). Es scheint aber, daß der ganze Effekt des Romans darin liegen soll, in der Unmöglichkeit, im Erzählen eine logische Ganzheit herzustellen, den Zerfall unserer Welt vor Augen zu führen: und dies zwar auf vielen Ebenen zugleich: auf der sprachlichen, moralischen, politischen, endlich auch ästhetischen. Wer eine Story erwartet hat, der hat ein falsches Buch gewählt. Heinz LudwigGoogle Scholar
  47. Arnold nennt Die Rättin “eine opulente Erzähl-Orgie: barock in ihrer maßlosen Virtuosität…”, und meint, sie wäre eigentlich kein Roman, was auch ihren Wert nicht vermindert. Heinz Ludwig Arnold: Erzählen gegen den Untergang.Günter Grass: Die Rättin - Kritik der Kritik, in: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, Hamburg, 16.3.1986. Zu der ‘Offenheit’ der Rättin vgl. auch Reiner Scherf: Günter Grass: Die Rättin und der Tod der Literatur, in: Wirkendes Wort. Deutsche Sprache in Forschung und Lehre, H.6 (Nov./Dez. 1987), 37.Jg. S.382–398.Google Scholar
  48. 48.
    Friedrich Dürrenmatt: Der Winterkrieg in Tibet, in: Ders.: Stoffe I, Zürich 1984, (=detebe 21155), S.95–179. Seitenzahlen im Text.Google Scholar
  49. 49.
    Gunter E. Grimm: Dialektik der Ratlosigkeit. Friedrich Dürrenmatts apokalyptisches Denkspiel Der Winterkrieg in Tibet,in: Grimm/Faulstich/Kuon, S.313–331, hier S.327. Grimm zitiert hier Dürrenmatts Monstervortrag (WA 27).Google Scholar
  50. 50.
    Friedrich Dürrenmatt: 21 Punkte zu den Physikern,Punkt 3, in: Ders.: Komödien II und frühe Stücke, Zürich 41963, S. 353.Google Scholar
  51. 51.
    Vgl. Hiltrud Gnüg: Der utopische Roman, S.22. Auch Marie Louise Bemeri: Reise durch Utopia, S.20–39.Google Scholar
  52. 52.
    Vgl. Grimm: Dialektik der Ratlosigkeit, S.315 und 324.Google Scholar
  53. 53.
    Ebd., S.324.Google Scholar
  54. F. Mennemeier: Modernes deutsches Drama 2, München 1975 (= UTB 135 ), S. 191.Google Scholar
  55. 55.
    Rainer Stollmann: SCHWARZER KRIEG, ENDLOS. Erfahrung und Selbsterhaltung in Alexander Kluges Lernprozessen mit tödlichem Ausgang, in: Text amp; Kontext, H.2, 1984, S.349–369: “Trauerarbeit hätte das Selbst aus den faschistisch-verbrecherischen Verstrickungen lösen können.Das passiert nicht, stattdessen: Abschneiden, Trennen, um verbleibende Teile des Selbst, d.h.eigentlich nur die eigene Haut zu retten. Damit fällt die Person auseinander in einen identitätslosen Teil, der sich technisch auf’s Überleben konzentriert, und die alte verleugnete Identität; beide wollen nichts voneinander wissen. […] Selbsterhaltung/Selbstzerstörung schleichend, das Entsetzen nicht mehr sichtbar. ”(S. 358 ).Google Scholar
  56. 56.
    Harald Mueller: Totenfloss, in: Theater heute, 7/1986, S.35–46. Seitenzahlen im Text.Google Scholar
  57. 57.
    Der Dramatiker muß den Instinkt für Mord besitzen Ein Theater Heute-Gespräch mit Harald Mueller, mit Mueller sprechen Peter von Becker und Michael Merschmeier. In: Theater heute, 7/1986, S.1–17, hier S.3f.Google Scholar
  58. 58.
    Vg. ebd.: “Und beim Schreiben pinkelt man sich natürlich ständig in die Hose vor Lachen. […] Denn die Grenze zur Satire wird ständig überschritten, wie in der Wirklichkeit auch. ”(S.1).Google Scholar
  59. 59.
    George Tabori: Wir sind keine Götter. Brief an die Schauspieler des Totenfloß, in: Theater heute, 7/86, S.11. Vgl. auch das zitierte Interview mit Mueller, Theater heute, S. 2.Google Scholar
  60. 60.
    Tabori, S. 11.Google Scholar
  61. 61.
    Interview mit Harald Mueller in: Theater heute, S.5.Google Scholar
  62. 62.
    Udo Rabsch: Julius oder Der schwarze Sommer, Tübingen 1983. Seitenzahlen im Text.63 Vondung, S.431.Google Scholar
  63. 64.
    Vgl. ebd., S.431.Google Scholar
  64. 65.
    Vgl. ebd., S.285f.Google Scholar
  65. 66.
    Ebd., S.287.Google Scholar
  66. 67.
    Stadelmeier: End ohne Enden, S.366.Google Scholar
  67. 68.
    Ebd., S.367f.69 Dieses Kapitel geht auf zwei Artikel zurück: Joanna Jablkowska: Die Insel der großen Mutter. Utopie oder Satire auf die Utopie?, in: Gerhart Hauptmann. Autor des 20. Jahrhunderts, hg. von Krzysztof A. Kuczynski, Peter Sprengel, Würzburg 1991 S.91–98. Joanna Jablkowska: Moderne Robinsonade oder Absage an die Hoffnung? Gattungsgeschichtliche Überlegungen zu Arno Schmidt, Marlen Haushofer und Friedrich Dürrenmatt, in: Über Grenzen. Polnisch-deutsche Beiträge zur deutschen Literatur nach 1945, hg. von Wolfgang Braungart, Frankfurt/Main–Bern–New York–Paris 1989, S. 33–45.Google Scholar
  68. 70.
    Vgl. Karl Reichert: Utopie und Staatsroman, in: DVjS, 39, 1965, S.259–287, bes. S.282. Vgl. auch Dietrich Naumann: Politik und Moral. Studien zur Utopie der deutschen Aufklärung, Heidelberg 1977 (= Frankfurter Beiträge zur Germanistik 15): “Sind etwa die vorherigen Erfahrungen des oder der Ausgesetzten leidvoll, so kann das Inseldasein auch unabhängig von der weiteren Ausgestaltung utopische Züge annehmen, die Insel kann als ‘Asyl’ erscheinen.”(S.91).Google Scholar
  69. 71.
    Vgl. Götz Müller, S.74.Google Scholar
  70. 72.
    Vgl. Naumann, S.102. Naumann betont zwar, daß das Inseldasein in den Robinsonaden nicht immer zur Bildung einer alternativen, utopischen Lebensform führt, auch dann nicht, wenn von vornherein mehrere Personen auf die Insel verschlagen werden, sie also nicht einsam sind. Bei den repräsentativen Vertretern der Gattung ist aber die Bildung neuer Werte oder einer neuen, utopischen Lebensweise doch das Hauptmotiv. (Vgl. dazu Naumann, S.92–96) Das Ethos der ‘Gemütsruhe’ ist nicht nur für die Felsenburger charakteristisch, sondern auch für Robinson Crusoe, der sich als einsamer Schiffbrüchiger nicht der Verzweiflung ergibt, sondern sofort sein neues Leben zu gestalten sucht: “In Robinson Crusoe wird somit als Entwicklung des Helden vorgeführt, wie ein von Haus aus unsteter und unzufriedener Charakter sich mit Hilfe der Religion zu der Tugend der ‘Gelassenheit’ durchringt, die zu den zentralen Begriffen des bürgerlichen Tugendsystems im frühen 18. Jahrhundert gehört. In beständiger Gewissensprüfung und methodischer Lebensführung arbeitet der Held der Erzählung an der Verwandlung seines Bewußtseins, um fähig zu sein, die Wirklichkeit zu verwandeln. Die ‘Gelassenheit’ befreit ihn von Melancholie und schafft den klaren Kopf, den er Mr die Planung seiner Arbeitsvorhaben braucht. Mit der erzählten Bewußtseinsentwicklung wird im Text gezeigt, wie der Held sich die Voraussetzungen einer aktiven Umgestaltung der Welt aneignet.” ( Stockinger: Ficta Respublica, S. 391 ).Google Scholar
  71. 73.
    Zum Problem der Arbeit auf der Insel Felsenburg vgl. Naumann, S.106; Stockinger: Ficta Respublica, S.387; Jürgen Schlaeger: Die Robinsonade als frühbürgerliche ‘Eutopia’, in: Voßkamp/Utopieforschung, Bd.2, S.279–298: “Arbeit wird zu einem Wert an sich, Erfolg im Wirtschaftlichen, jenem einzigen Bereich, der dieser Schicht ungehindert offenstand, zum Zeichen Mr Gottes Segen. ”(283).Google Scholar
  72. 74.
    Braungart: Die Kunst der Utopie, S.222.Google Scholar
  73. 75.
    Vgl. Götz Müller, S.11.Google Scholar
  74. 76.
    Ebd., S. 19.Google Scholar
  75. 77.
    Vgl. ebd., S.81.Google Scholar
  76. 78.
    Bohrer: Der Lauf des Freitag, S.108f. Götz Müller weist auch auf das Beispiel der Inquiraner von Johann Friedrich Bachstrom. Der Roman geht von der “absoluten Nullpunktsituation” der Schiffbrüchigen aus; “Allein durch Beobachtung und Experiment wird die Welt noch einmal neu eingerichtet.” Dank der Tüchtigkeit und Erfindungskraft der Inquiraner wird, ähnlich wie in der Insel Felsenburg,jedoch unter Vermeidung der Schwierigkeiten der Felsenburger (z.B. Inzest) ein alternatives, utopisches Gemeinwesen gegründet, dessen Grundidee die religiöse Toleranz sei. Vgl. Götz Müller, S.88f. (Beide Zitate S.85).Google Scholar
  77. 79.
    Bohrer: Der Lauf des Freitag, S.120.Google Scholar
  78. 80.
    Ebd., S.122.Google Scholar
  79. 81.
    Vgl. ebd., S.135.Google Scholar
  80. 82.
    Ebd., S.136.Google Scholar
  81. 83.
    Ebd., S.136.Google Scholar
  82. 84.
    Vgl. Philip A. Mellen: Gerhart Hauptmann and Utopia, Stuttgart 1976 (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik 17), S.39–65, bes. S.41.Google Scholar
  83. 86.
    Vgl. ebd., S.194.Google Scholar
  84. 87.
    Gerhart Hauptmann: Die Insel der großen Mutter oder das Wunder von lle des Dames. Eine Geschichte aus dem utopischen Archipelagus, in: G. Hauptmann: Das gesammelte Werk, erste Abteilung, neunter Band, Berlin 1942, S. 313–592, hier S. 478.Google Scholar
  85. 88.
    Allerdings wurde hier die landschaftliche Struktur der Robinsonade und der Utopie zwecks Hervorhebung der Kontraste sehr pauschalisiert. Auch Die Felsenburger z.B. gestalten die Natur und die Landschaft der Insel so um, daß sie nicht mehr frei und wild, sondern vom Menschen bestimmt ist. Architektonisch wurde die Insel, trotz ihrer äußeren Klippen und Unregelmäßigkeiten sehr wohl geordnet. Braungart weist aber darauf hin, daß Schnabel “das orthogonale Schema der Idealstadt-Architektur […] auf die Natur seiner paradisischen Insel” nicht exakt úber-trägt. “Die Natur wird zwar durch menschliche Kunst verbessert; umgekehrt braucht diese aber notwendig die Natur, die ihr entgegenkommt.” (Braungart: Die Kunst der Utopie, S.237).Google Scholar
  86. 89.
    Vgl. Götz Müller, S.140f.Google Scholar
  87. 90.
    Hans Jürgen Krysmanski: Die utopische Methode, S.45.Google Scholar
  88. 91.
    Hauptmann: Die Insel, S.316.Google Scholar
  89. 92.
    Ebd., S.462.Google Scholar
  90. 93.
    Ebd., S.541.f.Google Scholar
  91. 94.
    Krysmanski, S.41.Google Scholar
  92. 95.
    Hauptmann: Die Insel, S.592.Google Scholar
  93. 98.
    Ebd., S.132f.Google Scholar
  94. 99.
    Götz Müller, SS.282.Google Scholar
  95. 100.
    Stadelmaier: End ohne Enden, S. 359.Google Scholar
  96. 101.
    Schmidt: Schwarze Spiegel, S.136.Google Scholar
  97. 102.
    Marlen Haushofer: Die Wand, Frankfurt/Main - Berlin - Wien 1985 (= Ullstein Buch 30169 ), S. 82f.Google Scholar
  98. 103.
    Ebd., S.133.Google Scholar
  99. 104.
    Bohrer: Der Lauf des Freitag, S.95f.Google Scholar
  100. 105.
    Haushofer: Die Wand, S.272.Google Scholar
  101. 106.
    Bohrer: Der Lauf des Freitag, S.99.Google Scholar
  102. 107.
    Haushofer: Die Wand, S.185.Google Scholar
  103. Friedrich Dürrenmatt: Das Unternehmen der Wega, in: Ders.: Werkausgabe in dreißig Bänden, Bd.17, Zürich 1980, S. 99.Google Scholar
  104. 109.
    Ebd., S.108.Google Scholar
  105. 110.
    Schmidt: Schwarze Spiegel, S.60.Google Scholar
  106. 111.
    Vgl. z.B. die Episode, in der Schmidt sich selbst, d.h. seine eigene Leiche in die Handlung einfuhrt: “Ein zerwetzter Schreibtisch, darauf zwanzig zusammengelaufene Bücher […]; ein zersprungener winziger Herd […]. Papier in den Schüben; Manuskripte […] ergo ein literarischer Hungerleider, Schmidt hatte er sich geschimpft. Allerdings lange Knochen […]. Ich salutierte den beinemen Poeten mit der Flasche (den Schädel müßte man mitnehmen und bei sich aufstellen);” (Schmidt: Schwarze Spiegel, S.72f.).Google Scholar
  107. 112.
    Vgl. Kayser: Das Groteske: “Die Tragödie als Kunstform eröffnet […] gerade im Sinnlos-Absurden die Ahnung einer Sinnmöglichkeit […] Der Gestalter des Grotesken darf und kann keine Sinngebung versuchen.”(S.200) Vgl. auch Pietzcker: Das Groteske, S.210.Google Scholar
  108. 113.
    Die Hinweise von Schmidts Protagonisten, die suggerieren mögen, er verstehe sein Werk als Fortsetzung der Tradition, beweisen eben das Gegenteil: die Trennung von der Tradition. Der Held vergleicht sich mit Robinson, nennt Schnabels Insel Felsenburg liest auch mit Vorliebe die Meister des Grotesken: Hoffmann, Dickens, Poe, Coleridge.- Lisa, die Frau, die er getroffen hat, liest Jens’ Nein - Die Welt des Angeklagten und sagt: “Ob es den Leuten nicht unheimlich dabei war? […] wenn sie so diese Zukunftsromane erfanden?” (Schmidt: Schwarze Spiegel, S.125).Google Scholar
  109. 14.
    Gewiß ist es sinnvoller, den Roman von M.Haushofer unter dem Gesichtspunkt einer Identitätskrise zu interpretieren; er ist bestimmt keine bewußte Travestie des Robinson-Motivs. Von Anfang an ist es ungewiß, ob die unsichtbare Wand, die die Erzählerin von der übrigen Welt trennt, wirklich existiert, ob sie nicht einfach den Traum von der Weltflucht, auch die Angst vor den Menschen symbolisiert. Nur einmal wird dieser Gedanke im Roman deutlich ausgedrückt: “Vielleicht war die Wand auch nur der letzte verzweifelte Versuch eines gequälten Menschen, der ausbrechen mußte, ausbrechen oder wahnsinnig werden.”(S.110) Solche Ausbruchsversuche werden auch von anderen Gestalten ihrer Romane unternommen (Eine Handvoll Leben, Mansarde) und sie ermöglichen, zumindest zum Teil, das bisher verschüttete eigene Ich der Heldin und den Sinn des Lebens zu finden. Die Hoffnung auf eine wahre, menschenwürdige Existenz verläßt die Bücher von Marlen Haushofer, trotz ihres Pessimismus, nicht. Auch in der Wand mußte sich die Erzählerin von der ihr bisher vertrauten Welt trennen, um sich selbst kennenlernen zu können. Dies ist ihr gelungen, obwohl es den Preis der völligen Kommunikationslosigkeit mit den Mitmenschen gekostet hat. Andererseits ist es verlockend, den Roman in die Tradition der Robinsonaden einzureihen und zu untersuchen, wie sich Robinson heute verhalten würde.Google Scholar
  110. 115.
    Haushofer: Die Wand, S.211.Google Scholar
  111. 116.
    Ebd., S.76.Google Scholar
  112. 117.
    Ebd., S.169.Google Scholar
  113. 118.
    Ebd., S.102.Google Scholar
  114. 119.
    Hans M.Wolff: Die Weltanschauung der deutschen Aufklärung in geschichtlicher Entwicklung, Bern - München 1949, S. 45.Google Scholar
  115. 120.
    Dürrenmatt: Das Unternehmen der Wega, S.95.Google Scholar
  116. 121.
    Ebd., S.121.Google Scholar
  117. 122.
    Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung, Frankfurt/Main 1985 (= stw 554), S.82 f.Google Scholar
  118. 123.
    Vgl. ebd., S.83.Google Scholar
  119. 124.
    Bohrer: Der Lauf des Freitag, S.135.Google Scholar
  120. 125.
    Haushofer: Die Wand, S.237.Google Scholar
  121. 126.
    Bohrer: Der Lauf des Freitag, S.136.Google Scholar

Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Arno Schmidt
  • Tankred Dorst
  • Stefan Heym
  • Carl Amery
  • Günter Grass
  • Friedrich Dürrenmatt
  • Harald Mueller
  • Udo Rabsch
  • G. Hauptmann
  • M. Haushofer
  • F. Dürrenmatt
  • A. Schmidt

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