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Die moderne Apokalyptik

  • Joanna Jabłkowska

Zusammenfassung

Klaus Vondung fragt in seinem Buch über die Apokalyptik, ob man die Utopie nicht als “moderne Erscheinungsform des apokalyptischen Bewußtseins oder eher der apokalyptischen Erfahrungsauslegungen” erklären könne.1 Diese These scheint fragwürdig zu sein. Es könnte eher die Behauptung überzeugen, daß die Apokalypse eine radikale Variante der Utopie seit2, in der die Erfahrung des Mangels so unerträglich wäre, daß die Gegenwart mit der Vergangenheit vernichtet werden sollte und die Zukunft verabsolutiert werden würde. In der Literatur des 20. Jahrhundert scheint der Hang zur Apokalyptik den Hang zur Utopie nach und nach zu verdrängen:

“Mit dem Emporschnellen literarischer Apokalypsen schlägt zugleich das letzte Stündlein der literarischen Utopien. Wo diese im 19. oder 20. Jahrhundert in konstruktiven, sogenannten Idealgesellschaften entwerfenden Formen auftraten, da degenerieren sie zum idealistisch naiven Spiel [...] oder zu einem verkappten behavioristischen Manipulationsmodell [...]. Während es im 17. und 18. Jahrhundert vor allem im Pietismus noch eine Literatur gab, welche religiöse Apokalypse und literarische Utopie verbindet [...], bricht diese Vorstellungskombination mit dem 19. Jahrhundert zusammen.”3

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Literatur

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Joanna Jabłkowska
    • 1
  1. 1.ŁódźPolen

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