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Reden Und Aufsätze Zur Politik

  • Gerhard Möbus
Chapter
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Part of the Reden und Aufsätze zur Politik book series (RAP, volume 2)

Zusammenfassung

Plutarch berichtet in seiner Lebensbeschreibung des Perikles einen Vorgang, der zeitlich zwar mehr als zweitausend Jahre von unserer Gegenwart entfernt ist, dessen Geschehen aber im Schwerpunkt unserer Thematik liegt. Im zweiten Jahre des Peloponnesischen Krieges (430 v. Chr.) befand sich die athenische Demokratie, deren Vollender Perikles war, in einer schweren Krise. Die Spartaner waren in Attika eingefallen, und in Athen, wohin Perikles die Bevölkerung zusammengezogen hatte, war die Pest ausgebrochen. Thukydides hat in seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges die Katastrophe aufs eindruckvollste beschrieben, die der Ausbruch der Pest in allen Bereichen der gesellschaftlichen Lebensordnung der athenischen Demokratie hervorrief, indem sie mit dem Zerfall des Leiblichen einen schlimmeren Zerfall des Sittlichen bewirkte. Um die politische Depression zu durchbrechen, rüstete Perikles eine Flotte aus und bemannte sie mit den besten Hopliten und Reitern.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Plutarch, Perikles; in : Griechische Heldenleben. Übertragen und herausgegeben von Wilhelm Ax, Stuttgart, o. J. (Kröners Taschenausgabe Bd. 66) S. 73.Google Scholar
  2. 2.
    Hannah Arendt, Fragwürdige Traditionsbestände im politischen Denken der Gegenwart. Vier Essays. Frankfurt a. M. o. J., S. 118.Google Scholar
  3. 3.
    ebd. S. 118.Google Scholar
  4. 4.
    Gerhard Möbus, Die politischen Theorien von den Anfängen bis zu Machiavelli, Köln und Opladen 1958, S. 20ff.Google Scholar
  5. 5.
    ebd. S. 16f. (Herodot).Google Scholar
  6. 6.
    ebd. S. 46ff. (Piaton).Google Scholar
  7. 7.
    Eugen Rosenstock-Huessy, Soziologie I. Die Übermacht der Räume. Stuttgart o. J., S. 232 f.Google Scholar
  8. 8.
    ebd. S. 233.Google Scholar
  9. 9.
    ebd. S. 238.Google Scholar
  10. 10.
    Gerhard Möhus, Psychagogie und Pädagogik des Kommunismus. Köln und Opladen 1959, gibt eine systematische Darstellung der Theorie und Praxis der Menschenformung und Menschenführung, die darauf zielt, den Menschen der »grenzenlosen Ergebenheit « heranzubilden.Google Scholar
  11. 11.
    Bronislaw Malinowski, Kultur und Freiheit, Wien-Stuttgart o. J., S. 144 ff., (Freiheit durch Organisation).Google Scholar
  12. 12.
    ebd. S. 158.Google Scholar
  13. 13.
    ebd. S. 158; vgl. dazu: Peter Heintz, Komplexe Gesellschaften, Das Fischer Lexikon. Soziologie. Herausgegeben von René König. Frankfurt o. J., S. 147 ff.Google Scholar
  14. 14.
    a. a. O. S. 190.Google Scholar
  15. 15.
    Ließe die Zeit es zu, so wäre im Rückblick auf das Beispiel der beiden Soldaten, die, wie Rosenstock-Huessy berichtet, zögern, den Kahn flottzumachen, weil sie ihre Uniform nicht beschmutzen wollen, hier einiges einzufügen über die verschiedenartige Funktion der Uniform. Sie ist im Falle der beiden Soldaten offensichtlich nicht Arbeitsanzug, sonst würden sie nicht zögern, sich und die Uniform schmutzig zu machen. Was sie für die beiden ist, wissen wir nicht; es ist nur zu vermuten. Sie kann für sie ein Staatskleid sein, wie es der Anzug und das Kleid überhaupt am Feier- oder Festtag ist. Sie kann ein Standeskleid für sie sein, durch das sie sich ehrenvoll am Prestige einer Gruppe der Gesellschaft beteiligt fühlen. Farbenprächtige, reich mit Gold und Silber verzierte Uniformen werden vor allem die Funktion solcher Staatskleider und Standestrachten haben. Der Herrscher kann seine Macht und Pracht in solchen Uniformen der Soldaten so demonstrieren wie in der Kleidung seiner Dienerschaft oder seines Hofstaats. Diese Kleidung ist dann mit der Uniform des Soldaten vertauschbar, so daß die Uniform geradezu das feierliche Kleid für den Geburtstag des Herrschers oder den Staatsfeiertag wird. Wer eine solche Uniform getragen hat, legt, wenn er sie auszieht, unter Umständen ausziehen muß, ein Teilstück seines Selbst- und Wertgefühls ab. Die Uniform kann aber auch getragen werden in der Weise, wie der Richter seine Robe oder der Geistliche sein Kleid trägt. Dann ist sie mehr als ein einheitliches Gruppenkleid oder ein feierliches Staatskleid. Sie kann auch das sein; ist aber darüber hinaus Zeugnis dafür, daß ihr Träger bestimmte Gebote und Pflichten, die sein Amt ihm auferlegt, anerkennt und übernommen hat; sie ist äußeres Zeichen der inneren Entscheidung für einen Kodex ethischer Normen, dem ihr Träger sich unterwirft. Sie zeigt an, was der Eid des Soldaten in Worte faßt : die Unterwerfung unter die Disziplin, die den in die Gruppe eingeordneten Einzelnen befähigt, seiner Aufgabe unter Aufgebot aller Kräfte und mit letzter Hingabe Herr zu werden. 16. Der Versuch des sowjetischen Kommunismus, den physischen Terror allmählich zu ersetzen durch eine mit den Mitteln der Propaganda und Pädagogik bewirkten charismatischen Autorität, ist eine der Tatsachen, durch die er sich wesentlich vom Marxismus unterscheidet. Dabei ist allerdings nicht zu übersehen, daß die Gedanken, die Friedrich Engels zum Problem der Autorität geäußert hat, eine Vielschichtigkeit zeigen, die bis zur Rechtfertigung des physischen Terrors reicht. In dem Artikel »Von der Autorität« (Karl Marx und Friedrich Engels, Ausgewählte Schriften I. Berlin 1951, S. 603ff.) setzt Engels sich zur Wehr gegen die Ansicht im eigenen Lager, die klassenlose Gesellschaft, in der aller Zwang aufhört (daher auch der Staat »abstirbt«), werde auskommen ohne jede Autorität und Disziplin. Engels wendet dagegen ein, die wirtschaftliche Entwicklung weise die Tendenz auf, an die Stelle der »isolierten Aktion« immer mehr die »kombinierte Aktion« zu setzen. Er bemerkt dazu (a. a. O. S. 604): »Wer aber kombinierte Aktion sagt, sagt Organisation; ist nun Organisation ohne Autorität möglich? «. Und er gibt selbst darauf folgende Antwort (S. 604) : »Der automatische Mechanismus einer großen Fabrik ist um vieles tyrannischer, als es jemals die kleinen Kapitalisten gewesen sind, die Arbeiter beschäftigten. Wenigstens was die Arbeitsstunden betrifft, kann man über die Tore dieser Fabriken schreiben: Lasciate ogni autonomia, voi che entrate! Wenn der Mensch mit Hilfe der Wissenschaft und des Erfindergenies die Naturkräfte unterworfen hat, so rächen diese sich an ihm, indem sie ihn, im Maße, wie er sie in seinen Dienst stellt, einem wahren Despotismus unterwerfen, der von aller sozialen Organisation unabhängig ist. Die Autorität in der Großindustrie abschaffen wollen, bedeutet die Industrie selber abschaffen wollen; die Dampfspinnerei vernichten, um zum Spinnrad zurückzukehren.Google Scholar
  16. Nehmen wir als anderes Beispiel eine Eisenbahn. Auch hier ist ebenso die Kooperation einer Unmenge von Individuen absolut notwendig : eine Kooperation, die zu ganz bestimmten Stunden stattfinden muß, wenn es nicht zu einem Unglück kommen soll. Auch hier ist die erste Bedingung des Betriebs ein dominierender Wille, der jede untergeordnete Frage abschneidet, mag dieser Wille nun durch einen einzelnen Delegierten repräsentiert sein oder durch ein Komitee, dem die Ausführung der Beschlüsse einer Mehrheit von Interessenten übertragen ist. In dem einen wie in dem anderen Fall haben wir es mit einer ganz ausgesprochenen Autorität zu tun. Mehr noch: was geschähe mit dem ersten abgehenden Zuge, wenn die Autorität der Bahnangestellten über die Herren Reisenden abgeschafft würde?Google Scholar
  17. Aber die Notwendigkeit einer Autorität, und zwar einer gebieterischen Autorität, tritt am anschaulichsten bei einem Schiff auf hoher See zutage. Hier hängt, im Augenblick der Gefahr, das Leben aller davon ab, daß alle sofort und absolut dem Willen eines einzelnen gehorchen. «Google Scholar
  18. Engels bejaht also die Betriebsdisziplin, die für ihn eine Begleiterscheinung der industriellen Produktion ist; er bejaht darüber hinaus Autorität und Disziplin, Befehl und Gehorsam in der Gestalt der »gebieterischen Autorität«, im Augenblick der Gefahr, wo es um Tod und Leben geht. Es ist unschwer zu sehen, wie genau einander der Gedankengang Malinowskis und der von Engels entspricht. Der Brückenschlag, den Engels geistig zu Lenin und Stalin vorbereitet hat, ist jedoch nicht zu verkennen, wenn er zur Rechtfertigung der Autorität und der Disziplin des Terrors schreibt (S. 606) : »Eine Revolution ist gewiß das autoritärste Ding, das es gibt; sie ist der Akt, durch den ein Teil der Bevölkerung dem anderen Teil seinen Willen vermittelst Gewehren, Bajonetten und Kanonen, also mit denkbar autoritärsten Mitteln aufzwingt; und die siegreiche Partei muß, wenn sie nicht umsonst gekämpft haben will, dieser Herrschaft Dauer verleihen durch den Schrecken, den ihre Waffen den Reaktionären einflößen.« Damit ist das Fundament gelegt, auf das Lenin und Stalin ihre terroristische Politik gebaut haben, die Politik der »Diktatur des Proletariats«.Google Scholar
  19. 17.
    Max Weber, Soziologie, Weltgeschichtliche Analysen, Politik. Mit einer Einleitung von Eduard Baumgarten, herausgegeben und erläutert von Johannes Winckel-mann. Stuttgart o. J. (Kröners Taschenausgabe Bd. 229), S. 151 ff. (Die drei reinen Typen der legitimen Herrschaft).Google Scholar
  20. 18.
    Charakteristisch: Geoffrey Gorer, Die Amerikaner. Eine völkerpsychologische Studie. Hamburg 1956, S. 7ff. (Verwerfung des Vaters).Google Scholar
  21. 18a.
    Vgl. dazu: Gerhard Möbus, Erziehung in dieser Zeit, Köln 1958, S. 47ff. (Erziehung und Gewissen).Google Scholar
  22. 19.
    Gerhard Möbus, Die politischen Theorien (vgl. Anm. 4), S. 56; S. 127 f. (Aristoteles).Google Scholar
  23. 20.
    Johann Gottlieb Fichte, Beitrag zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die Französische Revolution. Herausgegeben von Dr. Reinhard Strecker, Leipzig 1922, S. 14f.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1959

Authors and Affiliations

  • Gerhard Möbus

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