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Idee und Interesse

  • Otto Heinrich von der Gablentz

Zusammenfassung

Vor ein paar Jahren hatten wir auf der Tagung der internationalen Gesellschaft für politische Wissenschaft in Stockholm eine aufschlußreiche Diskussion. Berichterstatter aus den westlichen Ländern erläuterten ihre Wahlanalysen. Sie gingen natürlich davon aus, daß man die Meinungen der einzelnen Wähler erfassen müßte, um zu den Hintergründen der Abstimmung zu gelangen. Da griffen uns die Marxisten an. Wir hätten uns an die falsche Adresse gewandt. Nicht auf die Meinungen und Stimmungen der einzelnen käme es an, sondern allein auf die objektiven Interessen der Klassen. Die Klassen seien die eigentlichen Akteure der Weltgeschichte und nicht die Individuen. Wir seien soziologische Subjektivisten. Wir haben ihnen damals erklärt, daß wir diesen Gegensatz überhaupt nicht anerkennen könnten. Wir hätten weder subjektivistische noch objektivistische Vorurteile, aber wir seien Realisten und nicht Doktrinäre. Wir gingen vom unmittelbar Erfaßbaren aus. Den Stimmzettel würfe der einzelne in die Urne und nicht die Klasse. Seine subjektiven Beweggründe seien das erste, was sich feststellen ließe. Sache der Analyse sei es dann, festzustellen, ob er sich selbst richtig verstanden habe und was hinter seiner Entscheidung stände: Stimmungen und Triebe oder rationale Überlegungen, und dann wieder, was für Überlegungen: Einzelinteresse oder Gruppeninteresse, Einzelideen oder Gruppenideen.

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© Westdeutscher Verlag · Köln und Opladen 1960

Authors and Affiliations

  • Otto Heinrich von der Gablentz

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