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Einführung

  • Stephan Zelewski
Part of the DUV: Wirtschaftswissenschaft book series (DUVWW)

Zusammenfassung

Die vorliegende Ausarbeitung zielt darauf ab, die formalsprachliche Explizierung produktionswirtschaftlicher Theorien anzureichern. Dabei setzt der Autor voraus, daß formale Theoriedarstellungen grundsätzlich gegenüber informalen, vornehmlichl) natürlichsprachlichen Theorieerläuterungen bevorzugt werden. Eine Rechtfertigung dieser Präferenz unterbleibt hier2), weil die Vorzüge formalsprachlicher Ausdrucksmittel schon vielfach an anderer Stelle dargelegt wurden3). Statt dessen wird lediglich auf fünf befruchtende Impulse hingewiesen. Sie gehen von den Formalisierungsbemühungen aus, die im folgenden zusammen mit dem strukturalistischen Theorienkonzept entfaltet werden4):
  • Die Einbeziehung von Aspekten des Umweltschutzes führt zum produktionstheoretischen „Sündenfall“. Er verstößt gegen das „Dogma“, daß in produktionstheoretischen Untersuchungen grundsätzlich nur mengen-, aber keine wertbezogenen Größen eine Rolle spielen dürfen. Die Verletzung dieses Dogmas ist in der produktionstheoretischen Umweltschutzdiskussion nicht neu. Sie wird aber durch die explizite Notation einer Präferenzhypothese besonders herausgestellt und hinsichtlich der betroffenen Präferenzen verfeinert.

  • Die mengenabhängige Variabilität von Güterpräferenzen ist mitunter schon in natürlicher Sprache problematisiert worden. Bislang erfolgte jedoch noch keine Berücksichtigung in formalsprachlich verfaßten Produktionstheorien oder -modellen. Diese Formalisierungslücke wird geschlossen.

  • Des öfteren wird die Ansicht vertreten, bei konventionellen Produktionsfunktionen — wie etwa denen vom Typ „B“ — handele es sich um Spezialisierungen der allgemeinen Aktivitätsanalyse. Diese Behauptung läßt sich im strengen Untersuchungsrahmen des strukturalistischen Theorienkonzepts nicht mehr aufrechterhalten.

  • Produktionswirtschaftliche Theorien erfahren in der Regel keine empirische Widerlegung. Allenfalls werden die Gestalten und Parameter von Produktionsfunktionen angepaßt. Es ist möglich, diese Widerlegungsresistenz formal zu beschreiben und rational zu erklären.

  • Bedingungen für die Fortschrittlichkeit von produktionswirtschaftlichen Theorien lassen sich angegeben. Die Fortschrittskriterien präzisieren gängige Vorstellungen, die an der Allgemeinheit, der Präzision und der empirischen Bewährung von Theorien anknüpfen. Dabei werden einige zentrale Aspekte der Wissenschaftstheorie, wie z.B. die Inkommensurabilitätsthese, in neuem Licht erscheinen.

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Anmerkungen zum Kapitel

  1. 1).
    Zu den informalen Darstellungsmitteln gehören z.B. ebenso graphische Visualisierungen. Natürlichsprachliche Erläuterungen werden im folgenden im Sinne eines pars pro toto für alle informalen Darstellungsweisen thematisiert.Google Scholar
  2. 2).
    Auf die Präferenz zugunsten formalsprachlicher Ausdrucksweisen wird aber an späterer Stelle noch einmal zurückgekommen, wenn die Formulierung von Theorien aus der Perspektive des “statement view” ausführlicher dargestellt wird. Die Bevorzugung formaler Ausdrucksmittel wird dort anhand eines Formalisierungspostulats präzisiert.Google Scholar
  3. 3).
    Formalsprachliche Ausdrucksweisen zeichnen sich im allgemeinen dadurch aus, komplexe Sachverhalte mit hoher Darstellungspräzision, großer Transparenz und weitreichender Folgerungsmächtigkeit wiedergeben zu können. Hinzu kommt der Vorzug, daß formale Konzepte den befruchtenden Erkenntnistransfer zwischen Konzeptanwendungen erlauben, die zu vollkommen verschiedenen “Bedeutungssphären” gehören. Denn erst die Bedeutungsfreiheit eines formalen Konzepts gestattet es, dasselbe Konzept bei der Bearbeitung von material verschiedenartigen Objekten einzusetzen. Schließlich erlauben formale Sprachen in der Regel, Sachverhalte wesentlich kompakter zu auszudrücken, als es mit natürlichsprachlichen Umschreibungen möglich ist. Vgl. zu den voranstehend skizzierten Vorzügen formalsprachlicher Ausdrucksweisen z.B. Hilbert(1925), S. 176ff.; Whitehead(1925), S. 87f.; Carnap(1931c), S. 105; Von Neumann(1931), S. 118f.; Gentzen(1936), S. 499 u. 501f.; Kern,W. (1967), S. 215; Bourbaki (1968), S. 7ff.; SUPPES (1968), S. 651ff., insbesondere S. 653ff. u. 664; /CORNER (1968), S. 100ff.; Stachowiak(1973), S. 265; Opp(1976), S. 319ff.; Stegmoller(1976b), S. 430f.; Reichenbach (1977), S. 327ff. (mit speziellem Hinweis auf die Sozialwissenschaften auf S. 336); Esser (1977), s. 179ff. (als idealsprache, deren formalisierung nur en passant - z.b. Auf s. 183 - erwähnt wird); stegmÜller (1980), S. 6; Gadenne(1984), S. 155 (mit speziellem Hinweis auf die Sozialwissenschaften); Balzer (1986e), S. 340; Wuchterl(1987), S. 24ff.; VON Foerster(1987), S. 147ff.; Albrecht(1988), S. 200ff. u. 205; Mundy (1988), S. 170; Trede (1990), S. 9f.Google Scholar
  4. 4).
    In ähnlicher Weise äußert sich Stachowiak(1987), S. 100, zur mutmaßlichen Fruchtbarkeit des strukturalistischen Theorienkonzepts: “Die Bewegung des ‘non statement view’ eröffnet besonders der sozialwissenschaftlichen Theorienbildung neue Chancen.” Allerdings führt Stachowiakseine Erwartungshaltung inhaltlich nicht näher aus.Google Scholar
  5. 5).
    Die Bezeichnungen “strukturalistisches Tbeorienkonzept” und “non statement view” werden in diesem Beitrag als Synonyma gebraucht. Aus historischer Perspektive ergibt sich ein anderes Bild: Das Theorienkonzept beruht im wesentlichen auf den Arbeiten von Sneed, der ausschließlich von einem “non statement view” sprach. Vgl. Sneed(1979a), S. XVII; STEGMOLLER (1980), S. 2 u. 177. Im deutschsprachigen Raum wurde SNEED’s Ansatz von Stegmolleraufgegriffen und von dessen Schülern - darunter insbesondere von Balzerund Moulines- fortentwickelt. Die STEGMOLLER-Schule verwandte zunächst auch noch die Bezeichnung “non statement view”. Schon bald brachte aber Bar-Hilleldie Anregung ein, die negative Konzeptbezeichnung durch eine gefälligere positive Wendung zu ersetzen. Er empfahl die Bezeichnungen “strukturalistische Auffassung von Theorien” oder kurz “Strukturalismus”. Damit hob er hervor, daß Anhänger des “non statement view” die konventionelle Einstellung aufgeben, das Wesentliche einer realwissenschaftlichen Theorie liege in ihren empirischen Behauptungen. Statt dessen vertreten sie pointiert die Ansicht, die Essenz einer Theorie liege in der Struktur ihrer formalsprachlichen Gestalt. Vgl. zu dieser Charakterisierung des strukturalistischen Theorieverständnisses Sneed(1983), S. 351: “... structuralists see the mathematical structures associated with a theory to be much more ‘essential’ features of the theory than the claims it makes. The claims may change with the historical development of the theory, but the mathematical apparatus remains the same.” Auch laut StegmÜller(1986c), S. 321, “legt der Strukturalismus nicht nur großen Wert auf die Unterscheidung zwischen den mit einer Theorie verbundenen mathematischen Strukturen und den empirischen Behauptungen, sondern erblickt in jenen Strukturen etwas, das in einem viel wesentlicheren Sinn zu einer Theorie gehört als die Behauptungen, welche man mit der Theorie aufstellt. Es sind nämlich jene Strukturen und nicht die empirischen Aussagen, die als Kriterien für die Identifizierung von Theorien verwendet werden.” (Die kursiven Hervorhebungen des Originals sind hier unterlassen.)Google Scholar
  6. Hinsichtlich der beiden voranstehenden Zitate empfehlen sich zwei Klarstellungen. Erstens wird dort nur von mathematischen Strukturen gesprochen. In diesem Beitrag interessieren aber in einem weiter gefaßten Verständnis die formalsprachlichen Strukturen einer Theorie. Diese Unterscheidung wird später Bedeutung erlangen, weil die Vertreter des strukturalistischen Theorienkonzepts den Formalismus der sogenannten “mathematischen Strukturen” bevorzugen. Dagegen beruhen die nachfolgenden Ausarbeitungen auf einer prädikatenlogisch geprägten Ausformung des “non statement view”. Zweitens beziehen sich die Zitate allgemein auf Theorien. Tatsächlich fokussiert sich das strukturalistische Theorienkonzept aber auf die Rekonstruktion von realwissenschaftlichen Theorien. Hier interessiert aus produktionswirtschaftlicher Perspektive ebenso nur der Bereich der Realwissenschaften. Daher beschränken sich die nachfolgenden Ausführungen von vornherein auf einen realwissenschaftlichen Argumentationszusammenhang. Die Frage, ob das strukturalistische Theorienkonzept darüber hinaus auch für Formalwissenschaften Bedeutung erlangen kann, bleibt vollkommen ausgeklammert. Ein erster Beitrag in dieser Richtung liegt immerhin vor. Es handelt sich um die strukturalistische Rekonstruktion der Entscheidungstheorie von Jeffrey; vgl. Sneed(1982), S. 201ff.; StegmÜller(1986c), S. 362 u. 395 (insbesondere S. 362 u. 396 zur normativen Variante); SCHURZ (1990), S. 191f.Google Scholar
  7. Von “Strukturalismus” zu reden, könnte allerdings zu Verwirrungen führen. Denn es existiert eine gleich benannte, aber inhaltlich vollkommen anders ausgerichtete philosophische Tradition, die vornehmlich im französischen Sprachraum eine bedeutsame Rolle spielt(e). Daher hat sich heute in der deutschsprachigen Literatur weitgehend durchgesetzt, von einer “strukturalistischen Auffassung von Theorien” zu reden. Der Verf. bevorzugt die kompaktere Bezeichnung “strukturalistisches Theorienkonzept”, die auch STEGMÜLLER selbst verwendet. Vgl. z.B. StegmÜller(1980), S. 2 (Kapitelüberschrift: “Das strukturalistische Theorienkonzept ...”). Dort findet sich auch eine Erläuterung der zuvor skizzierten terminologischen Entwicklung. Im folgenden wird jedoch von sprachraumbedingten und wissenschaftspsychologischen Benennungsfragen abgesehen. Statt dessen werden die beiden Bezeichnungen “strukturalistisches Theorienkonzept” und “non statement view” unterschiedslos nebeneinander verwendet, um die Diktion aufzulockern.Google Scholar
  8. 6).
    Das strukturalistische Theorienkonzept hat bislang kaum produktionswirtschaftliche Beachtung erfahren. Dem Verf. sind nur zwei Ausnahmen bekannt. Erstens hat sich KOTTER (1983), S. 333ff., damit befaßt, SHEPHARD’s aktivitätsanalytische Produktionstheorie aus der Perspektive des “non statement view” aufzuarbeiten. Seine Ausführungen bleiben aber in qualitativ-natürlichsprachlichen Andeutungen verhaftet. Zwar präsentiert er auf S. 334 eine formale Darstellung. Sie beschränkt sich jedoch auf die Wiedergabe von SHEPHARD’s konventioneller Axiomatisierung. Die formalen Konstruktionen des strukturalistischen Theorienkonzepts wendet KOTTER auf sein produktionswirtschaftliches Beispiel nicht an. Daher zeigt KöTTER’s Beitrag allenfalls ein Bedürfnis auf, produktionswirtschaftliche Theorien in strukturalistischer Weise zu rekonstruieren. Er selbst stillt das geweckte Bedürfnis aber nicht. Die zweite Ausnahme bilden die Ausführungen von WEBER (1983), S. 617ff. Er diskutiert die strukturalistische Rekonstruktion von mikroökonomischen Produktionstheorien. Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive interessieren solche mikroökonomischen Ansätze weniger, weil sie die Vielfalt produktionswirtschaftlicher Tatbestände nur rudimentär erfassen. Dazu gehört z.B., daß die Determinantenfülle betriebswirtschaftlicher Produktionsfunktionen bei weitem nicht gewürdigt wird. Da sich WEBER auf eine solche mikroökonomische Produktionstheorie beschränkt, bleiben seine Erkenntnisse in produktionswirtschaftlicher Hinsicht recht dürftig. So erfolgt z.B. auf S. 621f. eine Fokussierung auf ertragsgesetzliche Produktionsfunktionen (vom Typ “A”). Sie erweisen sich zumindest für industrielle Produktionsverhältnisse weitgehend irrelevant. Vgl. Gutenberg(1983), S. 318ff., insbesondere S. 325; Kern,W. (1990a), S. 29f. Des weiteren ist kritisch anzumerken, daß Weberauf S. 622 lediglich behauptet, er habe eine strukturalistisch formulierte Produktionstheorie vorgelegt. Tatsächlich besteht aber kein wohldefinierter Zusammenhang zwischen dem strukturalistischen Komponententupel auf S. 622 und der voranstehenden, konventionell formulierten Produktionstheorie (S. 617ff.). Zumindest läßt sich dieser Zusammenhang in den Ausführungen von WEBER nicht wiedererkennen. Beispielsweise zeigt er an keiner Stelle, welche Teile seiner Theorieformulierung in die strukturalistische Modellmenge M und welche Teile in die partielle potentielle Modellmenge eingehen sollen. Ebenso wird seine “Nebenbedingung” dem strukturalistischen Restriktionsbegriff nicht gerecht. Darauf wird in einer späteren Anmerkung zurückgekommen. Wegen der zuvor skizzierten Vorbehalte stellt Weber’sBeitrag noch keine gelungene Anwendung des strukturalistischen Theorienkonzepts auf produktionswirtschaftliche Fragestellungen dar.Google Scholar
  9. Selbst im allgemeinen betriebswirtschaftlichen Rahmen hat der “non statement view” bisher keine größeren Spuren hinterlassen. Zu den wenigen, aber konsequenzenlosen Publikationen, die das strukturalistische Theorienkonzept rezipiert haben, zählen - neben den bereits genannten - MATTESSICH (1979), S. 258ff.; KÜttner(1983), S. 348ff., und Kirsch(1984), S. 1072ff. Allein schon die Publikationslücke von etlichen Jahren spricht dafür, daß der “non statement view” über eine frühe und kurze Phase betriebswirtschaftlichen Interesses nicht hinausgelangte. Daher kann zu Recht davon gesprochen werden, sein Theorieverständnis besitze einen fremdartigen, weithin unbekannten Charakter.Google Scholar
  10. Allerdings existiert im Bereich der Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre auch einige wenige Ausnahmen. Es handelt sich vor allem um die Diskussion des betriebswirtschaftlichen Theoriebegriffs durch Schneider,D. (1987), S. 54ff. u. 188. Dabei bezieht sich Schneiderausdrücklich auf STEGMOU.ER’s Arbeiten (Fn. 1 auf S. 54 sowie S. 188). Hinzu kommt noch die Fortschrittserörterung auf S. 593ff., in der Aspekte des “non statement view” durchschimmern (vor allem auf S. 593 u. 596). Jedoch beschränkt sich SCHNEIDER im wesentlichen darauf, die Idee des Theoriekerns aus dem strukturalistischen Theorienkonzept zu übernehmen. Explizit spricht Schneidervom “Strukturkern” (S. 55, auch S. 310, 403f., 593 u. 597f.). Darüber hinaus beläßt er es aber bei einigen terminologischen Anleihen. Alle weiterführenden Aspekte des “non statement view” klammert SCHNEIDER dagegen aus. Dazu gehören sowohl die speziellen Konstrukte des strukturalistischen Theorienkonzepts als auch sein gesamter formal-sprachlicher Apparat Eine herausragende Eigenart des strukturalistischen Theorienkonzepts, seine Verdichtung nomischer Hypothesen in einer einzigen empirischen Gesamthypothese, bleibt zunächst unbeachtet (S. 54ff.) und wird später vollkommen mißverstanden (S. 188). An einer anderen Stelle widerspricht SCHNEIDER dem strukturalistischen Theorienkonzept sogar fundamental. Denn er behandelt Verengungen des Anwendungsbereichs von Theorien, mit denen auf die empirische Widerlegung ihrer nomischen Hypothesen reagiert wird, ausdrücklich als einen wissenschaftlichen Fortschritt (S. 594). Dagegen werden die später vorgestellten Fortschrittskriterien des “non statement view” zeigen, daß solche Anwendungsspezialisierungen aus strukturalistischer Sicht definitiv keinen Fort-schritt, sondern einen Rückschritt bedeuten. Schließlich nimmt Schneiderauch nicht die bedeutsame Fortentwicklung des “non statement view” zur Kenntnis, die durch das Konzept der Theorienetze erfolgt ist. Sie wird übrigens von den oben angeführten anderen produktions-und betriebswirtschaftlichen Beiträgen ebensowenig gewürdigt. Wegen dieser vielfachen Devianzen stellt SCHNEIDER’s Beitrag strenggenommen keine überzeugende Rezeption des strukturalistischen Theorienkonzepts dar. So verwundert es auch nicht, daß Schneiderausdrücklich einräumt, er habe dieses Konzept nach seinen Bedürfnissen “abgewandelt” (S. 54). Analoge Vorbehalte gelten gegenüber den Einlassungen von Bretzke(1980), S. 7 u. 215ff. Auch er beruft sich explizit auf das strukturalistische Theorienkonzept. Allerdings würdigt er weder den konzeptionellen Aufbau noch die spezielle formalsprachliche Ausformung des “non statement view”. Statt dessen beruft er sich lediglich auf S. 215ff. auf einen speziellen strukturalistischen Gedanken: das Phänomen der Autodetermination (darauf wird später noch zurückgekommen). Das Argument der Autodetermination wird jedoch nur “zweckgerecht” eingesetzt, um gegen kritisch-rationale Erkenntnispositionen zu polemisieren. Die tieferen strukturalistischen Zusammenhänge beachtet Bretzkeaber nicht weiter. Schließlich wird das strukturalistische Theorienkonzept auch kurz von Steinmann(1992), S. 941, als eine mögliche wissenschaftstheoretische Grundlage der Betriebswirtschaftslehre erwähnt. Es wird dort aber inhaltlich nur kurz gestreift und im wesentlichen mit Lakatos’Konzept der Forschungsprogramme gleichgesetzt. Dies wird der inhaltlichen Fülle des “non statement view” aber ebensowenig gerecht.Google Scholar
  11. Anders liegen die Verhältnisse im volkswirtschaftlichen Bereich. Dort hat das strukturalistische Theorienkonzept schon mehrfach Anwendung gefunden. Das weitaus größte Interesse erlangten bisher mikroökonomische Theorien. Im Vordergrund steht die Rekonstruktion einer “reinen” (pure) Tauschökonomie, in der keine Produktion von Gütern erfolgt. Vgl. dazu Balzer(1982a), S. 23ff., insbesondere S. 25ff.; Balzer(1982c), S. 68ff., insbesondere S. 77ff.; Balzer(1982d), S. 21, 27ff. u. 32ff.; Haslinger(1983), S. 115ff., insbesondere S. 125ff.; Hands(1985), S. 259ff.; Balzer(1985b), S. 185ff.; BALZER (1985d), S. 139ff.; Mormann(1985), S. 337ff.; Stegmoller(1986c), S. 376ff.; Balzer(1987a), S. 155ff.; Janssen(19896), S. 184ff. u. 198ff. Daneben wurde auch ein Teil von MARX’ Wirtschaftstheorie aus der Perspektive des “non statement view” aufbereitet. Vgl. Diederich(1981), S. 124ff., insbesondere S. 136ff.; Garcia(1982), S. 118ff., insbesondere S. 137ff.; DIEDERICH (1982b), S. 148ff.; StegmÜller(1986c), S. 432ff., insbesondere S. 436ff.; Diederich(1989a), S. 147ff. Weitere strukturalistische Beiträge zur Reformulierung von volkswirtschaftlichen Theorien finden sich bei Haslinger(1982), S. 65ff., insbesondere S. 70ff. (eine allgemeine Gleichgewichtstheorie); Handler(1982a), S. 68ff. (eine makroökonomische Theorie KEYNESianischer Prägung); Handler(1982b), S. 41ff. (eine ökonometrische Theorie); Pearce(1982c), S. 91ff. (ein Netz aus 7 makroökonomischen Ungleichgewichts-und Gleichgewichtstheorien); KÖtter(1982), S. 108ff. (eine allgemeine Gleichgewichtstheorie, deren formale Repräsentation jedoch nur rudimentär entfaltet wird); Weber(1983), S. 617ff. (mikroökonomische Produktionstheorien; sie wurden hinsichtlich ihres produktionswirtschaftlichen Gehalts schon oben angesprochen); Hamminga(1986), S. 31ff. (eine neoklassische makroökonomische Theorie); Janssen(1989a), S. 165ff., insbesondere S. 170ff. (makroökonomische Theorien klassischer und KEYNESianischer Prägung); Janssen(19896), S. 183ff. (eine allgemeine Gleichgewichtstheorie, die mikro-und makroökonomische Theorien zusammenführt, vor allem auf S. 201ff.). Ein großer Teil der vorgenannten Arbeiten ist in dem Sammelwerk Stegmoller(1982) und im Vol. 30 (1989) der Zeitschrift “Erkenntnis” (Nos. 1–2) erschienen. Trotz ihrer beachtenswerten Anzahl konnte sich das strukturalistische Theorienkonzept bis heute auch im Bereich der Volkswirtschaftslehre noch nicht etablieren. In den einschlägigen Standardwerken und Lehrbüchern wird es bislang nicht beachtetGoogle Scholar
  12. 7).
    Es wird sich später zeigen, daß der Theoriekern einer strukturalistischen Theorie über die Explikation der gesetzesartigen Aussagen deutlich hinausreicht. Aber bei der späteren Diskussion des Gesetzesdefekts von konventionell formulierten Theorien werden diese nomischen Hypothesen zunächst im Vordergrund stehen.Google Scholar
  13. 8).
    Aus strukturalistischer Perspektive handelt es sich nur um genau eine empirische Hypothese. Sie wird daher zumeist als empirische Gesamthypothese angesprochen. Darauf wird später zurückgekommen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Stephan Zelewski

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