Advertisement

Die Macht der Intellektuellen über die Herzensangelegenheiten ihrer Mitmenschen. Eine wissenssoziologische Betrachtung der Ehe in der modernen Zeit

  • Dirk Tänzler
Chapter
  • 84 Downloads

Zusammenfassung

Die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion über die Ehe war in den letzten Jahren geprägt von der Frage, ob die Ehe noch eine akzeptierte Form der Geschlechterbeziehung sei oder ob und wie weit sie von nicht-institutionalisierten, aber zunehmend anerkannten Beziehungsformen, die man früher als Konkubinat, „wilde Ehe“ oder in Anlehnung an den französischen Sprachgebrauch neutraler als Kohabitation bezeichnet hat, verdrängt werden. Dabei wird in der Regel ein Zusammenhang mit dem allgemeinen Wertewandel etwa im Sinne von „Enttraditionalisierung“ und dem Prozeß der Industrialisierung als wesentlicher Determinante des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses unterstellt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 2.
    Christine Goldberg, Persönliche Freiheit kontra eheliche Partnerschaft, eheliche Partnerschaft kontra Elternschaft? Einstellungen im Vergleich, in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 2/1994, S. 24Google Scholar
  2. 3.
    Goldberg 1994, S.5 und S.9Google Scholar
  3. 4.
    Goldberg 1994, S. 12Google Scholar
  4. 5.
    Schriftenreihe des Bundesministers für Jugend, Familie und Gesundheit. Nichteheliche Lebensgemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland, Stuttgart 1985, S. 8Google Scholar
  5. 6.
    G. Burkart, B. Fietze und M. Kohli, Liebe, Ehe, Elternschaft. Eine qualitative Untersuchung über den Bedeutungswandel von Paarbeziehungen und seine demographischen Konsequenzen. Hg. vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Wiesbaden 1989; G. Burkart, Treue in Paarbeziehungen. Soziale Welt Heft 4, 1991Google Scholar
  6. 7.
    Burkart et al 1991, S.6Google Scholar
  7. 8.
    F.H. Tenbrock, Repräsentative Kultur, in: H. Haferkamp, Sozialstruktur und Kultur, Frankfurt a.M. 1990, S.46ff., Zu einem kultursoziologisch erweiterten Konzept der Alltagskultur siehe H.G. Soeffner, Kultur und Alltag, Soziale Welt, Sonderband 6, Göttingen 1988; auch B. Waldenfels, Alltag als Schmelztiegel der Rationalität, in: Amerikastudien 32, 1987Google Scholar
  8. 9.
    siehe K.S. Rehberg, Kultursoziologische Perspektiven und die Tradition der Weberschen Soziologie, Berliner Journal für Soziologie, Heft 2, Band 1, Berlin 1990, und: Kultur versus Gersellschaft? Anmerkungen zu einer Streitfrage in der deutschen Soziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft Kultur und Gesellschaft. Festschrift für René König, Opladen 1986Google Scholar
  9. 10.
    J. Goody, Die Entwicklung von Ehe und Familie in Europa, Berlin 1983; G. Duby, Ritter, Frau und Priester, Frankfurt a.M. 1985Google Scholar
  10. 11.
    N. Luhmann. Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität, Frankfurt a.M. 1982Google Scholar
  11. 12.
    P.L. Berger und H. Kellner, Die Ehe und die Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Abhandlung zur Mikrosoziologie des Wissens. Soziale Welt 16/ 1965 Heft 3Google Scholar
  12. 13.
    P.L. Berger und Th. Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt a.M. 1969Google Scholar
  13. 14.
    E. Pfeil, Männliche und weibliche Rollen-Dynamik und unausgetragene Konflikte, Zeitschrift für Soziologie Nr. 4, 1975Google Scholar
  14. 15.
    An dem Beispiel wird deutlich, daß der Soziologe Tatsachen nicht allein auf ihre Repräsentativität hin untersuchen muß, wie F.H. Tenbrock, a.a.O., S. 29 behauptet, sondern auch nicht umhinkommt, sie vorab wie ein Kulturwissenschaftler um ihrer selbst willen, d.h. auf ihre innere, zweckfreie Gestalt hin zu analysieren.Google Scholar
  15. 16.
    P. Bourdieu, Die feinen Unterschiede, Frankfurt a.M. 1984Google Scholar
  16. 17.
    R. König, Ehe und Ehescheidung, in: Wörterbuch der Soziologie, hrsg. von Wilhelm Bernsdorf, Stuttgart 1969, S. 199Google Scholar
  17. 18.
    G. Duby 1985, S.210Google Scholar
  18. 19.
    C. Leví-Strauss, Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft, Frankfurt 1981; L. Dumont, Introduction à deux théories d’anthropologie sociale. Groupes de filiation et alliance de mariage, Paris 1971Google Scholar
  19. 20.
    B. Malinowski, Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien, Frankfurt a.M. 1979, S.270f.Google Scholar
  20. 21.
    Jean-Louis Flandrin, Familien. Soziologie-Ökonomie-Sexualität, Frankfurt a.M. / Berlin / Wien 1978, S.36, nennt eine Zahl von 2.731 verbotenen Kusinen.Google Scholar
  21. 22.
    O. Brunner, Das ‚Ganze Haus‘ und die alteuropäische ‚Ökonomik‘, in ders: Neue Wege der Verfassungs- und Sozialgeschichte, Göttingen 1968Google Scholar
  22. 23.
    M. Schröter, Wo zwei zusammenkommen in rechter Ehe, Frankfurt a.M. 1985; D. Tänzler, Das Inzestverbot. Untersuchungen zur Struktur sozialer Konstitution. Dissertation Frankfurt a.M. 1991; Heide Wunder und Christel Vanja (Hg.), Wandel der Geschlechtsbeziehungen zu Beginn der Neuzeit, Frankfurt a.M. 1991; Zur Geschichte des Eherechts und Heiratsbrauchtums neuerdings Clausdieter Schott, Trauung und Jawort. Von der Brautübergabe zur Ziviltrauung, Verlag für Standesamtswesen, Frankfurt a.M. 1992Google Scholar
  23. 24.
    Max Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie 1, Tübingen 1920/1963Google Scholar
  24. 25.
    D. Tänzler 1991; M.O. Metral, Die Ehe. Analyse einer Institution, Frankfurt a.M. 1981Google Scholar
  25. 26.
    F.H. Tenbruck, Freundschaft. Ein Beitrag zur Soziologie der persönlichen Beziehungen, in: ders., Die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft, Opladen 1989Google Scholar
  26. 27.
    M. Foucault, Sexualität und Wahrheit. Der Wille zum Wissen, Frankfurt a.M. 1977;Google Scholar
  27. 27a.
    S. Maasen, Vom Beichtstuhl zur psychoanalytischen Praxis. Zur Therapeutisierung der Sexualität, Bielefeld 1988Google Scholar
  28. 28.
    F. H. Tenbruck, Der Fortschritt der Wissenschaft als Trivialisierungsprozeß, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 22, Köln 1981;Google Scholar
  29. 28a.
    R. Pohl, Psychologisierung des Alltags, in: R. Asanger und G. Wenninger, Handwörterbuch der Psychologie, Weinheim 1980;Google Scholar
  30. 28b.
    R. Mahlmann: Psychologisierung des Alltagsbewußtseins. Die Verwissenschaftlichung des Diskurses über die Ehe, Opladen 1991Google Scholar
  31. 29.
    zitiert bei Tenbruck 1991Google Scholar
  32. 30.
    Tenbruck 1981, S.234, 239Google Scholar
  33. 31.
    Berger und Kellner 1969Google Scholar
  34. 32.
    Luhmann 1982, S.207Google Scholar
  35. 33.
    Luhmann 1982, S.214 und 222.Google Scholar
  36. 34.
    J. Reichertz, Von der Liebes- zur Lustbeziehung. Thesen zu einem neuen Intimitätsmuster, in: J. Friedrich (Hg.), Technik und sozialer Wandel. Beiträge auf dem 21. Soziologentag in Hamburg 1986, Opladen 1987Google Scholar
  37. 35.
    Georg Simmel, Fragment über die Liebe. Aus dem Nachlaß, Logos X, 1921/22, S.48f.Google Scholar
  38. 36.
    Alois Hahn, Konsensfiktionen in Kleingruppen. Dargestellt am Beispiel junger Ehen. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie SonderheftGoogle Scholar
  39. 37.
    Luhmann 1982, S.42Google Scholar
  40. 38.
    Peter L. Berger, Towards a Sociological Understanding of Psychoanalysis, Social Research 32, Spring 1965Google Scholar
  41. 39.
    Romantische Liebe ist die Kultivierung und Sublimierung der Sexualität durch Einbindung in eine narrative Struktur: die einmalige, einzigartige Geschichte zwischen zwei für einander bestimmte Menschen. Giddens arbeitet nicht heraus, daß darin genau die Möglichkeit liegt, daß Liebe zum Bindungsmedium für eine personalisierte Beziehung, nämlich der Ehe werden kann. Das war vorher gar nicht möglich. Daher ist die Wiederholung des Gemeinplatzes über den angeblich ökonomischen Charakter der vormodernen Ehe, von der angeblich alle Liebe als „Naturphänomen“ ausgeklammert sei, weder empirisch haltbar noch theoretisch tiefschürfend.Google Scholar
  42. 40.
    A. Giddens, The Transformation of Intimacy. Sexuality, Love and Eroticism in Modern Societies, Oxford 1992, S.30Google Scholar
  43. 41.
    Foucault 1977Google Scholar
  44. 42.
    G. Hellerich, Homo Therapeuticus. Der Mensch im Netz der Helfer 1985Google Scholar
  45. 43.
    R. Castel, Die flüchtigen Therapien, in: H.G. Brose und B. Hildenbrand, Vom Ende des Individuums zur Individualität ohne Ende. Opladen 1988Google Scholar
  46. 44.
    Castel 1988, S.156Google Scholar
  47. 45.
    D. Schaeffer, Intimität als Beruf. Biographische Interviews mit Psychothrapeuten, in: Brose und Hildenbrand 1988Google Scholar
  48. 46.
    J. Habermas, Können komplexe Gesellschaften eine vernünftige Identität ausbilden? in: ders., Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus, Frankfurt a.M. 1976 und Theorie des kommunikativen Handelns, Frankfurt a.M. 1981Google Scholar
  49. 47.
    L. Landgrebe, Lebenswelt und Geschichtlichkeit des menschlichen Daseins, in: B. Waidenfels/ J. M. Broekman/ A. Pazanin: Phänomenologie und Marxismus Bd.2, Frankfurt a.m. 1977Google Scholar
  50. 48.
    U. Oevermann, Eine exemplarische Fallrekonstruktion zum Typus versozialwissenschaftlichter Identitätsformation, in: H.G. Brose und G. Hildenbrand a.a.O. 1988,Google Scholar
  51. 48a.
    U. Oevermann, Versozialwissenschaftlichung der Identitätsformation und der Verweigerung von Lebenspraxis, in B. Lutz (Hg.), Soziologie und gesellschaftliche Entwicklung. Verhandlungen des 22. Soziolgentages in Dortmund 1984, Frankfurt a.M. / New York 1985, S.472Google Scholar
  52. 49.
    Das gilt auch in der Beziehung zum „Ersatzpartner Kind“ wie E. Beck-Gernsheim, Von der Liebe zur Beziehung. Veränderungen im Verhältnis von Mann und Frau in der individualisierten Gesellschaft, in: J. Berger (Hg.), Die Moderne — Kontinuität und Zäsuren, Soziale Welt Sonderband 4, Göttingen 1986, S.227, berichtet. Die unkündbare Beziehung zum Kind wird zum letzten Garanten von Dauer (Ibid. S. 28) und für die Selbstverwirklichung von Müttern oder Vätern funktionalisiert. Eine Entkoppelung und Stärkung der Filiation (Familienbeziehungen) auf Kosten der Allianz (Ehebeziehung) läßt sich nach Christine Goldberg 1994, S.29, als relevanter Trend empirisch aber nicht bestätigen.Google Scholar
  53. 50.
    Der Widerspruch zwischen Spontaneität und Reflexivität löst sich auf und wird als Ausdruck der Entfremdung greifbar. „Nur der liebt, der Kraft hat, an der Liebe festzuhalten. (...) Jene aber, die, unterm Schein der unreflektierten Spontaneität und stolz auf die vorgebliche Aufrichtigkeit, sich ganz und gar dem überläßt, was sie für die Stimme des Herzens hält, und wegläuft, sobald sie diese Stimme nicht mehr zu vernehmen meint, ist in solcher souveräner Unabhängigkeit gerade das Werkzeug der Gesellschaft.“ Th. W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben, Frankfurt a. M. 1976, S. 227f.Google Scholar
  54. 51.
    H. Schelsky, Ist die Dauerreflexion institutionalisierbar? Zum Thema einer modernen Religionssoziologie, in: Ders., Auf der Suche nach Wirklichkeit, Köln 1965Google Scholar
  55. 52.
    G.R. Bach und Wyden, Streiten verbindet. Formeln für faire Partnerschaft in: Liebe und Ehe, Gütersloh 1970 (Original: The Intimate Enemy. New York 1969), G.R. Bach und Y. Bernhard, Aggression Lab. Das Trainingsmanual für faires Streiten um Veränderung. Deutsche Studienausgabe. (engl. Original 1971)Google Scholar
  56. 53.
    M. Collen, Menschenbild und Therapie der Paarsynthese. München 1989Google Scholar
  57. 54.
    D. Wyss, Lieben als Lernprozeß, Göttingen 1981Google Scholar
  58. 55.
    C. Rogers, Partnerschule. Zusammenleben will gelernt sein. München 1975Google Scholar
  59. 56.
    A. Mandel, K. H. Mandel, E. Stadter und D. Zimmer, Einübung in die Partnerschaft durch Kommunikationstheorie und Verhaltenstherapie 1. München 1971. Erschienen in der sinnreich betitelten Buchreihe Leben lernen Google Scholar
  60. 57.

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Dirk Tänzler

There are no affiliations available

Personalised recommendations