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Existenzgründer in Ostdeutschland. Pioniere einer neuen Wirtschaftskultur

  • Frank W. Heuberger
  • Dirk Tänzler
Chapter
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Zusammenfassung

Der sich nicht selten rasch einstellende berufliche Erfolg ostdeutscher Existenzgründer steht in Widerspruch zu ihrer häufig zu beobachtenden eher pessimistischen Lebenseinstellung, gilt Optimismus doch gemeinhin als Grundrequisite beruflicher Selbständigkeit. Trotz Stolz und Freude über den geschäftlichen Erfolg sind von den ostdeutschen Existenzgründern jedoch immer wieder Klagen über die Schwierigkeiten zu vernehmen, mit den neuen Lebensumständen fertig zu werden. Warum gelingt diesen Menschen fast problemlos der Übergang in die berufliche Selbständigkeit, während ihnen gleichzeitig die Integration in eine neue Gesellschaftsordnung ausgesprochen schwer zu fallen scheint? Offenbar verharren sie in alten Denk-und Lebensgewohnheiten, die sie noch nicht haben einswerden lassen mit ihrer neuen Berufsrolle.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriß der verstehenden Soziologie, Tübingen 1976;Google Scholar
  2. 1a.
    Peter L. Berger, The Capitalist Revolution, Vorwort zur 2. Auflage, New York 1991, und: The gross national product and the gods: problems of economic culture, in: Walter M. Sprondel (Hg.), Die Objektivität der Ordnungen und ihre kommunikative Konstruktion. Für Thomas Luckmann, Frankfurt am Main 1994; Niklas Luhmann, Die Wirtschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1988.Google Scholar
  3. 2.
    Hierbei geht es zunächst um eine rein theoretische Frage, nämlich die nach der rationalen Erklärung wirtschaftlichen Handelns, nicht um wirtschaftspolitische Belange, also die Frage, ob man die Steuerung wirtschaftlicher Vorgänge dem Markt oder staatlicher Intervention überlassen sollte.Google Scholar
  4. 3.
    Aus der Analyse sozialistischer Mangelökonomie folgt soziologisch gesehen die Aufwertung persönlicher Netzwerke in der Form von Nachbarschaftssolidaritäten und ethnischen Verbänden. Vgl. Janos Kornai, Economics of Shortage, Amsterdam u. a. 1980, und Ilja Srubar, War der reale Sozialismus modern? Versuch einer strukturellen Bestimmung, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 43 (1991) 3, S. 15–432.Google Scholar
  5. 4.
    Diese Ansicht wird vertreten von Dieter Bögenhold, Die Selbständigen. Zur Soziologie der dezentralen Produktion, Frankfurt am Main 1985, S. 219 ff; ders., Die Berufspassage in das Unternehmertum. Theoretische und empirische Befunde zum sozialen Prozeß von Firmengründungen, in: Zeitschrift für Soziologie, 18 (1989) 3, S. 267 ff.Google Scholar
  6. 5.
    Alle Angaben beruhen, wenn nicht ausdrücklich andere Quellen genannt werden, auf der Studie „Auf der Suche nach der Zukunft. Zur Entfaltung neuer Lebenschancen in Ostdeutschland unter besonderer Berücksichtigung mittelständischer Existenzgründungen“, die unter der Leitung von Frank W. Heuberger in den Jahren 1992 bis 1994 in Sachsen-Anhalt durchgeführt und vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt gefordert wurde.Google Scholar
  7. 6.
    Dieser zentrale Begriff findet sich bei Max Weber u. a. in: Die „Objektivität“ sozialwissenschaftlicher Erkenntnis, und: Asketischer Protestantismus und Kapitalistischer Geist, in: Max Weber, Soziologie — Universalgeschichtliche Analysen — Politik, hrsg. von Johannes Winckelmann, Stuttgart 1973, S. 187–262 und 357–381.Google Scholar
  8. 7.
    Vgl. dagegen die These von Helmut Wiesenthal, der zufolge ein schockartiger Transfer westlicher Institutionen nach Ostdeutschland die „Subjektlosigkeit“ der Akteure verstärkt habe. Dieser Annahme folgen auch Thomas Koch, Michael Thomas, Rudolf Woderich, Akteurgenese und Handlungslogiken — das Beispiel der „neuen Selbständigen“ in Ostdeutschland, in: Berliner Journal für Soziologie, 3 (1993) 3, S. 275–291.Google Scholar
  9. 8.
    Zu vergleichbaren Ergebnissen kommen Felix Büchel und Markus Pannenberg, „Neue Selbständige“ in Ostdeutschland. Statusentscheidungen, Realisierungschancen und materielle Zufriedenheit, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (MittAB), 25 (1992) 4, S. 544–552.Google Scholar
  10. 9.
    Die Konzentration der Existenzgründungen in diesem Sektor ist nicht zufällig. Der Grund ist die Unterentwicklung des Dienstleistungsbereichs in der ehemaligen DDR und ein entsprechender Nachholbedarf. Außerdem haben Klein- und Mittelbetriebe in einer Industriegesellschaft mit Serienfertigung komparative Vorteile in Bereichen handwerklicher Produktion und großer Kundennähe. Vgl. dazu Rene Leicht/Reinhard Stockmann, Die Kleinen ganz groß? Der Wandel der Betriebsgrößenstruktur im Branchenvergleich, in: Soziale Welt, 44 (1993) 2, S. 243–274.Google Scholar
  11. 10.
    Zum Konzept der Lebenspraxis vgl. Ulrich Oevermann, Versozialwissenschaftlichung der Identitätsformation und die Verweigerung von Lebenspraxis, in: Burkhard Lutz (Hg.), Soziologie und gesellschaftliche Entwicklung. Verhandlungen des 22. Soziologentags in Dortmund 1984, Frankfurt am Main 1985, S. 463–474.Google Scholar
  12. 11.
    Die Daten in den folgenden Abschnitten sind dem Mittelstandsbericht 1994 des Landes Sachsen-Anhalt, herausgegeben vom Ministerium für Wirtschaft und Technologie des Landes Sachsen-Anhalt, sowie dem Mittelstandsbericht 1995 (Kurzbericht) der Landesregierung entnommen.Google Scholar
  13. 12.
    „Junge Ost-Unternehmer haben ihre Feuertaufe bestanden“ meldet das Handelsblatt vom 2./3. Februar 1996 und beruft sich auf eine Umfrage des Instituts der Deutschen Wirtschaft unter 500 ostdeutschen Gründern. Nach Auskunft des gleichen Instituts erreicht die Selbständigenrate bereits zwei Drittel des westdeutschen Niveaus. Vgl. Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft, Nr. 38 vom 21. September 1995.Google Scholar
  14. 13.
    Vgl. Josef Brüderl/Peter Preisendörfer/Axel Baumann, Determinanten der Überlebenschancen neugegründeter Kleinbetriebe, in: MittAB, 24 (1991) 1, S. 91 – 100.Google Scholar
  15. 14.
    90,4% der 1 142 von uns befragten Gründer in Sachsen-Anhalt hatten den Schritt in die Selbständigkeit nicht bereut; 66,3% erzielten im Vergleich zur Zeit vor der Gründung ein höheres, 22,8% ein gleich hohes Einkommen, 67,1% gaben an, seit der Gründung sei der Umsatz steigend bzw. leicht steigend; 49,9% erwarteten eine Verbesserung, 37,3% eine gleichbleibende Entwicklung für ihr Unternehmen.Google Scholar
  16. 15.
    Vgl. Mittelstandsbericht 1994 des Landes Sachsen-Anhalt (Anm. 11), S. 7.Google Scholar
  17. 16.
    Die anderen Extreme bilden zum einen die Generation der Großeltern mit Kriegserfahrungen und Erfahrungen eines anderen Gesellschaftssystems und zum anderen die Generation ihrer Kinder, die in der Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs der DDR geprägt wurde und der das System nichts mehr zu bieten hatte.Google Scholar
  18. 17.
    Das gilt sogar für die ehemals staatstragenden Gruppen, die ihrerseits vertrauensbasierte Ingroups bilden mußten, um funktionsfähig sein zu können. Paradoxerweise waren diese Beziehungen genauso informell und inoffiziell wie die familialen und freundschaftlichen Netzwerke und werden von ehemaligen Mitgliedern etwa der Staatssicherheit in gleicher Weise für Existenzgründungen genutzt.Google Scholar
  19. 18.
    Mark Granovetter, The strength of weak ties, in: American Journal of Sociology, 78 (1973) 6, S. 1360–1380; ders., Economic action an social structure: the problem of embeddedness, in: American Journal of Sociology, 91 (1985) 3, S. 481–510.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Frank W. Heuberger
  • Dirk Tänzler

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