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Lebensweltliches Hintergrundwissen

Zum theoriestrategischen Status doxischer Wissensformen in der Soziologie sowie ihrer Rolle in der empirisch-soziologischen Zeitdiagnose
  • Ulf Matthiesen
Chapter

Zusammenfassung

Die leider etwas opulent geratene Themenfügung will ich in drei Teilen zu traktieren versuchen:

Ein erster, längerer Teil unter dem Zwischentitel „Die verachtete Doxa heute“ wird knappe theoriegeschichtliche und kategoriale Erläuterungen des Themas anbieten; ein zweiter, materialer Teil steht dann unter dem Zwischentitel „Zeitzeugentum im Stahlarbeitermilieu“. Mit dem Focus doxischen Hintergrundwissens sollen dabei exemplarisch zwei miteinander komplex verbundene kulturelle Transformationsbewegungen skizziert werden, nämlich die Prozesse der „Versozialwissenschaftlichung und Mediatisierung der Alltagserfahrung“ schließlich soll in einem dritten Teil der Versuch unternommen werden, die vorausgegangenen Darlegungen auf einige „Konsequenzen“ — so der letzte Zwischentitel — für eine zeitdiagnostisch geeichte soziologische Forschung und Theoriebildung hin zu durchforsten.

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Literatur

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    Also dem Bruder des unter Soziologen durch seine Arbeit über The Great Transformation berühmteren Karl Polanyi. Michael Polanyis Hauptwerk Personal Knowledge (1958) ist weiterhin nicht ins Deutsche übersetzt.Google Scholar
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    Vgl. Claudia von Grote, Anschlüsse an den Alltag. Versuch zu einer Hermeneutik technischer Infrastrukturen. Schriftenreihe der Forschungsgruppe „Große Technische Systeme“ am WZB, FS II 93–502, Berlin 1993; vgl. jetzt auch den interessanten Versuch von Peter Alheit, ein wissenssoziologisches Konzept der Lebenswelt neu zu entfalten in: P. Alheit, Zivile Kultur, Frankfurt 1994, S. 42ff.Google Scholar
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    ZWAR hat sich zu einem der erfolgreicheren Dortmunder Exportschlager entwickelt, dessen Organisationskonzept ‚gegen das Schwarze Loch von Verrentung und Frühverrentung‘ inzwischen in über 50 Neugründungen außerhalb Dortmunds quer durch ganz Nordrhein-Westfalen adaptiert worden ist.Google Scholar
  17. 18.
    Dazu müßte man es allerdings dringend aus den erratischen Limitierungen klassenfraktioneller Bestimmungen herausholen und generalisieren.Google Scholar
  18. 19.
    Ein wichtiger Verstärker und Kultivator für diesen ‚späten‘ existenzialen Entwurf (also für das sich ausbreitende Zeitzeugentum in der krisenhaft umbrechenden Regionalkultur des Ruhrgebiets, aber auch anderswo) sind zweifellos die Regionalmedien, insbesondere die Regionalpresse, und zwar quer durch die entsprechenden Traditionserosions-Artikel hindurch bis in die fotografische Anordnung der diese Artikel komplettierenden Bilder hinein, von Taubenzuchtvereinsabordnungen bis zu den Unterbezirksparteitagsdelegationen. Darauf kann ich hier nicht näher eingehen.Google Scholar
  19. 20.
    Vgl. den berühmten Aufsatz von Alfred Schütz, The well informed Citizen, Der gut informierte Zeitgenosse also. Hier taucht der Augenzeuge als erste Stufe eines luzide analysierten Typenkabaretts von Sozialformen ‚abgeleiteten Wissens‘ auf. Erstens der Augenzeuge, zweitens der Insider, drittens der Analytiker, viertens der Kommunikator. S. 89Google Scholar
  20. 21.
    Vgl. John Searle, Intentionalität, Frankfurt a.M. 1983, S. 183Google Scholar
  21. 22.
    Searle 1983, S. 183Google Scholar
  22. 23.
    Searle 1983, S. 196Google Scholar
  23. 24.
    Für diese — auch zeitdiagnostisch hochspannende — Region der Doxa-Topografie habe ich vorhin im Teil 2 das ‚Zeitzeugentum im Stahlarbeitermilieu‘ und den Fall Mackenroth aufzubieten versucht.Google Scholar
  24. 25.
    In diese zeitdiagnostische Sackgasse sind bekanntlich etliche Beiträge aus dem „Kritischen Milieu“ der Frankfurter Sozialphilosophie geraten, nicht eben zur Beförderung ihres kritischen Unternehmens.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Ulf Matthiesen

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