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“Herrschaft der Vernunft”? Zur Rolle “neutraler” Akteure

  • Heidrun Abromeit
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Zusammenfassung

So lange über Regierungsformen nachgedacht wird, geht es um zwei Probleme: Wie ist die “Herrschaft des Menschen über den Menschen” (Karl Marx) zu beenden, und wie ist sicherzustellen, daß an der Spitze einer Gesellschaft das realisiert wird, was “das Beste” für diese Gesellschaft ist? Die Antwort hierauf zu finden, hieß stets zugleich, zwischen der Scylla der Tyrannei eines einzelnen oder der Wenigen und der Charybdis irrationaler “Tyrannei der Mehrheit” hindurchzusteuern. Versuche, das Rätsel zu lösen, sind fast so vielfaltig wie Beiträge zur Debatte um die vernünftige Ordnung der politischen Dinge. Eine Variante ist die Vorstellung, mittels mehr oder weniger komplizierter Verfahren — mit diversen Akteuren, die sich gegenseitig zu blockieren vermögen — zwar das Gute nicht unbedingt verwirklichen, das Schlimme aber doch wenigstens verhindern zu können. Eine andere baut auf das Prinzip der Öffentlichkeit: Vorhaben, die öffentlicher Diskussion ausgesetzt sind, müssen (so der Glaube von Liberalen von Immanuel Kant bis zu John St. Mill) gewissen Rationalitätskriterien genügen sowie “dem allgemeinen Zweck des Publikums (der Glückseligkeit) gemäß sein”1.

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Literatur

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    Das Wahlsystem wurde in Frankreich aus zumeist wahltaktischen Erwägungen der jeweiligen Mehrheit des öfteren gewechselt, war aber überwiegend — und ist derzeit wieder — ein System der absoluten Mehrheitswahl, das in der Regel einen zweiten Wahlgang (“Stichwahl”) erforderlich machtGoogle Scholar
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  27. 26.
    Zu den genannten Beispielen liegen Fallstudien vor, s. den Überblick bei Wright, a.a.O., S.279f.Google Scholar
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  31. 30.
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  32. 31.
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  33. 32.
    S. auch BVerfGG §l.Google Scholar
  34. 33.
    So schon im Südweststaats-Urteil vom 23.10.1951 (BVerfGE 1, 14) und im Lüth-Urteil vom 15.1.1958 (BVerfGE 7, 198).Google Scholar
  35. 34.
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    Die “obiter dicta”, das nebenbei Gesagte, sind die nicht zur Urteilsbegründung im engeren Sinn gehörenden Erläuterungen.Google Scholar
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    S. die zahlreichen Beispiele bei Christine Landfried: Bundesverfassungsgericht und Gesetzgeber, Baden-Baden 1984.Google Scholar
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  41. 40.
    Ebenda, S. 15.Google Scholar
  42. 41.
    Neuerdings geht sogar der kleinere Koalitionspartner dazu über — offenbar in dem Bestreben, durch Einschaltung des Gerichts in den Entscheidungsprozeß — die internen Entscheidungskosten zu mindern.Google Scholar
  43. 42.
    Vgl. Heidrun Abromeit: “Mehrheitsdemokratische und konkordanzdemokratische Elemente...”, a.a.O., S.171f.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1993

Authors and Affiliations

  • Heidrun Abromeit

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