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“Herrschaft der Regionen”? Der Föderalismus

  • Heidrun Abromeit
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Zusammenfassung

Zwei der betrachteten Konkurrenzdemokratien sind zugleich Bundesstaaten. Ihre Glieder sind politische Akteure, die die von Parteien und Verbänden vorgeprägte Selektivität des Gesamtsystems zu modifizieren vermögen. Bei der Skizzierung der verschiedenen Akteursgruppen und ihrer Handlungsimperative im ersten Teil (2.2.) fanden sie keine Berücksichtigung, weil sich für sie keine generellen Verhaltensannahmen aufstellen lassen. Zum einen sind die “politisch verfaßten Gebietskörperschaften” zu unterschiedlich organisiert; zum anderen bestimmt sich ihr Verhalten nach der jeweiligen Mischung und dem Machtverhältnis der anderen Akteure — Parteien, Verbände, Verwaltung — auf der regionalen Ebene der Staatlichkeit. So müßte man z.B. die Ergebnisse des vorigen Kapitels auf die Regionen übertragen und fragen, wie die Parteienherrschaft hier die Funktionsweise der Parteienherrschaft dort beeinflußt. In unserem Zusammenhang wäre weiter zu fragen, inwieweit solche Einflüsse als zusätzliche regionale Filter die Selektivität des Interessenvermittlungssystems erhöhen oder verringern oder spezifisch umprägen, ob sie schlicht vorhandene Tendenzen zur Selbstblockade verstärken, oder aber ob die Prägekraft der anderen Akteure so dominiert, daß der regionale Einfluß inhaltlich gar nicht ins Gewicht fällt.

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Literatur

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    Zum Folgenden vgl. Abromeit: Der verkappte Einheitsstaat, Opladen 1992.Google Scholar
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    Zum Folgenden vgl. Abromeit: Der verkappte Einheitsstaat, a.a.O.Google Scholar
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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1993

Authors and Affiliations

  • Heidrun Abromeit

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