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Zum Umgang der Soziologie mit dem Frauenbewußtsein

  • Helga Milz
Chapter
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Part of the Sozialwissenschaftliche Studien book series (SWS, volume 30)

Zusammenfassung

Abschließend fasse ich die Ergebnisse meiner Sekundäranalyse auf vertikaler868 und horizontaler869 Ebene zusammen, um zu zeigen, wie sich der wissenschaftliche Umgang mit dem Frauenbewußtsein im Laufe des Untersuchungszeitraums entwickelt und verschoben hat: Die Rekonstruktion von empirischen Befunden zum Frauenbewußtsein fördert für die einzelnen Dekaden je spezifische Codierungen des weiblichen Bewußtseins zutage. Das Emanzipationsverständnis und die daraus resultierende normative Rahmung greifen und bewirken, daß das gesellschaftliche Frauenbild mit Innerlichkeit, Innigkeit, Fürsorglichkeit und Mutterschaft verbunden bleibt, — auch dann, wenn die Verhaltensmuster und strukturellen Vorgaben erodieren und weitgehenden Verwerfungen ausgesetzt sind. Die Abbildungen des empirischen Frauenbewußtseins verbleiben in dieser Rasterung. Sie lassen jedoch eine Struktur der Zwischenorientierung mit generationsübergreifenden Lernprozessen erkennen, die zeigen, daß trotz vieler Redundanzen, die auf den ersten Blick auf ein stabiles und unverrückbares Massiv verweisen, doch Verschiebungen innerhalb der Geschlechterverhältnisse stattgefunden haben.

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Literatur

  1. 868.
    Die vertikale Ebene läßt die Ergebnisse der Untersuchung von einzelnen Dekaden noch einmal komprimiert Revue passieren.Google Scholar
  2. 869.
    Die horizontale Ebene beschreibt die Entwicklung, die die Dimensionen der Sekundäranalyse, z.B. die Fragestellungen und Methoden, im untersuchten Zeitraum durchmachen.Google Scholar
  3. 870.
    Die Metapher drängt sich angesichts meiner Untersuchungsmatrix auf., in der die Dekaden mit ihren Charakteristika als Gesamtergebnis der Sekundäranalyse fixiert sind.Google Scholar
  4. 871.
    Die größte Arbeitserleichterung bringen in den 50er Jahren Waschmaschine und Kühlschrank; vgl. Orland 1991.Google Scholar
  5. 872.
    Vgl. Kuhn 1976.Google Scholar
  6. 873.
    In den 70er Jahren können Frauen ihre erworbenen Bildungsabschlüsse noch weitgehend “ummünzen”. Das Auseinanderklaffen des Qualifikationsund Beschäftigungsniveaus wird zu Beginn der 80er Jahre im Gefolge der intensiven Bildungsaktivitäten von Frauen und der verengten Arbeitsmarktchancen (Arbeitslosigkeit) deutlich spürbar. Frauen, die auch nach einer nur kurzen Familienphase beruflich wieder einsteigen möchten, finden keine oder keine adäquate Tätigkeit. Zu diesem Desintegrationsprozeß nach der eben begonnenen Integration, insbesondere beim Wiedereinstieg, vgl. Gottschall 1986:520 ff.Google Scholar
  7. 874.
    Die Erkenntnis, daß Qualifikation sich für Frauen nur begrenzt lohnt und “rechnet”, setzt sich um 1980 in einschlägigen Kreisen von Wissenschaftlerinnen durch; vgl. Gottschall 1986 und 1988.Google Scholar
  8. 875.
    Vgl. Bertram/Bayer 1984:79.Google Scholar
  9. 876.
    Vgl. Pross u.a. 1981:17, 21, 25.Google Scholar
  10. 877.
    Vgl. Müller 1992:61.Google Scholar
  11. 878.
    Vgl. Müller 1992:155. Hier wird darauf hingewiesen, daß das rechtsradikale Gedankengut bei Jugendlichen mit einem Festhalten an traditionellen Geschlechtsrollenbildern einhergeht.Google Scholar
  12. 879.
    Vgl. Müller 1992:59.Google Scholar
  13. 880.
    In den 20er Jahren wird diese Möglichkeit von vielen Frauen genutzt, um autonom, z.B. als Lesben und in Frauengemeinschaften zu leben; vgl. Gerhard 1990:362ff.Google Scholar
  14. 881.
    Vgl. Habermas 1991:16ff.Google Scholar
  15. 882.
    Wir haben es hier mit einer besonders drastischen Abwehr von Emanzipation zu tun, die nach dem Krieg, aber auch im Zusammenhang mit der Debatte um Gewalt in der Ehe, immer wieder reaktiviert wird: Frauen sollen sich Mäßigung auferlegen, sonst sei Gefahr im Verzuge. Das, meinen Jugendsoziologen, provoziere heute noch Unsicherheit, Orientierungsverlust und unter Umständen Rechtsradikalismus als “starke” Antwort; vgl. Heitmeyer 1989.Google Scholar
  16. 883.
    Vgl. Müller 1992.Google Scholar
  17. 884.
    Diese Argumentationsfigur findet sich bis in die 60er Jahre in der einschlägigen Literatur, z.B. bei Pfeil 1961.Google Scholar
  18. 885.
    Hier erfahren wir auch, daß Männer sich mit verblüffendem Beharrungsvermögen nicht auf eine Arbeitsteilung in diesem Feld einlassen. Jene Hinweise und Einschränkungen, z.B. von Baumert 1954 und Schmidtchen 1984, die Frauen kritisieren, weil sie den Männern zu wenig abforderten, verkennen, welche Anstrengungen diese Auseinandersetzungen abverlangen; vgl. zur Unzugänglichkeit der Männer Pross 1978, Metz-Göckel/Müller 1985, Notz 1991, die deutlich machen, daß auch junge Männer als Väter die traditionelle Arbeitsteilung der Geschlechter für sich reklamieren.Google Scholar
  19. 886.
    Vgl. Notz 1991, die als eine zentrale Ursache die Abwendung des Vaters von Haus- und Familienangelegenheiten identifiziert.Google Scholar
  20. 887.
    Krüsselberg/Auge/Hilzenbecher 1986:232.Google Scholar
  21. 888.
    Krüsselberg/Auge/Hilzenbecher 1986:232.Google Scholar
  22. 889.
    Vgl. Beck/Beck-Gernsheim 1990; Die Selbstverständlichkeit, mit der Männer auf die Fürsorglichkeit von Frauen zurückgreifen, ist allzuleicht Anlaß für einen Eklat und plakative Vorwürfe. Weder diese Kritik, noch die an Frauen, deren “Mittäterschaft” unleugbar vorhanden ist, führt hier weiter. Die gelebte Geschlechterhierarchie ist nicht Ursprung aber Begleiterscheinung und Schanier der systematischen gesellschaftlichen und privaten Ungleichstellung von Frauen.Google Scholar
  23. 890.
    Ein weiteres Beispiel ist die Unzufriedenheit von Frauen mit ihren beruflichen Entfaltungschancen. Daß sie durchweg schlechter bezahlte und geringer angesehene Tätigkeiten verrichten als Männer, wurde ihnen lange selbst angelastet: Sie müßten mehr Bildungs-, Einsatz- und Durchsetzungsbereitschaft zeigen; Pross 1973; Eckart u.a. 1979. Heute wissen wir um die Personaleinsatzstrategien in den Betrieben, die es auf die uneingeschränkte Leistung des Mannes abgesehen haben, für den zuhause gesorgt wird; vgl. Gottschall 1988.Google Scholar
  24. 891.
    Hier wären z.B. Nachuntersuchungen zu Eckart u.a. 1979 vorstellbar.Google Scholar
  25. 892.
    Im Unterschied zur us-amerikanischen Frauenforschung, die über Konsens und Dissens der Geschlechter sehr viel genauer, umsetzungsorientiert und empirisch arbeitet; vgl. Stacey 1987, die auf Arlie Hochschilds sensible Erhebungspraxis verweist.Google Scholar
  26. 893.
    Wichtig wären empirische Erhebungen zum Thema “Liebe der Frauen”, wie Brückner 1983 sie bereits mit einer kleinen Gruppe von Frauen durchführte.Google Scholar
  27. 894.
    Vgl. Diezinger 1991 und Notz 1991.Google Scholar
  28. 895.
    Vgl. Brückner 1983:176.Google Scholar
  29. 896.
    Knorr-Cetina 1989:94Google Scholar
  30. 897.
    Vgl. Knorr-Cetina 1983:86.Google Scholar
  31. 898.
    Das tut jener neumodische Strang des De-/Rekonstruierens in der Frauenforschung, der alles Denken als artifiziell deklariert und darüber implodiert.Google Scholar
  32. 899.
    Konstruktivistische Vorstellungen in der Soziologie können auf eine lange Tradition zurückblicken und lassen sich bereits bei Marx verorten. Das bekannteste Konzept des “sozialen Konstruktivismus” neuerer Soziologie verbindet sich mit den Namen von Peter Berger und Thomas Luckmann. Sie beschreiben die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit über Weltsichten, Handlungsmuster und Wissensformen des Alltagshandelns, die Realitätscharakter gewinnen. Sozialordnung wird als von Menschen produziert und als in ständigen Deutungs- und Interpretationsprozessen erneut hervorgebracht verstanden.Google Scholar
  33. 900.
    Alfred Schütz zit. n. Giddens 1976:162.Google Scholar
  34. 901.
    Knorr-Cetina 1989:94.Google Scholar
  35. 902.
    Karin Knorr-Cetina 1991:25f. beschreibt die Selektivität der wissenschaftlichen Wissenproduktion am Beipiel von naturwissenschaftlichen Theoriebildungsprozessen. Sozialwissenschaftliche Theorieproduktion als forscherische Interpretation unterliegt den Mechanismen von Selektivität vermutlich noch in ungleich höherem Maße.Google Scholar
  36. 903.
    Alfred Schütz geht davon aus, daß sozialwissenschaftliche Forschung sich — im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen — immer bereits mit interpretierten Realitäten befaßt, die vorab durch die Bedeutungszuschreibungen der Handelnden selbst strukturiert sind. Daher müsse bei sozialwissenschaftlicher Theoriebildung von “Konstruktionen zweiten Grades” gesprochen werden; vgl. Schütz 1971:6f.Google Scholar
  37. 904.
    Vgl. Kuhn 1973:11ff.Google Scholar
  38. 905.
    Pieper 1994:38.Google Scholar
  39. 906.
    Christa Rohde-Dachser 1990:31f. prägte diesen Begriff für die Setzungen des “Weiblichen” in der traditionellen psychoanalytischen Theorie.Google Scholar
  40. 907.
    Vgl. Pieper 1994:5ff., 37.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Helga Milz

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