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“Neue” Formen der Unternehmenskooperation — Innovationschance für Regionen, Erosionsgefahr für industrielle Beziehungen ?

  • Matthias Knuth
  • Erich Latniak
Chapter
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Part of the Schriften des Institut Arbeit und Technik book series (INSTAT)

Zusammenfassung

Die Diskussion um Unternehmensnetzwerke als “neuen” Mustern der Unternehmenskooperation wird offenbar in der Hoffnung geführt, daß daraus neue Innovationspotentiale erwachsen könnten, die insbesondere für die Regionen neue Entwicklungsperspektiven eröffnen. In der aktuellen regionalökonomischen Diskussion ist die Förderung von Netzwerken zumindest als eine mögliche und in einigen Fällen erfolgreiche Strategie regionaler Entwicklung ins Blickfeld gerückt. Andererseits ist das gegenwärtige westdeutsche System der industriellen Beziehungen mit der bisherigen Struktur von Produktion und Unternehmen gewachsen. Veränderungen dieser Struktur stellen seine Grundlagen praktisch wie rechtlich in Frage. Dies führt dazu, daß neue Entwicklungstendenzen, soweit sie im Bereich der Gewerkschaften zur Kenntnis genommen werden, eher die Besorgnisse einer “schleichenden Deregulierung” auslösen.

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Anmerkungen

  1. 1).
    Ein weiterer Problempunkt ist in der weitgehenden Ausblendung der sozialen Folgekosten der Flexibilität für die Arbeitnehmer zu sehen. Der Hinweis, daß es in ihren Beispielregionen durchaus zur Gründung von Unternehmen durch vorher abhängig Beschäftigte kommt, die dann ebenso zu einer erhöhten Selbstausbeutung bereit sind, wie die Eigner in konkurrierenden Unternehmen (Piore/Sabel 1985:304), deutet zumindest an, daß die von Piore/Sabel geschilderten Arbeitsbedingungen und die industriellen Beziehungen eine Form angenommen haben, die -unabhängig von der Tatsache, daß hier offensichtlich Arbeitnehmer Unternehmerfunktionen übernehmen können — zumindest nachdenklich stimmen muß. Ein darüber vermitteltes “Gemeinschaftsgefühl” zwischen Unternehmern und Arbeitern (Piore/Sabel 1985:301), das in diesen “kommunitären Ökonomien” quasi den ‘innerbetrieblichen Kitt’ darstellt, wäre allerdings durch ein Fehlen von gewissen Minimalsicherungen der Arbeitnehmer ernsthaft gefährdet. Wie weit die (De-)Regulierung dieser (im Kern eigentlich neo-feudalen) Verhältnisse reicht oder reichen kann, lassen Piore/Sabel offen. Es “riecht nach Sweatshop”.Google Scholar
  2. 2).
    Vgl. hierzu u.a. die Überlegungen bei Grabher 1990.Google Scholar
  3. 3).
    Weitere Aspekte von Arbeitsorganisation werden auch S. 92ff und 179ff behandelt.Google Scholar
  4. 4).
    Letzlich läßt sich die regionale Dimension für ein strategisches Konzept nicht durch die Unternehmensbeziehungen, die u.U. jeglichen regionalen Rahmen überschreiten, sondern nur durch diesen (empirisch vorhandenen) Typ von Akteuren und deren Beziehungen begründen.Google Scholar
  5. 5).
    Daß es sich hier nicht nur um eine latente, sondern in manchen Unternehmen schon in den Entscheidungsprozeß explizit eingebaute Konkurrenz handelt, zeigt das Beispiel eines Automobilwerks, wo eine Fremdvergabe durch ein noch günstigeres “hausinternes Gegenangebot” abgewendet werden konnte — um den Preis einer 25-prozentigen Kostensenkung, überwiegend durch Optimierung der Arbeitsabläufe. (Vgl. Jürgens/Reutter 1989:137£)Google Scholar
  6. 6).
    Beispiel: Spediteure, die als Logistik-Dienstleister in Produktionsverbünde eingebunden sind, führen in den von ihnen unterhaltenen Zwischenlagern Produktions-, Etikettierungs- und Verpackungsaufgaben aus — natürlich zum niedrigeren Tarif für Speditionen.Google Scholar
  7. 7).
    Beispielhaft aufgezählt bei Däubler (1990:131). Die hier hypothetisch genannten Tatbestände werden bestätigt durch die Erfahrungsberichte von Betriebsräten aus Zulieferuntemehmen (Doleschal/Klönne 1990).Google Scholar
  8. 8).
    Insofern greift der Begriff des “Marionetten-Arbeitgebers” (Trümner 1990:167) zu kurz — wenn die Über- und Unterordnungsverhältnisse durchgängig so eindeutig und krass wären, ließe sich das Problem noch vergleichsweise einfach in herkömmlichen Begriffen und Strukturen lösen: Man brauchte nur den Konzernbegriff extensiv auszulegen. Die “Konzemhypothese” beruht auf der Vorstellung, daß es zwischen “Markt” und “Hierarchie” keine Alternative gäbe, so daß weniger “Markt” zwangsläufig zu mehr “Hierarchie” fuhren müßte. (Vgl. die Argumentation von Nagel/Riess/Theis 1990:34 und 38). Den Versuch, “Netzwerke” als eigenständiges drittes Konzept neben — und nicht nur zwischen — Markt und Hierarchie zu etablieren, unternimmt Powell (1990). Die Aufnahme dieser Konzeption durch die Rechtswissenschaft steht u.W. noch aus.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1991

Authors and Affiliations

  • Matthias Knuth
  • Erich Latniak

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