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Hochschulreform und Lehrerbildung in der DDR

  • Oskar Anweiler
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Zusammenfassung

Ein internationaler Rundblick über die Entwicklungstendenzen der Lehrerbildung zeigt zumindest für die wirtschaftlich und gesellschaftlich am weitesten entwickelten Länder mit einem umfassenden und durchstrukturierten Bildungssystem zwei generelle Merkmale: ihre zunehmende „Professionalisierung“, d.h. die Profilierung der Ausbildung unter ihrem spezifischen Berufszweck, und zweitens ihre „Verwissenschaftlichung“, d.h. die Orientierung der Ausbildungsinhalte für alle Stufen und Lehrerkategorien an dem höchsten Stand der Wissenschaften. Was auf den ersten Blick wie ein Gegensatz auszusehen scheint — Berufsbezogenheit und Wissenschaftsorientierung —, kennzeichnet in Wirklichkeit den gewandelten Charakter der Lehrerbildung vor den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Zivilisation, der die Schule und Hochschule gleichermaßen Rechnung tragen müssen: die gesellschaftliche Funktionsteilung, die den Lehrerberuf notwendig machte, verlangt in einer auf Arbeitsteilung und Kooperation beruhenden, zweckrational gegliederten Gesellschaft gerade von denjenigen Funktionsträgern, denen die grundlegende Aufgabe einer initiierenden Einführung in Kultur und Gesellschaft zukommt, den Lehrern, eine wissenschaftliche Basis ihres Handelns. Das alte Verlangen nach einer wissenschaftlichen Lehrerbildung, hinter dem sich verschiedene Motive verbergen können, bekommt erst durch die klare Entscheidung für eine wissenschaftliche Berufsausbildung aller Lehrer seinen angemessenen Sinn.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Kotasek, Jiři: Current Trends and Problems in Teacher Education. UNESCO, ED/CS/177/4. Manuskript (1967). — International Review of Education, Vol. XIV (1968), Nr. 4: Teacher Training Reform.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Die Universitäten und die Lehrerbildung. Eine Dokumentation. In: Zeitschrift für Pädagogik, 10. Jg. 1964, S. 147–181. — Wolf von Engelhardt: Lehrerbildung an der Universität. In: Die Lehrerbildung im Spannungsfeld unserer Zeit. Hrsg. von Hermann Röhrs. Ratingen 1965, 210–225.Google Scholar
  3. 3.
    Im Frühjahr 1970 ist mit einer Empfehlung zur langfristigen Reform der Lehrerbildung in Nordrhein-Westfalen zu rechnen, die von einer Kommission des Hochschulplanungsbeirates erarbeitet wird, der auch der Verfasser angehört.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Schäfer, Hans-Peter: Organisatorische und didaktische Aspekte der Hochschulreform in der DDR. In: Bildung und Erziehung, 22. Jg. 1969, H. 6.Google Scholar
  5. 5.
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  6. 6.
    Wilms, Günter: Die Weiterentwicklung der Fachlehrerausbildung. In: Pädagogik, 22. Jg. 1967, S. 148.Google Scholar
  7. 7.
    Günther, Karl-Heinz; Uhlig, Gottfried: Die Schulentwicklung auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik 1945 bis 1965. In: Pädagogik, 21. Jg. 1966, S. 416.Google Scholar
  8. 8.
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  9. 9.
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  10. 10.
    Von insges. 72 506 in den Schulen der SBZ und Ostberlins 1949 beschäftigten Lehrer hatten 61,2 % nur eine kurzfristige Kursausbildung erhalten. Lange: a.a.O., S. 127 Anm. 302.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. zu den Pädagogischen Fakultäten in der SBZ/DDR: Lange: a.a.O., S. 266 f.; Mieskes, Hans: Pädagogik des Fortschritts? München 1960, S. 110–113, S. 119–126. — Froese, Leonhard: Pädagogische Fakultät — eine Alternative? In: Zur Reform des pädagogischen Studiums und der Lehrerausbildung. Hrsg. von Hans-Karl Beckmann. Weinheim 1968, S. 13–28.Google Scholar
  12. 12.
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  13. 13.
    Deiters, Heinrich: Pädagogische Aufsätze und Reden. Berlin 1957, S. 226.Google Scholar
  14. 14.
    ibid. S. 229.Google Scholar
  15. 15.
    ibid. S. 220.Google Scholar
  16. 16.
    Ders.: Grundsätzliche Bemerkungen zur Lehrerbildung. In: Deutsche Lehrerzeitung, 3. Jg. 1956, Nr. 17 und: Pädagogische Aufsätze und Reden, S. 236–242.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. zum Problem der „Sowjetisierung“ Anweiler, Oskar: Die Sowjetpädagogik in der Welt von heute. Heidelberg 1968, S. 159–176: Sowjetkommunistische Überlagerung und nationale Differenzierung im Bildungswesen der Länder Ostmitteleuropas.Google Scholar
  18. 18.
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  19. 19.
    Verordnung über die Neuregelung der Ausbildung der Lehrer an den allgemeinbildenden Schulen, der Pionierleiter, der Kindergärtnerinnen und der Erzieher in Heimen und Horten. Vom 15. Mai 1953. In: Zwei Jahrzehnte Bildungspolitik in der Sowjetzone Deutschlands, Dokumente. Hrsg. von Siegfried Baske und Martha Engelbert. Teil I. Berlin-Heidelberg 1966, S. 232–234.Google Scholar
  20. 20.
    Baske/Engelbert: a.a.O., Teil II, S. 373–406 (§§ 26–29). — Einen guten Überblick über die Struktur der Lehrerbildung in der DDR nach dem Stand von 1964 gibt Vogt, Hartmut: Lehrerbildung in Mitteldeutschland. In: Die Lehrerbildung im Spannungsfeld unserer Zeit (s. Anm. 2), S. 225–237.Google Scholar
  21. 21.
    Deiters: Pädagogische Aufsätze und Reden, S. 241.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. Anweiler, Oskar: Struktur und Probleme der Lehrerbildung in der Sowjetunion. In: Die Lehrerbildung im Spannungsfeld unserer Zeit (s. Anm. 2), S. 245–262.Google Scholar
  23. 23.
    Dorst, Werner: Probleme der gegenwärtigen pädagogischen Diskussion. In: Pädagogik, 12. Jg. 1957, S. 252f.Google Scholar
  24. 24.
    ibid. S. 257f.Google Scholar
  25. 25.
    Die Konzeptionen zur Lehrerausbildung (von 1963 und 1968) wurden nur für den Dienstgebrauch veröffentlicht und waren dem Verfasser nicht in vollem Wortlaut zugänglich. Die „Konzeption zur Neugestaltung der Ausbildung der Lehrer für die unteren Klassen der allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule“ ist am 15.12.1964 beschlossen und in der Zeitschrift „Die Unterstufe“, 12. Jg. 1965, S. 1 – 4 veröffentlicht worden. — Direktive zu den Grundsätzen, Hauptaufgaben und Methoden der weiteren Qualifizierung der Lehrkräfte, Erzieher und Schulfunktionäre nach dem VI. Parteitage der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Vom 1. Juli 1963. In: Sozialistische Schule. Hrsg. vom Ministerium für Volksbildung. Berlin 1964, S. 278–307. — Direktive für die Weiterbildung der Lehrkräfte, Erzieher und Schulfunktionäre. Vom 20. Juli 1965. In: Sozialistisches Bildungsrecht. Berlin 1966, S. 275–311. — Die Konzeption für das neue System der Weiterbildung von 1968 war dem Verfasser noch nicht im vollen Wortlaut zugänglich. Siehe jedoch: Machacek, Ernst (stellv. Volksbildungsminister): Das Kurssystem der Weiterbildung. In: Deutsche Lehrerzeitung, 16. Jg. 1969, Nr. 4.Google Scholar
  26. 26.
    In: Das Hochschulwesen, 14. Jg. 1966, H. 1, Beilage.Google Scholar
  27. 27.
    Siehe Anm. 5.Google Scholar
  28. 28.
    Bolck, Franz (Rektor der Universität Jena): Die Hochschulreform an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. In: Das Hochschulwesen, 16. Jg. 1968, S. 639.Google Scholar
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    Vgl. König, Helmut: Zur Stellung der Pädagogik im System der Wissenschaften. In: Einheit, 21. Jg. 1966, S. 1017–1026.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. Wirzberger, Karl Heinz (Rektor der Humboldt-Universität Berlin): Die Humboldt-Universität auf dem Wege zur sozialistischen Universität. In: Das Hochschulwesen, 16. Jg. 1968, S. 521 – 544.Google Scholar
  31. 31.
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  32. 32.
    Apel, Hermann: Hochschulreform und Lehrerbildung. In: Deutsche Lehrerzeitung, 15. Jg. 1968, Nr. 47.Google Scholar
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  34. 34.
    Hager, Kurt: Bildung und Kultur im entwickelten gesellschaftlichen System des Sozialismus und die Auf gaben der Parteiorganisationen. Berlin 1967, S. 41.Google Scholar
  35. 35.
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  36. 36.
    Vgl. Stolz, Helmut: Schulpraxis und Lehrerausbildung. In: Pädagogik, 24. Jg. 1969, S. 170f.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. Neuner, Gerhart: Schulpolitische und pädagogische Aspekte der Einheit von Bildung und Erziehung. In: Pädagogik, 23. Jg. 1968, S. 704–727; Drefenstedt, Edgar: Inhalt und Wesen der neuen Lehrpläne und Grundforderungen an die Unterrichtsgestaltung, ibid. S. 742–753.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. über die PH Potsdam: Schmidt, Wilhelm: Den Lehrer von morgen formen. In: Das Hochschulwesen, 15. Jg. 1967, S. 768–780.Google Scholar
  39. 39.
    Der volle Wortlaut der „Konzeption“ war dem Vf. nicht zugänglich. Vgl. Müller, Horst (Leiter der Abteilung Lehrerbildung im Ministerium für Volksbildung): Hochschulreform und Lehrerbildung. In: Deutsche Lehrerzeitung, 15. Jg. 1968, Nr. 29; ders.: Wo stehen wir bei der Umgestaltung der Fachlehrerausbildung? In: Deutsche Lehrerzeitung, 15. Jg. 1968, Nr. 47.Google Scholar
  40. 40.
    Siehe Anm. 25.Google Scholar
  41. 41.
    Stolz: a.a.O., S. 170 Anm. 24.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. Wilms, Günter: Die Weiterentwicklung der Fachlehrerausbildung. In: Pädagogik, 22. Jg. 1967, S. 148–158.Google Scholar
  43. 43.
    Vgl. Müller, Horst: Probleme der weiteren Gestaltung der Fachlehrerausbildung. In: Pädagogik, 24. Jg. 1969, S. 240f.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Honecker, Margot (Minister für Volksbildung): Mehr Konkretheit in der Leitungsarbeit. In: Deutsche Lehrerzeitung. 16. Jg. 1969, Nr. 20 (Beilage).Google Scholar
  45. 45.
    Müller in: Deutsche Lehrerzeitung, 15. Jg. 1968, Nr. 29.Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. Junghähnel, Gerhard (Rektor der PH Potsdam): Rationalisierung der Fachlehrerausbildung. In: Das Hochschulwesen, 15. Jg. 1967, S. 477–484.Google Scholar
  47. 47.
    Forum, 20. Jg. 1966, Nr. 2, S. 7.Google Scholar
  48. 48.
    Flitner, Wilhelm: Aufbau und Zusammenhang der Pädagogischen Studien. In: Zeitschrift fur Pädagogik, 12. Jg. 1966, S. 201.Google Scholar
  49. 49.
    Müller in: Pädagogik, 24. Jg. 1969, S. 246.Google Scholar
  50. 50.
    Hofmann, Franz: Die „Prinzipien zur weiteren Entwicklung der Lehre und Forschung“ und einige Fragen der Lehrerausbildung. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe. 16. Jg. 1967, H. 2/3, S. 33.Google Scholar
  51. 51.
    Wilms: a.a.O., S. 156–158.Google Scholar
  52. 52.
    Stolz: a.a.O., S. 164.Google Scholar
  53. 53.
    Müller: a.a.O., S. 242f.Google Scholar
  54. 54.
    Stolz: a.a.O., S. 164.Google Scholar
  55. 55.
    Vgl. die Direktive für die Weiterbildung vom 20. Juli 1965 (s. Anm. 25).Google Scholar
  56. 56.
    Vgl. Machacek, Ernst: Das Kurssystem der Weiterbildung. In: Deutsche Lehrerzeitung, 16. Jg. 1969, Nr. 4.Google Scholar
  57. 57.
    Flitner: a.a.O., S. 195.Google Scholar
  58. 58.
    ibid. S. 211.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Oskar Anweiler

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