Advertisement

Gesellschaftliche Mitwirkung und Schulverfassung in Bildungssystemen staatssozialistischer Prägung

  • Oskar Anweiler
Chapter
  • 51 Downloads

Zusammenfassung

Das Problemfeld „Mitbestimmung“ im Schulwesen, wie es sich in Geschichte, Theorie und aktueller Praxis sozialistischer Bildungssysteme nicht dem Wort, aber der Sache nach vorfindet, ist bislang zusammenhängend wissenschaftlich nicht untersucht worden.1 Auch in den Publikationen aus sozialistischen Staaten — mit Ausnahme Jugoslawiens — und zwar solchen wissenschaftlicher, administrativer oder praktischpädagogischer Art, gibt es keine Beiträge, die das Problem „Mitbestimmung“ grundsätzlich aufgreifen, sei es im Rahmen einer Theorie des Bildungwesens, sei es als Teil eines Gesellschaftsmodells. Das erscheint deswegen umso bemerkenswerter, weil im Unterschied hierzu die Literatur zu „Leitungsproblemen“ im Bildungswesen (wie in anderen Institutionen und Bereichen) und zu kybernetisch inspirierten Organisationslehren für die Verwaltung (russ. upravlenie) seit Mitte der sechziger Jahre stark zugenommen hat. Vermutlich besteht hier ein Zusammenhang zwischen der wissenschaftlichen Fragestellung, der politisch-gesellschaftlichen Verfassung und der administrativen und pädagogischen Praxis insofern, als für die Bildungssysteme staatssozialistischer Prägung auf ihrer gegenwärtigen Etappe dem Problem der gesellschaftlichen Mitbestimmung aus Gründen, die noch näher zu untersuchen sind, keine zentrale Bedeutung zukommt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Am stärksten ist bisher der Komplex Familienerziehung, Eltern und Schule für die Sowjetunion und die DDR bearbeitet worden; vgl. Ludwig Liegle: Familienerziehung und sozialer Wandel in der Sowjetunion, Berlin/Heidelberg 1970.Google Scholar
  2. 1a.
    Friedrich W. Busch: Familienerziehung in der sozialistischen Pädagogik der DDR, Düsseldorf 1972. — Ders.: Elternhaus und Schule in der DDR, in: Elternhaus und Schule, hrsg. von Klaus Schleicher, Düsseldorf 1972, S. 56–79.Google Scholar
  3. 1b.
    Wolfgang Mitter: Elternhaus und Schule in der Sowjetunion, ebda., S. 170–192. — Ausführungen über die Entwicklung der inneren Schulverfassung in der frühsowjetischen Periode finden sich in meinem Buch: Geschichte der Schule und Pädagogik in Rußland vom Ende des Zarenreiches bis zum Beginn der Stalin-Ära, Berlin / Heidelberg 1964. — Die Schulordnung für die allgemeinbildenden Schulen in der DDR behandelt Hartmut Vogt: Bildung und Erziehung in der DDR, Stuttgart 1969, S. 63–80.Google Scholar
  4. 2.
    Vgl. hierzu vor allem Svetozar Stojanovic: Kritik und Zukunft des Sozialismus. (Aus dem Serbokroatischen). München 1970, bes., S. 41 ff. — Predrag Vranicki: Theoretische Begründung der Idee der Selbstverwaltung, in: Praxis — internationale Ausgabe, 8 (1972), H. 3/4, S. 373–394.Google Scholar
  5. 3.
    Deutscher Wortlaut beider Dokumente in: Die sowjetische Bildungspolitik seit 1917, Dokumente und Texte, hrsg. von Oskar Anweiler und Klaus Meyer, Heidelberg 1961, S. 66–89.Google Scholar
  6. 4.
    Zur historischen und aktuellen Räteproblematik vgl. vom Verf.: Die Rätebewegung in Rußland 1905–1921, Leiden 1958. — Ders.: Der revolutionsgeschichtliche Zusammenhang des Räteproblems, in: Politische Vierteljahresschrift, 11 (1970), Sonderheft 2, S. 56–69. — Theorie und Praxis der direkten Demokratie, Texte und Materialien zur Räte-Diskussion, hrsg. von Udo Bermbach, Opladen 1973.Google Scholar
  7. 5.
    Vgl. hierzu in der in Anm. 1 genannten Darstellung des Verfs. bes. S. 117–123, 164–177.Google Scholar
  8. 6.
    Deutscher Wortlaut in: Anweiler / Meyer, S. 71 f.Google Scholar
  9. 7.
    Deutscher Wortlaut in: Anweiler / Meyer, S. 127–133.Google Scholar
  10. 8.
    Vgl. Spravočnik dlja zavedujuščego načal’noj i srednej školoj. Moskau/ Leningrad 1933, S. 60–67.Google Scholar
  11. 9.
    Vgl. den Beschluß des X. Unionskongresses des Komsomol vom April 1936, dt. Wortlaut in: Anweiler /Meyer, S. 216–220.Google Scholar
  12. 10.
    Einen guten Einblick vermittelt das zusammenfassende, von der Akademie der pädagogischen Wissenschaften der RSFSR herausgegebene Buch: Školovedenie. 2. Aufl. Moskau 1955. Der Ausdruck „školove-denie“, wörtlich übersetzt „Schulkunde“, bezeichnet das Gebiet der Schulverwaltungslehre (unter Ein-schluß von Elementen des Schulrechts und der unterrichtsmethodischen und erzieherischen Aufgaben der Schulleitung).Google Scholar
  13. 11.
    Vgl. vom Verf.: Die Sowjetpädagogik in der Welt von heute, Heidelberg 1968, S. 115–144.Google Scholar
  14. 12.
    Vgl. N. I. Boldyrev: O perestroike vospitatel’noj raboty v škole. In: Novaja sistema narodnogo obrazova-nija v SSSR. Sbornik dokumentov i statej. Moskau 1960, S. 491–511.Google Scholar
  15. 13.
    Ebda., S. 500.Google Scholar
  16. 14.
    Deutscher Wortlaut des Programms in: Boris Meissner: Das Parteiprogramm der KPdSU 1903 bis 1961, Köln 1962, S. 144–244.Google Scholar
  17. 15.
    Deutscher Wortlaut der Schulordnungen für die Achtjahresschule, die Mittelschule und die Abendschule in: Anweiler/Meyer, S. 376–399.Google Scholar
  18. 16.
    Vgl. das Resümee in: Učitel’skaja gazeta, Nr. 139 vom 24.11.1962, deutsche Zusammenfassung in: Informationsdienst zum Bildungswesen in Osteuropa, Heft 6, Berlin 1963, S. 11.Google Scholar
  19. 17.
    Vgl. Položenie o proizvodstvennom soveščanii v škole i drugich učreždenijach narodnogo obrazovanija, vom 21.5.1964, in: Spravočnik direktora školy, Moskau 1971, S. 52–56.Google Scholar
  20. 18.
    Wortlaut des Statuts in: Spravočnik direktora školy, S. 13–24 und: Učitel’skaja gazeta, Nr. 110 vom 15.9.1970. Deutsche Übersetzung in: Informationsdienst zum Bildungswesen in Osteuropa, Heft 18/19, Berlin 1970, S. 99 – 119. — Wortlaut der Ordnung über den pädagogischen Rat vom 16.12.1970 und der Musterordnung für das Elternkomitee vom 16.12.1970 in: SpravoSnik, S. 101 – 105.Google Scholar
  21. 19.
    Vgl. V. Korotov: O novych pravilach dlja rčaščichsja. In: Vospitanie škol’nikov, 1972, Nr. 3, S. 30 bis 33.Google Scholar
  22. 20.
    Položenie o škol’noj inspekcii sistemy Ministerstva prosveščenija SSSR vom 13.12.1972, in: Narodnoe obrazovanie, 4/1973, S. 111 – 113.Google Scholar
  23. 21.
    Ucitel’skaja gazeta, Nr. 41 vom 5.4.1973.Google Scholar
  24. 22.
    Vgl. hierzu Friedrich W. Busch: Zwanzig Jahre Elternbeiräte in der DDR. In: Pädagogik und Schule in Ost und West, 19 (1971), S. 170–172.Google Scholar
  25. 23.
    Enthalten in: Richtlinien der deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands für das Schulwesen. Stand vom 1. März 1948. Berlin/Leipzig, 1. Aufl. 1948, S. 95–97.Google Scholar
  26. 24.
    Arthur Hearnden: Bildungspolitik in der BRD und DDR. Düsseldorf 1973, S. 265.Google Scholar
  27. 25.
    Hans Senf: Die sozialistische Schule — Zentrum der sozialistischen Erziehung der Jugend, in: Pädagogik, 26 (1971), S. 432.Google Scholar
  28. 26.
    Gesetzblatt der DDR, Teil II, 1967, S. 769–780.Google Scholar
  29. 27.
    Vgl. Ingeborg Bastian: Die Verantwortung der Freien Deutschen Jugend bei der Planung, Leitung und Organisation der Tätigkeit in den Arbeitsgemeinschaften der 9. und 10. Klassen, in: Pädagogik, 2. Beiheft 1971, S. 31–34.Google Scholar
  30. 28.
    Pädagogik, 26 (1971), S. 130.Google Scholar
  31. 29.
    S. oben Anm. 1.Google Scholar
  32. 30.
    Artikel „Elternrecht“ in: Pädagogische Enzyklopädie, Bd. I, Berlin 1963, S. 240.Google Scholar
  33. 31.
    Verordnung über die Elternvertretungen an den allgemeinbildenden Schulen — Elternbeiratsverordnung — vom 15. November 1966. In: Gesetzblatt der DDR, Teil II, 1966, S. 837–841.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Oskar Anweiler

There are no affiliations available

Personalised recommendations