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Stationen, Intentionen und Methoden der Erforschung Jugendlicher Religiosität

  • Heiner Barz

Zusammenfassung

Die empirische sozialwissenschaftliche Erforschung von Religion sieht sich nicht wenigen Schwierigkeiten und Widerständen gegenüber. Das Problem beginnt schon damit, daß es bis heute keinen allgemein akzeptierten Begriff dessen gibt, was unter Religion zu verstehen ist. Die Frage der begrifflichen Bestimmung und Operationalisierung von Religion wird in Kapitel 7 und 8 aufgegriffen. Hier muß der knappe Hinweis genügen, daß Religion heute von manchen Forschern als alles umgreifendes, die Wirklichkeit erst konstituierendes Erfahrungs-, Deutungs- und Wertesystem aufgefaßt wird, während für andere Wissenschaftler Religion eigentlich schon nicht mehr existiert (vgl. Kaufmann 1989). Der Begriff der Religion oszilliert somit buchstäblich zwischen allem und nichts. Daneben gibt es eine grundsätzliche Skepsis von theologischer Seite gegenüber der Einmischung in Gottes innere Angelegenheiten — und als solche gilt ja — insbesondere in der protestantischen Tradition — das “Wunder des Glaubens” (vgl. Wölber 1960, 28), die Beziehung des Einzelnen zu Gott also: Gott ist es, der den Glauben schenkt — oder verweigert. Und Gottes Handeln entzieht sich per definitionem jeglicher Bestimmbarkeit durch den Menschen. Dementsprechend groß war das Erstaunen, als die von den Klassikern der Religionssoziologie (Max Weber, Emile Durkheim) bereits theoretisch postulierte soziale Determination von Religion sich empirisch bestätigte. So konstatierte Hans Otto Wölber, der theologische Kommentator der ersten großen Untersuchung zu “Jugend und Religion”, die “überindividuelle Bedingtheit und Gesetzmäßigkeit des religiösen Bewußtseins” noch einigermaßen ungläubig:

“Die Wirklichkeit macht diesen revolutionären Einwand gegen die Theorie vom Glauben als einer unbedingt eigenen und umfassenden Gewissensentscheidung.” (Wölber 1960, 39)5

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1992

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  • Heiner Barz

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