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Einleitung

  • Heiner Barz

Zusammenfassung

Es ist bald zweihundert Jahre her, daß Goethe sich in “Dichtung und Wahrheit” (1988, 288ff) Gedanken über — wie man heute sagen würde — “christliche Sondergemeinschaften” und “Säkularisierung” gemacht hat. Und obwohl die Sprache seiner Überlegungen etwas Patina angesetzt hat, sind Diagnose wie Ursachenforschung noch immer äußerst aktuell: Goethe macht die “Unterernährung” und die daraus resultierende Unterentwicklung des Sinnes für Symbol und Sakrament für den Schwund der Gemeindeglieder verantwortlich! Symbolische Verödung, der Verlust der Fähigkeit, Feierlichkeiten, Rituale zu inszenieren und die Vernachlässigung der “inneren Religion des Herzens” — genau diese Topoi der Goetheschen Reflexionen begegnen uns in den letzten Jahren immer häufiger. Interessant ist dabei außer der zumeist vergessenen, ehrwürdigen Tradition dieser Defizitanzeige v.a., daß sich Zeitgenossen aus recht unterschiedlichen Lagern in diesem Punkte treffen: So macht das neokonservative Allensbacher “Institut für Demoskopie” den zur Formlosigkeit verflachten Alltag mit für den Verlust der Glaubensbindungen verantwortlich:

“ Die Unfähigkeit, Höhepunkte zu inszenieren, Feste zu feiern, Feiertage ‘feierlich’ zu begehen, dem Sonntag eine besondere Stellung und einen besonderen Charakter zuzubilligen, ist nur eine Facette dieser Verflachung. Für viele unterscheidet sich der Sonntag vom Samstag nur durch den unglücklichen Umstand, daß die Geschäfte geschlossen sind.” (Köcher 1987b, 177)

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1992

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  • Heiner Barz

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