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Multiple Interdependenz und internationale Umweltkooperation: Resümee und Ausblick

  • Michael Strübel

Zusammenfassung

Es ging in dieser Arbeit nicht um eine Vergleichsanalyse von Umweltpolitiken in Ländern, Regionen, Kontinenten; sie hätte zuviel Unvergleichbares in Relation zueinander setzen müssen. Komparatives Vorgehen im Sinne der Differenzmethode war allenfalls ein Mittel, um die Facetten des Themas augenscheinlich zu machen. Dieser Ganzheitsansatz entsprach der Theorie der multiplen Interdependenz, wonach die passiven und aktiven, sich wechselseitig bedingenden Verflechtungen und Niveauüberschneidungen zwar variabel, aber nicht auflösbar sind. Es sollte versucht werden, über die Offenlegung der Interdependenzstrukturen die Stufenfelder zu analysieren, auf denen nationale und internationale Umweltpolitik integriert ist, und die schließlich auf globalökologische Interaktion hinauslaufen. Das heißt, der Weg, der zu gehen war, führte schrittweise gewissermaßen von unten nach oben, genauer: von innen nach außen. Unbeschadet der Tatsache, daß Wissenschaft „immer nur Segmente der Wirklichkeit erfassen kann“,1 galt es, „das Problemkontinuum (...), das nicht in bisher übliche Entscheidungsabläufe und Organisationsformen der internationalen Staatenwelt paßt“,2 zu zeigen, fallweise, in Ausschnitten; jedoch möglichst so, daß der größere Zusammenhang nicht verloren ging.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Ernst-Otto Czempiel: Neue Kleider, aber kein Kaiser, in: PVS 2/1981, S. 135.Google Scholar
  2. 2.
    Peter Menke-Gluckert: Weltökologische Probleme, in: Karl Kaiser, Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Weltpolitik, Bonn 1987, S. 211.Google Scholar
  3. 3.
    Seit der Einrichtung der International Joint Commission durch den Boundary Waters Treaty von 1909, unterzeichnet von den USA und Großbritannien, besteht eine institutionalisierte bilaterale Umweltkooperation zwischen den USA und Kanada, bzw. den betroffenen Provinzregierungen und -behörden, die inzwischen durch zahlreiche Verträge vertieft wurde. Die Themen der Zusammenarbeit beziehen sich auf die Wasserqualität der Great Lakes und des Niagaraflusses, auf die Acid-Rain-Immissionen im Westen sowie auf regionale Umweltprobleme entlang der Grenze zwischen USA und Kanada. Vgl. John E. Carroll: Environmental Diplomacy, Ann Arbor (Univ. of Michigan Press) 1983; Jurgen Schmandt/ Hiligard Roderick (Hrsg.): Acid Rain and Friendly Neighbors, Durham (Duke University Press) 1985; Detlef Sprinz: Transboundary Air Pollution — The Cases of USA/Canada and West European Countries, Diplomarbeit, Institut fir Politische Wissenschaft, Universität Saarbrücken, 1985; Frank W. Semrau: Conflict and Cooperation in Continental Environment Policy Making: The Case of Canada and the United States, Beitrag verfaßt am Institut fir Kanada-Studien an der Universität Augsburg, Dez. 1990.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Volker von Prittwitz: Das Katastrophenparadox, Opladen 1990, S.108. Das Werk ist erst nach weitgehender Fertigstellung dieser Untersuchung erschienen. Es bewegt sich auf der stark typologisierenden Ebene von Lehrbüchern und enthält sich der empirischen Analyse.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. die Serie: Die Umweltzerstörung im Sozialismus, in: Der Spiegel 48–50/1990, wohl die bisher umfassendste und eindringlichste Darstellung der ökologischen Verheerungen in Osteuropa, nur durch fehlende Quellenangaben nicht verifizierbar und daher bloß bedingt wissenschaftlich zu verwenden.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. die Einleitung in der ersten Ausgabe von: Nigel Haigh: EEC Environmental Policy and Britain, London (Longman) 1984; Stanley P. Johnson/Guy Corcelle: The Environmental Policy of the European Communities, London u.a. ( Trotman ) 1989.Google Scholar
  7. 7.
    Eines Tages werden,Grünhelme` umweltverschmutzende Betriebe untersuchen und einzelne Anlagen überprüfen“, erklärte der französische Ministerpräsident Michel Rocard zum Projekt einer UN-Umweltpolizei; zit. n. Der Spiegel 21/1989.Google Scholar
  8. 8.
    Das „gemeinsame Erbe der Menschheit“, schreibt Dieter Senghaas in einer Reflexion über internationale Regime, habe immer noch keine eigene Lobby. Solange dies der Fall sei, würden internationale Regime „bestenfalls kompromißhafte Anhängsel nationaler Interessenpolitik bleiben: Sie werden gefordert, solange sie nationaler Interessenpolitik dienen; sie sind geduldet, insofern Alternativen weniger Nutzen verheißen; zu den Akten werden sie gelegt, sobald eigene Interessen es gebieten.” Dieter Senghaas: Internationale Regime, in: Klaus von Beyme u.a. (Hrsg.): Politikwissenschaft — Eine Grundlegung, Stuttgart u.a. 1987, Band III, S. 216.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. entsprechende Definitionen von Karl W. Deutsch und Karl Otto Hondrich in: Ernst-Otto Czempiel: Internationale Politik, Paderborn u.a. 1981, S. 204.Google Scholar
  10. 10.
    Fritz Vorholz in: Die Zeit 46/1990.Google Scholar
  11. 11.
    Rudolf Schußler: Kooperation unter Egoisten, Vier Dilemmata, München 1990.Google Scholar
  12. 12.
    Carl Böhret: Folgen — Entwurf fir eine aktive Politik gegen schleichende Katastrophen. Opladen 1990.Google Scholar
  13. 13.
    So die Kommission in der von ihr herausgegebenen Informationsbroschüre: Die Umweltpolitik in der Europäischen Gemeinschaft, 4. Ausgabe, Luxemburg 1990, S. 34.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Dritter Bericht der Enquête-Kommission Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre, in: Deutscher Bundestag, 11.Wahlperiode, Drucksache 11/8030, v. 24.5. 1990, S. 851.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. Christian Leipert: Die heimlichen Kosten des Fortschritts, Frankfurt 1989.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. u.a.: Fred Hirsch: Die sozialen Grenzen des Wachstums, Reinbeck 1976; Horst Siebert: Ökonomische Theorie der Umwelt, Tübingen 1978; Ders.: Ökonomische Theorie natürlicher Ressourcen, Tübingen 1983; H. C. Binswanger u.a.: Arbeit ohne Umweltzerstörung, Frankfurt 1983; Lutz Wicke: Die ökologischen Milliarden, München 1986; Hartwich Donner u.a. (Hrsg): Umweltschutz zwischen Staat und Markt, Baden-Baden 1989; David Pearce u.a.: Blueprint for a Green Economy, London (Earthscan) 1989.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Christian Schütze: Grundgesetz vom Niedergang, München 1989; die Nähe zu Hans Jonas ist in dem Buch unübersehbar.Google Scholar
  18. 18.
    So Eberhard Schmidt in einem Aufsatz in der Frankfurter Rundschau v. 20.11.1990.Google Scholar
  19. 19.
    World Commission on Environment and Development: Our Common Future, Oxford (Oxford Univ.Press) 1987, zit n. der von Volker Hauff herausgegebenen deutschen Ausgabe: Unsere Gemeinsame Zukunft, Greven 1987, S. 46; zur Weiterentwicklung dieses Ansatzes vgl. D. Pearce u.a.: Blueprint for a Green EconomyCHRW(133)a.a.O.; Udo Ernst Simonis: Beyond Growth — Elements of Sustainable Development, Berlin 1990.Google Scholar
  20. 20.
    Genannt seien pars pro toto: Klaus Michael Meyer-Abich: Wege zum Frieden mit der Natur, München 1984; H. C. Binswanger u.a. (Hrsg.): Arbeit ohne Umweltzerstörung, a.a.O.; Ernst U. von Weizsäcker: Erdpolitik, Darmstadt 1989. Letzterer möchte Leitlinien „ökologischer Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der Umwelt“ aufzeigen. Das kenntnisreiche Buch ist konkret in der Bestandsaufnahme und betont die Dringlichkeit notwendiger Maßnahmen: „Wir müssen die ökologische Umsteuerung rechtzeitig, solange noch reichlich Freiheitsspielräume vorhanden sind und noch nicht alles der akuten Not untergeordnet ist, vornehmen.” Vgl. Ders.: Erdpolitik, a.a.O., S. 268.Google Scholar
  21. 21.
    Diese Zahl nannte der Direktor des Instituts für Wirtschaftsforschung der ETH-Zürich Bruno Fritsch; vgl. Bergedorfer Gesprächskreis: Globale Umweltproblematik als gemeinsame Überlebensfrage, Bergedorf 1989, S. 33 f.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. Lutz Wicke: Die ökologischen Milliarden, München 1986, S. 123; zu wesentlich höheren Kosten kommen die differenzierten Berechnungen von: Christian Leipert: Die heimlichen Kosten des Fortschritts, a.a.O., S. 275.Google Scholar
  23. 23.
    Die Umweltpolitik in der Europäischen Gemeinschaft, a.a.O., S. 17f.Google Scholar
  24. 24.
    Jon Nicolaisen/Peter Höller: Economics and the Environment: A Survey of Issues and Policy Options, in: OECD Department of Economics and Statistics, Working Papers Nr. 82, S. 8.Google Scholar
  25. 25.
    Dieter Teufel: Ökosteuern als marktwirtschaftliches Instrument im Umweltschutz, Umwelt-und Prognoseinstitut Heidelberg, UPI-Bericht 9, 1988.Google Scholar
  26. 26.
    John McCormick: The Global Environmental Movement. London (Belhaven Press) 1989, S. 195–203.Google Scholar
  27. 27.
    Zit. n. Die Zeit 22/1989.Google Scholar
  28. 28.
    Hingewiesen sei auf die Bürgerinitiativen gegen den Kraftwerksbau in Nagymaros (Ungarn), die der Solidarnosc nahestehenden Ökologischen Clubs in Polen, DDR-Umweltgruppen wie z.B. die „Umweltbibliothek Leipzig“ sowie ökologische und Anti-AKW-Gruppen in den baltischen Staaten und der UdSSR, vgl. dazu: Economist v. 4.11.1989, 25 ff.; Guardian v. 19.1.1990; Helmut Schreiber (Hrsg.) Umweltprobleme in Mittel-und Osteuropa, Frankfurt, New York 1989; vgl. auch Janos Vargha: Green Revolutions in East Europe, in: Panoscope (Budapest) Nr. 18, 1990. Ausführlichere Informationen zur Umweltzerstörung und zu den Umweltbewegungen in der Sowjetunion finden sich bei: Aleksej Jablokov: Die ökologische Situation in der UdSSR, in: Klaus Segbers (Hrsg): Perestroika: Zwischenbilanz, Frankfurt 1990, 5. 266–298.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. Frank W. Carter: Geographical Aspects of East-West Environmental Policy, in: M. Strübel/M. Jachtenfuchs (Hrsg.): Environmental Policy Cooperation in Europe, Baden-Baden 1992.Google Scholar
  30. 30.
    Deshalb plädiert Kurt Biedenkopf dafür, „die Systemfrage bereits zu stellen, bevor sie uns durch Katastrophen aufgezwungen wird“, und die „ökologische Neuordnung unserer Wirtschaftsgesellschaft” möglichst umgehend einzuleiten, zumal sie „mit enormen Umverteilungen von Einkommen und Chancen und mit weitreichenden Eingriffen in unsere bisherigen Lebensgewohnheiten verbunden sein (wird)“; vgl. Kurt Biedenkopf: Zeitsignale, München 1989, S. 126 f.Google Scholar
  31. 31.
    So Wolfgang Mundt in: Bergedorfer GesprächskreisCHRW(133)a.a.O., S. 11.Google Scholar
  32. 32.
    EG-Kommission (Hrsg.): Die Europäer und ihre Umwelt, Brüssel 1983 und 1986; aufgrund der mehrheitlich negativen Einstellungen der Befragten zur Kernenergienutzung wurde die Nachfolgestudie von der Kommission unter Verschluß gehalten, vgl. European Omnibus Survey: Les Européens et l’Environnement en 1988, Unveröffentlichtes Manuskript, Paris, Brüssel 1988.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. die ausführliche Dokumentation der Infratestuntersuchung im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ v. 4.1.1991, in deren Auftrag die Umfrageaktion durchgeführt wurde.Google Scholar
  34. 34.
    Jürgen Habermas: Die nachholende Revolution, Frankfurt 1990, S. 17.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1992

Authors and Affiliations

  • Michael Strübel
    • 1
  1. 1.StuttgartDeutschland

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