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Zur Sache des Wissens und seiner Ordnung

  • Helmut F. Spinner
Chapter
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Part of the Studien zur Wissensordnung book series (SZW, volume 1)

Zusammenfassung

Auf eine durch Verengung auf die Polizistenperspektive der Inneren Sicherheit professionell deformierte, ansonsten aber genial klarsichtige Weise hat Horst Herold, der frühere Leiter des Bundeskriminalamtes, eine höchst komplexe Sache unkompliziert und unbeirrt auf den Punkt gebracht: „... wenn man die ganze Sache als Krankheitsentwicklung betrachtet, dann müßte eigentlich jeder hergehen und fragen, wie bekämpfe ich so eine Krankheit, was ist der Krankheitserreger? Und da kommt man sehr schnell drauf, daß der Krankheitserreger die Information selbst ist ... Information als Rohstoff der Produktion, Information als Rohstoff von Macht, Information als Treibstoff der Veränderung. Und dieses gewaltig explosive Gemisch von Information muß eben mal unter die Lupe genommen werden und auf seine Gesetzmäßigkeiten untersucht werden, damit man es genauso zähmt und bewacht wie das Feuer ... Ich halte es für eine Kulturaufgabe ersten Ranges, das zu bewältigen, sonst haben wir eigentlich keine Chance mehr.“7

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Literatur

  1. 7.
    Gesprächsbeitrag zu Myrell/Herolds Hoffnung, S. 185f.Google Scholar
  2. 8.
    Vgl. Krüsselberg/Interdependenz und Kammler/Interdependenz.Google Scholar
  3. 9.
    Nach der vielzitierten Formulierung in Bell/Gesellschaft, passim, ohne damit deren spekulative „postindustrielle“Deutungsmuster (Dienstleistungs- bzw. Wissensgesellschaft als „Spiel zwischen Personen“statt Fabrikation von Sachen; Umbruch der Sozialstruktur unter Entstehung neuer „Wissensklassen“; epochaler Wertewandel zum „Postmaterialismus“infolge einer „Stillen Revolution“; etc.) auf die Wissensordnung zu übertragen.Google Scholar
  4. 10.
    Vgl. dazu Dahlberg/Wissensordnung; ebenfalls weit vom Thema entfernt Bühl/Ordnung.Google Scholar
  5. 11.
    Weber/Religionssoziologie I, S. 1; Hervorhebung im Original.Google Scholar
  6. 12.
    Vgl. dazu Haefner/Mensch.Google Scholar
  7. 13.
    Vgl. Lenk/Sozialpsychologie, Einleitung et passim.Google Scholar
  8. 14.
    Vgl. Klebe & Roth/Informationen.Google Scholar
  9. 15.
    Zu dieser neuen Aufgabenstellung für die „wissensorientierten“, aber deswegen keineswegs technikangepaßten, bloß „kompensatorischen“Geisteswissenschaften als integrative Wissenswissenschaften des Informationszeitalters vgl. Spinner/Informationsberg sowie Spinner/Technikfolgenforschung.Google Scholar
  10. 16.
    Dazu Spinner/System Althoff, wo S. 522ff. auch auf den Parallelfall des preußischen Generalstabs verwiesen wird, der dann allerdings eine ganz andere Entwicklung genommen hat. Immerhin ist das militärische Auftragsprinzip — Aufträge als Zielvorgaben im Sinne einer „Fahrkarte bis zur Endstation“, im Gegensatz zu Befehlen, die den Weg dazu im einzelnen vorschreiben — dem Forschungsimperativ ebenso geistesverwandt wie die Trennung von Beratung (durch „allgemeine“Stäbe) und Operationsführung (durch das unmittelbar verantwortliche Truppenkommando) mit der Trennung von „Theorie“und „Praxis“.Google Scholar
  11. 17.
    Wie neuerdings bei Steinmüller/Informationstechnologie.Google Scholar
  12. 18.
    Grundlegend Popper/Logik; Carnap/Syntax, Carnap/Semantics; weiterführend Bar-Hillel/Language.Google Scholar
  13. 19.
    Näheres zum Propositionsparadigma als Bezugsfigur der semantischen Informationstheorie bei Spinner/Problemlösungsprozesse II.Google Scholar
  14. 20.
    Weizsäcker/Einheit, S. 41.Google Scholar
  15. 21.
    Dazu gibt es eine riesige Literatur, die m. E. erstaunlich wenig Ergebnisse liefert und nur dem einen guten Durchblick ermöglicht, der ihn im Grundgedanken schon hat. Als knappe Auswahl dienlich sind: zum ideengeschichtlichen Hintergrund und zur Bedeutungsentwicklung des Informationsbegriffs Capurro/Information; zur Unterscheidung von syntaktischer, semantischer und pragmatischer Information Küppers/Ursprung; zum Stand in den Informations- und Technikwissenschaften Völz/Grundlagen; zur Vielfalt der Definitionsansätze und Typologisierungsmöglichkeiten Wersig/Informationssoziologie (insbes. S. 35ff.); zur Einbettung in eine noch gesuchte Theorie der Informatik Coy et al./Sichtweisen; zur Verbindung mit Systemkonzepten und sozialwissenschaftlichen Überlegungen Steinmüller/Informationstechnologie; kurz und bündig Ditfurth/Informationen (insbes. der Beitrag von Bar-Hillel).Google Scholar
  16. 22.
    Sogar dann, wenn ausdrücklich auch das „Getragene“einbezogen wird, mit dem aber nicht oder jedenfalls nicht nur der (semantische) Informationsgehalt gemeint ist, sondern in vager Umschreibung „jener Teil der Information, der ohne Träger“ist und „über den Trägerprozeß hinaus existiert“(Völz/Grundlagen, S. 555 und 558).Google Scholar
  17. 23.
    Zu weiteren, hier nicht aufgeführten Sondereigenschaften insbesondere der wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Wissensproduktion vgl. Spinner/Liberalismus, S. 198ff.Google Scholar
  18. 24.
    Vgl. Völz/Grundlagen, S. 563.Google Scholar
  19. 25.
    Die Kehrseite der Medaille ist, daß die „Versuchung zur Täuschung“in Verbindung mit dem „Anreiz zur Bevorzugung des Geringwertigen ... beim Handelsgut Information zu einer ungewöhnlich starken Verfälschungstendenz“führen kann (nach Sachsse/Technik, S. 135). Umso wichtiger sind ordnungspolitsche Rahmenbedingungen, die dies erschweren, zumindest nicht belohnen.Google Scholar
  20. 26.
    Vgl. Sieber/Informationsrecht, S. 2577.Google Scholar
  21. 28.
    Ökonomen sprechen hier von einer „Nichtrivalität in der Nutzung“(Koboldt &. Schmidtchen/Copyright, S. 297) und leiten daraus fälschlicherweise eine generelle Tendenz zur suboptimalen Wissensproduktion ab, was nur unter Voraussetzung einer kommerziellen Interessenlage gilt. Diese besteht aber aus den genannten Gründen nicht überall im Wissensfeld, in dem deshalb vielfach eine weitverbreitete, im Wissenschaftsbereich besonders ausgeprägte Tendenz zur Überproduktion besteht (dazu Spinner/Liberalismus, S. 198ff.). Daß Information deshalb nicht tauschbar sei im Sinne des ökonomischen Tauschmodells, wie Sachsse/Technik, S. 135, meint, ist nicht richtig. Dadurch wird, ganz im Gegenteil, die Tauschbarkeit enorm erleichtert, weil das psychologische Hindernis des Verzichtenmüssens auf das einmal Hergegebene weitgehend entfällt.Google Scholar
  22. 29.
    Daß Information schlechterdings „äußerst schwierig zu erzeugen“sei (Völz/Grundlagen, S. 562), trifft so sicherlich nicht zu. Wie bei aller Güterproduktion, so sinkt auch die Wissenserzeugung in der Regel mit dem Anforderungsniveau der Gütekriterien, insbesondere dann, wenn diese in Spannung zueinander stehen und nur schwer miteinander vereinbare Bedingungen stellen — zum Beispiel für wissenschaftliche Erkenntnis „sozial anerkannte Originalität“für Wissen, welches dem Stand des Wissens im Fach widerspricht und darin trotzdem, möglichst sogar deswegen, Akzeptanz finden soll.Google Scholar
  23. 30.
    Das ist einer der wissenschaftlich wie politisch wünschenswerten Vorzüge des Lautgebens („voice“, d.h. Einspruch erheben, Kritik üben, Argumente produzieren oder einfach Krach schlagen) gegenüber Abwanderung („exit“), beides als Reaktionsmöglichkeiten des Individuums gegenüber „abschlaffenden“Organisationen. Näheres dazu bei Hirschman/Abwanderung; speziell zum hier angesprochenen Punkt Hirschman/Trespassing, Kap. 10.Google Scholar
  24. 31.
    Zur ökonomischen und rechtlichen Analyse dieses Tatbestandes vgl. Landes & Posner/Copyright Law.Google Scholar
  25. 32.
    Lenk/Perspektiven, S. 121, mit der auf S. 122 gezogenen Konsequenz aus der zunehmenden Erleichterung des Gestalt- und Trägerwechsels der Informationen, daß die gesamten informationsrechtlichen Regelungen „von Grund auf neu durchdacht werden“müßten.Google Scholar
  26. 33.
    Zum möglichen, zumindest für manche Wissensarten — besser wohl: für bestimmte Gebrauchsweisen — nicht völlig aufhebbaren Warencharakter vgl. Wersig/Informationssoziologie, S. 177ff.Google Scholar
  27. 34.
    Zur Einführung und allmählichen Ausarbeitung des Konzepts der Wissensordnung — ungefähr seit 1985, von 1988 bis 1990 im Rahmen eines von der Volkswagen Stiftung finanzierten Forschungsprojekts — vgl. Spinner/Liberalismus, Spinner/Informationsberg, Spinner/Informationstechnik, Spinner/System Althoff.Google Scholar
  28. 35.
    Über Art, Ausmaß und Inhalt der Verrechtlichung des als staatlicher Veranstaltung eingerichteten deutschen Universitätsbetriebs informieren umfassend Flämig et al./Handbuch und Thieme/Hochschulrecht.Google Scholar
  29. 36.
    Zu diesen für die literarische Produktion von Rezensionen von der offiziellen Wissenschaftsverfassung abweichenden „Geschäftsbedingungen“des realexistierenden Wissenschaftsbetriebs und Publikationsgeschäfts vgl. Spinner/Rezensionswesen sowie Spinner/Information.Google Scholar
  30. 37.
    Zu der damit gemeinten, ohne Erläuterung zugrunde gelegten Systematik der Erkenntnisstile für wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Wissensarten vgl. Spinner/Vereinzeln.Google Scholar
  31. 38.
    Näheres dazu bei Spinner/Weber.Google Scholar
  32. 39.
    Im Sinne von Arnold Gehlen; Näheres dazu mit kritischen Kommentaren Spinner/Gehlen.Google Scholar
  33. 40.
    Prominent vertreten auf hohem Abstraktionsniveau, mit nur sporadischem Bezug zu Aspekten der Wissensordnung, durch Luhmann/Systeme. Zur Übertragung auf den Wissenschaftsbereich, vor allem auf die deutsche Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts, sei auf die im Literaturverzeichnis genannten Arbeiten von Rudolf Stichweh verwiesen.Google Scholar
  34. 41.
    Die Vorzüge des Denkens in lockeren, offenen Ordnungen gehen allerdings wieder weitgehend verloren, wenn es mit einem integralistischen Systemdenken verbunden und auf ein „Denken in Steuerungssystemen“verengt wird, „wobei stimmige Systeme als ‚Ordnungen‘ bezeichnet werden“(so bei Herder-Dorneich/Strukturen, S. 276).Google Scholar
  35. 42.
    Kritisch zur Dreiteilung der Welt, um für eine „Vierte Welt“plädieren zu können, Fritsch/Welt.Google Scholar
  36. 43.
    Vgl. zum Beispiel Kissinger/Weltordnung sowie, kritischer, Czempiel/Weltpolitik.Google Scholar
  37. 44.
    Wie von Ullrich/Technik angenommen.Google Scholar
  38. 45.
    Vgl. Hubmann/Persönlichkeitsrecht.Google Scholar
  39. 46.
    Dazu Geis/Kernbereich; ausführlicher Schmitt Glaeser/Privatsphäre.Google Scholar
  40. 47.
    Zur Entwicklung der Sphärenlehre und der teilweisen Abkehr davon im Zusammenhang mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung vgl. Vogelsang/Selbstbestimmung, insbes. Kap. 3.Google Scholar
  41. 48.
    Zum Stand der Überlegungen Rogall/Informationseingriff.Google Scholar
  42. 49.
    Luhmann/Soziologie, S. 37.Google Scholar
  43. 50.
    LuhmannAVissenschaft, S. 704.Google Scholar
  44. 51.
    Vgl. Spinner/Liberalismus, S. 198ff.Google Scholar
  45. 52.
    Zur Entgegensetzung von „System“und „Lebenswelt“sowie ihrer „Kolonialisierung“durch Systemwelten vgl. Habermas/Handeln, passim.Google Scholar
  46. 53.
    Vgl. Luhmann/Systeme, S. 67f.Google Scholar
  47. 54.
    Vgl. Eucken/Grundlagen, Eucken/Grundsätze sowie das ORDO-Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Bd. I, 1948ff.; zur Würdigung aus Anlaß des 100. Jahrestages des Geburtstages von Walter Eucken Ordnung in Freiheit.Google Scholar
  48. 55.
    Vgl. Kleinewefers/Wirtschaftsordnungstheorie.Google Scholar
  49. 56.
    Vgl. Radnitzky/Economics sowie Bartley/Knowledge.Google Scholar
  50. 57.
    Luhmann/Systerne, S. 173.Google Scholar
  51. 58.
    Zu dieser Unterscheidung vgl. Eucken/Grundsätze; S. 160ff. und Eucken/Wettbewerbsordnung, S. 28ff.Google Scholar
  52. 59.
    Vgl. Bartley/Knowledge (zur Auffassung der Erkenntnistheorie als einem Zweig der Ökonomie s. Kap. 5) sowie Radnitzky/Economics. Wie weit man in diese Richtung gehen kann, ohne den ökonomischen Ansatz völlig zu überziehen (und durch „Übergeneralisierung“zu entleeren), zeigt Vereeck/Economics.Google Scholar
  53. 60.
    Vgl. Spinner/Weber.Google Scholar
  54. 61.
    Vgl. Burkert/Analogie.Google Scholar
  55. 62.
    Klassisch bei Mannheim/Ideologie.Google Scholar
  56. 63.
    Weber/Religionssoziologie I, S. 252.Google Scholar
  57. 64.
    Wilhelm von Humboldt, Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmten (1792), in: Humboldt/Werke I, S. 92 (Schreibweise modernisiert).Google Scholar
  58. 65.
    Vgl. Mannheim/Ideologie, S. 229ff.Google Scholar
  59. 66.
    Frei nach einem bekannten Diktum Arnold Gehlens; dazu ausführlicher Spinner/Gehlen.Google Scholar
  60. 67.
    Wie sie vor allem von Arnold Gehlen nachdrücklich aufgezeigt worden ist; dazu auch Spinner/Gehlen.Google Scholar
  61. 68.
    Dazu Eucken/Wetibewerbsordnung; zur geringen Anzahl der „Ordnungstypen“vgl. S. 22.Google Scholar
  62. 69.
    Zum diesbezüglich „erweiterten Umweltbegriff“und den Möglichkeiten geistes- und sozialwissenschaftlicher Umweltforschung im informationellen Bereich vgl. Spinner/Umweltforschung.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Helmut F. Spinner

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