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„Landeskunde und Kulturwissenschaft in der Romanistik.“ Zwischenruf zu einer ungeliebten, aber unumgänglichen Diskussion

  • Hans Manfred Bock
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Zusammenfassung

Die neuere „Landeskunde“-Diskussion dauert mittlerweile mehr als zwanzig Jahre, wenn man die Gespräche der Konferenz der Romanischen Seminare und das Erscheinungsdatum des ersten Ludwigsburger Bandes „Perspektiven der Frankreichkunde“ in den frühen siebziger Jahren1 als Anfang der Debatte nimmt. Damit dauert sie doppelt so lange wie die „Kulturkunde“-Diskussion in der Romanistik der Weimarer Republik, die man zwischen 1924 und 1933 datieren kann. Im Vergleich mit der Kulturkundekontroverse der Zwischenkriegszeit, die damals für die Romanistik die (inhaltlich höchst problematische!) bildungspolitische Legitimationsfunktion hatte, die in der „Landeskunde“-Debatte seit den siebziger Jahren immer wieder angestrebt, aber nie erreicht wurde,2 ist die laufende Auseinandersetzung eher diskontinuierlich und gleicht einer Abfolge von Anläufen zur Herstellung eines Minimalkonsensus. Bildlich gesehen folgte auf den hell auflodernden Brand, der in den zwanziger Jahren durch die Kulturkunderichtlinien der Richertschen Reform entfacht wurde, in den letzten zwanzig Jahren eine Art Schwelbrand in der Fläche, dessen verstreute Nester durch Bedarfsanmeldungen aus der Bildungs- und Erziehungspraxis immer wieder Sauerstoffzufuhr erhalten und aufflackern.

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Literatur

  1. 1.
    Robert Picht (Hrsg.): Perspektiven der Frankreichkunde. Ansätze zu einer interdisziplinär orientierten Romanistik, Tübingen: Niemeyer, 1974; s. dort auch den Aufsatz über die Konferenz der romanischen Seminare.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. dazu u.a. Gerhard Bott: Deutsche Frankreichkunde 1900–1933. Das Selbstverständnis der Romanistik und ihr bildungspolitischer Auftrag, Rheinfelden 1982, 2Bde. Emil Mihm: Die Krise der neusprachlichen Didaktik, Frankfurt/Main 1972. Walter Apelt: Die kulturkundliche Bewegung im Unterricht der neueren Sprachen in Deutschland in den Jahren 1886 bis 1945. Ein Irrweg deutscher Philologen, Berlin 1967.Google Scholar
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    Mit guten Gründen plädieren für die Ersetzung des „Landeskunde“-Begriffs die Herausgeber des folgenden Bandes: Roland Höhne/Ingo Kolboom (Hrsg.): Von der Landeskunde zur Landeswissenschaft. Beiträge zum Romanistentag 1981, Konstanz: Schäuble, 1982.Google Scholar
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    Vgl. Hans Manfred Bock: Zur Neudefinition landeskundlichen Erkenntnisinteresses, in: Robert Picht ( Hrsg. ): Perspektiven der Frankreichkunde (a.a.O.), S. 13–22.Google Scholar
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    S. als Arbeitsergebnis eines interdisziplinären Arbeitskreises der Bosch-Stiftung: Fremdsprachenunterricht und internationale Beziehungen. Stuttgarter Thesen zur Landeskunde im Französischunterricht, Gerlingen: Bleicher, 1982.Google Scholar
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    S. z.B. Heinz Thoma: Zur Gegenstandskonstitution der „interkulturellen Kommunikation“, in: Wolfgang Asholt/Heinz Thoma (Hrsg.): Frankreich. Ein unverstandener Nachbar (1945–1990), Bonn: Romanistischer Verlag, 1990. Der Band versammelt Beiträge von den Romanistentagen in Freiburg (1987) und Aachen (1989).Google Scholar
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    Als sehr lesenswerten Überblick über die ältere Debatte s. jetzt Roland Höhne: Die kulturwissenschaftliche Herausforderung der Landeswissenschaften, 10 Ms-S.; erscheint in: Grenzgänge 1997. Konstruktiv kritisch auch Wolfgang Asholt: Rolle und gegenwärtige Situation der Landeswissenschaft in der Romanistik, in: ders./Heinz Thoma (Hrsg.): Frankreich. Ein unverstandener Nachbar (a.a.0.). S. 17–43. S. auch meinen Abriß: Von der geisteswissenschaftlichen Frankreichdeutung zur sozialwissenschaftlichen Frankreichforschung, in: Joachim Schild (Hrsg.): Länderforschung, Ländervergleich und europäische Integration, Ludwigsburg 1991, S. 50–61.Google Scholar
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    Dies und die folgenden Zitate nach Carl Heinrich Becker: Die Denkschrift des Preußischen Kultusministeriums über die Förderung der Auslandsstudien, in: Internationale Monatsschrift für Wissenschaft, Kunst und Technik, Jg. 1917, Sp. 513–531.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Hans Manfred Bock

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