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Seniorengenossenschaften als Dienstleistungsinstitution

  • Ulrich Otto
Part of the Perspektiven der Sozialpolitik book series (PSOZPOL)

Zusammenfassung

Die Dienstleistungen, die im Rahmen freiwilliger oder ehrenamtlicher Hilfeinitiativen erbracht werden, stehen aus mehreren Gründen im Rampenlicht des Interesses der verschiedenen Seiten. Verwiesen sei hier nur auf entsprechende Hoffnungen für den pflegenahen oder sogar den Pflegebereich. Als Dienstleistungen werden hier im folgenden jene “Produkte” bezeichnet, die bei den “Endabnehmerinnen” ankommen und auf einen als “altenspezifisch” angenommenen “Bedarf” bezogen sind.

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Literatur

  1. 124.
    Vgl. hierzu bspw. mit Blick auf das Zwischenfeld von gesundheits- und sozialpflegerischem Bereich das Positionspapier des Deutschen Vereins zur sozialen Ehrenamtlichkeit (Arbeitskreis 1988:207). Aufgrund des Status dieses Textes, seiner typischen Aussage bzgl. der Funktionszuweisung sowie seines Arbeitsfeldbezuges seien einige Passagen wiedergegeben: “Ehrenamtliche Hilfe tritt neben die hauptamtliche Hilfe; diese kann durch ehrenamtliche Hilfe nicht ersetzt werden. (…) Ehrenamtliche Helfer sollen insbesondere Fähigkeiten zur Selbsthilfe unterstützen, Gefühl menschlicher Nähe vermitteln, darüber hinaus Hilfen im psychosozialen Bereich, Entlastung pflegender Angehöriger, Unterstützung bei Hilfen im pflegerischen Bereich, Hilfen für die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt leisten” (Arbeitskreis 1988: 207). Vgl. mit Blick auf Ehrenamtliche in der Versorgung chronisch Kranker Prümel-Philippsen (1990).Google Scholar
  2. 125.
    Mit Bezug auf Selbsthilfegruppen und freiwillige Fremdhilfe hat Schulz-Nieswandt (1989: 20ff.) eine in Teilen vergleichbare Typologie vorgelegt. Sie beschränkt sich allerdings auf die Abschätzung der Wirkungen auf öffentliche Leistungssysteme. Dieser Bezugspunkt ermöglicht zwar eine stringentere Abgrenzung, blendet aber wichtige qualitative Aspekte aus. Unterschieden werden: Substitution, Addition, Komplementarität, Innovation und Kumulation.Google Scholar
  3. 126.
    Trotz der Zentrali tat der Fragestellung nach Bedarf im sozialen und psychosozialen Bereich soll sie nicht theoretisch aufgenommen werden. Ihren Stellenwert unterstreichend sollen lediglich drei weiterführende Hinweise gegeben werden. Culpitt (1992: 48ff.) zeigt die zentrale Stellung der Auseinandersetzung über die “Natur” sozialer und gesellschaftlicher Bedürfnisse und die angemessene Reaktion auf deren unterschiedlich geartete Expression im Paradigmenstreit über wünschbare Konturen von Wohlfahrtsstaatlichkeit. “These “organizing assumptions’ about what is ‘real’ need have dictated the nature of the welfare state and changing responses to it” (Culpitt 1992:48). In Übereinstimmung mit gebräuchlichen Typologien unterscheidet er “normative need” (d.h. was Experten bzw. Professionelle als Bedarf in einer gegebenen Situation wahrnehmen), “felt need” (von den Individuen selbst wahrgenommener Bedarf), “expressed need” oder “demand” (d.h. als Nachfrage nach Hilfe oder Dienstleistung geäußerter gefühlter Bedarf) und schließlich “comparative need” (d.h. Bedarf, der durch außenstehende Beurteilung bei Nichtleistungsempfangerinnen in solchen Umständen beobachtet wird, unter denen andere Individuen Leistungen erhalten (vgl. Culpitt 1992: 58ff., 146ff.). Auch in der Sozialarbeit wird weithin — höchst unterschiedlich motiviert — von der Unbestimmbarkeit des Bedarfs nach Sozialarbeit ausgegangen (vgl. Olk 1986). Dies führt zu politisch und fachlich folgenreichen Unklarheiten bei der Entwicklung oder Implementation oder Verteidigung sozialarbeiterischer Interventionen, da eine schlüssige Begründung für Adäquanz und Effektivität sowie Effizienz nicht gegeben werden kann. Eine immerhin in Ansätzen ausgearbeitete Theoriediskussion existiert dagegen zur gesellschaftlichen Funktionsbestimmung des Dienstleistungssektors im allgemeinen (vgl. Berger/Offe 1984a) sowie von sozialen Dienstleistungen (vgl. Olk 1986).Google Scholar
  4. 127.
    Eine sinnvolle Aufgliederung in einzelne Hilfebereiche erlaubt die Infratest-Studie, die zum hauswirtschaftlichen und sozial-kommunikativen Bereich folgende Ergebnisse zusammenfaßt: “Regelmäßiger Pflegebedarf ist mit Hilfebedarf in den elementarsten Bereichen der hauswirtschaftlichen Versorgung verknüpft. Personen mit ständigem Pflegebedarf sind faktisch hilflos in allen Bereichen der hauswirtschaftlichen Verrichtungen. Bei dieser Gruppe sind die Einschränkungen so elementar, daß in fast allen Fallen (97–99%) keine Eigenleistungen in diesem Bereich mehr möglich sind. Ähnlich verhält es sich bei Personen mit täglichem Pflegebedarf: auch diese können sich unmöglich ohne fremde Hilfe im Haushalt selbst versorgen: so können sich 77% keine Mahlzeiten zubereiten, 90% unmöglich Lebensmittel einkaufen und 86% ihre Wohnung nicht säubern, Personen mit mehrfach wöchentlichem Pflegebedarf können hingegen zu 49% noch Eigenleistungen in der Küche erbringen. 75% aus dieser Gruppe können aber ebenfalls unmöglich alleine die Wohnung säubern. Einschränkungen in vergleichbarem Umfang weisen Pflegebedürftige bei sozialkommunikativ gelagerten Aktivitäten auf, obwohl eine eindeutige Abgrenzung zum hau s wirtschaftlichen Bereich so sicher nicht möglich ist. Personen mit ständigem Pflegebedarf sind auch hier weitgehend hilflos, so können 85% nicht mehr alleine telefonieren und 95% ihre finanziellen Dinge nicht mehr regeln. Gewisse Abstufungen ergeben sich bei den Personen mit täglichem Bedarf: hier können 49% nicht alleine telefonieren und 74% unmöglich ohne fremde Hilfe finanzielle Dinge regeln. Personen mit mehrfach wöchentlichem Pflegebedarf weisen die geringsten Einschränkungen auf. Aus dieser Gruppe können erst 20% nicht mehr telefonieren, 42% können hingegen nicht mehr allein ihre Finanzen regeln. Insgesamt sind es die ‘nach außen gerichteten Tätigkeiten’, die sowohl Mobilitätsanforderungen stellen, als auch kommunikative Fertigkeiten verlangen (etwa das Einkaufen oder die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel), die von den regelmäßig Pflegebedürftigen zu mehr als 80% nicht mehr ausgeführt werden können” (Infratest 1992: 37).Google Scholar
  5. 128.
    Daß allerdings in einem anderen Modellort ein mobiler Essensdienst neu geschaffen wird zeigt, daß eine klare dienstleistungsbezogene Konzeption und Orientierung auf das Gesamtprogramm bezogen keineswegs entwickelt ist.Google Scholar
  6. 129.
    Diese Hoffnungen nehmen auch in der Konzeption der Arbeitsgruppe Seniorengenossenschaften entscheidenden Stellenwert ein. Der Schriftsatz ist allerdings mehrfach zumindest mißverständlich, insofern er das Ende des von ihm so genannten “Vorpflegefalls” mit dem MNotwendigwerden” einer stationären oder teilstationären Behandlung und Pflege koppelt. Gerade die besonders prekäre häusliche Versorgung schwerer und schwerster Pflegebedürftigkeit gerät damit aus dem Blick.Google Scholar
  7. 130.
    Dies wird besonders deutlich in der parlamentarischen Anfrage der FDP/D VP-Fraktion im Landtag, in der die Landesregierung ersucht wird “zu berichten, wie sie die Situation der Seniorengenossenschaften und der Modelle, bei denen junge Senioren im Pflegebereich tätig sind, um sich gewissermaßen eigenes Pflegeguthaben anzusparen, beurteilt” (LT-Drs. 11/289 vom 14.8.1992).Google Scholar
  8. 131.
    Vgl. die bei Bäcker u.a. (1989: 99ff.) referierten Befunde. Ohne eine adäquate Gewichtung vernehmen zu können, ist konstatierbar, daß fast die Hälfte derer Ursachenausprägungen in der häuslichen bzw. ambulanten Sphäre zu verorten sind. Dazu gehören das mangelnde Angebot häuslicher Pflegedienste, die nicht mögliche Pflege durch Angehörige, die fehlende Bereitschaft der Angehörigen zur Pflege, fehlende Mittel zur Finanzierung häuslicher Pflege, unzureichende ambulante medizinische Versorgung sowie verkehrsmäßig schlechte Erreichbarkeit von medizinisch/pflegerischen Versorgungseinrichtungen.Google Scholar
  9. 132.
    Die Hauptaussagen der Infratest-Studie zur häuslichen Pflege werden so zusammengefaßt: “Personen mit ständigem Pflegebedarf sind bei fast allen körperbezogenen Basisaktivitäten weitgehend hilflos. So sind für 98% das tägliche sich Waschen, für 97% das Bett verlassen oder für 88% Wasser- und Stuhlhalten ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich. Zwei von drei Personen (66%) können allein keine Mahlzeiten aufnehmen, drei von vier Personen (74%) benötigen andauernde Aufsicht, können also unmöglich allein zu Hause bleiben. Bei den Personen mit täglichem Pflegebedarf sind die Einschränkungen etwas differenzierter zu bewerten: 58% können sich nicht mehr alleine waschen, 32% sich nicht mehr kämmen oder rasieren und 30% nicht mehr an- und ausziehen. 32% haben kontinuierlichen Betreuungs- oder Aufsichtsbedarf. Bei mehrfach wöchentlichem Pflegebedarf ist es vor allem zu 40% das Duschen und Waschen oder zu 49% das Treppe steigen, das allein ohne Hilfe nicht möglich ist” (Infratest 1992: 31). Ergänzende Daten bei MAGFS (1986: 50ff.).Google Scholar
  10. 133.
    Vgl. die ausführliche Erörterung der systematischen Grenzen von Substitutionsbeziehungen zwischen unterschiedlichen Primärgruppen bei Litwak (1985).Google Scholar
  11. 134.
    Dahinter verbirgt sich eine klassische These, die häufig mit Blick auf die Ursachen der Entstehung von Selbsthilfe angeführt wird, Braun/Opielka (1992:20) bezeichnen sie als die “quantitative Defizithese”.Google Scholar
  12. 135.
    Vgl. Büro für Stadtplanung und Sozialforschung (1979); Schmachtenberg (1980). Zu einer Untersuchung von Helferkreisen der Kirchengemeinden vgl. Braun/Marx (1986).Google Scholar
  13. 136.
    Vgl. zu diesem Befund z.B. Bäcker u.a. (1989: 125). Zu den Ergebnissen einer der ganz wenigen einschlägigen Studien vgl. Findl/Klaushofer/Koller (1992).Google Scholar
  14. 137.
    Daß entsprechende UmsetzungsbemUhungen nur “tastend” vorankommen, zeigt Meyle (1993). Als Horizont entsprechender Bemühungen sei nochmals Veelken angeführt, dessen Ansatz die vielfaltigen Möglichkeiten freiwilligen Engagements in diesem Feld zeigt. “Reaktivierung bedeutet die Wiederherstellung und Einübung von Lebensfertigkeiten, die zur weiteren Gesunderhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit notwendig erscheinen, sowie den Neuerwerb von Kompetenzen im Lebensbezug” (Veelken 1988: 130). Hervorgehoben wird mit Bezug gerade auf ältere Menschen das Fehlen von Informationen und Möglichkeiten, während des stationären Aufenthalts erlebte und gelernte Formen der Rehabilitation in der poststationären Lebensphase weiter durchzuführen. Der Stellenwert von Resozialisierung als Aufhebung von Isolation und Ermöglichung neuer Kontakte ergibt sich gemäß Veelken aus der oft generellen Abnahme von Kontakten zu Freunden und Bekannten im Alter, die sich durch konkrete Krankheiten häufig verschlechtern und nach Klinikaufenthalten vielfach nicht wieder aufgenommen werden. “Reintegration meint den Einbezug in den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang und dadurch die Ermöglichung weiterer Prozesse tertiärer Sozialisationen. Oft ist nur der kranke Körper im Blickfeld (…), aber kranke Ältere bleiben weiterhin Menschen mit Körper, Geist und Seele. Die bestehenden Dienste müssen erweitert werden, um die Sicht der menschlichen Ganzheit auch in der Nachsorgephase weiter zu beachten. Es (besteht; U.O.) (…) eine starke Diskrepanz (…) zwischen weiterhin vorhandenen Wünschen und dem gesellschaftlichen Angebot” (Veelken 1988: 130f.). In allen drei Bereichen werden die Möglichkeiten hervorgehoben, die sich für ältere Ehrenamtliche ergeben (vgl. Veelken 1988: 132ff.).Google Scholar
  15. 138.
    Vgl. die Problemanalyse und Veränderungsvorschläge mit Bezug auf die ambulanten Dienste bei Brandt/Göpfert-Divivier/Schweikart (1992: 181ff.).Google Scholar
  16. 139.
    In manchen einschlägigen Modellversuchen wird dies erkannt. Vgl. Hondrich/Koch-Arzberger (1992: 56f.). Bosch 1988 erläutert diesen Gedanken am Beispiel eines schweizerischen städtischen Nachbarschaftshilfeförderungsprojektes. Durch solche Einrichtungen mit modifizierten Reziprozitätsregeln “kann vielleicht eine zusätzliche Gruppe präventiv erreicht werden: (…) Alle jene, die bei der Hilfe auf Gegenseitigkeit nicht (mehr) mithalten können und auf einseitige Hilfe angewiesen sind. In erster Linie (…) die alten Menschen, die keine Kinder haben, gegenüber denen von früher her noch ‘Guthaben’ an Hilfe vorhanden sind. Ebenso aber (…) jüngere Menschen (…), die keine freien Ressourcen an Zeit, Kraft oder Geld haben, z.B. (…) Alleinerziehende, berufstätige Eltern und viele andere. Eine Vermittlungsstelle für Hilfe, wie sie (…) initiiert wurde, dürfte eine solche Einrichtung sein, die neue Regeln setzt: 1. Es besteht die Hoffnung, daß durch die Einrichtung und Zielsetzung einer solchen Institution ein Enttabuisiemngsprozeß für einseitiges Hilfeannehmen in Gang gesetzt werden kann. 2. Durch die zentrale Vermittlung andererseits wird insgesamt eine Gegenseitigkeit erreicht, die zwischen zwei Individuen viel schwerer zu etablieren wäre. In der Vielfalt der Angebote und Bedürfnisse dürfte es leichter sein, zwischen erbrachter und erhaltener Leistung einen Ausgleich zu schaffen” (Bosch 1988: 43).Google Scholar
  17. 140.
    Prümel-Philippsen (1990) weist darauf hin, was dieser Tatbestand für den Einsatz von Ehrenamtlichen und deren erforderliche Kompetenz bzw. Qualifizierung bedeutet. Er bezieht sich auf die Arbeit mit chronisch Kranken im Rahmen der Rheuma-Liga.Google Scholar
  18. 141.
    Bezüglich von Beratungsdiensten weist Mändle darauf hin, daß es “für alte Menschen (…) in hohem Maße wichtig ist, eine Bezugsperson oder Bezugsinstitution zu haben, an die sie sich vertrauensvoll wegen eines Rates wenden können” (Mändle o.J.: 7).Google Scholar
  19. 142.
    Selbst bei einer Aufhebung dieser Restriktionen, wie sie bspw. unter Modellbedingungen erprobt wurde, sind die Grenzen des Eingehens von Profis auf psychosoziale Bedarfslagen eng gesetzt, vgl. Brandt/Göpfert-Divivier/Schweikart (1992: 165).Google Scholar
  20. 143.
    Die im selben Kontext entstandene Studie zu Modelleinrichtungen der Kurzzeitpflege argumentiert in ähnlicher Weise, vgl. Heinemann-Knoch/Claussen/Korte (1992: 44f.).Google Scholar
  21. 144.
    Auf der Basis vergleichender Forschungen wurden Theorien vorgelegt, die komparative Leistungsvorteile der dort zumeist als Laienhandeln bezeichneten Dienstleistung gegenüber der Arbeit ausgebildeter Fachkräfte festzustellen versuchen. Diese Argumentation verfolgt im deutschen Sprachraum insbesondere Müller-Kohlenberg mit Bezug auf Meta-Analysen. Die These einer möglichen Qualitätsverbesserung würde darunter vor allem Carkhuff (1968) untermauern, der eine tendenzielle Überlegenheit der Laien gegenüber den Ausgebildeten feststellt. Diese ergebe sich aus einer unterschiedlichen Arbeitsweise: “Der Angehörige eines helfenden Berufsstandes handele im Bewußtsein seiner Rolle, ausgerichtet an Techniken und Theorien, er fokussiere auf kognitive und elaborierte Systeme. Der Laie verfüge dagegen über weniger Expertentum; er sei mehr in Kontakt mit seiner eigenen Unsicherheit und weniger an Klarstellungen interessiert. (…) Er versuche einfach ‘to stay with and be with the client’. Ihm bleibe insofern auch das Rollendilemma erspart, das aus der Bemühung um Distanz herrührt und insofern verhindert, sich voll und intensiv in die Alltagsproblematik des Hilfesuchenden hineinzubegeben” (Müller-Kohlenberg/Kardorff/-Kraimer 1993: 12). Schwerpunktmäßig geht es um Untersuchungen zu Klientelen aus dem stationären oder ambulanten psychiatrischen Bereich. Es wird offensichtlich von einer dyadisehen Hilfebeziehung ausgegangen, allerdings teilweise auch nach Gruppen- versus Einzelhilfesettings unterschieden. Koproduktionen mit anderen Bezugspersonen bleiben weitgehend außer Betracht. Daß entsprechende Argumentationen auch geradezu zur Programmatik des sozialen Ehrenamtes gehören, läßt sich an Verlautbarungen der Verbände, an Konzeptionen usw. weit zurückverfolgen. Vgl. nur als Bsp. Arbeitskreis (1988: 207).Google Scholar
  22. 145.
    In Obereinstimmung damit stehen Befunde ähnlicher Initiativen. Feder/Howard/ Scanion etwa dokumentieren eine Rangliste erstellter Dienste in Service-Credit-Projekten, die von “companionship/friendly visiting” angeführt wird und dann nach einigem Abstand noch starke Felder beim Haushalt-in-Ordnung-bringen, bei Begleitungen, Einkäufen, Mahlzeitenzubereitung und Transport- bzw. Fahrdiensten enthält (vgl. Feder/Howard/Scanlon o J.: 10). Die Befragung der Hilfeempfangerinnen unterstützt die These eines verbundenen Effektes der Diensteausweitung auf der Basis anderer Qualität: “Services provided under the program appear to represent new service delivery, not a replacement of services otherwise received. Three quarters of the programs recipients report getting more service now than before participating in the program — almost half, much more than before” (Feder/ Howard/Scanlon o.J.: 12).Google Scholar
  23. 146.
    Daten zur Nichtinanspruchnahme sozialer Dienste bei Pflegebedürftigkeit wurden bereits im Kapitel zur Politik des informellen Sektors präsentiert.Google Scholar
  24. 147.
    Eine Theorie der Inanspruchnahme sozialer Dienste hat Wirth (1982) vorgelegt. Er macht systematisch auf den wichtigen Sachverhalt aufmerksam, daß auch Inanspruchnahme nur sinnvoll als Prozeß zu rekonstruieren ist, dessen Determinanten mithin in verschiedenen Phasen verschiedene sind.Google Scholar
  25. 148.
    Zu einer differenzierten Analyse des Informationsverhaltens bezüglich organisierter Hilfen vgl. Stiefel (1985: 297ff.). Gut die Hälfte kennt Soziaistationen (55%), “Essen auf Rädern” (55%) und das Sozialamt (52%), die Nachbarschaftshilfe nur noch 38% und mobile Hilfsdienste 28% (vgl. MAGFF 1983; 1986).Google Scholar
  26. 149.
    Hafner kommentiert demgegenüber gewiß etwas unterkomplex, aber in Übereinstimmung mit Teilen der Fachmeinung anderer Disziplinen: “Die vielfaltigen Bedürfnisse nach sozialen Hilfen, die im hohen Lebensalter bei abnehmender Kapazität zur selbständigen Lebensbewältigung steil zunehmen, ließen erwarten, daß die sozialen Dienste einen fühlbaren Beitrag zur sozialen Unterstützung und Versorgung alter Menschen leisten. Daß dieser Beitrag nicht erbracht wird, hat wahrscheinlich mit zwei Gründen zu tun: der Abneigung alter Menschen gegenüber sozialen Hilfen und der überspezialisierten Ausbildung von Sozialarbeitern, die weder spezifische Kenntnisse noch Motivation für Hilfestellungen im Alter vermittelt” (Hafner 1992: 171f.).Google Scholar
  27. 150.
    Vgl. hierzu die Ergebnisse der qualitativen Studie zur Gesundheitsselbsthilfe durch Laien bei Grunow/Breitkopf/Grunow-Lutter (1984; insb. 134ff.).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Ulrich Otto

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