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Widersprüchliche Elemente und Probleme einer Perspektive wohlfahrtspolitischer Modernisierung

  • Ulrich Otto
Part of the Perspektiven der Sozialpolitik book series (PSOZPOL)

Zusammenfassung

In den folgenden Abschnitten werden die Seniorengenossenschaften als das verstanden, was sie — durch aber auch neben ihre(n) konkreten Ausformungen — auch ganz wesentlich darstellen: Sie sind nicht nur die in den “Prototypen” geronnenen Ideen, sie sind darüberhinaus gewissermaßen eine Assoziationsfolie mit weiter Ausstrahlung. Was das bedeuten könnte, soll mit Blick auf den übergreifenden Aspekt wohlfahrtspolitischer Modernisierung in groben Linien angedeutet werden.

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Literatur

  1. 230.
    Für den Selbsthilfesektor etwa wurde dies in 6 Ausprägungen abzugrenzen versucht: Lebenswelt; Arbeitswelt; Kultur; Benachteiligte; Diskriminierte; Gesundheit. Vgl. dazu Vilmar/Runge (1988: 68ff.).Google Scholar
  2. 231.
    Vgl. die Kritik am Leitbild der “Neuen Alten” bei Dieck/Naegele (1990): “Die Herausstellung der ‘Neuen Alten’ in Medien und Politik beschreibt weniger eine allgemeine Realität — als sie die ‘Unsichtbarkeit des problematischen Alters’ bewirkt, Problemlösungsdruck vermindert, die Funktion gesellschaftlicher Befriedung übernimmt. Die Herausstellung des Positiven ebnet den Weg für Maßnahmen der genimmt. Die Herausstellung des Positiven ebnet den Weg ftir Maßnahmen der gesamtgesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Kontrolle der ‘Kosten der Altersiast’“(Dieck/Naegele 1990: 54).Google Scholar
  3. 232.
    “Die Bedeutungen und Implikationen dieser Ansätze (Empowerment bzw. Prävention; U.O.) unterscheiden sich grundsätzlich. Die Idee der Prävention leitet sich ab von einem Bedürftigkeitsmodell zu versorgender Personengruppen. Sie ist eine Konsequenz aus dem Modell des Wohlfahrtsstaates und der einseitigen Entwicklung sozialer Dienstleistungseinrichtungen. Innerhalb des Kontextes sozialer Dienste und eines Bedürftigkeits- und Abhängigkeitsmodells stellt Prävention die vernünftigste und effizienteste Alternative zu klinischen Diensten dar (…). Anwaltschaft ist eine Alternative, die auf einem Rechtsmodell sozialer Verantwortung beruht (…). Die Grundlagen basieren auf einem Denken in Begriffen des Legalitätsprinzips und des bürgerlichen Rechts, das Menschen als Bürger statt als Kinder sieht. Dieser Ansatz ist genauso folgerichtig wie das Konzept der Prävention, aber auch genauso einseitig. Sowohl Anwaltschaft als auch Prävention sehen die Experten als die ‘Meister’, die die Antworten wissen und sie ihren Klienten vermitteln. Trotz vieler offensichtlicher Unterschiede in diesen beiden Konzepten ist die Ähnlichkeit in den Rollenbeziehungen auffallend. Was wir brauchen, ist ein Modell, (…) das uns ermöglicht, mit divergenter Vernunft zu denken. Es muß viele verschiedene und widersprüchliche Antworten zu gleicher Zeit ermöglichen, statt mit einer einzigen Lösung auf jedes soziale Problem zuzugehen. Dafür brauchen wir soziale Veränderungen und Engagement. Prävention braucht professionelle Experten, ‘empowerment’ Mitstreiter sozialer Veränderung” (Rappaport 1985: 270).Google Scholar
  4. 233.
    Bezogen auf (partei-) politische Orientierungen kann es ebenso paradigmatisch für aktuelle Suchbewegungen stehen, stammt es doch von einem ausgewiesenen SPD-Mitglied — abgedruckt in einem von Klose herausgegebenen Band. Es kennzeichnet partielle und probeweise Annäherungen in einer Situation, die nach wie vor dadurch gekennzeichnet ist, daß “die Linke (…) um eine Antwort auf die Frage nach ‘unschuldigen’ gesellschaftlichen Organisationsformen verlegen (ist; U.O.), die als Anknüpfungspunkte für eine nicht-partikularistische ‘neue Subsidiarität’ (…) und letztlich als Leitvorstellung für eine heute nur als Paradox formulierbare ‘socialist civil society’ (…) infrage käme” (Offe/Heinze 1990: 166).Google Scholar
  5. 234.
    Der Begriff der Inklusion ist bei Luhmann definiert als “Einbeziehung der Gesamtbevölkerung in die Leistungen der einzelnen gesellschaftlichen Funktionssysteme. Er betrifft einerseits Zugang zu diesen Leistungen, andererseits Abhängigkeit der individuellen Lebensführung von ihnen” (Luhmann 1981: 25).Google Scholar
  6. 235.
    Vgl. zur Problematik dieser Schließungsregel hinsichtlich Netzwerkarbeit Forschungsverbund (1987: 117ff.).Google Scholar
  7. 236.
    “Der wichtigste Unterschied im Vergleich zu den wohlfahrtsstaatlichen Dienstleistungen besteht darin, daß tauschförmig organisierte Dienste nicht auf der Basis gesetzlich fixierter Ansprüche erhältlich sind, sondern nur auf der Basis selbst erbrachter Vor- und Gegenleistungen. Wer zu solchen Vor- oder Gegenleistungen nicht oder nicht dauerhaft in der Lage ist, wird vom möglichen Empfangerkreis von Leistungen dieser Art ausgeschlossen. Das würde Personen ohne die geeigneten Fähigkeiten und Fertigkeiten, vor allem Kranke, Behinderte und manche älteren Personen betreffen, aber ebenso Personen, die nicht über hinreichend freie Zeit verfugen” (Offe/Heinze 1990: 193).Google Scholar
  8. 237.
    Als Beispiele: Die im Niveau allzu geringe Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten im Rentenrecht, die “Angleichung” der Regelaltersgrenze im Rentenreformgesetz von 1992 auf das Niveau der Männer, die unentschlossene und möglicherweise ganz scheiternde Implementation des Rechtsanspruches auf einen Kindergartenplatz usw.Google Scholar
  9. 238.
    Beispiele für diese Themen sind etwa ein Frauenwohnprojekt, Männerangebote für freiwillige Tätigkeiten, Leitungs- und administrative Verantwortungsübernahme durch Frauen und frauenangemessener Social Support.Google Scholar
  10. 239.
    Vgl. zu dessen — nicht explizit altersbezogener — Definition im Kontext seiner Geschichte und zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit typischen Kritikmustern am Normalisierungsprinzip Wolfensberger (1980a).Google Scholar
  11. 240.
    So etwa in der Konzeption des vom BMJFFG geförderten Modellversuchs “Private UnterstützungsnetzeM, vgl. Koch-Arzberger/Schumacher (1990: 46ff.).Google Scholar
  12. 241.
    Es ist nicht verwunderlich, daß das Normalisierungsprinzip mehrfach einer — der Logik nach — deckungsgleichen Kritik ausgesetzt wurde. Zu einer konzeptionellen Erwiderung darauf vgl. Wolfensberger (1980a: 94f.).Google Scholar
  13. 242.
    Die Argumentation ist insoweit zu relativieren, als die Beteiligung jüngerer Menschen gemäß den Befunden der wissenschaftlichen Begleitung im Vergleich zu anderen Feldern der Altenarbeit weit überdurchschnittlich ist. Vgl. Otto (1992b).Google Scholar
  14. 243.
    Ohne es hier genauer untersuchen zu können, kann gesagt werden, daß dies für das spätere Parallelprogramm “Initiative Drittes Lebensalter” in noch stärkerem Maße gilt.Google Scholar
  15. 244.
    Ganzheitlichkeit ist inzwischen Bezugspunkt einer ganzen Reihe konzeptioneller Versuche im Bereich sozialpädagogischer und psychosozialer Intervention. Bekanntere Beispiele sind Germain/Gitterman (1983) mit dem “life-model” der sozialen Arbeit, Pankoke (1986) und Becher/Pankoke (1981) mit der “Feldorientierung” und der Förderung “selbstaktiver Felder” sowie die Vertreter einer ökosozialen Sichtweise (z.B. Wendt 1982).Google Scholar
  16. 245.
    Vgl. die Beiträge in Braun u.a. (1992); zur Umsetzung des Netzwerkgedankens in entsprechende infrastrukturelle Einrichtungen und Maßnahmen Heinze/Olk/Wohl-fahrt (1992: 50ff.).Google Scholar
  17. 246.
    Als professionelle Intervention allerdings müssen für ganzheitliche Arbeitsansätze — bei der Netzwerkorientierung wurde darauf bereits kurz eingegangen — Begrenzungsregeln klarer konturiert werden.Google Scholar
  18. 247.
    Entsprechende Bemühungen erhalten momentan auch in Deutschland institutionell gestutzten Auftrieb durch den Versuch, nach dem Beispiel des Public-Health-An Satzes interdisziplinär sich verstehende “Gesundheits Wissenschaften” zu konzipieren und institutionalisieren. Vgl. Laaser/Wolters/Kaufmann (1990); Hurrelmann/Laaser (1993). Inwiefern und in welcher Weise entsprechende Orientierung als “sozialpädagogischer Blick” thematisch-methodisch organisiert werden können — unter Einbezug von Konzepten der Lebenswelt- und Alltagsorientierung — wird diskutiert in Rauschenbach/Ortmann/Karsten (1993).Google Scholar
  19. 248.
    Die britischen Reformen haben sich dieser Zweiteilung in ordnungspolitisch eindeutig auf Effizienz und Kostensenkung zentrierter Konzeption schon am weitesten genähert. Sie kennzeichnen “the shift from a system which was universal in claim if not in practice, to a system which clearly declares to be selective insofar as it concentrates reforms and resources on the most needy or, in home-based care, to those ‘border-line cases’ which would otherwise move over to the very costly institutional forms of care” (Evers 1991b: 84).Google Scholar
  20. 249.
    Auf dieses Konzept im Anschluß an Überlegungen von R. Schmidt wurde bereits in den Ausführungen über die Stützung des Unterstützungsnetzwerkes hingewiesen.Google Scholar
  21. 250.
    Gerade die Modelle der Äquivalenzzeiten in der Sozialversicherung oder der tax credits im Steuerrecht bewegen sich in dieser Grauzone zwischen der Schaffung von Incentives und/oder Gerechtigkeit. Kriterium gemäß unserer Argumentation mtißte — über Armutsverhinderung hinaus — unverzichtbar die Maximierung von Flexibilität und Wahlfreiheit sein.Google Scholar
  22. 251.
    Der Bezug zur Gerechtigkeits- und Effizienzdimension läßt sich an den weiter aktuellen Sozialhilfethemen verdeutlichen: zum einen wird über die Angemessenheit des Sozialhilfeniveaus diskutiert, die hausgemachte stigmatisierende Produktion von “SozialhilfebedUrftigkeit” bei Heimbewohnerinnen skandalisiert oder die Nichtabsicherung von Haushalts- und Pflegeleistungen kritisiert, zum anderen über die Einlösung der sozialhilferechtlichen Zielbestimmungen, Über negative Effekte seiner spezifischen Institutionalisierung und — mit Blick auf ältere Frauen besonders bedeutsam — die Nichtinanspruchnahmeproblematik.Google Scholar
  23. 252.
    Vgl. zu einer Zusammenstellung aller diesbezüglichen Sozialleistungen und Regelungen Leibfried (1990).Google Scholar
  24. 253.
    “Selbsthilfegruppen sensibilisieren das Problembewußtsein für Defizite wie für ungenutzte Chancen, fördern neue Problemdefinitionen, erzwingen durch Konkurrenz angemessenere Problemlösungen oder verwirklichen Lösungen selbst. Von daher dürfte das Selbsthilfepotential im Zeitverlauf je nach gesellschaftlicher Konstellation sowohl insgesamt als auch in einzelnen Handlungsfeldern starken Schwankungen unterliegen. Soziale Selbsthilfe wird in Phasen, in denen Chancen ergriffen, Defizite abgebaut oder Hilfeleistungen gewährt werden, an Bedeutung verlieren — und umgekehrt an Bedeutung gewinnen, wenn individuelle Lebenslagen oder Entfaltungsmöglichkeiten von größeren Teilen der Bevölkerung als unbefriedigend eingeschätzt werden” (Schmelz 1991: 92).Google Scholar
  25. 254.
    Vgl. in der deutschen Diskussion insbesondere Gronemeyer (1989). Zur gegenteiligen Einschätzung der Trends auf der Grundlage heutiger empirischer Belege vgl. deren überblicksartige Zusammenschau bei Hondrich/Koch-Arzberger (1992:45ff.), sowie die bei Noelle-Neumann/Rothenberg (1993) referierten Befunde.Google Scholar
  26. 255.
    Zum Versuch einer soziologisch integrierten Perspektive des Genozids — allerdings ohne ausdrückliche Erwähnung der Altersdimension — vgl. Fein (1990).Google Scholar
  27. 256.
    Zu einer volkswirtschaftlich informierten, verhalten optimistischen Beurteilung der weiteren “Finanzierbarkeit” der Gesundheitskosten in der Bundesrepublik Deutschland vgl. Mayer u.a. (1992: 734ff.).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Ulrich Otto

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