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Gegenkultur als Ausdruck der Zivilgesellschaft in der Islamischen Republik Iran

  • Asghar Schirazi
Chapter
Part of the Studien zu Politik und Gesellschaft des Vorderen Orients book series (SPGVO)

Zusammenfassung

Dieser Aufsatz stellt den Versuch dar, verschiedene Erscheinungsformen einer inoffiziellen Gegenkultur, die gegen die offizielle und islamistisch-legalistisch ausgerichtete Kultur agiert und von den herrschenden Islamisten im Iran bekämpft wird, kurz zu beschreiben, um sodann auf die Frage eingehen zu können, inwieweit diese Gegenkultur zu den Elementen der Zivilgesellschaft in diesem Lande gerechnet werden kann.1 Diese Problemstellung grandet sich auf folgende theoretische Prämissen:
  1. 1.

    In autoritär geführten Gesellschaften kann das Bestehen der Zivilgesellschaft nicht an denselben Kriterien gemessen werden, die für die demokratischen Gesellschaften üblich sind. Mit anderen Worten: das Fehlen solcher Erscheinungsformen der Zivilgesellschaft wie Vereine, Parteien, Gewerkschaften usw. kann in einer diktatorisch beherrschten Gesellschaft nicht von vornherein bedeuten, daß hier von einer Zivilgesellschaft keine Rede sein kann. Was hier zu beachten ist, sind Potentiale zivilgesellschaftlicher Aktivitäten, die nicht in Erscheinung treten und sich nicht entwickeln können, aber nur deswegen, weil sie es nicht dürfen.

     
  2. 2.

    Ist die autoritäre Herrschaft Träger einer Ideologie oder einer bestimmten Kultur, und macht sie es sich zur Aufgabe, diese Ideologie oder Kultur der Gesellschaft aufzuzwingen, so kann sich die Zivilgesellschaft als eine, möglicherweise in sich differenzierte, Gegenideologie bzw. Gegenkultur manifestieren, diese birgt in sich die Fähigkeit, Grundlagen für eine auch politisch aktiv werdende Zivilgesellschaft zu bilden, die aktuell wird, sobald die Bedingungen dafür gegeben sind.

     
  3. 3.

    Wenn auch in einer Demokratie Staat und Gesellschaft nicht immer einander entgegenstehen, sondern sich oft gegenseitig ergänzen, kann diese Koexistenz in einer unter den Bedingungen der Diktatur stehenden Gesellschaft nicht erwartet werden. Hier treten Staat und Gesellschaft vielfach als Gegensätze in Erscheinung. Dieser Gegensatz kann sich bis zur Grenze eines permanenten Konfliktes zwischen den beiden steigern, der erst dann beendet wird, wenn der autoritäre Staat zusammenbricht.

     
  4. 4.

    Die Erscheinungsformen der Gegenkultur sind nicht immer Bestandteile einer Zivilgesellschaft. Dies kann zwar der Fall sein, wenn sie in der Lage sind, sich frei zu entfalten, d.h. wenn die Diktatur sich auflöst.

     

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Asghar Schirazi

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