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Symbolische Politik und praktische Urteilskraft

  • Rüdiger Bubner

Zusammenfassung

Im Zuge der Ästhetisierung der Lebenswelt bekommen wir es zu tun mit einem Anwachsen des symbolischen Sektors in der Politik. Die Ästhetisierung versetzt tendenziell den Ernstfall ins Spielerische. Das gelebte Leben erscheint wie eine nie ganz verbindliche Möglichkeit, wie ein Experiment, das man auch rückgängig machen kann, eine Hypothese, die man einfach nur ausprobieren möchte. Die modernen Lebensweisen der einzelnen liefern dafür Beispiele in Fülle. Aber auch die weithin akzeptierte Verfassung der heutigen Gesellschaft bietet Indikatoren jener Ästhetisierung. Wo nichts wirklich und vollständig so gemeint ist, wie es aussieht, regiert die ironische Brechung. Die Einstellungsveränderung scheint das schillersche Diktum umkehren zu wollen, das zum Hausschatz seriöser Bürgergesinnung geworden war: Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst! Die Kunst der Moderne hatte immer propagiert, daß sie ins Leben geradewegs eingreifen und dieses auf unvorhergesehene Weise bereichern und verändern wolle. Die Frühromantik schlug das Motiv schon vor ziemlich genau 200 Jahren an. Man kann Glänzendes dazu bei Friedrich Schlegel lesen. Die Avantgarden, die der Bewegung der ästhetischen Moderne ihr Tempo aufgeprägt haben und bis heute aufprägen, lassen sich zusammenfassen als Sequenz von Versuchen, das Programm der Vereinigung von Kunst und Leben einfallsreich umzusetzen. Einer überbietet den andern nicht im Thema, sondern in Geschick und Findigkeit, neue Felder der Applikation aufzutun.

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© Leske + Budrich, Opladen 1995

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  • Rüdiger Bubner

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