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The Form

  • Tatjana Schönwälder
  • Katrin Wille
Chapter
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Zusammenfassung

Der Titel des ersten Kapitels lautet: The Form. Es geht um die Form schlechthin, darum, wie sie entsteht, und was alles zu ihr gehört. Es werden also keine bestimmten Formen und Formbildungsprozesse untersucht, sondern vielmehr die Grundlagen für Formbildungsprozesse verschiedenster Art. Die Form wird als Form der Unterscheidung bestimmt und es werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie auf Aspekte/Teile dieser Form hingewiesen werden kann.

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Literatur

  1. 1.
    LoF: 1. Solange kein erneuter Hinweis erfolgt, stehen die anschließenden Zitate ebd.Google Scholar
  2. 2.
    Dieses Vorgehen ist kennzeichnend für den Stil und den Inhalt der Laws of Form. Es wird gezeigt, wie aus einem einzigen Prozess Differenzierungen generiert und wieder zurückgenommen werden können — je nach Standpunkt und Kontext. Für solche und andere methodologische Mehrdeutigkeiten verwenden wir hier und im Folgenden den Terminus ‚systematische Ambiguität‘. Damit sind intendierte Mehrdeutigkeiten gemeint, durch die verschiedene und zum Teil auch gegenläufige Bedeutungen in einem gemeinsamen Vorläufer verdichtet sind. So können an einigen Stellen gezielt verschiedene Möglichkeiten auftauchen, die an anderen Stellen bei Bedarf auseinander genommen werden können. Dieser Ausdruck stammt von Matthias Varga von Kibéd und spielt für unsere Deutung eine wichtige Rolle.Google Scholar
  3. 3.
    An dieser Stelle sei Stephan Packard für viele Hinweise auf den englischen Sprachgebrauch sowie auf etymologische Wurzeln herzlich gedankt.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Vorstellung der internationalen Ausgabe Spencer Brown 1997:X: „Es sollte beachtet werden, dass es in diesem Text nirgendwo einen einzigen Satz gibt, welcher besagt, was oder wie irgendetwas ist.“ In der Anmerkung dazu heißt es: „Eine Definition, wie ‚Unterscheidung ist perfekte Be-Inhaltung‘ sagt nicht, was sie ist, sondern weist den Leser an diesem Punkt nur an, wie er sie zu definieren hat. Später werden wir, wie wir sehen werden, diese Definition zum Teil aufheben oder auf andere Weise definieren... wenn sie eine Definition gemacht haben, alles, was sie taten war, die Regeln für ein Spiel ‚Lasst uns so tun, als ob‘ festzulegen.“Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. für andere Übersetzungen die etymologischen Überlegungen von Matthias Varga von Kibéd und Rudolf Matzka in Varga/ Matzka 1993:60.Google Scholar
  6. 6.
    Dieser Sinn von ‚continence‘ wird besonders betont, wenn Spencer Brown in den Notes zum ersten Kapitel schreibt: „Although it says somewhat more, all that the reader needs to take with him from Chapter 1 are the definition of distinction as a form of closure...“, LoF:77.Google Scholar
  7. 7.
    In der Tradition von Spinoza und Hegel könnten wir vorschnell dazu neigen, den Zusammenhang zwischen der einen und der anderen Seite als Negationsverhältnis zu betrachten: etwas ist etwas, weil es alles andere nicht ist. Spencer Brown versteht die Negation hingegen als Teil des komplexen Unterscheidungsspiels ‚Logik‘. Das Unterscheidungskalkül kann in die formale Logik übersetzt werden, das sagt aber nichts über das ‚Wesen‘ der Grenze als Negationsform. Insgesamt kritisiert er eine Überbetonung der Rolle der Negation in unseren üblichen Sprachspielen: “We take so seriously the not-boundary.“ AUM 3,5.Google Scholar
  8. 8.
    Dieser Grenzbegriff ist noch ganz unbestimmt: Etwas kann beispielsweise in Bezug auf seine äußere Form von etwas anderem unterschieden werden oder in Bezug auf seinen Wert oder in Bezug auf seine Eigenschaften etc.Google Scholar
  9. 9.
    LoF:ix. Vgl. auch in der Vorstellung der internationalen Ausgabe: „Kanon Null. Koproduktion.“, Spencer Brown 1997:ix.Google Scholar
  10. 10.
    Die Aufteilung der vier Aspekte in drei explizite und einen impliziten haben wir von Matthias Varga von Kibéd aufgenommen.Google Scholar
  11. 11.
  12. 12.
    Beispielsweise haben Donuts, die süßen amerikanischen Schmalzkringel, die Form eines Torus.Google Scholar
  13. 13.
    Maturana/ Varela 1987:53f. Von Luhmann wird dies dann mit der Rede von der funktionalen Geschlossenheit von Organismen gegenüber ihrer Umwelt wieder auf genommen.Google Scholar
  14. 14.
    Über das Verhältnis von Maturanas und Spencer Browns Verständnis von Grenze ging es in einem persönlichen Gespräch zwischen den Autorinnen und Humberto Maturana am 15.1.2002 in München. Maturana hatte in diesem Gespräch vehement bestritten, dass sein Verständnis von Grenze etwas mit dem Spencer Brownschen gemein habe, da sich eine funktionale Abgrenzung, wie sie in der Biologie vorkommt, gerade dadurch auszeichne, dass sie den ‚Teilchenaustausch‘ der einen Seite mit der anderen nicht nur ermögliche, sondern sogar notwendig mache, wie das Beispiel der Haut als Membran zeige. Wir hingegen versuchten für einen gemeinsamen Grenzbegriff zu argumentieren, der Membran und Kreis in der Ebene als Beispiele umfassen kann. Keiner der beiden Grenztypen darf unseres Erachtens verallgemeinert werden. Vielmehr gehört es zu dem allgemeinen Grenzbegriff, dass eine Grenze immer zugleich mitdefiniert, was für sie Abgeschlossenheit bzw. Undurchlässigkeit bedeutet und welche Art Inhalt sie dadurch abgrenzt bzw. hervorbringt oder ‚am Leben erhält‘.Google Scholar
  15. 15.
    An dieser Stelle sei noch einmal an die oben zitierte Übersetzungsregel erinnert, Vorkommnisse von ‚sein‘ durch ‚Laßt uns so tun, als ob‘ zu substituieren.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. zu dem Unterschied zwischen ‚distinction‘ (Unterscheidung) und ‚difference‘ (Differenz) die o.g. Hinweise. Das Zitat nach der Auslassung steht LoF:2. Die beiden Stellen werden hier zusammengezogen, da sie strukturell und gedanklich eine Einheit bilden.Google Scholar
  17. 27.
    Das gleiche gilt auch für die anderen elementaren Begriffe wie ‚Name‘ oder ‚Inhalt‘. ‚Name‘ ‚Inhalt‘ und ‚Wert‘ bezeichnen auf dieser elementaren Ebene der Form dasselbe: das, was durch das Treffen einer Unterscheidung entstanden ist. Die drei Begriffe stehen hier nicht für einen spezifischen Unterschied, wie in der Alltagssprache. Wenn ‚Etwas‘ durch eine Unterscheidung zu einem Inhalt geworden ist, kann mit einem Namen ‚Inhalt‘ auf es hingewiesen werden. Im Akt des Nennens wird dann ‚Inhalt‘ mit Inhalt identifiziert. Ebenso ist etwas durch den Akt der Unterscheidung zu einem verschiedenen Wert geworden, der mit dem Namen ‚Wert‘ bezeichnet werden kann. Hier haben wir es also mit einem parallelen Vorgehen zu tun, wie oben mit den Voraussetzungen: die Momente der beiden Seiten einer Form der Unterscheidung — Inhalt zu sein, Wert zu haben, einen Namen zu haben —, werden von uns als verschiedene aufgefasst, obwohl sie auf dieser elementaren Ebene noch in eins fallen.Google Scholar
  18. 28.
    Wir können auch dieses Vorgehen, bestimmte Differenzierungen aufzuheben oder bewusst zu verlernen, als Teil der Gesamtbewegung verstehen, einen gemeinsamen Typus von verschiedenen möglichen Prozessen des Hinweisens zu entwickeln. Für dieses Prozedere ist es gleichermaßen wichtig, zu zeigen, was für den gemeinsamen Typus relevant ist, wie auch zu zeigen, was dafür nicht relevant ist und ‚verlernt‘ werden muss.Google Scholar
  19. 29.
    So gibt es keine notwendige Reihenfolge der beiden Axiome. Beide Axiome betreffen die Wiederholung von Hin weisakten auf eine vollzogene und aufrechterhaltene Unterscheidung und sind voneinander unabhängig, so dass es gleichgültig ist, welches der beiden Axiome zuerst im Text erwähnt wird. Erst die Festlegung, welche Hinweisart für welche Seite der Unterscheidung verwendet werden soll, setzt die beiden Hinweisarten in ein Verhältnis zueinander: wenn für den Hinweis auf die eine Seite die ‚Namensnennung‘ verwendet wird, ergibt sich, dass für die andere Seite nur noch die ‚Grenzüberschreitung‘ übrig bleibt.Google Scholar
  20. 30.
    Vgl. LoF:94ff.Google Scholar
  21. 31.
    (SK) Den hier entwickelten Differenztyp einer wertindifferenten Vermehrung nennt Spencer Brown in den Notes zum fünften Kapitel „division“ (LoF:87). Damit ist die Möglichkeit beliebiger Vervielfältigung gemeint, die keine qualitative Verschiedenheit erzeugt. Dieser Differenztyp taucht wieder auf in den ‚steps‘ und in diversen Theoremen. Erst durch, im und mit dem ‚Re-entry‘ im elften Kapitel erzeugt sie eine Qualitätsveränderung — und Zeit.Google Scholar
  22. 32.
    Der Ausdruck ‚recross‘ ist ein von Spencer Brown gebildeter Neologismus.Google Scholar
  23. 24.
    (SK) Den hier entwickelten Differenztyp einer wertveränderlichen Vervielfältigung durch Wiederholung nennt Spencer Brown „severance or cleavage“ (LoF:87), d.h. Spaltung. Damit ist eine qualitative Verschiedenheit gemeint, die bei der Wiederholung dieser Hinweisart zu tage tritt.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Tatjana Schönwälder
  • Katrin Wille

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