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Philosophie

  • Tatjana Schönwälder
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Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag stellt bereits erfolgte und mögliche philosophische Deutungen der in den Laws of Form dargelegten Ideen vor. Es werden drei unterschiedliche Verwendungen oder Umgangsmöglichkeiten betrachtet, die an verschiedene Aussagen der Laws of Form anknüpfen. Die erste Art von philosophisch interessanter Deutung oder Verwendung findet sich natürlich in den Selbstkommentierungen Spencer Browns — hier werden als Beispiele der Weltreisende und der Physiker aus den Notes zu den Laws of Form vorgestellt. Die zweite Art der Verwendung besteht in der euphorisch zu nennenden Aufnahme durch konstruktivistisch denkende Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen. Eine dritte Art der Verwendung wird hier ‚neu‘ vorgestellt: Sie besteht darin, auf thematische Parallelen zu anderen philosophischen Gedankengebäuden hinzuweisen, denen eine ähnliche Idee von Unterscheidungen und deren Form zugrunde zu liegen scheint.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl.LoF:102f.Google Scholar
  2. 2.
    Der Begriff ‚Konstruktivismus‘ ist in den 20er Jahren in der russischen Architektur und Literatur geprägt worden, später von Paul Lorenzen als ‚konstruktivistische Logik‘ übernommen worden, die als Begründungslehre der Wissenschaften dienen sollte.Google Scholar
  3. 3.
    Beispielhaft wären hier zu nennen: Giovanni Vico (1668–1744), George Berkeley (1884–1753), David Hume (1711–1776), Immanuel Kant (1724–1804).Google Scholar
  4. 4.
    Heinz von Förster (1911–2003) war ausgebildeter Diplomingenieur in technischer Physik, seit 1949 Prof. für Informatik an der Universität Illinois in Urbana, seit 1958 Professor für Biophysik und Physiologie sowie Gründer und Leiter des Biologischen Computer-Laboratoriums, eines interdisziplinären wie internationalen Forschungsinstituts für das Studium der Physiologie, interdisziplinären wie internationalen Forschungsinstituts für das Studium der Physiologie, Theorie, Technologie und Epistemologie kognitiver Prozesse. (Dieser und die folgenden Hinweise zu den Personen sind in verkürzter Form Watzlawick 1985 und 1992 entnommen).Google Scholar
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    Ernst von Glasersfeld (*1917) entwickelte Anfang 1970 die Zeichensprache ‚Yerkish‘ und mit Piero Pisani das Computersystem, das für Verständigungsexperimente mit der Schimpansin Lana verwendet wurde. Seit 1978 ist er Professor für Kognitive Psychologie an der University of Georgia.Google Scholar
  6. 6.
    Paul Watzlawick (*1921) hat Philosophie und Philologie studiert und anschließend eine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolviert. Von 1957–1960 war er Professor für Psychotherapie in El Salvador, seit 1960 Forschungsbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto, seit 1976 zudem Clinical Associate Professor in der Abteilung für Psychiatrie der Stanford University.Google Scholar
  7. 7.
    Francisco J. Várela (1946–2001) studierte Medizin und Naturwissenschaften und kam 1968 mit einem Stipendium nach Harvard. Seither Lehrtätigkeit als Professor an Universitäten in Chile, Costa Rica, Colorado, New York und zuletzt in Paris.Google Scholar
  8. 8.
    Varela 1997:58Google Scholar
  9. 9.
    Watzlawick 1995:48. Dem Text geht das oben bereits angeführte Zitat von der Welt, die sich teilen muss, um sich sehen zu können, voran (vgl. LoF:105).Google Scholar
  10. 10.
    Glasersfeld 1997:194. Anschließend zitiert er: „and our understanding of such a universe comes not from discovering its present appearance, but in remembering what we originally did to bring it about.“ LoF: 104.Google Scholar
  11. 11.
    Watzlawick 1995:55Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. v. Förster 1993:236.Google Scholar
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    Spencer Brown stellt in dem Vorwort zur ersten amerikanischen Ausgabe von 1972 selbst die Verbindung zu Paradoxien und der (scheinbaren) Notwendigkeit, sie zu vermeiden bei Russell her, vgl. LoF:xiii.Google Scholar
  14. 14.
    Watzlawick 1985:231Google Scholar
  15. 15.
    Watzlawick 1985:233. Watzlawick bezieht sich auf den Beitrag des Mathematikers Gabriel Stolzenberg ‚Kann eine Untersuchung der Grundlagen der Mathematik uns etwas über das Denken verraten?‘ im selben Band.Google Scholar
  16. 16.
    Varela 1985:294Google Scholar
  17. 17.
    Varela 1985:296Google Scholar
  18. 18.
    Vrela 1985:307f.Google Scholar
  19. 19.
    Varela 1985:308f.Google Scholar
  20. 20.
    LoF:77. Weitere Verweise finden sich z.B. LoF:viii, xxii. Zum Vergleich Wittgenstein-Spencer Brown siehe Varga v. Kibéd 1989.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. hierzu beispielsweise v. Förster 1993:354.Google Scholar
  22. 22.
    Zur Wende in der franz. Philosophie vgl. z.B. A. Münster, der von einer Abkehr von Hegels Systemdenken insbesondere in Bezug auf die Geschichtsphilosophie spricht, in der „gegen die Begriffe der Identität und der sich verwirklichenden Vernunft als Wahrheit jene der Differenz und der Wiederholung“ (Münster 1987:19) gesetzt werden. Man sieht, wie sich der Varelasche Gedanke der Autonomie mit dem der franz. Philosophien in diesem Punkt trifft.Google Scholar
  23. 23.
    Differenzschrift ist der allgemein üblich gewordene Name für Hegels Aufsatz ‚Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie‘ von 1801.Google Scholar
  24. 24.
    Hegel 1986:21 f. Zur strukturellen Parallelität von Hegel und Spencer Brown in der Hegeischen Logik vgl.Wille 2003.Google Scholar
  25. 25.
    Im achten und elften Kapitel der Laws of Form. Google Scholar
  26. 26.
    Sartre 1994:1055f. sowie Schönwälder-Kuntze 2001:49–62.Google Scholar
  27. 27.
    Da diese Vielfalt und Fülle hier nicht vorgestellt werden kann, werden beispielhaft einige wenige Autorinnen und ihre Werke angeführt: Martin Heidegger. Identität und Differenz (1957); Theodor Adorno. Negative Dialektik (1966); Derrida. La différance (1968). Jean-François Lyotard. Le Différend (1968). Lucy Irigaray. Le sex qui n’est pas un (1977). Eine gute Übersicht gibt der Sammelband ‚Philosophien der Differenz‘ von H. Kimmerle (2000). Eine sehr elaborierte Auseinandersetzung mit Luhmann und Heidegger bietet auch ‚Was heißt, sich an Differenz statt an Identität zu orientieren?‘ von J. Clam (2002) und eine Übersicht über die Hinwendung zur Differenz in der französischen Philosophie bietet A. Münster (1987).Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Schönwälder-Kuntze/ Wille 2003a: 124f.Google Scholar
  29. 29.
    Descartes 1955:12f; AT VIII, Erster Teil. Dieser cartesischen Unterscheidung innerhalb der res cogitans folgt beispielsweise auch Kant, wenn er die theoretische reine Vernunft — Erkenntnis des Erkenntnisvermögens und Bestimmung seiner Grenzen bzw. seines Geltungsbereiches -von der praktischen Vernunft unterscheidet, die den Bereich des Willens oder Wollens betrifft, für den wiederum die Unterscheidung zwischen reinem, kategorischem Wollen und situationsabhängigem, hypothetischem Wollen getroffen wird. Allerdings befreit Kant unser Wollen nicht aus der göttlichen Determination, sondern aus der Naturkausalität.Google Scholar
  30. 30.
    de Beauvoir 1968:21f.Google Scholar
  31. 31.
    de Beauvoir 1968:265Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. beispielhaft die Antrittsvorlesung Foucaults am Collège de France, in der Foucault den methodologischen Rahmen seiner Forschung vorstellt. Hier unterscheidet er zwischen einer genealogischen und einer kritischen Richtung, in der seine Analysen erfolgen: Der kritische Aspekt befasse sich mit den Ausschließungsfunktionen und -mechanismen, wie etwa die Grenzziehung zwischen Wahnsinn und Vernunft oder die diversen Systeme von Sprechverboten, vgl. Foucault 20039:39. Der genealogische Aspekt hat es hingegen mit den Bedingungen etc. der faktisch entstandenen Diskurse zu tun, vgl. Foucault 20039:41.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. beispielhaft Butlers Dekonstruktion der Begriffe ‚Subjekt‘ oder ‚Frau‘ über den Nachweis der notwendigen Ausschlüsse existierender Individuen, die durch die politische Verwendung essentialistisch verstandener Begriffe entstehen, vgl. Butler 1991 sowie Schönwälder/ Wille 2003a.Google Scholar
  34. 34.
    Die Formulierung einer systematischen Analysemethode, die die genannten Methoden mit Spencer Brown vereinigt, ist Teil einer philosophisch-wissenschaftstheoretischen Untersuchung der Autorin, die den Titel Ethik als Form trägt (in Vorbereitung).Google Scholar
  35. 35.
    Man könnte durchaus die Experimente des zwölften Kapitels mit der Figur des die Welt (und sich selbst) entdeckenden Physikers ‚evaluieren‘ und käme so zu dem Ergebnis, dass es vollkommen gleichgültig ist, ob ein realistischer oder ein idealistischer Standpunkt als epistemologischer Ausgangspunkt genommen wird. Erstes Experiment: Ein von seinem Objekt unterschiedener Beobachter ist von diesem nicht zu unterscheiden, wenn er sich als der Form nach gleich entdeckt. Das wäre der Physiker, der nur sich selbst als Welt und die Welt als sich selbst entdeckt. Das zweite Experiment beginnt mit dem Ergebnis des ersten, d.h. der Beobachter ist markierter Teil seiner Umwelt, aber das macht aus ihnen ein unbeobachtbares Ganzes, da keine Differenz mehr zu sehen ist! Das dritte Experiment zeigt einen Beobachter, der sich und seine Umwelt gleichermaßen markiert. Auch das führt dazu, dass die Differenz zwischen ihnen verschwindet. Das Fazit der ersten drei Experimente könnte lauten: Wie man es auch dreht und wendet, welchen Ausgangspunkt man auch wählt, die Unterscheidung zwischen Beobachter und Umwelt löst sich bei genauem Hinsehen auf, und daher folgt das vierte Experiment, in dem nur noch die Form der Unterscheidung dargestellt wird, d.h. gewissermaßen die Laws of Form. Das führt im Ergebnis zum Anfang des ersten Experiments. Zudem scheint das, was der Beobachter sieht, er selbst zu sein, und er muß nicht zwischen sich und der Umwelt unterscheiden, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Daraus ließe sich folgern, dass die Unterscheidung zwischen dem Betrachter und dem Betrachteten irrelevant ist, und daher könnte man das zwölfte Kapitel als Kapitel vor dem ersten deuten: die Form der Unterscheidung darf auch ohne epistemologisch notwendigen Beobachter betrachtet werden.Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Tatjana Schönwälder

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