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Einführung

  • Klaus Feldmann
Chapter
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Part of the WV studium book series (WVST, volume 188)

Zusammenfassung

Was ist Soziologie? Was tun Soziologen? Sie betrachten das Handeln von Menschen. Kinder spielen Mutter, Vater, Arzt1, Soldat usw. Jungen spielen andere Spiele als Mädchen. Kinder wohnen mit den Eltern oder nur mit der Mutter oder dem Vater zusammen. Wenn die Kinder Erwachsene geworden sind, verlassen sie die Wohnung der Eltern, ziehen in eine andere Wohnung. Viele heiraten früher oder später, andere heiraten nie. Frauen gebären Kinder. Immer mehr deutsche Frauen werden ihr ganzes Leben lang kinderlos bleiben. Die Liste der Beobachtungen und statistischen Tatsachen kann man endlos weiterführen, doch das ist noch nicht Soziologie. Wenn man jedoch fragt: Warum spielen Mädchen andere Spiele als Jungen? dann nähert man sich der Soziologie. Soziologie ist ein Prozess. Alle Menschen gehen soziologische Wege, sie fragen nach den Ursachen menschlichen Handelns, doch Soziologen machen dies professionell, ständig, jahrelang und sie verwenden für die Lösung der Probleme bestimmte Begriffe und Verfahrensweisen. Solche soziologischen Begriffe lauten: Macht, Gruppe, Klasse, Kapital, Institution, Organisation, Rolle, Struktur, Gesellschaft. Die meisten Begriffe sind den gebildeten Menschen bereits vertraut. Soziologie knüpft also an das Alltagswissen an — und das heutige Alltagswissen wurde von der Soziologie mitgeprägt. Soziologie ist — wie gesagt — ein Prozess. Historisch ist die Soziologie im 19. Jahrhundert entstanden, hat sich aus anderen Prozessen herausgeschält: aus philosophischen, theologischen, wirtschaftlichen, literarischen und politischen Diskussionen. Soziologen nennen das Differenzierung, wenn in menschlichen Gruppen aus Altem Neues entsteht. Wenn in einer Gruppe zuerst nur eine Person für Religion und Heilung von Krankheiten zuständig ist und schließlich die Aufgaben getrennt werden und es nun für die folgenden Generationen zwei Positionen gibt, den Priester und den Arzt, dann bezeichnet man diese Vorgänge als Arbeitsteilung und Differenzierung. Ist ein Soziologe vielleicht eine Art Arzt oder Priester, der nicht den Körper eines Menschen, sondern den der Gesellschaft betrachtet? Eine solche Frage wird bei vielen Soziologen Unbehagen hervorrufen, doch sie zeigt zumindest, dass es einfacher ist, die Arbeit eines Arztes zu beschreiben, als die eines Soziologen. Das liegt unter anderem daran, dass das Arbeitsfeld des Soziologen weiträumig ist. Er beobachtet Ärzte, Priester und andere Menschen, die ganz unterschiedliche Handlungen durchführen, zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Räumen. Bei jeder Beobachtung sollte man sich der Perspektive oder Sichtweise, die man einnimmt, bewusst sein, bzw. eine auswählen. Soziologie ist eine Perspektivenwissenschaft, d.h. sie stellt ein Repertoire von erprobten Sichtweisen und Theorien zur Verfügung.

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

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  • Klaus Feldmann

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