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Theoretischer Bezugsrahmen

  • Alexander Görke
Part of the Studien zur Kommunikationswissenschaft book series (SZK, volume 36)

Zusammenfassung

Nachvollziehbar dürfte sein, daß ein Theorieentwurf zum Risiko Journalismus in der Gesellschaft nicht die Gesamtheit aller Theorieelemente benötigt, welche die funktional-strukturelle Systemtheorie zur Verfügung stellt. Es muß eine problemadäquate Auswahl getroffen werden. Im folgenden beschäftigt uns daher zunächst die System-Umwelt-Differenz (Kap. 2.1) und die Unterscheidung von Kommunikation und Bewußtsein (Kap. 2.2). Sinn als basale Bedingung der Möglichkeit jedweden Kommunizierens und Denkens darf hierbei genausowenig ausgespart werden (Kap. 2.3) wie die den systemtheoretisch-konstruktivistischen Dauerdisput bedingende Unterscheidung von Handlung und Kommunikation (Kap. 2.4). Die evolutionäre Ausdifferenzierung von Systemen (Kap. 2.5) und speziell die funktionale Differenzierung der modernen Gesellschaft (Kap. 2.6) beschließen dieses Kapitel.1 Der Zusammenhang von Systembildung, Komplexität, Selektionszwang, Kontingenz und Risiko wird sich hierbei wie ein roter Faden durch die Argumentation ziehen.

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Literatur

  1. 1.
    Der Widerspruch, daß die funktionale Differenzierungsform von anderen Formen der evolutionären Ausdifferenzierung von Systemen abgesetzt wird, erklärt sich damit, daß es im vorliegenden Theorieentwurf um die Analyse der Beobachterverhältnisse in der funktional-differenzierten Gesellschaft geht, deren theoretischer Erfassung demzufolge mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.Google Scholar
  2. 2.
    Strenggenommen ist es jedoch genau das, was Vertreter der risiko-objektivistischen Forschung verlangen, wenn beispielsweise von einer Abbildfunktion des Journalismus die Rede ist. Reduziert man die Forderung auf das, was gemeint ist, nämlich die (zeitpunktgenaue) Abbildung wissenschaftlich genormter Risikoeinschätzungen, wird deutlich, daß damit geleugnet bzw. ignoriert wird, daß Wissenschaft und Journalismus füreinander Umwelt sind (vgl. Kap. II; 1.4).Google Scholar
  3. 3.
    Die Etablierung einer System-Umwelt-Differenz kommt jedoch nicht einem Abbruch der Zusammenhänge zwischen System und Umwelt, sondern einer Grenzziehung gleich. Die Umwelt ist Umwelt erst durch das System und nur relativ zum System (vgl. Luhmann 1987a: 36; Luhmann 1988a: 40 ff.).Google Scholar
  4. 4.
    Das Autopoiesis-Konzept wurde ursprünglich von Maturana und Varela entwickelt und auf lebende Systeme zugeschrieben (vgl. Maturana 1982). Lebende Systeme sind demnach selbsterzeugende, selbstorganisierende, selbstreferentielle und selbsterhaltende Systeme. Luhmann (1987: 60 ff.) zufolge gelten diese Charakteristika nicht nur für lebende Systeme (z.B. Bewußtsein), sondern auch für soziale Systeme. An der Frage, ob das Autopoiesis-Konzept nur auf lebende Systeme Anwendung finden kann (soziale Systeme daher bestenfalls als „synreferentiell“ zu gelten haben) oder nicht, hat sich in der Folgezeit eine Konfliktlinie zwischen Radikalem bzw. Soziokulturellem Konstruktivismus und Systemtheorie aufgetan (vgl. Hejl 1987: 322 ff.; Schmidt 1994e: 70 ff.; Schmidt 1996a: 26 ff.). Ist im folgenden von Autopoiesis die Rede ist, dann wird auf die systemtheoretische Lesart dieses Terminus Bezug genommen.Google Scholar
  5. 5.
    Ginge beispielsweise der Wunsch in Erfüllung, einen Augenblick lang all das zu sehen, was in diesem Moment in der Welt passiert, dann hätte man einen Eindruck von den Problemen, die mit dem Verzicht auf Eigenselektivität verbunden sind. Wem dies zu riskant ist, kann sich vorstellen, daß sich Weltgeschehen in dieser Form selbst nicht zwischen zwei Buchdeckel pressen läßt. Vor dem Hintergrund dieser Gedankenspiele kann man mit Luhmann (1984e: 116) den Grund fur die Bildung sozialer Systeme „in der sehr geringen, aus anthropologischen Gründen kaum veränderbaren Fähigkeit des Menschen zu bewußter Erlebnisverarbeitung“ sehen.Google Scholar
  6. 6.
    Schwegler (1992: 31) löst die Frage nach der Realität dieser Konstruktionen ganz pragmatisch: „Daß es solche Wissenschaftswelten gibt, kann — auch ohne Rücksicht auf idealistisches, postivistisches, konstruktivistisches oder anderes Hinterfragen — pragmatisch als ein Faktum konstatiert werden, insofern im Prozeß der einzelnen Wissenschatten breites Einvernehmen von den Beteiligten festgestellt wird.“Google Scholar
  7. 7.
    Auch Schmidt (1996: 5; vgl. Roth 1992; Stadler/Kruse 1992) formuliert: „Daß Denken und Sprechen, daß Bewußtsein und Kommunikation nicht identisch sind, gehört zum Erfahrungsschatz jedes einzelnen wie zu den Topoi der Geistesgeschichte. Seit Jahrtausenden beklagen Dichter, sie könnten sprachlich nicht ausdrücken, was sie ‘wirklich’ denken und fühlen. Und in jedem Gespräch wird uns mehr oder weniger deutlich bewußt, daß wir nie in den Kopf der anderen hineinsehen können und uns deshalb mit dem begnügen müssen, was gesagt wird.“ Funktional-strukturelle Systemtheorie und soziokultureller Konstruktivismus unterscheiden sich somit in dem, was sie jeweils als Ausgangspunkt ihrer Analysen beobachten. Im einen Fall müssen sämtliche Beobachtungen durch das Nadelöhr der Kognition (vgl. Schmidt 1996: 11), im anderen durch das Nadelöhr der Kommunikation.Google Scholar
  8. 8.
    Und zwar nicht, weil mit dieser Unterscheidung etwas grundsätzlich Neues benannt wird, sondern weil die Vorstellung von subjektfreier Kommunikation zum Bruch mit tiefsitzenden Konventionen zwingt (vgl. Luhmann 1988b: 884 ff.; Luhmann 1995g). Schmidt verweist zurecht darauf, daß Dichter aller Zeiten beklagt haben, nicht das ausdrücken zu können, was sie eigentlich denken. Aber gerade diese Grenzerfahrung (die Erfahrung der Grenze zwischen Kommunikation und Bewußtsein) galt nicht als konventionell und wurde dementsprechend beobachtet. Heutzutage müssen sich die angesprochenen Beobachter darauf einrichten, auch von der Wissenschaft mit ähnlichen Grenzerfahrungen (System/Umwelt; Kommunikation/Bewußtsein) konfrontiert zu werden.Google Scholar
  9. 9.
    Eine aktuelle Auseinandersetzung mit speziell diesem Vorwurf an die Adresse der Systemtheorie bietet Fuchs (1994).Google Scholar
  10. 10.
    Auch der Terminus strukturelle Koppelung geht auf Vorarbeiten von Maturana (1982: 287 ff.) zurück. Da Maturana Luhmanns Beobachtung, Kommunikation konstituiere soziale Systeme, nicht teilt, meint strukturelle Koppelung im soziokulturellen Konstruktivismus etwas anderes. Strukturelle Koppelung führt nach Maturana zur Ausbildung von konsensuellen Bereichen (vgl. auch Hjl 1987). Dies läßt Nassehi (1993: 165) fragen, „wie ein solcher konsensueller Bereich außerhalb des je eigenen operativen Zugriffs denkbar sein soll, wenn man an der konstruktivistischen Erkenntnis festhalten will, daß Kognitionen autonom erzeugte Konstitutionen von Welt sind, die rekursiv an die je eigenen Operationen anschließen.“Google Scholar
  11. 11.
    Interpenetration beeinträchtigt somit nicht die Autonomie von Bewußtsein und Kommunikation. Fuchs (1992: 31) hat hierfür ein schönes Bild gefunden: „Kommunikation und Bewußtsein ziehen [...] unentwegt aneinander vorbei und sind in ihrer größten Nähe denkbar weit voneinander entfernt.“Google Scholar
  12. 12.
    Das heißt: Kommunikation ereignet sich und verschwindet im Nu. Der Eindruck, Kommunikation dauere an, kann sich nur dann einstellen, wenn Kommunikation auf Kommunikation folgt.Google Scholar
  13. 13.
    Auf Kommunikation folgt nicht umstandslos Kommunikation. Soziale Systeme schaffen im Gegenteil oft erst die Bedingung der Möglichkeit, Anschlußkommunikation wahrscheinlich und erwartbar werden zu lassen. So zum Beispiel durch das Ziehen von System- und Sinngrenzen.Google Scholar
  14. 14.
    „Das Bewußtsein sitzt zwar an den Schaltstellen der Kommunikation, ohne sie jedoch selbst zu vollziehen und ohne selbst in Kommunikation aufzugehen. Für Kommunikation bleibt Bewußtsein eigentümlich intransparent, da es im Bewußtsein immer einen Überschuß von Möglichkeiten gibt, der nicht kommuniziert wird und nicht kommuniziert werden kann und der nur nach Maßgabe des Bewußtseins selektiv in Mitteilungshandeln übergeht.“ (Nassehi 1993: 143) Was immer also ein Bewußtsein versteht, wenn es sich Kommunikationsofferten (mitgeteilten Informationen) ausgesetzt sieht, entscheidend (für das Zustandekommen von Anschlußkommunikation) ist das Verstehen, das selektiv in der Kommunikation zu Tage tritt.Google Scholar
  15. 15.
    Sinnbewegungen weist Luhmann (1987a: 101) selbst als autopoietisch aus: „Insgesamt ist Sinn also ein Prozessieren nach Maßgabe von Differenzen, und zwar von Differenzen, die als solche nicht vorgegeben sind, sondern ihre operative Verwendbarkeit (und erst recht natürlich: ihre begriffliche Formulierbarkeit) allein aus der Sinnhaftigkeit selbst gewinnen. Die Selbstbeweglichkeit des Sinngeschehens ist Autopoiesis par excellence.“Google Scholar
  16. 16.
    Der Begriff ‚Erwartungssicherheit‘ ist als Präferenzwert zu verstehen. Eine restlose Erwartungssicherheit ist nicht zu erreichen, sie bleibt wie jede Sicherheit soziale Fiktion (vgl. Luhmann 1990d: 134). Worum es geht, ist, daß die Erwartungsunsicherheit auf ein viables Maß reduziert wird.Google Scholar
  17. 17.
    Dies würde es ermöglichen, erprobte systemtheoretische Termini zu übernehmen, ohne die kognitionszentrierte Denkrichtung (Nadelöhr der Kognition) des Konstruktivismus aufzugeben. Aus konstruktivistischer Perspektive scheinen insbesondere die generalisierten Kommunikationsmedien an Attraktivität zu gewinnen (vgl. Schmidt 1994e: 110 f.; 1996a: 23).Google Scholar
  18. 18.
    Dies gilt zumindest für die Selbstkonstitution des Systems. Systeme, die sich selbst beobachten, sind auf Handlung angewiesen: „Kommunikation ist die elementare Einheit der Selbstkonsitution, Handlung ist die elementare Einheit der Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung sozialer Systeme.“ (Lohmann 1987a: 241; vgl. Heidenescher 1992: 451)Google Scholar
  19. 19.
    Der Eindruck, Personen ließen sich auf Zurechnungsinstanzen verknappen, wird wenigstens teilweise von Luhmann selbst provoziert. An manchen Stellen beschreibt er das Personenkonzept als semantische Reduktion, mit deren Hilfe die beteiligten Systeme eine für sie ausreichende Transparenz erzeugen und geht gleichzeitig davon aus, daß dies auch für seinen Leser gelte: „‘Person’ ist die Bezeichnung dafür, daß man nicht beobachten kann, wie es zustande kommt, daß Erwartungen durch Zusammenhang in einem psychischen System an Wahrscheinlichkeit gewinnen (oder anders ausgedrückt für den Sicherheitsgewinn des Kennenlernens).“ (Luhmann 1987a: 158)Google Scholar
  20. 20.
    Eine ähnliches Problem impliziert u.E. Hejls Definition von Sozialsystemen. Sozialsysteme definiert Hejl (1992b: 270) „als eine Menge von Individuen, die zwei Bedingungen erfüllen. Sie müssen a) die gleiche Wirklichkeitskonstruktion ausgebildet haben sowie mit Bezug auf sie in einer spezifischen und ihr zugeordneten Weise handeln können (wobei Handlungen als angemessener Umgang mit dieser Wirklichkeit gesehen werden), und sie müssen b) mit Bezug auf diese Wirklichkeitskonstruktion tatsächlich handeln und interagieren.“ Google Scholar
  21. 21.
    Natürlich kann das Bewußtsein des Handelndem dem Handelndem signalisieren ‘ich habe gehandelt’, doch was wäre damit erreicht.Google Scholar
  22. 22.
    Daß Themen die Beiträge und auch die Beiträger diskriminieren (vgl. Luhmann 1987a: 213), heißt somit nicht, daß Themen bestimmte Beiträge apriori ausschließen. Es besagt lediglich, daß manche Beitäge schwerer Anschluß finden als andere, eher Konflikte provozieren und leichter zurückgewiesen werden können.Google Scholar
  23. 23.
    Ausdifferenzierung heißt hierbei nicht Anpassung an bestehende Umweltstrukturen, sondern meint komplexe Wechselwirkungen entlang der vom System stabilisierten System-Umwelt-Differenz: „Evolution heißt deshalb nicht unbedingt: Auslese der überlebensfähigen Systeme durch eine bestimmte Umwelt oder Verbesserung der Anpassungs und damit Überlebensfähigkeit von Systemen an eine bestimmte Umwelt.“ (Luhmann 1988a: 35) Im Konzept der evolutionären Ausdifferenzierung (von gesellschaftlichen Subsystemen) geht es vielmehr um die Frage, „wie ein System, das seine eigenen Operationen durch seine eigenen Strukturen steuert, diese Strukturen mit eben diesen Operationen ändern kann, und zwar auch dann, wenn das System, an die gegebenen Strukturen gebunden, diese nicht planmäßig durch neue ersetzen kann.“ (Luhmann 1990a: 557)Google Scholar
  24. 24.
    Eine derartiges Nebeneinander mag sinnvoll erscheinen, wenn die eine Differenzierungsform etwas bietet, was die andere ausschließt. Gemeint ist der archimedische Punkt, von dem aus sich Gesellschaft beobachten läßt. Die unmißverständliche Hierarchisierung der Teilsysteme, die stratifikatorisch differenzierte Gesellschaften auszeichnet, hat nämlich eine wichtige Konsequenz für die Einheit des Gesellschaftssystems. Die Leitdifferenz (oben/unten) erlaubt es Positionen innerhalb der Gesellschaft eindeutig zu bestimmen; sie hält gewissermaßen das Differente auch zusammen (vgl. Nassehi 1993: 280 ff.). Strikt funktional differenzierte Gesellschaften lassen sich dagegen nicht länger als Einheit beobachten, sie haben dafür andere Vorteile. Das aktuell vorfindbare Nebeneinander unterschiedlicher Differenzierungstypen etwa in Großbritannien erlaubt in diesem Sinne eine Zurechnungsoption für Einheitsimaginationen (vgl. Fuchs 1992). Das Dilemma dürfte sein, daß sich auch dies beobachten läßt. Zu klären wäre allerdings, ob sich nicht gerade das eventuelle Scheitern der Einheitsimagination und erst recht die Beobachtung dieser Beobachtung — damit tröstet, daß eine andere Persones besser machen‘ würde.Google Scholar
  25. 25.
    Diese Beobachtung ist insofern retrospektiv, da zunächst ein Phänomenbereich durch kommunikative Beobachtung einen nicht hintergehbaren Unterschied zu seiner Umwelt setzt und dann die System-Umwelt-Differenz fortwährend auf sich selber anwendet. Knüpft man diese Vorstellung an Personen, laßt sich beobachten, wie beispielsweise in der Wissenschaft aus Universalgelehrten allmählich Spezialisten werden und wie eben dadurch die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Informationsproduktion rapide wachsen.Google Scholar
  26. 26.
    Als Heterarchie bezeichnet Fuchs (1992: 61), „einen nicht-transitiven Verbindungstyp von Systemen (die ihrerseits durchaus hierarchisch sein können), für die gilt, daß sie nicht aufeinander reduzierbar sind.“Google Scholar
  27. 27.
    In ähnlicher Weise kann die Gesellschaft das Aussetzen oder Verzögern der politischen Entscheidungsfindung nicht kompensieren. Wenn derartige Entwicklungen oft mit Termini wie „symbolische Politik“ (vgl. Sarcinelli 1987; 1994), „Reformstau“ oder „Politik(er)verdrossenheit umschrieben werden, wird dies im Grunde der gesellschaftlichen Tragweite des Problems nicht gerecht. Ein Gradmesser fur die Relevanz des Problems könnte sein, ob und inwiefern die Beobachtung des Politiksystems in anderen Funktionssystemen (z. B. Wissenschaft, Wirtschaft, Öffentlichkeit/Journalismus) Resonanz hervorruft. Natürlich greifen ähnliche Beobachtungen, wenn andere Funktionssysteme ihre gesellschaftliche Funktion nicht wie erwartet erbringen.Google Scholar
  28. 28.
    Vom Begriff des generalisierten Kommunikationsmediums zu unterscheiden ist der Begriff des (technischen) Verbreitungsmediums. Der Begriff des Mediums bezieht sich bei Luhmann (1991c: 28) generell auf das Problem der Unwahrscheinlichkeit im Kommunikationsprozeß. Das erste Problem des gemeinsamen Verstehenskontextes wird durch Sprache (konsentierter Zeichenvorrat) gelöst, das Problem der Annahme eines spezifischen Sinnhorizonts durch das generalisierte Kommunikationsmedium. Verbreitungsmedien wie Schrift, Druck und Funk sollen schließlich das Problem der Erreichbarkeit lösen und so Kommunikation unter Abwesenheit konkreter Interaktionspartner ermöglichen. Die Unterscheidung von Kommunikations- und Verbreitungsmedium wird im Folgenden ein zentraler Gesichtspunkt sein (vgl. Kap. 3).Google Scholar
  29. 29.
    Ebenso gilt das Umgekehrte: Die Generalisierungen werden durch die in konkreten Situationen benötigten und bewährbaren Erwartungen geführt und korrigiert (Luhmann 1987a: 139). Die Systemtheorie erklärt die mithilfe der Unterscheidung von Code und Programm.Google Scholar
  30. 30.
    Die Begriffe Code und Medium sind also nicht voneinander zu trennen: „Symbolisch generalisierte Medien sind [...] binär codierte Medien. Sie ermöglichen besondere Kommunikationserfolge unter der Voraussetztung, daß ein System seine Operationen einer solchen Codierung unterwirft.“ (Luhmann 1990a: 196) Systemtheoretisch irritierend, akzeptiert Schmidt (1996a: 35) generalisierte Kommunikationsmedien als wichtige Bedingung der Möglichkeit gesellschaftlichen Kommunizierens (vgl. Schmidt 1996a: 35) und lehnt gleichzeitig binäre Codierung als Bedinung der Möglichkeit generalisierter Kommunikationsmedien ab (vgl. Schmidt 1994e: 111; Schmidt 1996a: 27).Google Scholar
  31. 31.
    Luhmann (1990a: 191) erklärt die Zweiwertigkeit mit den Erfordernissen der Autopoiesis komplexer Funktionssysteme: „Diese Systeme stellen ihre Tätigkeit nicht ein, wenn sie ihre Ziele erreicht haben oder deren Unerreichbarkeit feststeht. [...] Die strikte Zweiwertigkeit ist [...] so angelegt, daß das System auch mit Unwerten weiterläuft. Unwerte sind zwar nicht anschlußfähig, man kann mit Unwahrheiten (mit Unrecht, mit Machtlosigkeit, mit Nichthaben etc.) im System nichts anfangen; aber die Spezifikation der Tatbestände, die den Unwert erfüllen, dirigiert zugleich das, was trotzdem (oder gerade deshalb) möglich ist. Die Zweiwertigkeit garantiert, mit anderen Worten, gegenüber jedem möglichen Fall die Autopoiesis des Systems.“Google Scholar
  32. 32.
    Der Begriff Programmierung hat mit der Computersprache nichts gemein, denn kein System ist von außen (von seiner Umwelt) programmierbar. Was hier also gemeint ist, ist Selbstprogrammierung. Im Laufe seiner evolutionären Ausdifferenzierung gibt sich das System ein Programm, dem es folgt.Google Scholar
  33. 33.
    Daher ist es unplausibel, die binäre Codierung von Funktionssystemen als strukturarm zu kritisieren und dabei zu ignorieren, daß der Code vom jeweiligen System durch weitere Unterscheidungen spezifiziert wird (vgl. Knorr-Cetina 1992: 417). Im Klartext: Nur mit der Unterscheidung wahr/unwahr könnte das Wissenschaftssystem auf Dauer nicht operieren. Aber eben dies wird von der funktional-strukturellen Systemtheorie auch gar nicht behauptet.Google Scholar
  34. 34.
    Wissenschaftskommunikation ist stets auf Wahrheit orientiert (und nicht auf Macht bzw. Haben/Geld). Dadurch grenzt sich diese Kommunikation von anderen Kommunikationen ab und wird als solche erkennbar. Aber das, was richtigerweise erfüllt sein muß, damit Wahrheit zugeschrieben werden kann, ist wissenschaftsgeschichtlich höchst different. An der Entwicklung der Programmstrukturen eines Systems kann man daher auch ein Stück Systemgeschichte ablesen.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen/Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

  • Alexander Görke

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