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Entspannung als Krisenfaktor der NATO

  • Rolf Wortmann

Zusammenfassung

Die Diskussion über die Ausdehnung des NATO-Gebietes zeigt den Funktionswandel der NATO für die USA und die konfliktreichen Sicherheitsinteressen der BRD. Neben dem ökonomischen Interesse an einer gesicherten Energie- und Rohstoffversorgung und der Frage nach der geeigneten Methode der Sicherung dieses Interesses wurden in der Debatte über die Ausdehnung des NATO-Gebietes zusätzlich grundlegende politische Interessen tangiert. In diesem Kapitel soll gezeigt werden, daß die Konflikte innerhalb der NATO nicht auf gelegentliche Mißverständnisse und mangelhafte Konsultationsmechanismen reduzierbar, sondern Ausdruck eines strukturellen Interessenkonfliktes sind. Dieser Interessenkonflikt liegt außer in der verschärften ökonomischen Konkurrenz zwischen der EG und den USA vor allem in einer unterschiedlichen Sichtweise der Konfliktstruktur des internationalen Systems und gegensätzlichen politischen Zielen begründet, die sich auf die Frage der Einschätzung der Entspannungspolitik konzentrieren.

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Literatur

  1. 1).
    Diesen Wandel haben HÜFNER/NAUMANN, 1985, empirisch am Verhältnis der USA zur UNO deutlich gemacht.Google Scholar
  2. Auch wird in einer solchen Spätphase die Loyalität gegenüber der Hegemonialmacht eher und öfter getestet als in der Zeit unbestrittener Vormachtstellung“ (SENGHAAS, 1983b, S. 76).Google Scholar
  3. 1).
    Diesen Trend registrierte man auch im Bonner Auswärtigen Amt: “Unverkennbar wendet sich Amerika langsam vom traditionellen eurozentrischen Weltbild ab. Mit 137 Milliarden Dollar lag der pazifische Handel der USA 1983 bereits um 30 Milliarden über dem mit Europa” (von STADEN, 1985, S. 15).Google Scholar
  4. 2).
    Diese Tendenz zum Unilateralismus in den USA sieht auch der ehemalige Staatssekretär unter Verteidigungsminister Brown,Komer (KOMER, 1984a, S. 257, und KOMER, 1985, S. 673 ).Google Scholar
  5. Nach Komer sei man sich in den USA aber darüber im klaren, daß in militärischer Hinsicht von den Westeuropäern eine Unterstützung bei außereuropäischen Konflikten nicht zu erwarten sei, um so wichtiger sei hingegen die politische Unterstützung weltweiter Operationen der USA für den Zusammenhalt der NATO (KOMER, 1985, S. 672 ff).Google Scholar
  6. 1).
    Je enger das westliche Bündnis definiert, je ausgrenzender es definiert wird- und es ist nicht baser Wille, sondern imperiale Räson, daß es in Washington nach dem funktionalen Nutzen für Amerika beurteilt wird, desto schwerer kann sich die BRD damit abfinden“ (ZUNDEL, 1984).Google Scholar
  7. 1).
    Die grundsätzliche Übereinstimmung der amerikanischen Neokonservativen und der CDU/CSU wird am deutlichsten in den beiden Forschungsberichten der Konrad-Adenauer-Stiftung über “Der Neo-Koservativismus in den Vereinigten Staaten und seine Auswirkungen auf die Atlantische Allianz”, Hrsg. H. RÜHLE/H. J. VEEN/W. F. HAHN, Melle 1982, und “Die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen”, Hrsg. H. J. VEEN, Melle 1983.Google Scholar
  8. 1).
    Diese sicherlich nicht unproblematische Interpretation des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges übernahm Schmidt dem Aufsatz des amerikanischen Historikers KAHLER, 1980.Google Scholar
  9. 2).
    Vergl. dazu die Regierungserklärung Schmidts vom 17.1. 1980: Die Besetzung Afghanistans berühre ganz “direkt vitale Interessen der Dritten Welt” und betreffe “vor allem das Ost-Süd-Verhältnis”, auch wenn sie das Ost-West-Verhältnis tangiere. In der Weltpolitik sei ein “schweres Wetter aufgezogen. Deshalb müssen wir unsere deutsche Interessenlage und die westliche Interessenlage insgesamt mit ruhigem Blick prüfen. Eine Ausdehnung des geografischen NATO-Gebietes wird prinzipiell abgelehnt und ebenso eine Errichtung von Einflußzonen auswärtiger Mächte in der Dritten Welt (Text der Regierungserklärung: POLITIK, Nr. 1 /80, Hg. Vorstand der SPD, Bonn ).Google Scholar
  10. 1).
    Die Zweideutigkeit der Westeuropäer zur Entspannung hat Joffe so beschrieben: “Sind die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zu eng, beschwert man sich in Europa über ein drohendes Kondominium der Supermächte; setzt Washington aber Moskau unter Druck - etwa wegen der Menschenrechte oder wegen der sowjetischen Afrika-Politik, so ringen die Europäer die Hände über die Gefährdung der Entspannung” (JOFFE, 1979, S. 723).Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1988

Authors and Affiliations

  • Rolf Wortmann

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