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Südafrika pp 361-391 | Cite as

Südafrika ohne Apartheid

Überlegungen zu einer ungewissen Zukunft
  • Winrich Kühne

Zusammenfassung

Seit Mitte der 80er Jahre, dem Zeitraum also, an dem sich die schwarze Bevölkerung so erfolgreich gegen die Präsenz der „weißen“ Staatsmacht in den Townships erhob, wird über die Gestaltung eines Südafrika ohne Apartheid intensiv nachgedacht. 1 Innerhalb und außerhalb Südafrikas fanden und finden Konferenzen und Begegnungen zu diesem Thema statt. Sie waren keineswegs nur akademischer Natur. Die Welt horchte auf, als sich am 13. September 1986 in Sambia eine Delegation führender Geschäftsleute aus Südafrika mit der Führungsspitze des ANC (African National Congress) traf. Als ein Durchbruch wurde das erste Treffen von fast 60 weißen, vor allem burischen, Wissenschaftlern, Politikern, Journalisten etc. mit einer hochrangigen ANC-Delegation ein Jahr später, im Juli 1987, in Dakar (Senegal) gefeiert. An dieses Treffen schlossen weitere an. Von ihnen verdient die erste gemeinsame Konferenz von ca. 20 weißen Südafrikanern, einer fünfköpfigen sowjetischen Delegation sowie einer achtköpfigen des ANC besondere Erwähnung. Sie fand im Oktober 1988 in Leverkusen statt. Auf dieser Konferenz war die Diskussion der „Leitlinien für eine Verfassung eines demokratischen Südafrikas“, die der ANC im Frühjahr 1988 veröffentlicht hatte, ein wichtiger Tagesordnungspunkt.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Auf Kooptierung zielt auch ein dem Kapstädter Parlament vorliegender Gesetzesentwurf ab, der die Errichtung eines „Nationalen Rates“ vorsieht. Er soll nur beratende Funktion haben. Bisher haben alle maßgeblichen schwarzen Führer, auch so „gemäßigte“ wie Gatsha Buthlezi, Präsident der Inkatha-Bewegung, eine Beteiligung an diesem Gremium abgelehnt.Google Scholar
  2. 2.
    Ich verstehe als Beseitigung der Apartheid die Aufhebung aller Gesetze und Verordnungen, die eine zwangsweise Trennung oder Diskriminierung nach rassistischen Kriterien zum Inhalt haben.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. den Konferenzbericht von Kühne, Winrich, Black Politics in South Africa and the Outlook for Meaningful Negotiations, Internationale Konferenz, abgehalten vom 10. bis 12. Dezember 1986 (unveröffentlichtes Manuskript), Ebenhausen, April 1987Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Citizen, 25.7.1988.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. dazu unter anderem Lienemann-Perrin, Christine/Lienemann, Wolfgang (Hrsg.), Politische Legitimität in Südafrika, Heidelberg, Januar 1988.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. zu den neueren Entwicklungen in der sowjetischen Politik gegenüber dem südlichen Afrika Kühne, Winrich, A 1988 Update an Soviet Relations with Pretoria, the ANC, and the SACP, in: CSIS Africa Notes, Center for Strategic Studies, Washington, No. 89 (Sept. 1988).Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. dazu die Beiträge von Weimer, Bernd, und Maull, Hanns, im selben Band.Google Scholar
  8. 8.
    Weekly Mail, 23.4.1987.Google Scholar
  9. 9.
    Im Deutschen ist die Bezeichnung Bure, Burentum etc. noch gebräulich. In Südafrika wird sie, insbesondere aber die englische „Boer“ inzwischen als herabsetzend empfunden. Dieser Beitrag bedient sich daher der Bezeichnung „Afrikaaner“, die sich in der südafrikanischen Geschichtsschreibung schon seit langem eingebürgert hat. Sprachideologisch ist dieser Begriff jedoch nicht ohne Probleme. Auf elegante Weise verhüllt er nämlich die europäische Herkunft des Afrikaanertums und die daraus hervorgegangene Herrschaft über die schwarze Mehrheit im Namen der europäischen Zivilisation. Denn bis vor einiger Zeit wurde in den den südafrikanischen Gesetzen und auf den Parkbänken nicht zwischen „Afrikanern“ und „Afrikaanern“, sondern zwischen „Non-Europeans“ und „Europeans“ (bzw. Weißen und Nicht-Weißen unterschieden). Aus diesem Grunde und um dem deutschsprachigen Gebrauch entgegenzukommen, wird in dieser Arbeit ein Kompromiß gemacht. Es wird von den „Afrikaanern“, aber von der „burischen“ Politik die Rede sein.Google Scholar
  10. 10.
    Erbrechtliche Gründe, schlechte Witterungsbedingungen, die wirtschaftlichen Folgen des Burenkrieges von 1899–1902 etc. hatten dazu geführt, daß viele burische Farmer oder ihre Söhne verarmten und in die Städte wanderten, um dort Arbeit, vor allem im Gold-und Diamantenbergbau, zu finden.Google Scholar
  11. 11.
    Ein Beleg dafür ist die Tatsache, daß sich die ANC-Führung auf den Versuch der sogenannten Eminent Persons’ Group (EPG) des Commonwealth, Verhandlungen in Gang zu bringen, eingelassen hat. Pretoria dagegen hat diese Bemühungen durch demonstrative militärische Übergriffe auf drei Nachbarstaaten, in einem hielt sich die EPG gerade auf, zum Scheitern gebracht.Google Scholar
  12. 12.
    Der Text des Interviews ist abgedruckt in Leadership S.A., Vol. 5, No. 1 (1986), S. 50 ff.Google Scholar
  13. 13.
    Das gilt auch, wie schon angedeutet wurde, für sogenannte gemäßigte Politiker wie Gatsha Buthelezi. Der aus einem Indaba zwischen Vertretern seiner Inkatha-Bewegung und weißen Geschäftsleuten, Farmern etc. der Provinz Natal für KwaZulu und Natal gemeinsam ausgearbeitete Verfassungsentwurf wurde von Pretoria zurückgewiesen, weil seine Grundlage „one person, one vote“ ist.Google Scholar
  14. 14.
    Ich verzichte an dieser Stelle darauf, Minderheitenschutz durch Teilung Südafrikas zu berücksichtigen, wie er zum Beispiel von von der Ropp, Klaus/Blenk, Jürgen vorgeschlagen worden ist. Vgl. Republik Südafrika: Teilung oder Ausweg? in: Aussenpolitik, Vol. 3, Nr. 27 (1976), S. 3008–3324. Es handelt sich um einen völlig anderen Ansatz, bei dem Südafrika in mehrere „one person, one vote“ -Systeme aufgeteilt würde. Die große Mehrheit der Weißen und Schwarzen ist sich einig, daß sie eine derartige Teilung nicht wollen, da sie die Wirtschaft und Infrastruktur des Landes in ihrer gewachsenen Einheit schwer schädigen würde. Außerdem müßten nicht nur hunderttausende, sondern mehrere Millionen Südafrikaner (auch Weiße) umgesiedelt werden.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. Weekly Mail, 12.8.1988.Google Scholar
  16. 16.
    Abgedruckt in: Weekly Mail, 2.9.1988.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. dazu Lijphart, Arendt, Power-Sharing in South Africa, Institute for International Studies, University of California, Berkeley, 1985. Vgl. auch Hanf, Theodor; Weiland, Heribert; Vierdag, Gerda, Südafrika: Friedlicher Wandel? Möglichkeiten demokratischer Konfliktregelung — Eine empirische Untersuchung. München, 1978. Vgl. auch Maull, Hanns, in diesem Buch.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Weekly Mail, 19.8.1988.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. BBC-SWB, ME/8317/B/8, 22.7.1986: ANC appeals for end to „brain drain“.Google Scholar
  20. 20.
    Der Pan Africanist Congress (PAC) und Teile der Black Consciousness-Bewegung vertreten in dieser Hinsicht eine konfrontativere Haltung. Sie betrachten die Abschaffung der Apartheid als einen Fall der Dekolonisierung. Das heißt nicht, daß sie die Weißen aus Südafrika vertreiben wollen. Sie vertreten aber eine sehr viel radikalere Position im Hinblick auf eine Beseitigung der ökonomischen Vormachtstellung der Weißen in einem Post-Apartheid Südafrika. Vgl zum Beispiel BBC Wireless Bulletin, SWB ME7O2O2 B/1, vom 13.7.1988.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. du Preez, Max u. a., The Broederstroom Encounter, Johannesburg 1988.Google Scholar
  22. 22.
    Die Befreiungsbewegung PAC macht derartige prinzipielle Zusicherungen nicht, da sie Südafrika rechtlich als einen Fall der Dekolonisierung betrachtet. Sie redet aber auch nicht einer Vertreibung der Weißen das Wort.Google Scholar
  23. 23.
    Starushenko, Gleb, Problems of the Struggle against Racism, Apartheid and Colonialism in the South of Africa. in: For Peace, Cooperation and Social Progress, Material of the II. Soviet-African Scientific-Political Conference, USSR Academy of Sciences, Moskau 1988, S. 100 ff.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Kühne, Winrich, Gibt es eine neue sowjetische Südafrikapolitik? SWP-LN 2558, Ebenhausen, März 1988.Google Scholar
  25. 25.
    Adam, Heribert, Exile and Resistance: the African National Congress, the S.A. Communist Party and the Pan Africanist Congress, in: Berger, P.L., Godsell, B. (eds.), A Future South Africa, Cape Town 1988, S. 95–124 (105).Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. den Text in Front File, Vol. 2, No. 11 (August 1988).Google Scholar
  27. 27.
    Lodge, Tom, The Lusaka Amendments, in: Leadership S.A., Vol. 7, Nr. 4 (1988), S. 17–20 (19).Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. dazu den Beitrag von Schmid, Sigmar, in diesem Band.Google Scholar
  29. 29.
    Die schriftlichen Beiträge für diese Konferenz werden demnächst veröffentlicht.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. South Africa Economic Research and Training Project, Beyond Apartheid, Working Papers, Vol. 1, No. 1 (1988).Google Scholar
  31. 31.
    Mehrere Beiträge zum Thema Post-Apartheid enthält auch das Sonderheft „After Apartheid“ der Zeitschrift Third World Quarterly, Vol. 9, No. 2 (April 1987); vgl. auch Southall, Roger J., Post-Apartheid South Africa: Constraints on Socialism, in: The Journal of Modern African Studies, Vol. 25, No. 2 (1987), S. 345–374; desweiteren: Polley, James A. (Hrsg.), The Freedom Charter and the Future (Proceddings of the national conference on The Freedom Charter and the Future — a critical appraisal, organised and presented by the Institute for a Democratic Alternative for SA in Cape Town 15–16 July 1988), Cape Town, 1988.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. z.B. Van den Berghe, Pierre L., South Africa, A Study in Conflict, Middletown, Connecticut, 1965.Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. dazu die programmatische Erklärung des PAC über seine Absichten und Ziele in: Monitor-Dienst (Afrika), 13.7.1988.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. zum erfolgreichen schwarzen „commercial farming“ im 19. Jahrhundert Louv, Leon/Kendall, Frances, The Solution (2nd ed.), April 1987, S. 3 ff.Google Scholar
  35. 35.
    Tribal trust areas” waren in Rhodesien die ausschließlich der schwarzen Bevölkerung vorbehaltenen Gebiete.Google Scholar
  36. 36.
    Diese Unterstützung wird aus militärischen Überlegungen gewährt. Leerstehende Farmen könnten den Untergrundkämpfern des ANC oder PAC als Unterschlupf dienen. Außerdem braucht die südafrikanische Armee die Farmer zur Unterstützung bei der Bekämpfung der Guerillas. Sie sind in ein auf die Zeit des Burenkrieges zurückgehendes Kommandosystem eingegliedert und jederzeit zum Einsatz in ihrer Umgebung abrufbar.Google Scholar
  37. 37.
    Zitiert nach Jaenecke, Heinrich, Die weißen Herren, 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika, Hamburg 1979, S. 183.Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. dazu Raabe, Stephan, in diesem Band.Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. Citizen, 20.6.1986.Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. Lijphart, Power Sharing in South Africa; siehe auch Maull, Hanns, Innenpolitik, in diesem Band.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. Hanf, Theodor /Weiland, Heribert, Konkordanzdemokratie für Südafrika? in: Europa-Archiv, Folge 23/1978, S. 755 ff.Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. dazu Nuscheler, Franz/Ziemer, Klaus, Politische Herrschaft in Schwarzafrika. Geschichte und Gegenwart, München 1980.Google Scholar
  43. 43.
    Adam, Heribert/Moodly, Kogila, Südafrika ohne Apartheid? Frankfurt/Main 1987, S. 236.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Breytenbach, Breyten, Die Rettung eines Traums, einer Vision von Menschlichkeit, in: Frankfurter Rundschau, 1.8.1988, S. B.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. dazu Anm. 21Google Scholar
  46. 46.
    Vgl. dazu Ropp/Blenk, Republik Südafrika: Teilung oder Ausweg? (Anm. 14)Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. dazu den interessanten Erfahrungsbericht des Diplomaten Vergau, Hans-Joachim, Die Vereinten Nationen und Namibia. Ein Erfahrungsbericht, in: Ferdowsi, M.A./Opitz, P.J. (Hrsg.), Macht und Ohnmacht der Vereinten Nationen, München 1987, S. 105 ff.Google Scholar
  48. 48.
    Die Kontaktgruppe wurde 1977 von drei ständigen (USA, Großbritannien, Frankreich) und den zwei zeitweiligen Mitgliedern (Kanada, Bundesrepublik Deutschland) des Sicherheitsrates der VN gegründet.Google Scholar
  49. 49.
    Zitiert aus Africa Research Bulletin (Political Series), 15.6.1989, p. 9315.Google Scholar
  50. 50.
    Der PAC und die Black Consciousness Organisation AZAPO lehnen Verhandlungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt als „Ausverkauf` an die Weißen ab.Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Winrich Kühne

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