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Die Entwicklung von Fernsehästhetik im deutschfranzösischen Vergleich

  • Rolf Kloepfer
  • Hanne Landbeck
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Zusammenfassung

Ästhetisch ist nicht das Wahre, Schöne, Gute allein, sondern ganz komplementär das Unwahre, Scheußliche, Böse und vieles dazwischen, vor allem der Schein, die Fiktion, die angenehme Illusion. Deren wichtigste Eigenschaft ist wohl: Man ist dabei. Ästhetisch ist nicht nur das, was man bewußt als solches rezipiert — „Kunst!“ —, sondern unendlich viel „nebenher Wahrgenommenes“. Die Programmankündigung (le générique), in den Nachrichten das Arrangement der Möbel, die Kleidung der Sprecher, die Abfolge der Einblendungen und vor allem das, was als „Realität“ abgefilmt erscheint: ein einzelner, kleiner Mann mit einer Rose schreitet durch das Spalier von erwartungsfrohen Menschen zu einem erhabenen Ort... . Emblematische Selbstdefinition, dramaturgische Inszenierung und das Zeremoniell, das religiöse und weltliche Herrscher in Jahrhunderten entwickelten, tragen deutlich ästhetische Züge. Sieht man so genau hin, dann bleibt fast nichts „unästhetisch“.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. zu den Veränderungen in der französischen Fernsehlandschaft: Le Monde, Dossiers et Documents (Hrsg.): La Télévision en 1987. Le grand chambardement, Paris, mars 1988.Google Scholar
  2. 2.
    Insbesondere das Medium Fernsehen wird dazu beitragen, das Bewußtsein gemeinsamer europäischer Kultur und Geschichte in ihrer durch Vielfalt geprägten Reichhaltigkeit zu entwickeln und zu fördern. Die grenzüberschreitende Information kann wesentlich dazu beitragen, daß sich die europäischen Völker als eine Schicksalsgemeinschaft auf vielen Gebieten verstehen lernen“ in: Fernsehen ohne Grenzen. Grünbuch über die Errichtung des gemeinsames Marktes für den Rundfunk, insbesondere über Satellit und Kabel, in der Reihe Dokumente. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Brüssel 14. 6. 1984.Google Scholar
  3. 3.
    Die regionalen Unterschiede zeigen sich, wenn man Katalonien beispielsweise mit Bayern vergleicht: dort die Unterwanderung nationaler Interessen, hier die Vorwegnahme der Internationalisierung.Google Scholar
  4. 4.
    S. Berlusconi ist neben seinen vielfältigen internationalen Verflechtungen in der Medienbranche, wo er auf europäischem Niveau eine Schlüsselrolle spielt, auch Chef des Mailänder Fußballvereins.Google Scholar
  5. 5.
    So berichten alle Nachrichtenmagazine beim jährlichen Cannes-Filmfestival oder zu anderen Gelegenheiten exklusiv mit Direktschaltungen, die meist an erster Stelle in der Nachrichtensendung stehen.Google Scholar
  6. 6.
    Die Tageszeitung Libération,die von den 68er Linken, darunter J.-P. Sartre, als Alternative zu den herkömmlichen Tageszeitungen gegründet wurde, indiziert paradigmatisch den gesellschaftlichen Wandel: Sie hat sich im Laufe der zwanzig Jahre zu einer der meistgelesenen modernen Zeitungen entwickelt, die regelmäßig über Medienereignisse und -veränderungen berichtet. Sie wird von allen Werbefachleuten als erste Informationsquelle benutzt.Google Scholar
  7. 7.
    Heute triumphiert die Werbung. (…) nach der Meinungsumfrage von IPSOS/Le Point glauben 1985 60% der Franzosen, daß sie mehr informiert und unterhält als manipuliert, ebenfalls 60% finden, daß sie der Kunst nahesteht, und schließlich ziehen 55% die Werbung dem politischen Diskurs vor.“ (Le triomphe de la pub, Le Point no 674, 19. B. 1985 S. 53; Artikel S. 52–58).Google Scholar
  8. 8.
    Die „Cannes-Rolle“ zeigt alle jährlich in Cannes beim Internationalen Werbefilm-Festival preisgekrönten Werbespots. Sie wird seit 1986 in den Kinos der BRD mit sehr großem Erfolg gezeigt.Google Scholar
  9. 9.
    Le Diberder, Alain/Coste-Cerdan, Nathalie: La Télévision, Paris 1986, S. 35.Google Scholar
  10. 10.
    AIM, Forschungsprojekt an der Universität Mannheim, im Rahmen des Europa-Instituts. Leiter: Rolf Kloepfer, Mitarbeiter: Hanne Landbeck, Ute Werner (zeitweise) u.a.Google Scholar
  11. 11.
    Als wichtigste ist wohl die Werbung in den Nachrichten selbst zu nennen: Die hohe Einschaltquote wird genutzt zum Hinweis auf Highlights des eigenen Programms, kulturelle Veranstaltungen, Publikationen aller Art und viele Formen der Präsentation der Stars.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Kloepfer, Rolf: Mimesis und Sympraxis. Zeichengelenktes Mitmachen im erzählenden Werbespot, in: MANA 4, Kloepfer/Moeller (Hrsg.) S. 141–181.Google Scholar
  13. 13.
    Halbjährlich wurden von Mai 1985 — Mai 1987 in sechs europäischen Ländern Mitschnitte der Nachrichten und Werbespots der „Prime-Time“ gemacht.Google Scholar
  14. 14.
    Der Witz verdeckt, daß wir auch auf Safari zu Hause sein dürfen. Des Deutschen liebste Beschäftigung in fremder Umgebung unterscheidet sich mitnichten von der zuhause.Google Scholar
  15. 15.
    Eine genaue Beschreibung der Zuordnungen und der Definitionen findet sich in Kloepfer, R./Landbeck, H.: Ästhetik in den Medien. Der Telespot in Europa als Symptom neuer Macht, 1988.Google Scholar
  16. 16.
    Die französischen Werte im Diskurs sind im Mai 1987 schlechter ausgefallen als im November 1986. Dies mag u.a. auch an der turbulenten Situation im französischen Fernsehgeschäft dieser Zeit liegen; man wollte erst abwarten, wie sich die Programme nach der Privatisierung von TF1 entwickeln würden, bevor wieder das höchste Niveau an technischem und inhaltlichem Know-How eingesetzt wird — denn dies alles kostet enorm viel Geld. Weitere Schnitte werden zeigen, ob dieses Ergebnis ein „Ausrutscher“, der noch im Rahmen des Trends liegt, gewesen ist, oder aber einen neuen Trend in Frankreich indiziert. Letzteres erscheint unwahrscheinlich.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. hierzu: Kloepfer, R./Landbeck, H.: Sympraxis et Publicité, in: Müller, J.E. (Hrsg.), Texte et Médialité, Mana 7, 1987, S. 63–96.Google Scholar
  18. 18.
    Eine erste Übersicht zur Ästhetik der französischen Nachrichtensendungen haben wir in verschiedenen Magisterarbeiten entwickeln lassen; in diesem Fall griffen wir dankbar auf die Auswertung von Birgit Olk in ihrer Arbeit „,Einfache Formen’ der Literatur in den französischen Fernsehnachrichten?“ zurück, welche französische Nachrichten von Januar 1986 bis November 1987 analysiert.Google Scholar
  19. 19.
    Morin, Violette: L’information télévisée: un discours contrarié, in: Comunications no. 28, 1978, S. 187–201; Quéré, Louis: Des miroirs équivoques. Aux origines de la communication moderne, Paris 1982; Oomen, Ursula: Bildfunktionen und Kommunikationsstrategien in Fernsehnachrichten, in: Bentele, Günter/Hess-Lüttich, Ernest W.B. (Hrsg.), Zeichengebrauch in Massenmedien. Zum Verhältnis von sprachlicher und nicht-sprachlicher Information in Hörfunk, Film und Fernsehen, Tübingen 1985, S. 155–166.Google Scholar
  20. 20.
    Véron, Eliseo: Il est là, je le vois, il me parle, in: Communications no. 38, 1983, S. 98–120.Google Scholar
  21. 21.
    Guemriche untersucht die Inszenierung bei A2 im Hinblick auf die Transformation des ausgewählten „Ereignisses“ zum visuellen „Dokument”, zum ausbeutbaren Kommunikationsanlaß und zur Konstruktion eines Elementes der Weltsicht. Guemriche, Salah: La parole des confrères ou l’événement „made in media“, in: INA (Hrsg.), Le J.T. Mise en scène de l’actualité à la télévision, Paris 1986, S. 127–142.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. Dossiers de l’audiovisuel. Journaux Télévisés, no. 11, 1987: S. 11, 12, 13, 24ff. u.a.; Missika, Jean-Louis/Wolton, Dominique: La folle du logis. La télévision dans les sociétés démocratiques, Paris 1983, S. 274ff.Google Scholar
  23. 23.
    Weber, Alain: Audiovisuel: montage et contraintes idéologiques du journal télévisé, in: Cahiers du CRELEF, no. 19, 1984, S. 53–62.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Dossiers de l’Audiovisuel, no. 11, 1987, S. 3.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. Lotman, Juri: Die Struktur literarischer Texte, München 1972, S. 393ff.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1988

Authors and Affiliations

  • Rolf Kloepfer
  • Hanne Landbeck

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