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Die konkreten Formen der Subjektivität bei Industriearbeitern

  • Hans-Joachim Giegel
  • Gerhard Frank
  • Ulrich Billerbeck
Chapter
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Part of the Biographie und Gesellschaft book series (BUG, volume 3)

Zusammenfassung

Ausgangspunkt dieser Untersuchung ist die Frage, wie Industriearbeiter gegenwärtig sich die ihnen vorgegebenen Lebensbedingungen aneignen, wie sie dabei eine für sie gültige Form der Individuierung entwickeln und wie sie, auf diese Weise individualisiert, ihre Lebensumstände gestalten und dabei durch ihr eigenes Handeln an der Verfestigung sozialer Ungleichheit mitwirken.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. dazu die neueren Versuche, der Marxschen Analyse dieser Beziehung, insbesondere der Theorie der Ausbeutung, eine stringente Fassung zu geben, wie sie u.a. von Gintis/Bowles, Roemer, Wright und Offe unternommen worden sind. Zur konkreten Entwicklung der Produktionsstruktur und der Arbeitsbedingungen vgl. Braverman (1980).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Mooser (1984) und Beck (1983). Kritische Überlegungen zu der von Beck vorgetragenen Individualisierungsthese in Giegel (1987a).Google Scholar
  3. 3.
    Die grundlegenden Formen des Bezugs des Privateigentümers zur ökonomischen Struktur der bürgerlichen Gesellschaft sind Gegenstand einer längere Zeit geführten,Oberflächendiskussion’ gewesen. Obwohl diese Diskussion eine Reihe von Problemen ungelöst zurückließ, hatte sie ihren Wert doch darin, daß überhaupt die Bedeutung einer Analyse der grundlegenden Bestimmungen des Verhältnisses von Privateigentümern und bürgerlicher Gesellschaft, insbesondere auch für die Untersuchung bürgerlicher Subjektformen, erfaßt wurde. Vgl. v. Flatow/Huisken (1973).Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Kudera u.a. (1979), Cooper/Payne (1978), Bourdieu (1984), Kohn (1981), Volpert (1975), Lempert (1986). Es ist das Verdienst der Arbeit von Kudera u.a. (1979), gegenüber allen Analysen, die die Lohnarbeit nur als Mittel der Kapitalverwertung betrachten, die Subjektivität des Arbeiters in ihrer Bedeutung wieder entdeckt zu haben, ohne damit die Verletzungen von Subjektivität, die aus der Struktur von Kapital und Staat sich ergeben, zu vergessen.Google Scholar
  5. 6.
    Zum Forschungsstand vgl. Schmädel (1975); Siegrist/ Hendel-Kramer (1979) sowie die in Anm. 18 und 19 genannte Literatur.Google Scholar
  6. 8.
    Als restriktive Bedingungen mit Auswirkung auf das gesundheitsrelevante Verhalten wurden untersucht niedriges Einkommen, Belastungen mit Problemen des Haushalts und der Familie, Instabilität der Beschäftigungsverhältnisse (Dutton 1978, Becker u.a. 1974, McKinlay u.a. 1972), aber auch institutionelle Bedingungen wie etwa Diskriminierung durch die Institutionen des medizinischen Systems (Strauss 1969).Google Scholar
  7. 9.
    Zur Struktur autobiographischer Erzählungen vgl. Schütze (1984).Google Scholar
  8. 10.
    Eine umfassendere Auswertung dieses differenzierten Datenmaterials, als sie hier möglich ist, soll gesondert veröffentlicht werden. Vgl. Giegel/Frank/Billerbeck (1985), Kap. 2 und 3.Google Scholar
  9. 11.
    Berufsbiographische Orientierungsmuster sind insbesondere in der Biographieforschung analysiert worden. Vgl. etwa Ahlheit/Dausien (1985), Hermanns (1982), Becker-Schmidt u.a. (1983), Matthiesen/Neuendorff (im Erscheinen). Die bislang einzige Analyse, die den synthetisierenden Charakter solcher Orientierungsmuster systematisch faßt, ist die von Hack u.a. (1979). Hinsichtlich gesundheitsbezogener Orientierungsmuster ist nach wie vor die Studie von Herzlich (1973) maßgebend. In der neueren Forschung werden aber Anstrengungen unternommen, das hier bestehende Defizit zu beseitigen. Vgl. vor allem Gerhardt (1986). — Hinweise auf die strukturelle Verknüpfung von Orientierungen finden sich auch in der mit standardisierten Methoden arbeitenden Forschung. Vgl. etwa Österreichisches Institut für Bildungsforschung (1979), Kohn (1981), S. 67, McKinlay u.a. (1972).Google Scholar
  10. 12.
    Wir analysieren auch nicht die,ProzeBstrukturen` des Lebenslaufs. Vgl. dazu Schütze (1981). Die in Biographien erkennbaren Veränderungsprozesse, soweit sie nicht einfach von außen erzwungen sind, sind fier uns ein Indikator für die in dem entsprechenden Orientierungsmuster angelegte Dynamik. Zum Problem von biographischen Brüchen vgl. Vetter (1986).Google Scholar
  11. 13.
    Wenn Kohn sagt:,Ganz allgemein legen die Ergebnisse jedoch nahe, daß die beruflichen Tätigkeiten sich,direkt’ auf die kognitiven Abläufe, Werthaltungen, Selbstkonzeptionen und Orientierungen gegenüber der Umwelt auswirken..“ (Kohn 1986, S. 61), so ist eben damit noch nicht bestimmt, wie diese,direkte Einwirkung sich vollzieht. Auch der Hinweis, daß es sich hier um einen,direkten Prozeß des Lernens’ (ebenda, S. 56f.) handele, hilft nicht weiter.Google Scholar
  12. 14.
    „Der Mensch wächst in der Auseinandersetzung mit beruflichen Herausforderungen.“ (Kohn 1986, S. 46).Google Scholar
  13. 16.
    Vgl. dazu grundlegend Luhmann (1984), S. 286ff. Kritisch dazu Giegel (1987b). Von ganz anderen Voraussetzungen her kommt Holzkamp (1986) zu einer ähnlichen Auffassung. — Man kann eine solche Sichtweise interaktionistisch nennen, wenn unter Interaktionismus nicht nur verstanden wird, daß das Subjekt, wenn es von der Realität in spezifischer Weise bestimmt worden ist, auf diese zurückwirkt, etwa in der Form, daß es seinen Arbeitsplatz wechselt. (Vgl. Hoff 1986) Eine wirklich interaktionistische Sichtweise ist erst dann erreicht, wenn man begreift, daß es von der Art, wie das Subjekt sich selbst bestimmt, abhängt, wie die Realität auf es,einwirken` kann.Google Scholar
  14. 18.
    Vgl. Becker u.a. (1975), Becker u.a. (1977), Schmädel (1979), Rainwater (1968), Rosenblatt/Suchman (1964), Siegrist/Bertram (1970/71), Zborowski (1969), Gordon (1966).Google Scholar
  15. 19.
    Vgl. Bullough (1972), Berkanovic u.a. (1974), Rosenblatt/Suchman (1964), Siegrist/Bertram (1970/71).Google Scholar
  16. 21.
    Der Erkenntnisgewinn von Einzelfallanalysen tritt besonders prägnant in den Studien von Willis (1978) und Hildenbrand (1983) hervor, vgl. ferner die in Anm. 11 genannte Literatur.Google Scholar
  17. 22.
    Wenn Oevermann davon spricht, daß über Fallgeneralisierung das Allgemeine des Falls zu bestimmen sei, so darf darüber nicht vergessen werden, daß damit eben nur das Allgemeine des Typus, den der Fall repräsentiert, nicht jedoch die Typenstruktur des Feldes in ihrer Gesamtheit gefaßt ist. Vgl. Oevermann (1981).Google Scholar
  18. 23.
    Eine solche Typik findet sich bei Hack u.a. (1979). Eigentümlicherweise finden sich in der Biographieforschung auch Versuche, die komplexen Sinnstrukturen, die man analysiert hat, nach sehr einfachen Kategorien wie Generationenfolge und Verlaufsform, d.h. Kontinuität oder Bruch, der Biographie zu typisieren. Die Gemeinsamkeit der zu einem Typus zusammengefaßten Fälle kann auf diese Weise aber nur eine sehr abstrakte sein. Vgl. etwa Deppe (1982) oder Brose (1983). Auch Versuche, Typisierungen mit Hilfe der Kategorie der kausalen Attribuierung vorzunehmen, berücksichtigen nur unzureichend die Komplexität der zugrundeliegenden Sinnstruktur. Vgl. Hoff (1986).Google Scholar
  19. 24.
    Zum Zusammenhang von Kultur und Persönlichkeit, den die Biographieforschung bisher vernachlässigt hat, vgl. Habermas (1981), Band 2, S. 203ff.Google Scholar
  20. 26.
    Vgl. aber zu ersten Schritten in diese Richtung Hermanns (1982) und Hoff u.a. (1982).Google Scholar
  21. 27.
    Wegen der großen Spannweite der hier vorgenommenen Untersuchungsschritte ist es angebracht, darauf hinzuweisen, was nicht ihr Gegenstand ist. Wir werden — nicht die sozialisatorischen Bedingungen untersuchen, die zur Übernahme eines bestimmten berufsbiographischen oder gesundheitsbezogenen Orientierungsmusters führen — nur den Einfluß der berufsbiographischen auf gesundheitsbezogene Orientierungen verfolgen, nicht auch den (bei chronischen Krankheiten ausgeprägten) umgekehrten Einfluß — nicht die — vereinzelt sich geradezu aufdrängenden — sinnstrukturellen Bedingungen der Krankheitsentstehung verfolgen (vgl. hierzu Hom/Beier/Wolf 1983)Google Scholar
  22. 28.
    Der Prozeß der selbstgesteuerten selektiven Realisierung von Möglichkeiten muß keineswegs die Form annehmen, daß der Handelnde zwischen ihm bewußten Handlungsalternativen eine Wahl trifft. Vgl. Brose (1983), S. 33f. u. 44ff.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1988

Authors and Affiliations

  • Hans-Joachim Giegel
  • Gerhard Frank
  • Ulrich Billerbeck

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