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Einleitung

  • Marieluise Christadler
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Zusammenfassung

Daß die Republikaner zur Legitimierung ihres Weiblichkeitsideals Luise Otto Peters gegen die „gleichmacherischen Emanzen“ der neuen Frauenbewegung ausspielen, muß diese frühe Frauenrechtlerin, die sich ausdrücklich auf die Menschen- und Bürgerrechtserklärung der Französischen Revolution berief, nicht nachträglich in Verruf bringen.1 Es zeigt aber, daß der Titel unseres Buches zu Mißdeutungen Anlaß geben könnte. Er konstruiert keinen Gegensatz zwischen dem naturrechtlich begründeten Anspruch auf Freiheit und Gleichheit für alle Menschen und einer naturgegebenen Weiblichkeit. Er stellt auch nicht den revolutionären Postulaten eine programmatische Weiblichkeit gegenüber, deren angebliche Tugenden — zu politischen Grundsätzen erhoben — das Abgleiten der Revolution in den Terror hätte verhindern können. Der Titel ist vielmehr der Versuch, über die Umformulierung der revolutionären Devise auf drei Dinge aufmerksam zu machen, die für das Thema „Frauen und Französische Revolution” von Bedeutung sind: den Ausschluß der Frauen von den Staatsbürgerrechten, die intellektuelle wie praktisch-politische Teilnahme von Frauen an der Revolution und die normative Etablierung eines bürgerlichen Weiblichkeitsideals.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Düsseldorfer Erklärung des REP-Landesarbeitskreises „Frauenpolitik“ NRW, zit.n.: Birgit Rother, Rechte Frauen, Frauenrechte, unveröff. Magisterarbeit, Duisburg 1989, S. 330. — Zu Luise Otto Peters vgl. V. Rothe in ds. Band.Google Scholar
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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Marieluise Christadler

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