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Frankreich 1988/1989 Ende eines Sonderwegs?

  • Claus Leggewie
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Zusammenfassung

Frankreich 1989 — man wird nicht umhinkönnen, zunächst auf die Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution zu sprechen zu kommen. Sie hat das Land ein ganzes Jahr über beschäftigt, wenn auch nicht gerade in Atem gehalten. Nicht übermäßig viel Beachtung hat die übrige Welt diesem weltgeschichtlichen Ereignis geschenkt. Und diese bescheidene Fremdwahrnehmung fügt sich in eine zunehmend realistischere Selbstwahrnehmung Frankreichs als „ganz normales Land“. Das Stichwort Normalisierung assoziiert in Frankreich nicht, wie im westdeutschen Fall, das ambivalente Selbstbewußtsein einer Weltmacht wider Willen, ist also keine Trotzreaktion des nur vermeintlich Schwachen, sondern die Einsicht eines nur noch vermeintlich Starken in seine wirkliche Macht. In solch weltpolitischer Verkleinerung wächst Frankreich indessen mehr und mehr zum europäischen Partner, mehr noch: die französische Gesellschaft selbst öffnet und europäisiert sich. Viele „Sonderwege“ finden ihr Ende, und zwar nicht unbedingt im öden Gleichmaß, sondern in einer sich angleichenden, aber pluralistischen und nach innen stark differenzierten „Europagesellschaft“. Was übrigens auch bedeutet: die monographische Perspektive der sozialwissenschaftlichen Frankreichkunde auf ein Land allein, auch der deutsch-französische Bilaterialismus werden immer fragwürdiger. Politik und Wissenschaft müssen beide eine wirklich europäische Perspektive entwickeln, die in der Lage ist, die fortbestehenden nationalen und regionalen Besonderheiten auf eine diese übergreifende Dynamik zu beziehen und mit anderen Ländern zu vergleichen.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Claus Leggewie

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