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Anwendung des Modells am Beispiel „Kunststoffverpackung“: Was können Unternehmen heute tun, um bei der Gestaltung verpackungslogistischer Strukturen ökologisch Sinnvolles zu bewirken?

  • Mario Fischer
Part of the Gabler Edition Wissenschaft book series (GEW)

Zusammenfassung

Um das einzige ökologisch akzeptable Ziel einer „Umweltschonung“ im Sinne dieser Arbeit zu erreichen, darf sich bei der Gestaltung verpackungslogistischer Strukturen die Belastung der natürlichen Umwelt gesamthaft nicht weiter zusätzlich erhöhen oder sollte günstigenfalls in Teilbereichen vermindert werden. Wie solche ökologisch verträglichere, entropieminimierenden Systeme gestaltet werden können, darüber geben die im vorherigen Kapitel entwickelten acht Prinzipien Hinweise. Am Beispiel der Gestaltung von logistischen Systemen für Kunststoffverpackungen573 läßt sich zeigen, daß mit einer konsequenten Anwendung der genannten Prinzipien durchaus nicht nur eine gesamthafte Verminderung von Umweltbelastungen erreicht werden kann, sondern sich meist auch die Erfordernisse ökonomischer Interessen einhalten lassen. Im Interesse der besseren Verständlichkeit und der Erhaltung eines möglichst breiten Diskussionsrahmens wird bei den folgenden Ausführungen teilweise stark vereinfachend und an einigen Stellen idealtypisch argumentiert. Die angeführten Gedanken halten sich zwar streng an das Objekt der Kunststoffverpackung, aber bei einer entsprechend offenen Lesart wird durchaus ganz generell weitergehendes Erklärungspotential für oder gegen eine Verwendung von Kunststoffen transparent.

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Literatur

  1. 573.
    Für einen allgemeinen Überblick über „Verpackung“ vgl. Koppelmann 1979; vgl. Pfohl 1990, S. 142–149, zu logistischen Funktionen vgl. Möhrlin 1981; vgl. Schmidt 1989Google Scholar
  2. 574.
    Diese „...makromolekularen Verbindungen, die synthetisch oder durch Umwandlung von Naturprodukten entstehen“ (Menges 1979, S. 15) werden wegen eben dieser „künstlichen“ Erzeugung als „Kunststoffe“ bezeichnet.Google Scholar
  3. 575.
    Basis der Möglichkeit einer Verbindung einzelner kleiner Moleküle zu Makromolekülen ist das Vorhandensein eben dieser reaktionsfähigen Gruppen in den Ausgangsmolekülen. Vgl. Braun 1978, S. 15Google Scholar
  4. 576.
    Entsprechend wird das Polymer entweder als Polymerisat, Polykondukt oder als Polyaddukt bezeichnet. Vgl. Braun 1978, S. 15Google Scholar
  5. 577.
    Umfassende Beschreibungen einzelner Polymere und ihrer Eigenschaften finden sich bei Menges 1979; Stoeckhert 1973 oder Saechtling 1989Google Scholar
  6. 578.
    Glas ist entgegen dem herkömmlichen Verständnis kein Material, sondern ein physischer Zustand. Vereinfacht ausgedrückt stellt Glas eine “unterkühlte“ Schmelze dar. Kühlt man nun eine Polymerschmelze kontinuierlich ab und verhindert die Kristallisation, so erstarrt sie in einem bestimmten Temperaturbereich, der Glastemperatur. Vgl. Retting 1990, S. 103Google Scholar
  7. 579.
    Vgl. Braun 1990, S. 17Google Scholar
  8. 580.
    Zur Einteilung makromoleküler Stoffe vgl. Käufer 1974, S. 14–20Google Scholar
  9. 581.
    Eine Maschine zur Herstellung von Standard-Kunststoffprodukten benötigt etwa den Raumbedarf einer Reihenhausgarage. Vgl. Pütz 1989, S. 44Google Scholar
  10. 582.
    Vor allem Flaschen aus Kunststoff werden erst nach einem Zwischenschritt über einen rohrförmigen Rohling endkonturgeformt.Google Scholar
  11. 583.
    Die Extrusion ist eine der gebräuchlisten Verarbeitungstechnik bei Kunststoffen. Vereinfacht dargestellt handelt es sich hier um eine Art “Fleischwolf” indem das Kunststoffgranulat durch eine heiße Röhre getrieben wird und sich dabei zu einem erhitzten Gemisch verdichtet. Durch Aufsetzen von Enddüsen kann so fast jede beliebige Form erzeugt werden. Vgl Pütz 1989, S. 44Google Scholar
  12. 584.
    Eine genaue Kenntnis über die genannten Verarbeitungstechniken ist für die vorliegende Arbeit nicht notwendig. Einen umfassenden Überblick geben Knappe; Heuel 1990, insb. S. 291–546Google Scholar
  13. 585.
    Vgl. Brandrup 1992, S. 15. Helmüller merkt hierzu an, daß viele der heute bekannten Lebensmittel erst aufgrund der verpakkungstechnischen Vorteile von Kunststoff entwickelt werden konnten. Vgl. Helmüller 1992, S. 6. Würde man schlagartig auf alle Kunststoffverpackungen verzichten, müßten aus einem durchschnittlichen Supermarkt etwa 14.000 Artikel verschwinden. Einige Produkte könnten zwar sicher substitutiv verpackt werden, aber deutlich „...sperriger und weniger verbraucherfreundlich. Viele Produkte aber, für die aus hygienischen Gründen eine Kunststoffverpackung unerläßlich ist, würden dauerhaft fehlen.“ Lodge; Rayport 1992, S. 79Google Scholar
  14. 586.
    Zu denken wäre hierbei z.B. an den Betrieb eines (Fremd-)Systems „Leimherstellung“ zum Verschließen von Pappverpackungen oder die Notwendigkeit bei Glasverpackungen, zusätzlich einen Hersteller für Weißblech oder Aluminiumdeckel sowie die elastische Kunststoffdichtung in der Innenseite des Deckels zu benötigen. Immerhin fast 9% des Kunststoffeinsatzes im Lebensmittelbereich gehen nach Gewicht in solche Verschlüsse ein. Vgl. Brahms; Eder 1988, S. 99. Auch Weißblechdosen benötigen aus hygienischen Gründen auf der Innenseite zumeist eine Kunststoffbeschichtung.Google Scholar
  15. 587.
    Damit kann das betriebswirtschafltiche Prinzip, Wertschöpfung möglichst weit am Ende einer Wertkette zu erzeugen, konsequent umgesetzt werden.Google Scholar
  16. 588.
    Zur Funktionserzeugung „Verpacken einer Tonne Joghurt in haushaltsüblichen Größen“ fällt bei Kunststoffverpackungen 33 kg, bei Glas hingegen 573 kg Materialgewicht an. Selbst bei illusorischen Recyclingquoten von 90% fiele damit bei jedem Glasumlauf eine immer noch fast doppelt so hohe Menge Abfall als bei Kunststoff an. Vgl. Oberholz 1994, S. 26Google Scholar
  17. 589.
    Stellt man sich zur Verdeutlichung ein idealtypisches, „hundertprozentiges“ Mehrwegsystem vor, wird schnell erahnbar, wieviele LKW zusätzlich gebaut werden müßten, um „im Dienst der Umwelt“ funktionslose „Leergutverpackung“ zu transportieren.Google Scholar
  18. 590.
    Solange dem Kunststoff noch keine Fremd- oder (unbekannte) unverträgliche Inhaltsstoffe anhaften, ist eine einfache Wiederverwendung von Ausschußmaterial mit Formfehlern im gleichen Produktionszyklus relativ problemlos machbar. Produktionsabfälle werden daher heute bereits zu 98% dem Produktionsprozeß wieder zugeführt. Vgl. Bauer 1981, S. 17Google Scholar
  19. 591.
    Hierbei sind vor allem auch die direkten Umweltbelastungen durch Unfälle zu bedenken.Google Scholar
  20. 592.
    Bei der Erzeugung von Vergaserkraftstoff fällt zwangsläufig als Kuppelprodukt im Verhältnis von zwei zu eins das sogenannte Naphtha an. Aus dieser Verbindung geht etwas über die Hälfte in die Kunststofferzeugung ein.Google Scholar
  21. 593.
    Vgl. RSU 1990, Ziffer 1296; vgl. auch Klaus, P.; Fischer 1994, S. 174–176Google Scholar
  22. 594.
    Eine entsprechende Untersuchung in den USA ergab, etwa ein Drittel der gesamten Kunststoffproduktion in die (gesamte) Verpackungsindustrie fließt. Vgl. Wolf 1993, S. 6.Google Scholar
  23. 595.
    Der Energiegehalt eines Kilogramm Kunststoffs entspricht dabei in etwa dem eines Liters Heizöl. In Schweden spricht man deshalb bereits von „weißer Kohle“ (Lodge; Rayport 1992, S. 80). Schenkt man Experten Glauben, ist entgegen der öffentlichen Meinung das Problem der Dioxin- und Furanentstehung bei der thermischen Verwertung im wesentlichen als gelöst zu betrachten. Moderne Anlagen müssen aus thermodynamischer Sicht sogar als Entropiesenken betrachtet werden. Vgl. Küffner 1992a; ders. 1992b; vgl. Boeckh 1993, S. 26. Die Gefahren der Dioxin- und Furanenstehung bei der thermischen Nutzung sollen hier keineswegs ignoriert werden — fraglich ist nur, wie sinnvoll eine Vermeidung an einer Stelle, an der gemessen wird, ist, wenn dadurch wegen Verlagerungseffekten an nicht vermessenen Stellen eine überproportionale Erhöhung an Dioxin- und Furanentstehung eintritt. Wie bereits erwähnt, lag der Dioxinausstoß einer Sinteranlage in Dortmund um den Faktor 700 über dem für Müllverbrennungsanlagen festgeschriebenem Wert. Vgl. Friedl 1994b, S. 3. PVC läßt sich beispielsweise durch thermische Wiederverwertung bei der Rückspaltung in Mono-verbrennungsanlagen in Salzsäure und öl, das zum Betrieb weiterer Ketten genutzt werden kann, aufteilen. Vgl. Friedl 1993, S. 1; Schiele-Trauth 1993b, S. 32. Für einen Überblick über materielles und energetisches Recycling von PVC vgl. Claerbout 1987, S. 196–205 und Tötsch; Sordo 1989. Zur Umweltrelevanz von PVC vgl. Tötsch; Gaensslen 1990.Google Scholar
  24. 596.
    Durch die Deponierung wird die Materialentropie für Kunststoff verringert und kann zukünftigen Generationen dazu dienen, den Extraktionszyklus zu verlängern. Kunststoffe verhalten sich bei einer Deponierung im wesentlichen grundwasserneutral. Vgl. Helmüller 1993b, S. 24Google Scholar
  25. 597.
    Gerade im Bereich des stofflichen Kunststoff-“recyclings” sind aktuell allerdings gegenteilige Entwicklungen zu beobachten.Google Scholar
  26. 598.
    Heigl weist völlig zu recht darauf hin, daß „.. .wesentliche Ursachen der Umweltbelastung, nämlich die Bevölkerungsentwicklung und herrschende Werthaltungen (‘Wegwerfgesellschaft’) ... völlig unbeachtet, ja tabuisiert...“ bleiben. Heigl 1990, S. 100Google Scholar
  27. 599.
    Bei der Intertisierung werden den Abfallstoffen die noch vorhandene freie Energie entzogen, um unkontrollierte Reaktionen (z.B. Gärprozesse) mit anderen Stoffen zu vermeiden. Die neue Technische Anleitung (TA) „Siedlungsabfall“ schreibt künftig einen sogenannten Glühverlust-Grenzwert von 5% vor, der nach bisherigen Kenntnissen praktisch nur durch thermische Behandlung erreichbar ist. Vgl. Ronzheimer 1993, S. 22Google Scholar
  28. 600.
    Durch eine thermische Behandlung sinkt das zu deponierende Volumen im Schnitt auf ein Zehntel des Ausgangsvolumens. Vgl. Weber 1990, S. 480Google Scholar
  29. 601.
    Das Gewicht reduziert sich dabei um ca. 80%. Vgl. Lodge; Rayport 1992, S. 80Google Scholar
  30. 602.
    Obwohl der Anteil von Kunststoffverpackungen im Hausmüll nur bei etwa 7% liegt, liefert er rund ein Drittel an „Überschuß“-Energie, die von Müllverbrennungsanlagen abgegeben werden können. Vgl. Brandrup 1990, S. 36Google Scholar
  31. 603.
    Vgl. Klaus, P.; Fischer 1994, S. 176Google Scholar
  32. 604.
    Jandel weist auf die relativ problemlose technische Machbarkeit von stofflichem Kunststoffrecycling hin, hebt aber gleichzeitig explizit als eines der Hauptprobleme die fehlenden logistischen Strukturen hervor. Vgl. Jandel 1993, S. 304; ähnlich Fütterer 1990, S. 14. Damit wird allerdings auch deutlich, daß die Auswirkungen des Aufbaus und des Betriebs solcher Strukturen noch relativ unbekannt bzw. unberücksichtigt sind.Google Scholar
  33. 605.
    Beim Transport von Kunststoffabfallen ist zu beachten, daß zwar nur relativ wenig Gewicht zu bewegen ist, aber durch das hohe Volumen vorhandene Transportstrukturen nur schlecht ausgelastet sind. Mit anderen Worten würde wertvolle Energie umgesetzt werden müssen, um einen hohen Anteil Luft zu transportieren. Ähnlich argumentiert wegen des zu hohen Energiebedarfs Keßler 1992, S. 46. Hess 1992, S. 11 weist darauf hin, daß ein mit Polystyrol (EPS) beladener Großraumlastzug nur ca. 700 kg Ladegewicht aufweist.Google Scholar
  34. 606.
    Von Mitte 1995 an, müssen mindestens 64% der Kunststoffabfälle (ca. 700 000 Tonnen) aus dem Hausmüll stofflich verwertet werden. Vgl. Keßler 1992, S. 46. Allerdings bestehen erhebliche Zweifel, ob einerseits die Quote in dieser Höhe bis zum angepeilten Zeitpunkt überhaupt erfüllbar ist (vgl. Hess 1992, S. 11) und andererseits, ob eine pauschale Ablehnung der thermischen Entsorgung ökologisch sinnvoll erscheint (vgl. Siebenlist 1992, S. 2; vgl. Rieß, zitiert nach Hess 1991, S. 117)Google Scholar
  35. 607.
    „Sammlung und Reinigung von Plastikmüll sind oft so aufwendig, daß die Energiebilanz geradezu peinlich ausfällt. Auch das attraktiv erscheinende Hydrieren zu Rohöl verschlingt reichlich Energie und Umweltgüter.“ Oberholz 1994, S. 26Google Scholar
  36. 608.
    Vgl. Kapitel 5.1 weiter obenGoogle Scholar
  37. 609.
    Vgl. RSU 1990, Ziffer 1296Google Scholar
  38. 610.
    Kompostierungsversuche mit dem in den USA entwickelten „Enviroplastic“ zeigten, daß dieser Kunststoff bereits nach zwei Wochen völlig verschwunden und analytisch nicht mehr nachweisbar ist. Vgl. o.V. 1992, S. 10. Zum biologisch abbaubaren Thermoplast „Biopol“ vgl. Westlake 1987, S. 38–44; Vgl. Demmer 1991, S. 162–165.Google Scholar
  39. 611.
    Zu denken wäre hierbei beispielsweise an die Herstellung, den Transport und das Ausbringen von Düngern oder chemische Schädlingsbekämpfungsmitteln, die bei den notwendigen Monokulturen möglicherweise notwendig werden. Weiterhin muß der hohe Energieaufwand des Einsammelns und der Verarbeitung berücksichtigt werden, dem im Vergleich eine nur relativ geringe Materialmenge bzw. Energieausbeute gegenübersteht.Google Scholar
  40. 612.
    Zu einer Klärung des Begriffs „biologisch abbaubar“ vgl. Hansen 1992, S. 8–13.Google Scholar
  41. 613.
    Zu den Verpackungfunktionen vgl. Pfohl 1990, S. 143–145; vgl. Möhrlin 1981, S. 6–13Google Scholar
  42. 614.
    Vgl. hierzu Berg 1990, S. 23. Zu den noch vorhandenen technischen Problemen der genauen Steuerbarkeit des Zersetzungszeitpunkts vgl. Vennen 1991. Zur Substitution von GFK-Werkstoffen durch abbaubare Kunststoffe vgl. Heinrich 1994, S. 11Google Scholar
  43. 615.
    Zu einer Systematisierung von modernen Packstoffen vgl. Möhrlin 1981, S. 14–20Google Scholar
  44. 616.
    Vgl. Fußnote 585 auf Seite 167 der vorliegenden Arbeit. Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie über die Folgen eines Verbotes von Kunststoffverpackungen ergab, daß die Umweltbelastungen in diesem Fall stark zunehmen würden. „Die Masse an Verpackungsmüll würde sich fast verdreifachen, das Gewicht der Verpackungen sogar vervierfachen. Ein Verbot würde sich auch auf die Energiesituation auswirken — die Herstellung anderer Verpackungen ließe den Energieverbrauch um das Doppelte ansteigen.“ Lodge; Rayport 1992, S. 79. Vgl. insb. hierzu auch Mylenbusch 1989, S. 229Google Scholar
  45. 617.
    Prinzipiell entstehen beispielsweise bei der Verbrennung von reinem Polyethylen keinerlei toxisch wirkende Verbindungen, da es auschließlich aus Kohlen- und Wasserstoff besteht. Problematischer sind sicherlich die vielen Zusatzstoffe wie z.B. diverse Weichmacher zu beurteilen.Google Scholar
  46. 618.
    So muß es in der Tat als eines der „ökologischen“ Grundprobleme angesehen werden, die Kerngedanken einer entropisch-gesamthaften Sichtweise breiten Gesellschaftsschichten nahe bringen zu können.Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Mario Fischer

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