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Ökologisch verträgliches Wirtschaften stellt neue Anforderungen an ökonomisches Denken

  • Mario Fischer
Part of the Gabler Edition Wissenschaft book series (GEW)

Zusammenfassung

„...und die ihnen zusahen beim Sägen schüttelten die Köpfe und sägten kräftig weiter“. Dieses eingangs verwendete Zitat von Bert Brecht regt den Leser vielleicht zunächst zum Schmunzeln an. Wer es jedoch nochmals mit Bedacht nach dem Lesen der vorligenden Arbeit liest, dem kann dieses Schmunzeln schnell im Halse steckenbleiben. Denn diese sieben Zeilen könnten auf den Punkt genau die Situation beschreiben, in der sich die ökonomische Wissenschaft, vor allem aber auch Wirtschaft und Politik derzeit befinden. Die beiden bisherigen Antworten auf die drängenden Umweltprobleme, nämlich der Übergang auf die sogenannte Kreislaufwirtschaft und der zu mehr qualitativem Wachstum, sind mit der angestrebten Vision einer weniger umweltbelastenden Wirtschaftsweise nicht zielkonform.

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Literatur

  1. 1.
    So „...ist zuzugeben, daß die meisten Umweltschäden auf Begleiterscheinungen von Produktion und Konsum zurückzuführen sind.“ Seidel 1989, S. 75; ahnlich Müller-Wenk 1980, S. 7. Die Wirtschaftswissenschaft „...sieht sich zu Recht dem Vorwurf ausgesetzt, es seien vor allem ökonomische Aktivitäten, die verantwortlich sind für die zunehmende Verschmutzung und Zerstörung der natürlichen Umwelt, ohne daß sich dies -abgesehen von weitgehend isolierten Theorieelementen wie ‘Umwelt als öffentliches Gut’ oder ‘externe Effekte’- in der Theoriebildung rechtzeitig und hinreichend niedergeschlagen hätte.“ Klaus, J. 1992, S. 56; ähnlich Stephan 1991, S. 325. Dies darf aber nicht in Form einer Schuldzuweisung mißverstanden werden, etwa in dem Sinne, daß Unternehmen aus reiner Profitgier allein für die erzeugte Umweltverschmutzung verantwortlich wären. Wie später noch gezeigt wird, haben sie weder die Kompetenz, noch die Freiheit diesem Tun umfassend entgegenzuwirken.Google Scholar
  2. 2.
    Der König von Neapel erließ 1503 ein strenges Gesetz, das verbot, Abfälle auf die Straße oder in Wasserläufe zu werfen. Wer ergriffen wurde, wurde durch die Straßen gepeitscht oder auf eine Galeere geschickt. Vgl. hierzu Oberholz; Oberholz 1992, S. 45Google Scholar
  3. 3.
    Als Rückstände können einzelwirtschaftliche nicht angestrebte Kuppelprodukte bezeichnet werden. Vgl. Strebel 1978, S. 844.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. o.V. 1993a, S. 3.Google Scholar
  5. 5.
    Bei einem internationalen Symposium von Dermatologen wurde darauf hingewiesen, daß sich das Hautkrebsrisiko in den letzten 30 Jahren verachtfacht habe. Vgl. o.V. 1993b, S. 23. Für Australien, Süd-Argentinien und Südchile gilt deshalb bereits heute die Empfehlung, Kinder nicht länger als 15 Minuten pro Tag im Freien spielen zu lassen. Vgl. Alt 1994a, S. 115Google Scholar
  6. 6.
    Für umfassende Analysen und zur statistischen Aufbereitung dieses Wertewandels vgl. etwa Billig et al. 1987; Adlwarth; Wimmer 1986 und die von Türk angeführte Literatur, vgl. Türk 1990a, S. 2Google Scholar
  7. 7.
    Allerdings findet das Ökologiebewußtsein dort Grenzen, wo dafür höhere Preise bezahlt werden sollen oder gewohnter Nutzen eingeschränkt werden müßte. Gemäß einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes sind beispielsweise nur weniger als 20% der bundesdeutschen Bevölkerung bereit, das Autofahren einzuschränken und nur 12% wären bereit, beim Heizen zu sparen. Vgl. o.V. 1994e, S. 27.Google Scholar
  8. 8.
    Man denke nur an die Meldungen über Havarien von Öltankern, Pestiziden in Babynahrung, krebserregende Stoffe in Bügelsprays, Glykol in Weinen, Xylol in Holzschutzmitteln, PCP in Lederschuhen, Permethrin in Teppichschutzmitteln — die Liste ließe sich beliebig und tagesaktuell fortsetzen. Bedrückend an solchen Vorfällen ist, daß kurz nach Bekanntwerden eines Einzelfalls durch nachfolgende Untersuchungen und Recherchen von allen Seiten oftmals weitere, ähnlich gelagerte Fälle aufgedeckt werden. Dies läßt vermuten, daß anfangs jeweils nur immer „die Spitze des Eisbergs“ sichtbar ist und Wesentliches zumeist (lange) verborgen bleibt.Google Scholar
  9. 9.
    Für eine Zusammenstellung von „Öko“-Magazinen vgl. Vasata 1991, S. 81Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Hopfenbeck 1991, S. 859f. Auch die Anstrengungen von Unternehmen, Umweltbewußtsein bei Mitarbeitern zu fordern, sind um ein Vielfaches gestiegen. Die Bayer AG hat beispielsweise allein in den Jahren von 1988–1990 rund 18.000 Mitarbeiter obligatorisch durch 1.500 Umweltschutz-Seminare geschleust. Vgl. Hulpke 1991, S. 7Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Meadows et al. 1973Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. hierzu die „neuen Grenzen des Wachstums“, Meadows et al. 1992, insb. S. 9–15Google Scholar
  13. 13.
    Zum Überblick vgl. die weitgehend akzeptierte Analyse über den Stand der Umweltbeeinträchtigung im Brundtland-Bericht 1987.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. Weizsäcker 1992Google Scholar
  15. 15.
    Zu den vielfältigen Begriffinhalten des Recyclingbegriffs vgl. Meffert; Kirchgeorg 1993, S. 265f.; Horneber 1992, S. 7–13; Hopfenbeck 1991, S. 941–949; Türk 1990a, S. 79–84; Hopfenbeck 1990 S. 250–273; Kreikebaum 1988, S. 126; Kleinaltenkamp 1985, S. 49–52; Heeg 1984, S. 507; Görg 1981, S. 66–70; Berg 1979, S. 201–202Google Scholar
  16. 16.
    Club of Rome 1991, S. 117. Für einen Überblick zur Medeinverantwortlichkeit im Umweltschutz vgl. Vasata 1991, S. 73.96Google Scholar
  17. 17.
    Knizia 1992, S. 34f.Google Scholar
  18. 18.
    Zur umfassenden Darstellung von Umweltinteressen der Verbände und Organisationen in der Bundesrepublik vgl. Leonhard 1986Google Scholar
  19. 19.
    Ist ein Produkt in nur einer einzigen Eigenschaft umweltfreundlicher als das der Konkurrenz, wird es vom Marketing bereits als „ökologisch“ bezeichnet. Diese Beurteilungsweise wird auch bei der Vergabe des „blauen Umweltengels“ angewendet. Vgl. Westermann 1994, S. B7; Türk 1991, S. 8. Beachtenswert erscheint, daß auf viele Produkte, denen dieses „Umweltzeichen“ verliehen wurde, dieses nun wiederum mit zusätzlicher blauer Farbe aufgedruckt wird. Briefumschläge aus Recyclingpapier werden -vorher unbedruckt- nun in einem zusätzlichen Verfahrensschritt mit dem begehrten Symbol versehen. Diese Vorgehensweise erscheint aus werblichen Gründen verständlich, zeigt jedoch, daß über die hohe Komplexität der Wirkungsverflechtungen bei Umweltschutzzielen nicht tiefer nachgedacht wird. Die Kritik setzt hierbei wohlgemerkt nicht primär an dem „Mehrverbrauch an Farbe“ an, sondern an dem Bedarf an zusätzlichem Produktionsequipment i.w.S. und somit dem zwangsläufigen Entstehen zusätzlicher Umweltbelastung.Google Scholar
  20. 20.
    Dies ist auch Tenor der Ergebnisse einer Umfrage der Universität Augsburg bei rund 500 deutschen Unternehmen. Vgl. Schwarz 1994, S. 1Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. ebd. Google Scholar
  22. 22.
    Reaktives Handeln bedeutet nicht, zwangsläufig von bestimmten Sachverhalten überrascht zu werden, sondern nur, auf ein aktives Einwirken bzw. das Ausnutzen eines Gestaltungsspielraumes zu verzichten.Google Scholar
  23. 23.
    Friedl 1991, S. 2Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Müller 1994, S. 84Google Scholar
  25. 25.
    Unter Umweltverschmutzung wird im allgemeinen eine Störung des dynamischen Gleichgewichtes natürlicher Systeme durch anthropogen bedingte kritische Energieflüsse bzw. zu große Mengen natürlicher Stoffe oder auch unnatürlicher Substanzen verstanden. Vgl. hierzu Kümmel 1988, S. 133Google Scholar
  26. 26.
    Der Maßstab für Umweltpolitik ist dabei weniger die reale Gefährdung der Umwelt, sondern das Verhalten -und damit Wettbewerbsprofil- anderer Staaten. Dadurch kommt es zu ständigen interstaalichen Blockaden. Vgl. Müller 1994, S. 84f.Google Scholar
  27. 27.
    Alt spricht davon, daß wir damit „... einen Dritten Weltkrieg gegen die Natur führen“. Alt 1994a, S. 115, Alt 1994b. Wissenschaftler diskutieren bereits darüber, daß „Geo-Engineering“ möglicherweise billiger als die Reduzuierung von Emissionen oder Konsumverzicht kommt. Dies mündet in durchaus ernsthaft gemeinte Vorschläge wie den Mond zu vernichten (Abian, Iowa Sate University), um das Klima günstig zu beeinflussen oder mit Schiffskanonen pro Jahr 20 Millionen Tonnen Staub in die Stratosphäre zu schießen (Boecker). Man möchte einen Damm quer über die Meerenge von Gibraltar bauen, um die teuren Touristen-Hochburgen am Mittelmeer zu erhalten, die der sonst steigende Meeresspiegel gefährden würde. Seifritz von der ETH Zürich schlägt vor, CO2 mit Feldspat zu lösen und das entstehende Karbonat per Pipeline in die Tiefsee zu pumpen. Vgl. Oberlin 1994, S 106–111Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Graßl 1992, S. 3–8Google Scholar
  29. 29.
    Die Weltbevölkerung wächst „netto“ gegenwärtig alle vier bis fünf Tage um eine Million Menschen. Vgl. Club of Rome 1991, S. 25. Die Wachstumsrate ist zwar in neuerer Zeit rückläufig, jedoch nicht so stark, wie die Bevölkerung insgesamt zugenommen hat. Der bereinigte Netto-Bevölkerungszuwachs ist dadurch trotzdem höher als jemals zuvor. Vgl. Meadows et al. 1992, S. 46f. Zudem findet parallel eine immer stärkere Ungleichverteilung innerhalb bewohnbarer Regionen statt.Google Scholar
  30. 30.
    Vgl. Rifkin 1982, S. 114 und S. 134Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. Seifert 1987, S. 51. Vgl. in diesem Zusammenhang auch den „ökologischen Sicherheitsfaktor 10“ bei Schmidt-Bleek 1994, S. 103–105Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Schmidt-Bleek 1993, S. 60, der auf das täglich steigende Drängen der früheren COMECON-Länder und der dritten Welt auf schnelle Erfüllung ihrer Wünsche nach Wohlstand hinweist.Google Scholar
  33. 33.
    Verdoppelt sich beispielsweise das Haushaltseinkommen in China in den nächsten acht bis zehn Jahren, schätzt Schmidt-Bleek, daß etwa 10% der chinesischen Haushalte ein Auto besitzen werden. Dies wären rund 40 Millionen PKW. Zitiert nach Mock 1993, S. 2Google Scholar
  34. 34.
    Georgescu-Roegen macht durch die Vorstellung der Notwendigkeit einer Kooperation aller Nationen in diesem Zusammenhang auf eine weit schlimmere Krise aufmerksam: „Die Krise der Klugheit des Homo sapiens“. Georgescu-Roegen 1987, S. 22Google Scholar
  35. 35.
    Für eine allgemeine Erläuterung des Funktionswertes innerhalb der Wertanalyse vgl. Wellenreuther 1986, S. 162f.Google Scholar
  36. 36.
    Vgl. zum neu erscheinenden Umweltgutachten ’94 Wagner 1994, S. 30Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. hierzu einen der ersten umfangreicheren Beiträge zum Thema ökologische Unternehmensführung von Seidel, Menn 1988, besonders S. 29. Auch verbraucherseitig wurde das wachsende Umweltbewußtsein zuerst einer „...verschwindend kleinen sektiererischen ‘Ökoapostel’-Gemeinde zugeschrieben“. Weiß 1989, S. 208Google Scholar
  38. 38.
    Klaus merkt hierzu an: „Zu sehr hat sich die ökonomische Theorie...in den letzten Jahrzehnten auf das Bild einer Wirklichkeit konzentriert, in der Umwelt keine bzw. keine bedeutende Rolle spielte.“ Klaus, J. 1992, S. 57. „Im Gegensatz zur Klassik ...wurde in der modernen ökonomischen Theorie das Verständnis für ökonomische Abläufe nahezu ohne Bezug auf die Interaktionen zwischen der Umwelt und dem ökonomischen System entwickelt.“ Stephan 1991, S. 325Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. hierzu Zahrnt 1993, S. 7fGoogle Scholar
  40. 40.
    Raum für weitere Deponien wäre zwar prinzipiell vorhanden, aber diese Art der Raumnutzung scheitert zumeist am Widerstand der ansässigen Bevölkerung. So mußten beispielsweise für das Planfeststellungsverfahren einer Sonderabfall-Entsorgungsanlage in Kehl bei Freiburg eigens 40 Mitarbeiter dafür abgestellt werden, die rund 160.000 Einwendungen gegen diese Anlage zu bearbeiten. Vgl. o.V. 1993d, S. 7; RSU 1991, S. 159. Für eine kurze Übersicht über Planfeststellungsverfahren vgl. Bilitewski et al. 1990, S. 11f.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. Klaus, J. 1994, S. 13Google Scholar
  42. 42.
    Vgl. Loske 1994, o.S.Google Scholar
  43. 43.
    Hayek 1975, S. 20, (Hervorhebung im Original). Auch Dörners Experimente mit dem fiktiven Tanaland und der Stadt Lohhausen beschreiben die großen Schwierigkeiten des menschlichen und gerade auch des wissenschaftlich geschulten Verstandes, Probleme in komplexen Systemen zu lösen. Vgl. Dörner 1993, S. 22–46 und Vester 1993, S. 24–26. Dörner schreibt hierzu: „ Meines Erachtens ist die Frage offen, ob ‘gute Absichten + Dummheit’ oder ‘schlechte Absichten + Intelligenz’ mehr Unheil in die Welt gebracht haben. Denn Leute mit guten Absichten haben gewöhnlich nur geringe Hemmungen, die Realisierung ihrer Ziele in Angriff zu nehmen. Auf diese Weise wird Unvermögen, welches sonst verborgen bliebe, gefährlich, und am Ende steht dann der erstaunt-verzweifelte Ausruf: ‘Das haben wir nicht gewollt!’“ Dörner 1993, S. 16. Ähnlich auch Harpprecht: „Die schlimmsten Irrtümer, bemerkte Talleyrand, seien Kinder des guten Willens. Er hätte hinzufügen können: auch der Bequemlichkeit, der Feigheit, der servilen Nachgiebigkeit gegenüber der öffentlichen Meinung, der sogenannten.“ Harpprecht 1992, S. 144Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. hierzu die Einführung bei Vester 1990, vor allem S. 11, sowie Watzlawicks Schilderung der Folgen des Einsatzes von „immer mehr einer einmal gefundenen Lösung“ auf ein Problem, das sich durch Umweltveränderungen bereits einem „fit“ entzogen hat. Das unreflektierte Aufschalten alter Lösungen vergrößert das Problem im Gegenteil zumeist noch überpropotional. Watzlawick hat hierfür das berühmte Kunstwort der „Patendlösungen“ geprägt. Vgl. Watzlawick 1991.Google Scholar
  45. 45.
    Maier-Rigaud 1988, S. 126Google Scholar
  46. 46.
    So gibt es heute beispielsweise Mineralbrunnen, in denen noch Wasser aus der vorindustriellen Zeit vorhanden ist, weil die Bodenbeschaffenheit dort enorm lange Sickerzeiten verursacht. Die über Jahrzehnte eingebrachten Kunstdünger, Herbizide und Fungizide machen also wiederum erst nach Jahrzehnten durch zunehmende Wasserverunreinigungen auf sich aufmerksam. Vgl. Huber 1991, S. 32f.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. hierzu auch umfassend Thompsons „Theorie des Abfalls“, der unter Abfall vereinfacht ausgedrückt „Materie am falschen Ort“ versteht. Vgl. Thompson 1979, 1981. Ganz allgemein kann Abfall als schädlicher Rückstand bezeichnet werden, der durch einzelwirtschaftlich nicht angestrebte Kuppelproduktion erzeugt wird. Vgl. Strebel 1978, S. 844f. Laut der verabschiedeten Fassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vom 15. April diesem Jahres soll künftig unter dem Oberbegriff „Rückstand“ sowohl wiederverwertbare „Sekundärrohstoffe“ als auch „Abfall“ subsumiert werden. Vgl. Schaake 1994c, S. 2. Zur Legaldefinition des Abfallsbegrififs vgl. Sander 1991, S. 92–93 und zu den rechtlichen Grundlagen der Abfallwirtschaft, vor allem den vielfältigen Abfallbegriffsinhalten vgl. RSU 1991, S. 39–72Google Scholar
  48. 48.
    Vgl. hierzu das Varietätsgesetz von Ashby, das besagt, daß ein Lenkungsproblem nur insoweit gelöst werden kann, als die Varietätsbilanzen der fraglichen Systeme ausgeglichen sind. Dies bedeutet, daß ein komplexes System nur dann völlig unter Kontrolle gebracht werden kann, wenn das Modell als sinnvoller Bezugspunkt fur Lenkungsmaßnahmen ebensoviel Komplexität aufweist. Vgl. Malik 1992, S. 102. Das Handeln einzelner Entscheidungsträger kann sehr wohl rational erscheinen, aber durch die Vernachlässigung der Wirkungskomplexität auf die betroffenen Umweltbereiche kann ein destruktives Ergebnis die Folge sein, was die Handlung gesamthaft als irrational erscheinen läßt. Vgl. Kapp 1987, S. 40f.Google Scholar
  49. 49.
    In diesem Sinne auch Seidel; Strebel 1991, S. 2. Hassenstein, einer der Begründer der kybernetischen Biologie, weist auf die Notwendigkeit von möglichst vielen „gedanklichen Querverbindungen“ hin, um Lücken und Widersprüche innerhalb bestehenden Wissens und Erfahrungsgutes identifizieren zu können. Vgl. Hassenstein 1988, S. 53; vgl. hierzu auch Binswanger 1992, S. 12Google Scholar
  50. 50.
    Vgl. Wagner 1991. S. 487, der hierfür neben mangelnden Kooperationsmöglichkeiten nicht zuletzt die „...geradezu beschämend geringen Budgets der Ökonomen“ (ebd., S. 488) verantwortlich macht. Ein aufwendiges Gutachten des Wissenschaftsrates bescheinigt der deutschen Umweltforschung Ineffektivität und nur bescheidene Erfolge. Es wird bemängelt, daß an den großen Universitäten niemand einen Überblick hätte, welche Institute was forschen und das „...Gerangel um Drittmittel... die vielfach beschworene interdisziplinäre Zusammenarbeit...“ (Schaake 1994b, S. 8) weitgehend verhindert. Es wird explizit darauf hingewiesen, daß technische Lösungen wie die der Bodensanierung und der Abfallentsorgung für Umweltschutz nicht ausreichen. „Ziel der wissenschaftlichen Arbeit ... müsse es vielmehr sein, Umweltschäden von vorneherein zu vermeiden. Hier sind nicht nur Physiker oder Biologen gefragt, die eifrig Meßdaten erheben und auswerten. Damit den ökologischen Erkenntnissen wirklich Taten folgen, bedarf es auch der Wirtschaftsexperten, Soziologen und Psychologen.“ ebd. Google Scholar
  51. 51.
    Zu den Grundcharakteristiken von Informationsgewinnungsprozessen vgl. ausführlich Pfeiffer 1971, S. 52–58 und Staudt 1974, S. 79–99Google Scholar
  52. 52.
    Einstein; Infeld 1958, S. 105; zum logischen Zusammenspiel von Frage und Antwort vgl. Gadamer 1986, S. 375–384. Pfeiffer weist in ähnlicher Weise darauf hin, daß „...nicht das Auffinden theoriekonformer, sondern das Auffinden theoriekonträrer Fälle von Bedeutung“ ist. Pfeiffer 1971, S. 47Google Scholar
  53. 53.
    Anderer Meinung sind z.B. Seidel; Menn, die betonen, daß die ökologisch orientierte und verpflichtete Betriebswirtschaft keinerlei Anspruch auf Paradigmenwechsel erheben und die Herausbildung neuer Forschungsschwerpunkte sowie ihre disziplinäre Einordnung getrost der Evolution des Faches überlassen sollte. Vgl. Seidel; Menn 1988, S. 110f. Luhmann legt dar, daß eine Gesellschaft unter den gegebenen Bedingungen (bisheriges Paradigma) nur sehr beschränkt auf ökologische Gefährdungen reagieren kann; vgl. Luhmann 1990, v.a. S. 165f. Maier-Rigaud weist unter Rückgriff auf Luhmann ’s „Abwehrsemantik“ explizit darauf hin, daß diese letztendlich (auch) zur Paradigmenüberwindung fuhren kann und muß, sollen langfristig ökologische Ziele ereicht werden. Vgl. Maier-Rigaud 1988, S. 133Google Scholar
  54. 54.
    Nach Kuhn sind für ein Paradigma konstituierend (1) ontologische Annahmen über das Wesen eines betrachteten empirischen Phänomens, (2) epistemologische Annahmen über das Wissen über dieses Phänomen und (3) Annahmen über zweckmäßige Forschungsmethoden. Vgl. hierzu ausführlich Kuhn 1989Google Scholar
  55. 55.
    So weist Luhmann insbesondere darauf hin, daß man „... in der allgemeinen Systemtheorie und in damit zusammenhängenden interdisziplinären Bemühungen tiefgreifende Veränderungen, vielleicht sogar wissenschaftliche Revolutionen’ im Sinne von Kuhn“ finden kann. Vgl. Luhmann 1988, S. 15Google Scholar
  56. 56.
    In ähnlicher Weise Jänicke 1994, S. 17Google Scholar
  57. 57.
    Vgl. Senn 1986, S. 21Google Scholar
  58. 58.
    Vgl. hierzu auch die Bemerkungen von Senn zur Transparenz vorwissenschaftlicher Überlegungen, Senn 1986, S. 7–10Google Scholar
  59. 59.
    Vgl. Gygi 1982, S. 16; Kubicek 1977. Im Gegensatz zu streng analytischen Verfahren, die (mit meist hohem Aufwand) zur besten Lösung fuhren, wird unter einer Heuristik ein Verfahren verstanden, das im wesentlichen den Suchprozeß abkürzt und mit dem statt dessen mit einiger Wahrscheinlichkeit eine gute Lösung generiert werden kann. Vgl. Ulrich; Hill 1976, S. 306Google Scholar
  60. 60.
    Vgl. Klaus, P.; Fischer 1994, S. 155Google Scholar
  61. 61.
    In diesem Zukunftswillen ist der Erhalt der Natur explizit mitenthalten. Vgl. Jonas 1984, S. 245–248; vgl. auch Wicke 1994, S. 69f. Klaus weist unter Rückgriff auf die ökologische Lücke darauf hin, daß der Einbezug einer Verantwortung für spätere Generationen „...zu weiterer, möglicherweise drastischen Reduktion der für die Allokation zulässigen Betrachtung bzw. wirtschaftlichen Aktivität“ und damit zur potentiellen Systemverschlechterung fuhren kann. Klaus, J. 1987, S. 265Google Scholar
  62. 62.
    Jonas 1984, S. 36Google Scholar
  63. 63.
    Vgl. Riedl 1983, S. 46f.Google Scholar
  64. 64.
    Diese Basisannahme ist allerding nicht unumstritten, vgl. z.B. eine gegenteilige Meinung bei Schultes-Bannert 1982, S. 95. Vgl. auch die Ausführungen von Senn 1986, S. 10Google Scholar
  65. 65.
    Vgl. Schneider 1984, S. 27. Zum Problem der Prüfung von Theorien vgl. allgemein Popper 1981, 7f. und Albert 1964, S. 53f.Google Scholar
  66. 66.
    Vgl. die systemorientierte Betriebswirtschaftslehre von Ulrich 1968, der als wichtigster Vertreter dieses Wissenschaftszweiges in der deutschsprachigen Literatur angesehen werden darf. Vgl. Wöhe 1974, Sp. 726f; Fuchs 1973; Senn 1986, S. 19Google Scholar
  67. 67.
    Ulrich 1970, S. 105Google Scholar
  68. 68.
    Aus streng physikalischer Perspektive hat jedes System mit realen Elementen „Außenwirkung“.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. Hopfenbeck 1990, S. 57; Vester 1989, S. 105; Kieser; Kubicek 1978, S. 79Google Scholar
  70. 70.
    Vgl. Senn 1986, S. 36; zur Komplexität vgl. Luhmann 1975, S. 211; für Maßzahlen der Komplexität vgl. Kulla 1979, S. 37. Zur Zweck- und Zielgerichtetheit vgl. Luhmann 1975, S. 75f.; Ulrich 1968, S. 114f. Zu Ordnung und Dynamik vgl. Ulrich 1968, S. 109–114. Zur evolutorischen Systemerhaltung vgl. Malik 1992; Malik; Probst 1981; Gomez 1978; Jantsch 1976, S. 21; Kappler 1972, S. 44Google Scholar
  71. 71.
    Vgl. Bleicher 1979, S. 8; Dögl 1986, S. 20; Grochla 1980, Sp. 1806f; Fuchs 1973, Sp. 1623; Bertalanffy 1949, S. 121f.Google Scholar
  72. 72.
    Vgl Ulrich; Probst 1988, S. 19; Ulrich; Krieg 1974, S. 12; Ulrich 1968, S. 227–229. Eine solche differenzierte Betrachtung von Systemen und der Systemumwelt findet sich schon frühzeitig bei Lohmann 1936, S. 17. und Schäfer 1940, S. 1–3Google Scholar
  73. 73.
    Auch natürliche Systeme reagieren evolutorisch auf veränderte Umfeldbedingungen, die durch Einwirken ökonomischer Systeme bewirkt werden. Diese Art der Anpassung wird in der Biologie als „Industriemelanismus“ bezeichnet.Google Scholar
  74. 74.
    Vgl. Senn 1986, S. 51Google Scholar
  75. 75.
    Vgl. z.B. Binswanger 1992; Schütze 1989; Georgescu-Roegen 1987; Faber et al. 1983a; Faber et al. 1983b; Rifkin 1982; Georgescu-Roegen 1971Google Scholar
  76. 76.
    Nach Faber et al. kann Entsorung verstanden werden, als „...vollständige oder teilweise Überführung von Stoffen, die die Umwelt belasten oder schädigen in einer Form, so daß die entstehenden Reststoffe entweder in der Produktion wiederverwendet, deponiert oder ohne Schaden in die Umwelt eingeleitet werden können. Faber et al. 1983a, S. 97Google Scholar
  77. 77.
    Kurzfristiger Aktionismus führt zu solchen „Scheinlösungen“. Stephan bemerkt hierzu: „Kurzfristiger Aktionismus ist in meinen Augen aber auch ein Ausdruck der Hilflosigkeit, die sich angesichts drängender Umweltprobleme nicht zuletzt im Bereich der Wissenschaften eingestellt hat. Dabei wirken der Mangel an Übereinstimmung und die oft kontoversen Diskussionen bestürzend auf Außenstehende.“ Stephan 1991, S. 324Google Scholar
  78. 78.
    Vgl. Ulrich 1981, S. 14Google Scholar
  79. 79.
    Nach dem Ozon-Großversuch im Juni 1994 in Heilbronn/Neckarsulm zeigte sich erneut, auf welche erschreckende Weise solche eindimensionalen Argumente ins Feld geführt werden. Durch das Absinken von Ozonwerten in einem untersuchungstechnisch isolierten, aber nicht isolierbaren Gebiet („Schlamperei in der Methodik macht...die Ergenisse wertlos“ o.V. 1994n, S. T1) sehen sich Politiker aller Richtungen veranlaßt, laut nach einer Stillegung aller Autos ohne Katalysator zu rufen. Ein Bundestagabgeordeter fordert gar eine Verschrottungsprämie für Autos ohne Katalysator. Vgl. Siering; Reiermann 1994, S. 38. Eine Gegenrechnung oder wenigstens nur eine Erwähnung der Umweltschäden der Entsorgung von bundesweit mehr als 15 Millionen Autos ohne Katalysator sowie die der Produktion der entsprechenden Anzahl zusätzlicher Neuwägen ist bisher unterblieben. An dieser Stelle soll keinesfalls eine Wertung zwischen beiden Alternativen vorgenommen werden. Das Beispiel soll vielmehr die Sorglosigkeit verdeutlichen, mit der größtenteils im Umweltbereich argumentiert wird und daraufhin Entscheidungen getroffen werden.Google Scholar
  80. 80.
    Umwelt muß zwangläufig immer komplexer sein, als das System selbst. Vgl. Luhmann 1986, S. 33Google Scholar
  81. 81.
    Eine aktuelle infas-Studie stellt fest, daß Glas bei Verbrauchern der beliebteste Packstoff ist, der am wenigsten gewünschte Kunststoffschaum. Wenn möglich, werde dabei statt zu Einweg- zu Mehrwegverpackungen gegriffen. Vgl. o.V. 1994s, S. 74. Zu den Zweifeln über eine generelle Befürwortung von Mehrwegsystemen vgl. Helmüller 1993a, S. 28; Trümper-Bödemann 1993, S. 10; o.V. 1993e, S. 5; Eusemann 1992, S. 10–18; Rubner 1992, S. 45; o.V. 1991b, S. 13; o.V. 1991c, S. 33Google Scholar
  82. 82.
    Folgt man Rorty, so sollte der Begriff der Objektivität besser durch „aufrichtige Intersubjektivität“ ersetzt werden. Zitiert nach Früchtel 1994, S. N5Google Scholar
  83. 83.
    Vgl. Faber et al. 1983b, S. 3Google Scholar
  84. 84.
    In Anlehnung an die japanische Philosophie der „Ursachenverfolgungsmethode“ geht es hierbei zunächst um ein Vordringen zu tieferen Problemursachen, also um die Beantwortung der Frage „Warum tritt das Problem als solches auf?“ und dann erst um das „Wie kann es gelöst werden?“.Google Scholar
  85. 85.
    „Hier sieht sich die Ökonomie in der Situation, nur sehr unvollständige Informationen zur Verfügung zu haben, um die Wechselwirkungen zwischen den wirtschaftlichen Aktivitäten und der Umwelt genauer beurteilen zu können. Dies ist jedoch Voraussetzung für rationelle Entscheidungen in der Umweltpolitik, die in den letzten Jahren immer dringlicher geworden ist.“ Klaus, J. 1992, S. 56Google Scholar
  86. 86.
    Unter natürlichen Systemen werden im Gegensatz zu künstlichen solche verstanden, die ohne den gestaltenden Eingriff des Menschen entstanden sind. Vgl. Ropohl 1975, S. 32Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Mario Fischer

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