Advertisement

Standorttheoretische Hintergründe der EG-Integration

  • Gerhard Fisch
Chapter
  • 65 Downloads
Part of the Gabler Edition Wissenschaft book series (GEW)

Zusammenfassung

Im Gegensatz zur Außenhandels- und Wachstumstheorie gehen wir davon aus, daß sich Ökonomische Prozesse prinzipiell im Raum abspielen, und daß diese Tatsache bei den regionalen Dimensionen des Binnenmarktes eine entscheidende Rolle spielt. Mit den neuen Ansätzen in der Außenhandels- und der Wachstumstheorie sind deutliche Fortschritte zur Einbeziehung der räumlichen Effekte des Binnenmarktes gemacht worden. Gerade die Berücksichtigung endogener Determinanten sowie die Betonung der Skaleneffekte erscheinen vielversprechende Wege, mit denen die räumlichen Implikationen des ungehinderten Gütertauschs eher erfaßt werden können, als mit den rigiden und primär an modelltheoretischer Geschlossenheit orientierten neoklassischen Ansätzen. Untersuchungen zur expliziten Erforschung der raumwirtschaftlichen Konsequenzen sind jedoch weiterhin rar und allein mit Hilfe des außenhandels- und wachstumstheoretischen Instrumentariums wohl auch nicht zu bewerkstelligen. Demnach ist auch die Integrationstheorie, die nach wie vor von Punktmärkten und dimensionslosem Handel ausgeht und dabei vernachlässigt, daß ökonomische Prozesse durch raumwirtschaftliche Aspekte geprägt sind, um die räumliche Komponente zu erweitern. Für die EG gilt dies umso mehr, als mit dem Binnenmarkt die Bedingungen für die Faktormobilität wesentlich verbessert worden sind und mithin den staatsräumlichen Grenzen bei Standortentscheidungen eine immer geringere Bedeutung zukommt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Auf diesen Aspekt hat Predöhl schon frühzeitig in seiner Unterscheidung von Staatsraum und Wirtschaftsraum aufmerksam gemacht. Vgl A. Predöhl, (1971), S. 18.Google Scholar
  2. 2.
    Einen guten Überblick über grundlegende standorttheoretische Arbeiten bietet L. Schätzte, (1988), S. 35 ff.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. A. Weber, (1911), S. 675.Google Scholar
  4. 4.
    Nach Tesch resultiert die Überbetonung des Transportaufwandes aus der Orientierung Webers an der Schwerindustrie. Vgl. P. Tesch, (1980), S. 340.Google Scholar
  5. 5.
    Die Heterogenität zeigt sich somit auch in den Unterschieden in der geographischen Lage der einzelnen Länder.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. St. Sinn, (1989), S. 4.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. P. Tesch, (1980), S. 338.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. P. Tesch, (1980), S. 331; Nach von Böventer zählen zu den raumdifferenzierenden Faktoren — die bei länderspezifischer Ausstattung außenhandelsrelevant sind — vor allem die externen und internen Effekte der Produktion, Transportkosten, räumlich differierende Arbeits- und Kapitalkosten sowie die Ausstattung mit Infrastruktur. Daneben wirken sich eine Vielzahl weiterer historischer, klimatischer, politischer und religiöser Einflußgrößen aus. Vgl. E. von Böventer, (1981), S. 429.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. hierzu auch M. Heine, A. Schikora, (1992).Google Scholar
  10. 10.
    Zur Entstehung und Bedeutung von “clusters” siehe M. Porter, (1991).Google Scholar
  11. 11.
    Ein gutes Beispiel hierßr bietet silicon valley in den USA.Google Scholar
  12. 12.
    In diese Richtung gehen die Arbeiten von W. Isard, (1956), und von E. von Böventer, (1962).Google Scholar
  13. 13.
    P. Krugman, (1991), S. 14.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. P. Krugman, (1991), S. 29.Google Scholar
  15. 15.
    Bei einem stufenweisen Abbau der Handelshemmnisse bildet sich nach Krugman eine U-förmige Kurve für die Standortwahl bestimmter Industrien. Vgl. P. Krugman, A. J. Venables, (1990), S. 70.Google Scholar
  16. 16.
    A.Predöhl, (1971).Google Scholar
  17. 17.
    In der Predöhlschen Interpretation hat sich die räumliche Ordnung von der unizentrischen Weltwirtschaft des 19. Jahrhunderts mit England als Zentrum bis hin zur multizentrischen Ordnung mit der Einbeziehung von Japan und der UDSSR als neue Zentren entwickelt.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. A. Predöhl, (1971), S. 18 und S. 32 ff.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. A. Predöhl, (1971), S. 73 ff.Google Scholar
  20. 20.
    Das Konzept der Fühlungsvorteile von Agglomerationen von A. Weber berücksichtigt die raumbildenden Vorteile räumlicher Nähe bzw. geringerer ökonomischer und sozialer Entfernungen. Vgl. A. Weber, (1909); Vgl. hierzu auch E. von Böventer, (1981), S. 422 ff.Google Scholar
  21. 21.
    A. Predöhl, (1971), S. 123; nach Predöhl sind die nationalstaatlichen Aktivitäten jedoch nicht so zu interpretieren, daß die Politik in einen intakten Mechanismus eingebrochen ist, sondern der Eingriff eine Reaktion auf den Zusammenbruch der Marktmechanismen ist. S. 121.Google Scholar
  22. 22.
    A. Jacquemin, A. Sapir, (1991), S. 168.Google Scholar
  23. 23.
    Außerdem ist nicht klar, ob nicht auch kulturelle Unterschiede positiv auf Handelsbeziehungen einwirken können. Auch ist zu beachten, daß sich die institutionelle Integrationspolitik nicht allein an den geopolitisch bedingten nachbarschaftlichen Handelsbeziehungen orientiert, sondern oftmals politische Faktoren eine wichtige Integrationsmotivation spielen, was sich ja besonders im Falle Griechenlands zeigt.Google Scholar
  24. 24.
    In der allgemeinen Formulierung ist die Raumordnungspolitik die Summe aller Bestrebungen, die die Stimulierung und Lenkung von Entwicklungen in der räumlichen Verteilung ökonomischer Aktivitäten verfolgen.Google Scholar

Copyright information

© Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH, Wiesbaden 1994

Authors and Affiliations

  • Gerhard Fisch

There are no affiliations available

Personalised recommendations