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Einleitung

  • Raphael Beer
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Zusammenfassung

Als der Schriftsteller Thomas Mann im Jahre 1930 in seiner „Deutschen Ansprache“ vor dem aufkommenden Faschismus warnte, untertitelte er seine Rede als „Appell an die Vernunft.“1 Seine Warnung wurde überhört, und wer heute noch von Vernunft oder Rationalität spricht, macht sich zunehmend des Anachronismus verdächtig. Die historische Entwicklung seit der Französischen Revolution, die als Beginn der Wirkungsgeschichte der Aufklärung gelten kann, läßt Zweifel aufkommen an der Idee einer mit sich selbst versöhnten Gesellschaft, die immer wieder zur Legitimation für Barbarei mutierte. Die Geisteswissenschaften, die einst die Vernunft ausweisen wollten, haben seitdem den Niedergang der Aufklärung im Zuge der degenerierten Ausartungen von der Schreckensherrschaft Robbespierres über die sowjetischen Schauprozesse bis hin zu Auschwitz reflektiert.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. Thomas Mann: Ein Appell an die Vernunft. Essays 1926–1933, Frankfurt 1994, S. 259.Google Scholar
  2. 2.
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    Zur marxschen Kritik an der idealistischen Fassung der Philosophie Hegels vgl.: Karl Marx: Nachwort zur zweiten Auflage des Kapitals, in: Karl Marx/ Friedrich Engels: Werke (MEW) Bd.23, Berlin 1988 (a), 17. Aufl., S. 27 ff., vgl. auch: ders.: Ökonomisch-philosophische Manuskripte, in: MEW Bd. 40, Berlin 1990 (a), 2. Aufl., S. 568 ff.Google Scholar
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    Vgl. etwa Karl Marx: Das Kapital Bd.1, in: MEW Bd.23, Berlin 1988 (b), 17. Aufl., S. 765: „Im Fortgang der kapitalistischen Produktion entwickelt sich eine Arbeiterklasse, die aus Erziehung, Tradition, Gewohnheit die Anforderungen jener Produktionsweise als selbstverständliche Naturgesetze anerkennt.“ Vor diesem Hintergrund bleibt es fraglich, wie die Arbeiterklasse die Einsicht in die Notwendigkeit einer revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft gewinnen kann, zumal auch die vom frühen Marx anvisierte Verelendung, als Handlungsdruck auf die Arbeiter, keine entsprechende Radikalisierung mit sich gebracht hat. Das herausragende Beispiel für diese Fehleinschätzung ist sicherlich der deutsche Faschismus, der ebenfalls vorgab, die soziale Notlage zu kompensieren.Google Scholar
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    Vgl. Adorno: „Philosophie, wie sie sich nach allem allein zu verantworten wäre, dürfte nicht länger des Absoluten sich mächtig dünken, ja müßte den Gedanken daran sich verbieten, um ibn nicht zu verraten, und doch vom emphatischen Begriff der Wahrheit nichts sich abmarkten lassen. Dieser Widerspruch ist ihr Element.“ (Theodor W. Adorno: Wozu noch Philosophie?, in: ders.: Gesammelte Schriften Bd. 10.2, Frankfurt 1977 (a), 1. Aufl., S. 461); Vgl. auch Martin Jay: Positive und negative Totalität, in: Wolfgang Bonß/ Axel Honneth (Hrsg.): Sozialforschung als Kritik. Zum sozialwissenschaftlichen Potential der Kritischen Theorie, Frankfurt 1982, 1. Aufl., S. 67 ff.Google Scholar
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    Ebd.; Das Prinzip der Vermittlung erinnert dabei an Benjamins Sprachphilosophie. Vgl. etwa Walter Benjamin: Über Sprache überhaupt und über die Sprache des Menschen, in: ders.: Gesammelte Schriften Bd.3.1, Frankfurt 1991, 1. Aufl.Google Scholar

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1999

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  • Raphael Beer

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