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Zur typenbildenden Entrepreneurship-Forschung — Ideal- und realtypische Integration von Forschungsströmungen

  • Michael J. Fallgatter
Chapter
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Part of the Neue Betriebswirtschaftliche Forschung book series (NBF, volume 299)

Zusammenfassung

Weite Teile der Wirtschaftswissenschaften umfassen Problemstellungen, die multidimensionale Zusammenhänge betreffen und als multipel bedingt charakterisierbar sind. Uni- oder bivariate Beschreibungen und Erklärungen würden folglich derartige Problemstellungen auf unzulässige Weise reduzieren.84 Im Anschluss an die voranstehenden Ausführungen (s. Teil 2 u. 3) lässt sich die Entstehung und Entwicklung junger Unternehmungen leicht als ein eben solches multidimensionales und multipel bedingtes Problemfeld charakterisieren. Vor diesem Hintergrund bestehen bei einer Fokussierung auf jeweils nur eine Untersuchungsdimension und bei Vernachlässigung von Abhängigkeiten geradezu zwangsläufig nur reduzierte Möglichkeiten einer gehaltvollen Theoriebildung. Dies allein rechtfertigt Überlegungen, die dimensionsübergreifend angelegt sind und die Bildung von Typen in den Mittelpunkt rücken.

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Referenzen

  1. 84.
    S. Ketchen/Thomas/Snow 1993, S. 1278; Ketchen/Shook 1996, S. 441; Wolf 2000, S. 1; auch die zunehmende Bedeutung multivariater Analysemethoden in den unterschiedlichsten Teilbereichen betriebswirtschaftlicher Forschung kann als Hinweis darauf verstanden werden. Erkenntnisfortschritte durch typenbildende Forschung lässt sich auch im Sinne von K. Popper begründen, was die noch folgenden wissenschaftstheoretischen Ausführungen zeigen werden (s. Teil 4, D.I.).Google Scholar
  2. 85.
    Tiryakian (1968, S. 178) weist Typen demgegenüber nur eine zweigeteilte Funktion zu: Kodifikation und Vorhersage. „A typology goes beyond sheer description by simplifying the ordering of the elements of a population, and the known relevant traits of that population, into distinct groupings; in this capacity a typological classification creates order out of the potential chaos of discrete, discontinous, or heterogenous observations. But in so codifying phenomena, it also permits the observer to seek and predict relationships between phenomena that do not seem to be connected in any obvious way. This is because a good typology is not a collection of undifferentiated entities but is composed of a cluster of traits which do in reality ‚hang together‘ “. Weitere Ausführungen zu den Funktionen von Typen finden sich bei Wolf (2000, S. 31–32).Google Scholar
  3. 86.
    Auch bei einer ganzen Reihe realtypischer Studien lässt sich trotz deren konfigurationstheoretischer Begründung zeigen, dass der Zeitraumbezug als wesentliches Merkmal nicht berücksichtigt oder empirisch nicht umgesetzt wurde bzw. werden konnte.Google Scholar
  4. 87.
    Die Ausführungen von v. a von Tiryakian (1968) oder Mugler (1998, S. 107) verdeutlichen dies und zeigen frühe Vorläufer auf. Letzterer führt dazu verschiedene „ganzheitliche Konzeptionen“ wie die Wiener Schule der Betriebswirtschaftslehre an.Google Scholar
  5. 88.
    Als alternative Begriffe für „Konfiguration“ finden sich auch „Archetyp“ und „Gestalt“. Zum Fassettenreichtum des Begriffs der „Gestalt“ s. v. a. Wolf (2000, S. 22–26), der insgesamt 15 Merkmale unterscheidet.Google Scholar
  6. 89.
    Dies wird an den einflussreichen Arbeiten vor allem von Mintzberg (1979), Miller (1987), Miller/Friesen (1980; 1984) aber auch bereits jener von Miles/Snow (1978) deutlich, die den Boden für eine grundlegende Auseinandersetzung mit der „Configurational Theory“ bspw. in einem Schwerpunktheft des Academy of Management Journal im Jahre 1993 bereiteten. Konfigurationstheoretische Studien wurden vor allem im Bereich des Strategischen Managements durchgeführt, was mit der Vielfalt der für diesen Bereich als relevant eingestufter Variablen leicht erklärbar ist.Google Scholar
  7. 90.
    Miller (1987) knüpft die Existenz von Konfigurationen an sog. Imperativen an, dazu zählten Umwelt, Struktur, Führung, Strategie, die jeweils nur wenige zueinander passende Ausprägungen annehmen könnten.Google Scholar
  8. 91.
    Hinings/Greenwood (1988, S. 12–22) unterscheiden als wesentliche Bestandteile einer Konfiguration ein Regel- und Handlungssystem einerseits und ein Interpretationsschema der Unternehmung andererseits, die in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Die Kohärenz oder Orientierung einer Konfiguration wird auf die der Konfigurationsgestaltung zugrunde liegenden Werte und Einstellungen, die sich im Interpretationsschema widerspiegeln, zurückgeführt. Das Interpretationsschema setze dabei den Rahmen für die Unternehmungsziele, die Organisationsprinzipien und die Leistungskriterien (Hinings/Greenwood S. 18–28).Google Scholar
  9. 92.
    Doty/Glick/Huber (1993, S. 1196) formulieren dazu: „At the organizational level of analysis, configurational theories typically posit higher effectiveness for organizations that resemble one of the ideal types defined in the theory. The increased effectiveness is attributed to the internal consistency, or fit, among the patterns of relevant contextual, structural, and strategic factors“.Google Scholar
  10. 93.
    Zur Kritik s. v. a. Schreyögg 1995, S. 160–163; Pfeffer 1985, S. 406–410; Türk 1989, S. 1–10; Kieser 1999a, S. 193–191.Google Scholar
  11. 94.
    Ein anderer vielbeachteter Versuch, den engen kontingenztheoretischen Entsprechungsverhältnissen von Organisationsstruktur und Umwelteigenschaften aufzubrechen, stellt das auf Child (1972) zurückgehende Konzept der strategischen Wahl dar. Es betont die Spielräume, die sich für die Organisation bzw. deren maßgebliche Entschidungsträger bei der Strukturgestaltung dadurch ergeben, dass die Effizienzwirkungen von Organisationsstrukturen aufgrund unterschiedlicher Umweltdependenzgrade nicht eindeutig bestimmt werden können und dass über die strategische Ausrichtung Einwirkungsmöglichkeiten auf die Umwelt resultieren. Im Ansatz der strategischen Wahl wird für den Einbezug der politischen Entscheidungsprozesse plädiert, die zwischen den Umweltverhältnissen und der Ausgestaltung stehen. Ist die strategische Wahl aber abgeschlossen, so kommt immer wieder der kontingenztheoretische Umweltdeterminismus zum Tragen.Google Scholar
  12. 95.
    Im deutschsprachigen Raum finden sich neben dem von Krüger (1994, S. 18) verwendeten Begriff der „Adäquanz“ auch „Harmonisation und „Stimmigkeit“ (s. Bleicher/Meyer 1976, S. 16); zu weiteren Ausführungen s. Scholz (1992, S. Sp. 543–544) oder Henselek 1996, S. 42–45). Kritik äußern v. a. Welge/Fessmann (1980, Sp. 587) sowie Scholz (1992, Sp. 544); sie sehen die Gefahr einer Tautologie und weisen darauf hin, dass auch nicht-stimmige Strukturmuster erfolgreich sein können.Google Scholar
  13. 96.
    Viele der frühen kontingenztheoretischen Studien lassen sich hier einordnen, denn sie untersuchten den Bezug von Kontingenzen wie Umwelt, Technologie oder Größe zu strukturellen Größen wie Formalisierung, Zentralisierung oder Komplexität, ohne dabei auf Erfolg abzustellen (s. Drazin/Van de Ven 1985, S. 515 mit der Benennung einer Vielzahl von Studien). In der jüngeren Vergangenheit sind es v. a. populationsökologische Studien, denen eine derartige Prämisse zugrunde liegt.Google Scholar
  14. 97.
    S. auch die ausführlichen Darstellungen bei z. Knyphausen-Aufseß (1996, S. 208–210) sowie Wolf (2000, S. 46–53).Google Scholar
  15. 98.
    Miller/Mintzberg (1983, S. 63) akzentuieren die Tragfähigkeit einer solchen breiten Sichtweise: „Causation is viewed in the broadest possible terms. The search is not simply for unidirectional causation between pairs of variables, nor even necessarily for multiple forms of causation. The approach of synthesis is really the search for networks of causation. Each configuration has to be considered as a system in which each attribute can influence all of the others by being an indispensible part of an integrated whole. There are no purely dependent or independent variables in a system; over time, everything can depend everything else.“ S. auch z. Knyphausen-Aufseß 1996, S. 210.Google Scholar
  16. 99.
    S. hierzu v. a. die grundlegende Arbeit von Ashby (1956) mit dem viel zitierten „law of requisite variety“, das auch für organisatorische Fragen Beachtung fand, sowie Buckley (1968).Google Scholar
  17. 100.
    Zu Wachstumsmodellen s. die Ausführungen bei Greiner (1972), Mintzberg (1979, S. 241–248) oder bereits Chandler (1962), während bspw. schon James (1973), Kimberly/Miles (1980), Quinn/Cameron (1983), Miller/Friesen (1983, 1984a), Mintzberg (1984) oder Gray/Ariss (1985) Lebenszyklusmodelle von Unternehmungen beschreiben; s. dazu auch Teil 3, E.IV.Google Scholar
  18. 101.
    Verbreitete Bezeichnungen für Kontinuitätsphasen sind „momentum“, „continuity“, „convergence“, „relative inertia“, „evolution“, während sich für Diskontinuitätsphasen Bezeichnungen finden wie quantum change“, reversal“ transformation“ upheaval“ reorientation“ revolution“; ausführlich beschreibt dies v. a. Perich (1993, S. 213).Google Scholar
  19. 102.
    Zu den paradigmatischen Grundlagen eines derartigen Modells äußert sich auch Gersick (1991) ausführlich; auch Tushman/Romanelli (1985) vertreten eine derartige Sichtweise und Tushman/Newman/Romanelli (1986) liefern dazu Fallbeispiele. Snow/Hambrick (1980) haben Kriterien zur Abgrenzung von Wandelprozessen entwickelt, die sich zum einen auf die grundlegende Beziehung zur Umwelt und zum anderen auf die unternehmungsinternen Charakteristika zur Umsetzung der Umweltanforderungen richten; eine Präzisierung des Übergangs werde hierdurch möglich.Google Scholar
  20. 103.
    Bei Dess/Newport/Rasheed (1993, S. 781–783) finden sich dazu Beispiele aus dem Bereich des Strategischen Managements. Ginsberg (1988) verwendet hierfür die Begrifflichkeit „changes in magnitude“ (Wandel innerhalb einer Konfiguration) und „changes in pattern“ (Wandel von einer Konfiguration zu einer anderen).Google Scholar
  21. 104.
    Auch in dem folgenden Zitat von Tushman/Romanelli (1985, S. 176) wird dies deutlich: „Convergence is a process which derives from socially emergent inertial dynamics and from ‚rational‘ attempts, given a strategic orientation, to accomplish the multiple constraints of organizations as political-economic systems.“ Weiter formulieren Tushman/Romanelli (1985, S. 178): „Convergence is defined as a process of incremental and interdependent change activities and decisions which work to achieve a greater consistency of internal activities with a strategic orientation, and which operate to impede radical or discontinous change.“ Denkbar sind demnach nur Veränderungen innerhalb eines bestehenden Typs, die im wesentlichen einen „ausbessernden“ Charakter aufweisen.Google Scholar
  22. 105.
    Miller/Friesen (1984, S. 208–209) formulieren dazu: We believe that organizations should often resist structural changes until a critical state of incongruence with the environment is reached. Then a quantum or concerted structural change must occur ... [C]hange is of a quantum (as opposed to piecemeal) nature when many things change together — that is, when structures change in a multifaceted or concerted way. It is dramatic (as opposed to incremental) when elements quickly change a great deal. Revolutionary change is of a dramatic and quantum nature. Evolutionary change is incremental and piecemeal“.Google Scholar
  23. 106.
    Blau/Scott (1962) erstellten die wohl erste, gehobenen Ansprüchen genügende UnternehmungsTaxonomie. Es folgte die Studie von Pugh/Hickson/Hinings (1969) deren Ausgangspunkt eine multidimensionale Analyse von Bürokratie war. Eine andere vielzitierte Taxonomie ist jene von Miller/Friesen (1984), die eine große Stichprobe von Organisationen über eine Zeitspanne von 20 Jahren als Längsschnitt aufbereiteten. Auch Ulrich/McKelvey (1990) lassen sich hier einreihen; sie identifizierten unterscheidbare Populationen innerhalb der US-amerikanischen und der japanischen Elektronikindustrie. Mit diesen Studien verbunden sind Versuche einer Validierung der gewonnen Daten durch die Autoren selbst und auch durch andere Fachleute, wie dies Haas/Hall/Johnson (1966), mit der Taxonomie von Etzioni (1961) sowie jener von Blau/Scott (1962) unternahmen; s. dazu auch Meyer/Tsui/Hinings (1993, S. 1182). Eine Vorstellung prominenter Beispiele findet sich v. a. bei Henselek (1996, S. 95–108).Google Scholar
  24. 107.
    Ein eindrucksvolles Beispiel der Auswirkungen unterschiedlicher Verfahren findet sich bei Backhaus u. a. (2000, S. 367–370).Google Scholar
  25. 108.
    Allenfalls bieten aus anderen Zusammenhängen übertragbare oder auf einer allgemeinen Ebene angesiedelte Überlegungen Hinweise für Typenbildungen. Beispielsweise spricht Drumm (1992, Sp. 1594–1595) in anderem Zusammenhang das morphologische Verfahren an, dadurch dass Kombinationsmöglichkeiten von Merkmalen und ihren Ausprägungsgraden generierbar seien, während Kieser/Kubicek (1992 S. 441–443) das Problem der Inkompatibilität von Merkmalsausprägungen ähnlich grundlegend behandeln. Auch derartige Fragen stellen sich bei einer Typenbildung, umfassen jedoch nur einen Ausschnitt davon.Google Scholar
  26. 109.
    Die einbezogenen Studien unterscheiden sich zum Teil deutlich hinsichtlich ihres Alters, was die Frage nach der Beständigkeit solcher typenbildenden Studien hervorruft. So wie diese oben beschrieben wurde (s. Teil 4, A.), stellt die Frage nach dem Alter allerdings kein schwerwiegendes Problem dar, denn bevor man berechtigterweise argumentieren kann, ein Muster existiere nicht mehr, muss ein solches zunächst identifiziert und hinsichtlich seines Beziehungsgefüges hinterfragt sein.Google Scholar
  27. 110.
    Ähnlich der diesem Teil der Arbeit zugrunde liegenden integrativen Entrepreneurship-Perspektive kritisieren sie Studien, die entweder nur eine Dimension in den Vordergrund rücken und beispielsweise lediglich den Unternehmer betrachten oder aber andererseits eine Durchschnittsbildung betreiben. Gartner/Mitchell/Vesper (1989, S. 170) formulieren: „No ‚average‘ or ‚typical‘ entrepreneur can represent all entrepreneurs. No ‚average‘ or ‚typical‘ NBV can represent all NBVs. We believe that there is a significant degree of variation within the population of entrepreneurs and NBVs and that the study of this diversity will lead us to a better understanding of entrepreneurship.“Google Scholar
  28. 111.
    Weitere hier einordenbare Studien stammen bspw. von Covin/Slevin (1990) oder Snuif/Zwart (1994) .Google Scholar
  29. 112.
    Andere gängige Bezeichnungen für diese Phase sind „organizational emergence“ (Gartner/Bird/Starr 1992), „preorganization“ (Katz/Gartner 1988), „prelaunch“ (McMullan/Long 1990), „gestation“ (Reynolds/Miller 1992) oder „start-up“ (Vesper 1990).Google Scholar
  30. 113.
    Andere Beispiele finden sich bei Carter u. a. (1994), McDougall/Robinson (1990) oder Snuif/ Zwart (1994).Google Scholar
  31. 114.
    S. Z. B. Schoppe 1995, S. 282–284; Wieandt 1994. Ein anderes Verständnis von funktionaler Unternehmertheorie wird bei Gartner (1985, S. 699) deutlich, der in Anlehnung an Danhoff (1949) insgesamt sechs von jedem Unternehmer zu erfüllende Tätigkeiten als Funktionen bezeichnet.Google Scholar
  32. 115.
    Zur Vielzahl weiterer theoretischer Modellierungen siehe v. a. die Überblicksarbeiten von Hébert/Link 1982 und Barreto 1989. Weitere Typologien finden sich bspw. bei Zorn (1957) sowie Redlich (1964, S. 153–170). Darüber hinaus gab auch bereits Wiedenfeld (1920) zu Beginn des letzten Jahrhunderts einen lesenswerten Überblick über die Charakteristika französischer, englischer, nordamerikanischer und deutscher Unternehmer.Google Scholar
  33. 116.
    Die Verwendung des Begriffs „neue Kombination“ und dessen breite Ausrichtung begründet Schumpeter (1934, S. 16–17) folgendermaßen: „Technisch wie wirtschaftlich betrachtet, ,schafft‘ die Produktion nichts im naturgesetzlichen Sinne. Sie kann in beiden Fällen nur vorhandene Dinge und Vorgänge — oder ‚Kräfte‘ — beeinflussen, lenken. Wir brauchen nun für das Folgende einen Begriff, der dieses ‚Benützen‘ und ,Beeinflussen‘ erfaßt. In ‚Benützen‘ liegt eine Menge verschiedenartiger Verwendungen der Güter, eine Menge von Modalitäten, sich den Dingen gegenüber zu verhalten. In ,Beeinflussen‘ liegen alle Arten von örtlichen Veränderungen, von mechanischen, chemischen usw. Prozessen. Stets handelt es sich darum, etwas vom Standpunkt unserer Bedürfnisbefriedigung Anderes zu erzielen, als wir vorfinden. Und stets handelt es sich darum, die gegenseitigen Beziehungen der Dinge und Kräfte zu verändern, Dinge und Kräfte zu vereinigen, die wir getrennt vorfinden, und Dinge und Kräfte aus ihrem bisherigen Zusammenhange herauszulösen. Auf den ersten Fall paßt der Begriff ,kombinieren‘ ohne weiteres, und im zweiten Falle können wir sagen, dass wir das Herauszulösende mit unserer Arbeit kombinieren, welche wir ja zu den gegebenen, unsern Bedürfnissen gegenüberstehenden Gütern zählen. Technisch wie wirtschaftlich betrachtet heißt also Produzieren die in unserem Bereich vorhandenen Dinge und Kräfte kombinieren. Eine jede Produktionsmethode bedeutet eine bestimmte solche Kombination. Verschiedene Produktionsmethoden können sich nur durch die Art und Weise unterscheiden, wie sie kombinieren, also entweder durch die kombinierten Objekte oder durch das Verhältnis zwischen deren Mengen. Jeder konkrete Produktionsakt verkörpert für uns, ist für uns eine solche Kombination. Auch auf Transporte usw., kurz alles, was im weitesten Sinne Produktion ist, läßt sich diese Auffassung ausdehnen. Auch in einer Unternehmung als solcher und in den Produktionsverhältnissen der gesamten Volkswirtschaft werden wir solche Kombinationen sehen. Dieser Begriff spielt eine erhebliche Rolle in unserem Gedankengang.“Google Scholar
  34. 117.
    Diese Beschreibung der Unternehmerfunktion als Durchsetzung neuer Kombinationen in wirtschaftlicher Führerschaft treffe nach Schumpeter auf vier Typen zu: Neben dem Fabrikherrn oder Kaufmann nennt er den Industriekapitän sowie den Direktor einer Unternehmung. Ausschließlich auf die beschriebene Unternehmerfunktion gerichtet sei der Typus des Gründers (s. Schumpeter 1928, S. 485).Google Scholar
  35. 118.
    „Robbins‘ ökonomisierender Mensch hat das Bestreben, gegebene Mittel gegebenen Zwecken anzupassen. Gerade dieses Konzept setzt die Vorstellung gegebener Zwecke und Mittel voraus; ohne eine solche Vorstellung kann Ökonomisieren überhaupt nicht beginnen. Der Mises’sche homo agens dagegen will nicht nur effizient Zwecke verfolgen, sofern Zwecke und Mittel bereits klar festgestellt sind, sondern er hat auch den Willen und die Findigkeit, um anzustrebende Ziele und verfügbare Mittel herauszufinden und festzustellen. Menschliches Handeln umfaßt das nach Effizienz strebende Verhalten, das für den Robbins’ schen Ökonomisierer typisch ist, es schließt aber noch ein Element ein, das beim Ökonomisieren definitionsgemäß fehlt. Ökonomisierendes Verhalten — oder genauer dessen Analyse — vernachlässigt notwendigerweise die Aufgabe, die Zwecke und Mittel zu identifizieren“ (Kirzner 1978, S. 27).Google Scholar
  36. 119.
    S. dazu auch Shand 1984, S. 77–97 sowie Smith 1986, S. 18–24.Google Scholar
  37. 120.
    „Die Abstraktion und die Beschränkung auf bestimmte Züge des Menschen stellen somit eine methodische Notwendigkeit dar, die bereits Adam Smith in aller Klarheit erkannt hat, als er seinen homo oeconomicus schuf. Allerdings ist dieser von seiten der Romantik und der historischen Schule auf heftigen Widerstand gestoßen. Da man aber diese Kontroverse mehr ideologisch als wissenschaftlich-analytisch ausgetragen hat, ist man selbst zu den elementarsten Fragen nicht vorgestoßen, die sich rein deduktiv leicht hätten erklären lassen. So ist dieser Diskussion völlig entgangen, dass mit der fortschreitenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert der homo oeconomicus immer mehr zu einer Realität werden mußte“ (Heuss 1965, S. 6).Google Scholar
  38. 121.
    Zu dieser Übersetzung von „constraint concern“ s. Wezel 1995, S. 122.Google Scholar
  39. 122.
    Hierzu entspannt sich seit den Arbeiten Schumpeters eine anhaltende Diskussion, bspw. an welcher Stelle einer marktlichen Entwicklung ein Gleichgewicht steht. Empirische Belege finden sich für jede der Modellierungen (speziell zu Schumpeter s. bspw. Bös/Stolper 1984).Google Scholar
  40. 123.
    S. auch Kriegesmann (2000) mit einer empirischen Studie zu Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft.Google Scholar
  41. 124.
    Darüber hinaus gehende Kritikpunkte finden sich vor allem bei Rexhausen (1960, S. 23–31).Google Scholar
  42. 125.
    Darüber hinaus kritisiert Hornaday (1990, S. 25–26) an der Verwendung einer schumpeterianischen Sicht, dass Nutzen nur bei einer ex post-Analyse bestehe und das Verhalten von Unternehmungsgründern und die Entwicklung von Unternehmungen erst über einen längeren Zeitraum betrachtet werden müsse, bevor es als eine schumpeterianische „neue Kombination“ bezeichnet werden könne. Erst nach einer gewissen Zeit lasse sich feststellen, ob daraus eine Diskontinuität folgte. Weitere Kritikpunkte aus einer Entrepreneurship-Perspektive finden sich bspw. bei Behrend 1998, S. 32–35.Google Scholar
  43. 126.
    S. Kaish/Gilad 1991; Busenitz 1996; zum Prozess der Informationssuche s. v. a. Cooper/Folta/Woo 1995.Google Scholar
  44. 127.
    Smith (1967, S. 87–88) schrieb dazu: „An appropriate name for this type might be InventorEntrepreneur. In all of these cases the entrepreneur has taken out a large number of patents. It appears that his orientation is not to attempt to build a business or to turn out the best product. Rather his major concebil seems to be to develop an organization, not as an end in itself, but rather as a vehicle to allow him to invent and produce various products.Google Scholar
  45. 128.
    Befragt wurden insgesamt 500 USamerikanische Unteeaehmer. Die Unterscheidung in Unternehmer- und damit zusammenhängenden Unteehmungstypen wurde ähnlich Smith (1967) an insgesamt 14 bzw. 6 Kriterien vorgenommen. Zusätzlich wurden die einbezogenen Unternehmungen hinsichtlich einer Reihe absoluter sowie wachstumsbezogener Kriterien wie Zahl der Mitarbeiter, deren Veränderung, Umsatz und wachstum sowie Gewinn untersucht. Dies sollte eine spezifische Analyse der UnterGehmertypen und vor allem auch des hybriden ErfinderUnternehmers erlauben (s. Miner/Smith/Bracker 1992, S. 106107).Google Scholar
  46. 129.
    Zu weiteren Beispielen s. Mugler 1998, S. 2429 sowie v. a. Vesper 1990,S. 29, der acht Unternehmertypen unterscheidet.Google Scholar
  47. 130.
    Das Konzept „sozialer Marginalität wird bereits seit langem in der Soziologie diskutie; ein breiter Überblick findet sich z. B. bei DickieClark (1966).Google Scholar
  48. 131.
    En weiteres Zitat von StTnwor/Curran (1976, S. 102103) klärt dies: „We can use the term social marginality to refer to this situation in which there is a perceived incongruity between the individuals personal attributes physcial characteristics, intellectual makeup, social behaviour patterns and the role(s) he holds in society.Google Scholar
  49. 132.
    Veraltet für „Handwerker, was jedoch nicht bedeutet, dass diese Identität primär oder gar auschließlich für Handwerksbetriebe gelte.Google Scholar
  50. 133.
    Die einbezogenen Untenehmungen lassen sich wie folgt beschreiben: Mitarbeiterzahl 1 bis 290 mit einem Mittelwert von 9,22 (Median = 4); Umsatz von weniger als 100.000 (50,8 Prozent der Unterehmungen) bis zu mehr als 5 Millionen (0,5 Prozent der Unternehmungen); während des letzten Geschäftsjahres arbeitete die Mehrheit (58,6 Prozent) der Unteehmungen mit Gewinn, 23,5 Prozent mit Verlust und der Rest am Break EvenPunkt; das Durchschnittsalter der Unternehmungen betrug 3,34 Jahre (Median = 3) und reichte von einem bis fünf Jahre; 146 (36 Prozent) Unternehmungen waren produzierende Unternehmungen, 238 (58,8 Prozent) Dienstleister und 21 (5,2 Prozent) waren Konstruktions bzw. Planungsunternehmungen; der weitaus größte Teil (90 Prozent) der EigentümerUnternehmer war männlichen Geschlechts; rund zwei Drittel hatten zwei oder mehr Partner oder Teilhaber. Das Alter der Gründer reichte von 18 bis 75 Jahren, wobei das Durchschnittsalter bei 37,3 Jahren lag (Median 37,0).Google Scholar
  51. 134.
    S. Miner/tracker 1992,S. 105. Deutlich wird dies . a. durch Milne/Lewis (1982) Smith/Miner (1983), Lorraine/Dussault (1987) sowie Davidsson (1988). Ebenfalls als Bestätigung kann die Studie von Braden (1977) eingestuft werden, die von „Caretakers und „Managers spricht, was der Typologie von Smith (1967) recht nahe kommt.Google Scholar
  52. 135.
    Bepiele dafür sind „to provide you with steady employment, „to let you do the kind of work you want to do oder to make you wealthy (Braden 1977, S. 54).Google Scholar
  53. 136.
    Smith 1967; Smith/Miner 1983; Davidsson 1988; Filley/Aldag 1978; 1980; Miner/Smith/ Bracker 1992.Google Scholar
  54. 137.
    Für uns manifestiert sich Unternehmertum in kurzfristigen Bewegungen ebenso vollständig wie in langfristigen Entwicklungsändeungen, und es wird von den Nachahme (die zur Ausnutzung der durch die Innovatorenaktivität eröffneten Gelegenheiten aufkommen) ebenso ausgeübt, wie von den Innovatoren selbst. Für uns hört Untenehmertum nur auf, wenn nachahmende Aktivität erfolgreiche Gewinngelegenheiten erfolgreich erodiert hat. Wir betrachten den Prozeß, durch den ein über dem Gleichgewichtspreis liegender Preis auf den Gleichgewichtspreis gedrückt wird als einen Unternehmerprozeß: Es erfordert unteehmerische Findigkeit bezüglich der tatsächlichen Verhältnisse, um sich der wirklichen Kaufbereitschaft voraussichtlicher Käufer anzupassen. Tatächlich sind es gerade die kurzfstigen Marktprozesse, die für die dauede Bewegung auf ein Marktgleichgewicht hin verantwortlich sind, die wir durch unsere Herausrbeitung des Unternehmertums erklären wollen (Kirzner 1978, S. 104).Google Scholar
  55. 138.
    Schumpeter (1950,S. 140) führt dazu aus: „Diese Art der Konkurrenz ist um so wirkungsvoller als die andere, wie es ein Bombardement ist im Vergleich zum Aufbrechen einer Tr, und sie ist so viel wichtiger, daß es verhältnismäßig gleichgültig wird, ob die Konkurrenz im gewöhnlichen Sinne oder mehr oder weniger rasch funktioniert; der mächtige Sauerteig, der auf lange Sicht die Produktion ausdehnt und die Preise herunterdrückt, ist auf jeden Fall aus anderem Stoff gemacht.Google Scholar
  56. 139.
    Auch Krzner (1978, S. 64) selbst weist darauf hin: „In vieler Hescht zeigt das Bild des Unternehmers, das ich zu skizzieren suchte, viel Ähnlichkeit mit dem von Schumpeter entworfenen. Schumpeters Innovator ist im Grunde genommen der Entscheidungsträger, dessen Findigkeit be zglich unbekannter Gelegenheiten ihn in die Lage versetzt, von der routinemäßigen, sich ständig wiederholenden Bearbeitung allgemein bekannter Gelegenheiten abzuweichen.Google Scholar
  57. 140.
    Kirzner (1988, S. 19) formuliert dazu: „Wir können nicht erklären, wie es kommt, daß einige Menschen Gelegenheiten erkennen, bevor andere es tun. Wir können in ausschließlich Robbinsschen Begriffen sicherlich erklären, wie Menschen nach Öl suchen, indem sie die verschiedenen Möglichkeiten der Verwendung begrenzter Mittel für diese Suche sorgfältig gegeneinander abwägen; aber wir können nicht erklären, wie ein vorausschauender Unternehmer vor anderen erkennt, daß eine Suche nach Öl lohnend sein könnte.Google Scholar
  58. 141.
    Die Konsequenzen nd damit zugleich auch Hinweise fhr eine Typenbildung beschreibt Baron (1998, S. 288) folgendermaßen: (1) entrepreneurs thinking may differ, in important ways, from that of other persons; specifically, they may be more susceptible to various kinds of cognitive errors or bias than other persons ... (2) such differences in cognition do not stem primarily from differences between entrepreneurs and other people with respect to personal traits (although such differences may well exist), but rather from the fact that entrepreneurs operate in situations and under conditions that would be expected to maximize such errors or biases.“Google Scholar
  59. 142.
    S. neath/oka 1973; Pinder/Moore 1979; Carper/Snizek 1980; Hambrick 1984; McKelvey/ Aldrich 1983; Rich 1992; Sanchez 1993; Meyer/Tsui/Hinings 1993.Google Scholar
  60. 143.
    hnlich argumentieren bspw. Miller/Friesen (1984, S. 65), Meyer/Tsui/Hinings (1993, S. 1193–1194), Henselek (1996,S. 85–86) oder auch Wolf (2000, S. 3839).Google Scholar
  61. 144.
    Somt wird sch ein Denken in kausalen Zusammenhängen und die damit verbundene Analyse der Wirkungen auf bergeordnete Zielgrößen auch in der Zahl der prinzipiell einbeziehbaren Variablen von der typenbildenden Forschung unterscheiden. Die Untersuchung komplexer Konstellationen mehrerer Variablen, so wie es typenbildende Forschung kennzeichnet, kann gerade kaum ähnliche Wirkungsbeziehungen zu Zielgrößen offenbaren, wie dies eine auf die Zahl der Variablen eingeschränkte, nichttypenbildende Forschung regelmäßig versucht.Google Scholar
  62. 145.
    Als Spätwerk wird hier v. a. das in Popper (1972 u. 2000) deutlich werdende Verständnis angesehen.Google Scholar
  63. 146.
    So bezweifelt Knorr-Cetina (1991), dass mit derartigen epstemologschen Begriffen und Kterien Fortschritt der Wissenschaften beschreibbar sei, stelle sich die wissenschaftliche Gemeinde doch gerade nicht als unabhängige, dem Erkenntniswachstum verpflichtete Autorität dar und erfolge auch die Produktion von Wissen selbst nicht ohne Vorgriff auf die kontrollierende wissenschaftliche Gemeinde.Google Scholar
  64. 147.
    Auch wenn dieser Zusammenhang eine große Transparenz aufweist, so ist er dennoch für viele Personen kontraintuitiv und in vielen wissenschaftlichen Gebieten nicht anzutreffen. Popper (2000,S. 317) selbst akzentuierte dies: „Ich fand diesen trivialen, aber doch grundlegenden Zusammenhang vor ungefähr dreißig Jahren [in den dreißiger Jahren, M.F. und habe ihn seither unnterbrochen gepredigt. Aber das Vorurteil, eine hohe Wahrscheinlichkeit müsse etwas wünschenswertes sein, ist so tief eingewurzelt, daß meine triviale Feststellung noch immer von vielen fr ,paradox gehalten wird.Google Scholar
  65. 148.
    .S.v. a. Miller 1981; AuerRizzi 1996; Wolf 2000.Google Scholar
  66. 149.
    In einem anderen Zusammenhang beschrieb bereits Popper (1987, S. 6566) in den dreißiger Jahren diesen Zusammenhang als trivial und vage: „Sogar drei Äpfel auf einem Teller sind mehr als eine bloße Summe, insofern als zwischen ihnen bestimmte Relationen bestehen müssen. So könnte der größte Apfel zwischen den beiden anderen liegen oder viele andere Relutionen bestehen.Google Scholar
  67. 150.
    Zudem ist auch nach der Gesttpsychoogie selbst keine isolierte Betrachtung einzelner Variablen möglich. So gilt eine „Gestalt als die Einheit einer Mannigfaltigkeit, deren eigenständige G[estalt, M.Fqualität nicht auf die Qualitäten der Teile der Mannigfaltigkeit reduzierbar ist (Gethmann, 1980, S. 765). Die Betonung von Synergien würde genau eine solche, nicht angedachte Reduzierung darstellen.Google Scholar

Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 2002

Authors and Affiliations

  • Michael J. Fallgatter

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