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Zum Erfahrungsobjekt „Entrepreneurship“ — Einige Überlegungen zu tragfähigen Konturen und zur Institutionalisierung als betriebswirtschaftliche Teil-Disziplin

  • Michael J. Fallgatter
Chapter
Part of the Neue Betriebswirtschaftliche Forschung book series (NBF, volume 299)

Zusammenfassung

Das mit dem Begriff „Entrepreneurship“ bezeichnete Erfahrungsobjekt besitzt in unterschiedlichen Wissenschaften eine lange Tradition und wird entsprechend vielfältig interpretiert und verwendet. Dies zeigt ein Blick auf wissenschaftliche Entrepreneurship-Publikationen, die höchst unterschiedliche theoretische Provenienzen widerspiegeln. Dieser Teil der Schrift soll nicht nur diese Vielfalt in dem Sinne handhabbar machen, dass unterschiedliche Schwerpunkte überschau- und nachvollziehbar werden, sondern vor allem auch jene Fassetten des Erfahrungsobjekts „Entrepreneurship“ isolieren, die weiterführendes Potenzial für die Beschreibung und Erklärung der Entstehung und Entwicklung junger Unternehmungen aufweisen.

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Referenzen

  1. 2.
    Die Begriffswahl „essenzialistisch“ und „nominalistisch“ sind der Diskussion von Popper (1987, S. 21–27) zweier sich entgegenstehender philosophischer bzw. erkenntnistheoretischer Strömungen entlehnt. Auch wenn dort die Tragweite deutlich weiterreicht und er entsprechend die Abkehr von essenzialistischer Theoriebildung fordert, so eignet sich dieses Begriffspaar in der vorgestellten reduzierten Interpretation dennoch, um den Unterschied der jeweils hier behandelten Fragen zu kennzeichnen.Google Scholar
  2. 3.
    Die Begriffe „Entrepreneurship“ oder „Entrepreneur“ haben auch noch keinen Eingang in das sehr umfangreiche Anglizismen-Wörterbuch gefunden (s. Carstensen 1993), während „Das große Fremdwörterbuch (s. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion 2000) immerhin „Entrepreneur“ und „entreprenieren“ anführt.Google Scholar
  3. 4.
    Vesper (1990, S. 2) bringt die nur perspektivenabhängig verständlichen Sichtweisen von Unternehmern auf den Punkt: „To an economist, an entrepreneur is one who brings resources, labor, materials, and other assets into combinations that make their value greater than before, and also one who introduces changes, innovations, and a new order. To a psychologist, such a person is typically driven by certain forces — needs to obtain or attain something, to experiment, to accomplish, or perhaps to escape authority of others. The unfavorably inclined politician may see an entrepreneur as one who is devious and hard to control, whereas a favorably inclined politician sees the same person as one who finds effective ways to get things done. To one businessperson, the entrepreneur appears as a threat, an agressive competitor, whereas to another businessperson, the same entrepreneur may be an ally, a source of supply, a customer, or someone good to invest in. To a communist philosopher, the entrepreneur may be a predator, one who usurps resources and exploits the labor of others. The same person is seen by a capitalist philosopher as one who creates wealth for others as well, who finds better ways to utilize resources, and reduce waste, and who produces jobs others are glad to get“.Google Scholar
  4. 5.
    S. zu den daraus erwachsenden Schwierigkeiten z. B. auch Wortman 1987, S. 259; Bygrave/Hofer 1991, S. 13–14; Carton/Hofer/Meeks 1998.Google Scholar
  5. 6.
    Obwohl die ersten beiden Silben von „Entrepreneurship“ in keinem Zusammenhang zu etwas Externem stehen, setzte sich dennoch die genau dies suggerierende und wohl auf Pinchot (1988, S. 13) zurückgehende Wortschöpfung „Intrapreneuring“ sowie dessen Abwandlung in „Intrapreneurship“ durch; s. bspw. Bitzer 1991; Süssmuth Dyckerhoff 1995; Neugebauer 1997; Thome 1998; Wunderer 1999; Kuhn 2000.Google Scholar
  6. 7.
    Nach Bygrave (1989a, S. 9) lassen sich „Mega-Entrepreneurs“ und „Micro-Entrepreneurs“ unterscheiden. Dies harmoniert in etwa mit der Unterscheidung von Unternehmungs- und Existenzgründer. „Mega-entrepreneurs start business that intend to grow big. Micro-entrepreneurs start business that remain small.“Google Scholar
  7. 8.
    Verdrängungswettbewerb wird hier nicht im volkswirtschaftlichen Verständnis einer „bösartigen“, den Wettbewerb schädigenden Strategie, sondern als nur begrenzte Differenzierung in der Unternehmungskonzeption verstanden.Google Scholar
  8. 9.
    Dies lässt sich mit wirtschaftshistorischen Daten belegen. So argumentiert Baumol (1986), dass innovative Unternehmungsgründer der zentrale Grund für die erhebliche Steigerung des ProKopf-Einkommens in den Industrienationen im letzten Jahrhundert waren, während andere, lediglich imitierende Gründungen keinen messbaren Beitrag geleistet hätten.Google Scholar
  9. 10.
    Hierzu können Betriebswirte von Universitäten und Forschungseinrichtungen kaum etwas Nutzbringendes leisten, denn was sollte man hier erforschen? Die Ausbildungskurse und Angebote beispielsweise der Industrie- und Handelskammern oder vor allem auch des Handwerks sind für Existenzgründungen sicherlich ausreichend.Google Scholar
  10. 11.
    S. auch Hunsdiek 1987, S. 130 sowie Begley 1995 mit der Diskussion verschiedener anderer Kriterien.Google Scholar
  11. 12.
    Siehe zu ähnlichen Ausführungen bereits Szyperski/Nathusius (1977, S. 27), Kistner (1988, S. 1213), Koch (1999, S. 309–310) sowie Saßmannshausen (2001, S. 128–129), während Hunsdiek (1987, S. 131–134) darüber hinaus in Strukturexistenz, Gründer und Autonomiegrad unterscheidet.Google Scholar
  12. 13.
    Mit dem Begriff „junge“ Unternehmungen soll allerdings keinesfalls der Eindruck erweckt werden, hier würde gleichsam einer biologischen Analogie eine quasi prädeterminierte Entwicklung unterstellt. Zur Kritik an einer solchen Sichtweise s. ausführlich Teil 3, E.IV.Google Scholar
  13. 14.
    Exakte Kriterien zur Eingrenzung dieser Nachgründungsphase und damit auch einer „jungen Unternehmung“ sind kaum zweckmäßig. Weder eine Eingrenzung in zeitlicher Hinsicht noch nach Umsatz, Mitarbeiterzahl oder erreichtem Wachstum wäre begründbar; zu heterogen und zu wenig die quantitative sowie innovations-, entwicklungs- und personenbezogene Unterschiede aufgreifen. Demgegenüber bereitet die formale Abgrenzung von Klein- und Mittel- gegenüber Großunternehmungen weniger Schwierigkeiten, was Pfohl (1997) ausführlich darstellt.Google Scholar
  14. 15.
    S. bspw. Galbraith 1982; McDougall/Robinson 1990; Covin/Slevin 1990; Bantel 1998. Bei einer unmittelbaren Praxisorientierung macht bspw. Häußermann (1997, S. 12) eine „junge Unternehmung“ an den Entwicklungsstadien Gründungsprozess, Aufbauphase, Wachstumsphase, Konsolidierung fest, die zusammen üblicherweise länger als acht Jahre dauerten. Er unterstützt damit die in den benannten empirischen Studien gewählte zeitliche Ausdehnung. Heil (1996, S. 4–5; s. ähnlich Wanzenböck 1998) grenzt in ihrer Studie junge Unternehmungen auf maximal fünf Jahre ein, denn dadurch sei die gesamte Frühentwicklungsphase abgedeckt. Pleschak/Werner (1999, S. 2) berücksichtigen recht ähnlich junge Unternehmungen mit bis zu maximal sieben absolvierten Geschäftsj ahren.Google Scholar
  15. 16.
    Diese Einschätzung stützt dabei auch ein Blick auf die führenden Entrepreneurship-Zeitschriften, vor allem das Journal of Business Venturing sowie Entrepreneurship Theory & Practice, in denen sogar im Vergleich zur hier vorgestellten Bewertung erstaunlich wenige institutionenökonomisch inspirierte Beiträge erschienen sind.Google Scholar
  16. 17.
    Bygrave (1993, S, 260–261) stellt die schwierige betriebswirtschaftliche Anwendung der Populationsökologie auf diskontinuierliche Probleme wie Unternehmungsgründungen heraus: „But that very algorithm, which gives population ecology its allure, also imposes a fundamental limitation on its ability to provide an ,ideal’ model for entrepreneurship. It is an analytic function whereas the entrepreneurial event is a discontinuity. It treats organizations as black boxes, closed to inspection of their inner workings, whereas the entrepreneur inside that box is crucial to our model.“Google Scholar
  17. 18.
    S. dazu Meyer/Tsui/Hinings 1993.Google Scholar
  18. 19.
    S. dazu auch Teil 3, C. Gleiches gilt für die ebenfalls verbreiteten Arbeiten, die man bspw. in Anlehnung an Cunningham/Lischeron (1991, S. 47) als „Great Person-School“ bezeichnen kann.Google Scholar
  19. 20.
    S. bspw. Shaver/Scott 1991; jedoch argumentieren bspw. Sexton/Bowman 1985, S. 131–132 genau entgegengesetzt.Google Scholar
  20. 21.
    S. bereits Jenks 1967, Kilby 1971, Glueck/Mescon 1980, McCain/Smith 1981 sowie Van de Ven 1993 oder Hatten 1997.Google Scholar
  21. 22.
    Bspw. konstatiert Walterscheid (1998) ein „didaktisches Defizit“, dessen Abbau jedoch durch Unterscheidung in einen objektivistischen und einen subjektivistischen Didaktikansatz gelingen könne. Dies ebene den Weg für eine wissenschaftlich legitimierte Begründung der CurriculaEntwicklung.Google Scholar
  22. 23.
    S. dazu v. a. Anderseck (2000) und Koch (2001), während Grüner (1993) und Braukmann (2001) aus wirtschaftsdidaktischer Perspektive Leitlinien heraus arbeiten.Google Scholar
  23. 24.
    In Teil 4, C.III. werden die benannten Studien sowie die angesprochenen Widersprüche detailliert vorgestellt und diskutiert.Google Scholar
  24. 25.
    S. dazu Sexton/Bowman 1985; Miner 1990; Harris/Saltstone/Fraboni 1999; Moser u. a. 2000, sowie Teil 3, C.II.Google Scholar
  25. 26.
    Daten aus dem Jahr 1998 belegen dies, wobei danach sicherlich nicht von einer ähnlich rasanten Weiterentwicklung ausgegangen werden kann. So ist der Markt für Venture CapitalUnternehmungen im Jahr 1998 um rund 120 bis 130 Unternehmungen angewachsen und umfasste damit 1997 in Deutschland ein Fondsvolumen von geschätzten 13,6 Mrd. DM. Eine Zahl, die umso beeindruckender ist, als bereits 1997 ca. 3000 bis 4000 Hochtechnologiegründungen im verarbeitenden Gewerbe sowie rund 11.000 Gründungen in technologieintensiven Dienstleistungssektoren zu verzeichnen waren (s. ZEW/ISI 1998).Google Scholar
  26. 27.
    Für Gartner (1985, S. 697) liegt die Unmöglichkeit einer reduzierten Betrachtung auf der Hand nd er formuliert: „New venture creation is a complex phenomenon: entrepreneurs and their firms vary widely; the actions they take or do not take and the environments they operate in and respond to are equally diverse — and all these elements form complex and unique combinations in the creation of each new venture. It is not enough for researchers to seek out and focus on some concept of the ,average’ entrepreneur and the ,typical’ venture creation. New organizational forms evolve through variation, and this variation in new venture creation needs to be studied.“Google Scholar
  27. 28.
    Weitere Vorschläge aus unterschiedlichen Perspektiven stammen bspw. von Webster (1976), Reynolds/White (1987), Kazanjian (1988), Vesper (1990, S. 99–103), VanderWerf (1993), Larson/Starr (1993), Morris (1998 S. 25–36) sowie Stevenson u. a. (1999, S. 5–14).Google Scholar
  28. 29.
    Auch bereits Sombart (1916) betonte auf Basis seiner historischen Analyse, welche Potenziale gerade unwägbare irnovative Vorhaben bieten, die einer prinzipiellen Nicht-Planbarkeit unterliegen. „Je weniger leicht sich der Plan eines Unternehmens übersehen läßt, je mehr die möglichen Wirkungen allgemeiner Natur sind, desto besser eignet es sich für den Gründer, desto größere Wunder kann der Spekulationsgeist vollbringen. Daher große Bankunternehmungen, große Überseeunternehmungen, große Verkehrsunternehmungen besonders geeignete Objekte für die Betätigung des Spekulationsgeistes von Anfang an gewesen und bis heute geblieben sind“ (Sombart 1916, Bd. I, 2, S. 876).Google Scholar
  29. 30.
    Diese Vorbilder bilden die Grundlage für die Eingrenzung des Erfahrungsobjektes sowie auch für die jeweilige Forschungsmethodik. So verwendet die neoklassische Mikroökonomik verwendet als physikalisches Vorbild Gleichgewichte im Sinne von Ruhezuständen, auf die sich Gegenstände durch verschiedene, auch entgegenstehende Kräfte hin- bzw. wegbewegen. Für das Wirtschaftlichkeitsprinzip sowie das entscheidungslogische Rationalprinzip identifiziert Schneider (1996, S. 1099) als Vorbild die naturphilosophischen Vermutungen von Descartes und Fermat über die kürzeste Strecke von Lichtstrahlen in Gasen oder Flüssigkeiten; eine Sichtweise, die von Ökonomen, allen voran Quesnay, übernommen wurde. Auch für die Entwicklung von Nutzenmaximierungskalküls unter Nebenbedingungen lassen sich physikalische Vorbilder, nämlich die Theorie potenzieller Energie, ausmachen. Daran knüpft auch die Neue Institutionenökonomik an, die bspw. in Form der Property Rights- und der Principal/Agency-Theorie Nutzenmaximierungskalküile mit rechtlichen Begriffen verknüpft. Dies führt dann zur Analyse verfügungsrechtlicher Ausgestaltungen bzw. des potenziellen Konfliktes von Prinzipal und Agent und der darauf bezogenen Modellierungen.Google Scholar
  30. 31.
    In Teil 5, A. wird ein Bezugsrahmen einer unternehmerischen Handlungstheorie entwickelt und damit zugleich die Unmöglichkeit einer engen Fassung verdeutlicht.Google Scholar
  31. 32.
    „Robbins’ ökonomisierender Mensch hat das Bestreben, gegebene Mittel gegebenen Zwecken anzupassen. Gerade dieses Konzept setzt die Vorstellung gegebener Zwecke und Mittel voraus; ohne eine solche Vorstellung kann Ökonomisieren überhaupt nicht beginnen. Der Mises’sche homo agens dagegen will nicht nur effizient Zwecke verfolgen, sofern Zwecke und Mittel bereits klar festgestellt sind, sondern er hat auch den Willen und die Findigkeit, um anzustrebende Ziele und verfügbare Mittel herauszufinden und festzustellen. Menschliches Handeln umfaßt das nach Effizienz strebende Verhalten, das für den Robbins’ schen Ökonomisierer typisch ist, es schließt aber noch ein Element ein, das beim Ökonomisieren definitionsgemäß fehlt. Ökonomisierendes Verhalten — oder genauer dessen Analyse — vernachlässigt notwendigerweise die Aufgabe, die Zwecke und Mittel zu identifizieren“ (Kirzner 1978, S. 27).Google Scholar
  32. 33.
    Der Unterschied von Problemen und Aufgaben besteht in der Klarheit über die zu erreichenden Ziele sowie die einzusetzenden Mittel, die für Aufgaben, bspw. Kopfrechnung oder Erstellen eines Makros in einem Standardtextverarbeitungsprogramm, offensichtlich sind.Google Scholar
  33. 34.
    S. dazu bspw. die grundlegenden Arbeiten von Schmidt-Sudhoff (1967, S.16), Kirsch (1977, S. 157) oder Hauschildt (1980, Sp. 2419). 35Google Scholar
  34. 35.
    Entsprechend werden Entscheidungsprozesse in Unternehmungen nur begrenzt durch a priori gesetzte Ziele gesteuert und die Zielsysteme in der Praxis sind zumeist unvollständig und durch Ambiguität sowie Inkonsistenz gekennzeichnet. Damit ist die Idealvorstellung eines Zielsystems, das den als notwendig erachteten Anforderungen (wie Realitätsbezug, Operationalität, Ordnung, Konsistenz, Aktualität, Vollständigkeit, Durchsetzbarkeit, Organisationskongruenz, Transparenz und Überprüfbarkeit) Rechnung trägt, nur schwer realisierbar. Vielmehr sind Zielsysteme oft unvollständig, z. T. ungeordnet, weisen Widersprüche auf und sind in der Regel auch nicht allen Beteiligten bekannt oder nur teilweise schriftlich fixiert. S. dazu bereits Wild 1974, S. 54–56.Google Scholar
  35. 36.
    S. zu diesen Ergebnissen der empirischen Zielforschung, die vor allem in den 70er Jahren vorangetrieben wurde, die ähnlich gerichteten Ausführungen bei Kirsch (1977a, S. 151–152), Kast/Rosenzweig (1979, S. 422–423) sowie Hauschildt (1981, S. 311–316).Google Scholar
  36. 37.
    Einen ÜÜ erblick geben Ward/Smith/Vaid 1997; Krueger (2000) führt derartige Überlegungen zur kognitiven Infrastruktur für die Entstehung von marktlichen Gelegenheiten weiter, während sich Hills/Lumpkin (1997) mit darauf gerichteten Fragen der Lehre befassen. 38Google Scholar
  37. 38.
    S. v. a. Kaish/Gilad 1991; Shaver/Scott 1991; Busenitz 1996; Busenitz/Barney 1997; Baron 1998.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Michael J. Fallgatter

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