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Grenzen der Flexibilisierung — Zum Verhältnis von individueller und betrieblicher Zeitökonomie

  • Werner Kudera

Zusammenfassung

Ausgangspunkt des folgenden Beitrags ist der immer mehr sich verstärkende Trend einer Flexibilisierung der Arbeitszeit, die auch als Deregulierung einer bislang relativ homogen organisierten Arbeitszeitstruktur sowie als Differenzierung von kollektiv verbindlichen Arbeitszeitmustern diskutiert wird (vgl. Flecker/Schienstock 1991). Diese Diskussion dreht sich um die Tatsache, daß vor allem Teil- und Gleitzeitsysteme, aber auch andere flexible Arbeitszeitformen bis hin zu Konti-Schicht und Kapovaz (kapazitätsorientierte variable Arbeitszeitregelung) in wachsendem Umfang nicht nur die tatsächlichen Grenzen der täglichen Arbeit, sondern auch den Umfang und die Struktur der Lebensarbeitszeit und damit die Kontinuität beruflicher Biographien regulieren. Mehr noch, inzwischen kann davon ausgegangen werden, daß die Ausnahme zur Regel geworden ist und überhaupt nur noch etwa ein Viertel aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Rahmen „normaler“Arbeitszeiten tätig sind (Jurczyk/Kudera 1991, Jurczyk 1991). Dabei ist als besonderes Faktum im Auge zu behalten, daß sich die Ausbreitung der Teilzeitarbeit bislang als nahezu ausschließlich frauenspezifisches Phänomen erwiesen hat und daß auch von kapazitätsorien-tierten variablen Arbeitszeitsystemen weibliche Beschäftigte in weitaus höherem Maße betroffen sind als Männer, die in der Regel immer noch diejenigen sind, die über kontinuierliche Vollarbeitszeitplätze verfügen (vgl. Bispinck-Hellmich 1988).

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Authors and Affiliations

  • Werner Kudera

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