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Forschungsdesign der Untersuchung

Chapter
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Part of the Forschung Erziehungswissenschaft book series (FO ERZWISS, volume 84)

Zusammenfassung

Im Folgenden erfolgt eine Darstellung des methodischen Vorgehens, zu dem ich mich nach Abwägung aller reflektierten Verfahren entschlossen habe. Hierbei konnten mit der vorangegangenen Erarbeitung und Diskussion klassischer und qualitativer Verfahren der Geltungsbegründung (Kap. 5.3) bereits erste Kriterien zum methodischen Vorgehen bei Gruppendiskussionen gewonnen werden, an die in der Entwicklung des Untersuchungsdesigns nunmehr angeknüpft werden soll. Die Notwendigkeit zu einer sowohl darstellenden als auch begründenden Vorgehensweise erklärt sich hier einmal aus dem Fehlen eines konsensfähigen methodischen Vorgehens bei Gruppendiskussionen und zum anderen aus dem Wunsch nach größtmöglicher Gegenstandsangemessenheit. Flick weist auf die Bedeutung der Gegenstandsangemessenheit hin und stellt fest, daß insbesondere in qualitativen Untersuchungen durch methodische Offenheit die Möglichkeit besteht, im Forschungsprozeß zu neuen Ergebnissen zu kommen.

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Literatur

  1. 242.
    Hubermann & Miles (1994b, 441; Übersetzung P. G.) fordern in diesem Zusammenhang: „[…] qualitative Forscher müssen charakteristischerweise zielgerichtet und konzeptionell über Datenerhebung nachdenken. Im englischen Original: „[...]qualitative researchers must characteristically think purposively and conceptually about sampling “ (Hubermann & Miles 1994b, 441 ).Google Scholar
  2. 244.
    Zur problembehafteten Bestimmung dessen, was denn nun unter einer Gruppe zu verstehen ist, gibt es nicht nur innerhalb der forschungsmethodischen Diskussion eine lange Tradition. Hingewiesen wurde auf dieses Thema erstmals im Zusammenhang der experimentellen Gruppenforschung (Kap. 5.1). Eine gute Zusammenfassung mit weiterführender Literatur zum Problem der Gruppe findet sich meines Erachtens bei Dreher & Dreher (1982, 146ff.) und nach wie vor in Gurwitsch (1976). Für mich handlungsleitend war jedoch eher die Frage nach dem Expertenstatus der Befragten.Google Scholar
  3. 245.
    Zum Problem homogener oder heterogener Gruppenzusammensetzungen vgl. u. a. Mangold 1960, 37ff. und 70ff.; Kromrey 1986, 124f.; Bohnsack 1991, 108ff.; Lamnek 1993, 146ff.. Lamnek weist darauf hin, daß sich eine heterogene Gruppenzusammenstellung als wenig sinnvoll erwiesen hat: „Wo keine annähernd homogene Gruppe ist, können auch keine Gruppenmeinungen reproduziert werden “ (Lamnek 1993, 148 ).Google Scholar
  4. 247.
    Im englischen Original: „A good informant is one who has the knowledge and experience the researcher requires, has the ability to reflect, is articulate, has the time to be interviewed, and is willing to participate in the study“ (Morse 1994, 228).Google Scholar
  5. 248.
    Im englischen Original: „Once the researcher receives funding from the granting agency, the data collection may start. The most difficult part of the entire project is entering the setting for the first time and knowing what to do, or knocking on the first door to solicit the first participant“ (Morse 1994, 228).Google Scholar
  6. 249.
    In allen Gesprächen, die zwischen mir und den teilnehmenden Personen im Vorfeld der Untersuchung stattgefunden haben und auch später in den schriftlichen Informationen über den Ablauf der Gruppendiskussion, habe ich stets vermieden, darauf hinzuweisen, daß es mir in der Untersuchung insbesondere um die Erhebung der politischen und humanen Einstellungen der Teilnehmer gehen wird. Es sollte zum einen vermieden werden, daß die Teilnehmer durch die vorherige Nutzung von Hilfsmitteln jeglicher Art die Ergebnisse der Untersuchung beeinflussen und zum anderen sollte vermieden werden, daß die thematische Ausrichtung der Untersuchung zu Hemmungen führt. Ausgeschlossen werden sollte auch eine personelle Verzerrung, die darin bestanden hätte, daß nur die Teilnehmer mit ausgesprochenem Interesse für politische oder philosophische Themen an der Untersuchung teilnehmen (Dreher & Dreher 1982, 148ff.; Westle 1982, 3; Esser 1986b, 40 ).Google Scholar
  7. Alle an der Untersuchung teilnehmenden Lehrer hatten vor Beginn der Gruppendiskussion somit den gleichen Kenntnisstand (vgl. Dreher & Dreher 1982, 148f.). Ihnen war bekannt, daß ich an ihren persönlichen Meinungen und Einstellungen als Experten für den Gemeinsamen Unterricht interessiert sei. Genau aus diesem Vorgehen hat sich im Vorfeld der Untersuchung für mich eine Schwierigkeit ergeben: Bei der Zusammenstellung der einzelnen Diskussionsgruppen mußte darauf geachtet werden, daß Personen, die sich vor Beginn der Untersuchung bereits persönlich kannten (etwa aus einem gemeinsamen Arbeitskreis oder einem Lehrerkollegium), in derselben Gruppe diskutieren konnten. Während der Untersuchung mußte aber gleichzeitig durch die Besetzung der Gruppen gewährleistet sein, daß kein Kontakt zu weiteren Teilnehmern anderer Diskussonsrunden bestand, da sonst ein Austausch der Personen über Inhalte und Gegenstand der Untersuchung nicht mehr auszuschließen gewesen wäre (Zwischenzeitliches Geschehen).Google Scholar
  8. 250.
    Zu den Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme siehe u. a. Mucchielli 1973, 25ff..Google Scholar
  9. 251.
    Ziel war eine Gruppengröße von fünf bis sechs Teilnehmern pro Diskussionsgruppe (Dreher & Dreher 1982, 148; vgl. Kromrey 1986, 124; Lamnek 1993, 147 ). Eine Teilnehmerin mußte jedoch wegen Krankheit ihre Teilnahme absagen. Bei zwei weiteren Lehrerinnen haben akute Schwierigkeiten in der Teamzusammenarbeit zu einer Absage geführt. Bei einem Teilnehmer habe ich keinen Grund für die Absage in Erfahrung bringen können. Ein Teilnehmer hatte sich mit dem Termin geirrt; seine Teilnahme konnte zu einem späteren Termin in einer anderen Diskussionsgruppe nachgeholt werden, weshalb ich ihn hier nicht zur Gruppe der Absager gezählt habe.Google Scholar
  10. 252.
    Lamnek ( 1993, 148) bezeichnet eine Gruppengröße zwischen 5 und 12 Teilnehmer als optimal. Er weist jedoch auch darauf hin, daß die Entscheidung für die Größe der Diskussionsgruppe letztendlich Gegenstandsangemessen entschieden werden sollte.Google Scholar
  11. 253.
    Im Bundesland NW werden bisher keine Daten bezüglich der Anzahl der im Gemeinsamen Unterricht eingesetzten Grundschulpädagogen erhoben. Es ist daher nicht möglich, die geschlechtsspezifischen Angaben beschränkt auf diese kleine Gruppe von Grundschulpädagogen gesondert zu betrachten. Bezogen auf ganz NW liegt der Anteil der Grundschullehrerinnen jedoch bei 85% (36.599 Lehrerinnen). An den Grundschulen unterrichteten im Schuljahr 1995/96 dagegen lediglich 6.389 männliche Lehrkräfte (Auskunft Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NW v. 30. 06. 1997 ).Google Scholar
  12. 254.
    Im Schuljahr 1995/96 betrug die Anzahl an Sonderschullehrern, die an Grundschulen in NW im Gemeinsamen Unterricht tätig waren, insgesamt 541. Hiervon waren 388 weiblichen Geschlechts (72%) und 153 männlichen Geschlechts (28%). Die Angaben gehen zurück auf eine Anfrage an das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NW (Stand 15. 10. 1995 ).Google Scholar
  13. 256.
    Um eine größtmögliche Vielfalt an Meinungen innerhalb dieser Personengruppe erfassen zu können, wurde bei der Auswahl der Teilnehmenden darauf geachtet, daB sie ein größtmögliches Maß an Verschiedenheit hinsichtlich der zeitlichen Erfahrungen im Gemeinsamen Unterricht repräsentieren (Morse 1994, 229).Google Scholar
  14. 257.
    Natürlich kann eine Gruppendiskussion auch ohne Diskussionsleitung stattfinden. Überlegungen in diese Richtung scheinen aber einzig Dreher & Dreher (1982) weitergedacht zu haben: „Wesentlich ist dabei, daß die Kontinuität gemeinsamer Erfahrung [...] das Verständnis hergestellter Gegenstandsbezüge erleichtert und Sinnklärungen auf der Ebene einer „gemeinsamen“ Sprache vorgenommen werden können [...]. Aus diesem Grund erscheint es auch wichtig, die Gruppendiskussion ohne einen Leiter durchzuführen. Mag es ihm auch möglich sein, den intendierten Sinn der Argumentation zu verstehen, so schließt dies nicht ein, daß er der jeweiligen „Handlungslogik” entsprechend Fragen stellt, die die Sinnklarung gemäß der kognitiven Struktur der Probanden vorantreibt“ (Dreher & Dreher 1982, 153 ).Google Scholar
  15. 259.
    Nur sehr schwer einzuschätzen war im Vorfeld der Untersuchung das Ausmaß des Schweigens einzelner Teilnehmer während der Diskussion und somit auch der Umgang mit diesem Verhalten. Volmerg (1977, 194f.) schlägt vor, daß Schweigende nicht durch persönliche Ansprache zu ermuntern seien, da diese durch Aufforderung erzwungenen Aussagen die Gefahr der bewußten Falschaussage mit sich bringen. Statt dessen sollte das Thema gewechselt werden. Da in dieser Untersuchung der gemeinsame Gesprächsgegenstand nicht gewechselt werden kann, muß davon ausgegangen werden, daß die Beteiligung einzelner Diskutanten durchaus unterschiedlich sein kann. Westle (1982, 3) betont jedoch, daß in Untersuchungen, die in erster Linie kollektive Einstellungen erheben, die unterschiedliche Beteiligung kein grundsätzliches Problem darstellt. „Die Unterschiedlichkeit der Beteiligung an der Diskussion führt dazu, daß sich die Auswertung bei den verschiedenen Themenaspekten jeweils nur auf einen Teil der Versuchspersonen beziehen kann. Zwar bietet die verschiedene Beteiligung selbst schon Hinweise auf z. B. das Interesse an dem jeweiligen Themenaspekt, doch darf nicht in jedem Fall ein Mangel an Äußerungen und Überzeugungen gleichgesetzt werden. Somit ergeben sich unterschiedlich vollständige bzw. unvollständige Meinungsbilder“ (Westle 1982, 3). Da sich im Verlauf dieser Untersuchung kein nennenswertes Problem mit Schweigenden ergeben hat, sich aber wohl bezüglich des Umfangs der Beteiligungen Unterschiede feststellen ließen, kann auf eine Vertiefung dieses Themas verzichtet werden.Google Scholar
  16. 260.
    Das Schaubild ist in reduzierter Form einem Artikel von Atteslander & Kneubühl (1975, 58) entnommen.Google Scholar
  17. 262.
    Bisher gibt es keine Untersuchung darüber, ob ein bestimmtes Verfahren der Impulsgebung zur Erforschung politischer Meinungen besonders geeignet ist. Es ist auffàllig, daß nahezu alle Untersuchungsberichte, abgesehen von den mittlerweile klassischen Untersuchungen Pollocks aus dem Jahre 1955, nicht über ihre Erfahrungen mit den gegebenen Impulsen reflektieren (z. B. Dreher & Dreher 1982, 154ff.; Westle 1982; Tepper 1982, Jäger & Raehlmann 1984; Krüger 1983, 90ff.; Kromrey 1986). Gemeinsam ist diesen Untersuchungen der 80er Jahre, daß sie in ihren methodischen Überlegungen mehr an der Frage einer teilnehmenden vs. nicht-teilnehmenden Diskussionsleitung interessiert waren, als an einer Begründung des gesetzten Impulses. Eine Ausnahme dieser Vorgehensweise stellen noch die kritischen Arbeiten der 70er Jahre von Nießen (1977) und Volmerg (1977) dar. In den 90er Jahren scheint die Auswahl des Impulses und die Art der Gesprächsführung bei Gruppendiskussionen gleichermaßen von Bedeutung zu sein (s. Flick 1995, 135f.; Fontana & Frey 1994, 364f.).Google Scholar
  18. 265.
    Ursprünglich sollte neben den diskutierenden Personen und der Untersuchungsleiterin noch eine Kollegin im Raum anwesend sein (Cranach & Frenz 1979, 299f.). Diese hätte neben der Kamera gesessen, um einerseits die Videoaufnahme zu kontrollieren (technischer Defekt) und andererseits in Stichworten die thematische Struktur der Diskussion festzuhalten. Aus Krankheitsgründen mußte die Kollegin am ersten Untersuchungstag, kurz vor Beginn der Gruppendiskussion, ihre Teilnahme absagen. Diese Absage war in mehrerlei Hinsicht nicht zu kompensieren: Erstens konnte kein Ersatz mehr gefunden werden und die Kontrolle der technischen Geräte (Einschalten, etc.) mußte als zusätzliche Aufgabe von der Untersuchungsleiterin übernommen werden. Zweitens konnte diese Hilfsperson aus Gründen der Vergleichbarkeit der Situation auch an keiner der weiteren Diskussionen teilnehmen. Da die zusätzliche Anwesenheit weiterer Personen beim Interview nicht unumstritten ist, wurde versucht, dem Verzicht abschließend noch etwas Positives abzuringen (Cranach & Frenz 1979, 307f; Reuband 1984, 136ff; 145ff.; Steinert 1984, 17ff.).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2001

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