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Deutsch-deutsche Gemeinsamkeiten, Ressentiments und die subjektive Bilanz des Vereinigungsprozesses

  • Corinna Kleinert
  • Winfried Krüger
Part of the DJI-Jugendsurvey book series (DJIJUG, volume 2)

Zusammenfassung

Die deutsche Wiedervereinigung kann unter dem Aspekt des Institutionentransfers im wesentlichen als abgeschlossen und im Ergebnis auch als weitgehend gelungen betrachtet werden (vgl. hierzu Zapf 1996). Trotzdem hat sie als „asymmetrischer Prozeß“ (Meulemann 1998b), bei dem die westdeutsche Sozialverfassung und das westdeutsche ordnungspolitische System auf Ostdeutschland übertragen wurde, auch nicht intendierte Folgen gehabt, die noch nachwirken. Dazu zählt einmal die bei der ostdeutschen Bevölkerung fortwirkende „strukturelle Kränkung“ (Kuchler 1998), die mit diesem asymmetrischen Prozeß verbunden war, vor allem aber die längerfristig verfestigte Abhängigkeit des Ostens vom Westen. Die ostdeutsche Teilgesellschaft, die hierdurch konstituiert wird, trägt nach Brie (1999: 202) „die wesentlichen Merkmale einer durch anhaltenden Ressourcentransfer privilegierten Peripherie mit eigenständigen wirtschaftlichen, sozialen, politischen und mentalen Strukturmustern“. In welchem Zeitraum und mit welchem Ausgang dieser Status des Peripheren der neuen Bundesländer aufgehoben wird, ist für ihn offen. Die Gegenposition in der Beurteilung des bisherigen Vereinigungsverlaufs findet sich allerdings ebenso. Danach ist, wie Veen (1997) als ein Repräsentant dieser Position konstatiert, die Vereinigung auf allen notwendigen, d.h. von der Verfassung gebotenen objektiven Ebenen bereits vollzogen. Auch die innere Einheit sei in der Form gesteigerter Vielfalt in Deutschland erreicht.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die Verbundenheiten mit der subnationalen Ebene der alten und neuen Bundesländer. Ergebnisse zu den Verbundenheiten mit Deutschland im Ganzen sowie der Europäischen Union finden sich in Kapitel B.Google Scholar
  2. 2.
    Zu Fragenkonstruktion und theoretischem Hintergrund vgl. Kapitel B.Google Scholar
  3. 3.
    Die Korrelation zwischen der Verbundenheit mit dem eigenen Teil Deutschlands und Deutschland im ganzen war in den neuen Ländern 1992 mit einem Spearmans rho von.33 noch etwas geringer als 1997. In den alten Ländern hingen 1992 die Bindungen an beide Kollektive mit.62 etwas stärker zusammen als 1997. Die Struktur subnationaler und nationaler Identitäten scheint sich also 1997 zwischen Ost und West angeglichen zu haben.Google Scholar
  4. 4.
    Zur Bildung der Typologie wurden die einzelnen Items zur Erfassung der Verbundenheiten dichotomisiert. Diejenigen Befragten, die bei einer Ebene „wenig“ oder „gar nicht verbunden” angegeben haben, wurden als nicht verbunden mit dieser Ebene betrachtet. Diejenigen Befragten, die bei einer Ebene „ziemlich“ oder „stark verbunden” angegeben haben, wurden als verbunden mit dieser Ebene betrachtet.Google Scholar
  5. 5.
    Gerade bei diesen Fragen könnte die Untergruppe derjenigen Befragten, die nach 1989 ihren Wohnort von Ost nach West oder von West nach Ost verlegt haben, mit spezifischen Urteilen die Antwortverteilungen beeinflussen. Auch wenn diese Untergruppe sehr klein ist, haben wir die hier dargestellten Ergebnisse kontrolliert, indem wir diese Gruppe ausgeschlossen haben. Gezeigt hat sich dabei, daß die Verteilungen in den allermeisten Fällen um weniger als ein Prozent variieren. Aufgrund dessen haben wir diese Untergruppe sowohl hier wie auch in allen anderen Kapiteln in der Gesamtstichprobe belassen und nicht getrennt berücksichtigt.Google Scholar
  6. 6.
    Das Zusammenhangsmaß Pearsons r beträgt im Westen.17, im Osten.23.Google Scholar
  7. 7.
    Hier wurde das Zusammenhangsmaß Kendalls tau b verwendet (vgl. Anhang A.2).Google Scholar
  8. 8.
    Dies sind 63% bei den Abiturienten und 56% bei denen mit Mittlerer Reife.Google Scholar
  9. 9.
    Bei den Westdeutschen werden die Antwortvorgaben „Vor-und Nachteile halten sich etwa die Waage“ und „Keine Veränderung für persönliches Leben” von den einzelnen Erwerbsstatusgruppen jeweils von mehr als der Hälfte bis zu zwei Dritteln in Anspruch genommen, während bei den Ostdeutschen die Antwortanteile hier in der Regel deutlich unter 50% liegen.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2000

Authors and Affiliations

  • Corinna Kleinert
  • Winfried Krüger

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